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Die Garnisonkirche mit ihrem 88,4 m
hohen Turm und dem weltbekannten Glockenspiel war ein Wahrzeichen
und Symbol Potsdams.

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| Die
Garnisonkirche
Gemälde von G. Reindel |
Wenig bekannt ist, dass sie schon einen Vorgängerbau gehabt
hatte. Am 1. Januar 1722 wurde, fast auf der gleichen Stelle
des späteren Baues, eine schlichte Fachwerkkirche mit einem
eingeschossigen Turm auf dem Walmdach, eingeweiht. Der Turm
trug bereits ein 35stimmiges Glockenspiel des Amsterdamer Glockengießers
J. A. de Grave. Schon nach acht Jahren,
1730, musste die Kirche wegen Baufälligkeit abgerissen werden.
Aber der König beschloss, auf derselben Stelle ein neues, schöneres
Gotteshaus errichten zu
lassen. Auch einen hohen Turm nach holländischem Muster sollte
die Kirche bekommen. Das entschied sich aber erst während des
Baues, denn Friedrich Wilhelm I. hatte bei seinem
Aufenthalt in Holland die dortigen Kirchtürme bewundert und
wollte nun auch solche in seinen Landen haben. Der Turm der
Heiligengeistkirche sowie die Türme der Sophienkirche und der
Petrikirche in Berlin gehen auf diese Leidenschaft des Königs
für hohe Türme zurück.

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| Friedrich
Wilhelm I |
Nach den Wünschen Friedrich Wilhelm I. entwarf Philipp Gerlach
eine Querhausanlage mit kräftig gegliedertem Turm. Nach schwierigen
Arbeiten für neue tragfähige Fundamente wurde der Bau 1731 begonnen
und die Kirche - ohne Turm - am 17. August 1732 eingeweiht.
1735 wurde auch der Turm fertig. Die Inschrifttafel über dem
Hauptportal verkündete: >Friedrich Wilhelm, König in Preußen,
hat diesen Thurm nebst der Garnison-Kirche zur Ehre Gottes erbauen
lassen<. Anno 1735.
Im Turm wurde das Glockenspiel, um fünf Glocken vermehrt, wieder
aufgehängt. Das Spielwerk konnte mechanisch und mit der Hand
bedient werden. Im 18. Jahrhundert wurde zur vollen Stunde eine
geistliche Melodie und zur halben Stunde eine weltliche Melodie
gespielt.
Seit 1797, dem Regierungsantritt Friedrich Wilhelms III., erklang
zur vollen Stunde >Lobe den Herrn< und zur halben Stunde
>Üb' immer Treu und Redlichkeit< nach der Mozartschen
Papageno-Melodie aus der Zauberflöte und dem Höltyschen Text.
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| Das
Geläut |
Ein schwingendes Glockengeläut besaß die Kirche in den ersten
zweihundert Jahren ihres Bestehens nicht. Man behalf sich mit
einer Vorrichtung zum Anschlagen der stehenden Glocken, was
nur einen sehr dünnen Ton gab. Erst 1938 begann man mit Vorarbeiten
für ein eigenes Geläut. Da reichlich Spenden eingingen,
konnte man schon im Oktober d.j. bei Schilling in Apolda an
den Guß der vier Glocken gehen. Am 21. Mai 1939 wurde das neue
Geläut dann feierlich eingeweiht.

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| Im
Inneren |
Das Innere der Kirche war ursprünglich einfach und schmucklos
gehalten, bis auf den reich verzierten Kanzelaufbau, hinter
dem die Gruft verborgen war. Der Entwurf für die prachtvolle
Anlage stammte von dem Architekten Feldmann und wurde von den
Bildhauern Koch und Glume von 1735 bis 1737 ausgeführt.
Die Kirche besaß eine hervorragende Orgel von Joachim Wagner,auf
der auch Johann Sebastian Bach bei seinem Besuch in Potsdam
am 8. Mai 1747 gespielt hat.
Von 1910 bis 1945 war Professor Otto Becker Organist, der von
der Berliner Garnisonkirche hierher kam. Ihm oblag auch die
Bedienung des Glockenspiels. Becker hat in seiner fünfunddreißigjährigen
Amtszeit über 2000 Glockenkonzerte gegeben.
Bei dem Umbau des Kircheninneren im Jahre 1898 wurden die einfachen
Emporen mit aufwendigem Schmuck versehen, die Bronzegitter angebracht,
die den Altarraum nach den Seiten hin abschlossen, und viele
andere Neuerungen vorgenommen. Dabei wurde auch die Wagnersche
Orgel durch Sauer der Zeit entsprechend modernisiert und von
25 Registern auf 46 Register vergrößert. Im Jahre 1910 stiftete
der Kaiser einen prächtigen neuen Altartisch.

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| Die
Gruft |
Friedrich Wilhelm I. wollte in der Gruft der
Garnisonkirche ruhen und hatte schon bei Lebzeiten die Särge
für sich und die Königin bestellt. Am 4. Juni 1740 wurde er
in der Gruft beigesetzt. Die Königin Sophie Dorothee wurde
1757 nach ihrem Tode nicht in Potsdam, sondern im Berliner
Dom bestattet.
Die Stelle neben Friedrich Wilhelm I. blieb leer, bis am 18.
August 1786 Friedrich der Große neben seinem Vater die letzte
Ruhe fand.

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| Napoleon
am Sarg des Preußenkönig |
In der Gruft schlossen am 5. November 1805 Zar
Alexander von Russland und König Friedrich Wilhelm III. von
Preußen ihren Freundschaftsbund.
Ein Jahr später, am 25. Oktober 1806, stand Napoleon I. am Sarge
des Preußenkönigs.
Die Sarkophage mit den sterblichen Überresten der beiden Könige
wurden gegen Kriegsende in Sicherheit gebracht und befanden
sich bis 1991 in der evangelischen Kapelle der Burg Hohenzollern-Hechingen.
Am 17.August 1991 wurden die Särge wieder nach Potsdam übergeführt.
Der Sarg Friedrich Wilhelm I. fand seinen Platz im Mausoleum
neben der Friedenskirche und der Sarg mit den Überresten Friedrich
des Großen wurde in Erfüllung seines Testamentes in seiner
Gruft neben dem Schloss Sanssouci zur letzten Ruhe bestattet.
Friedrich II. hatte diese Gruft zu seinen Lebzeiten bauen lassen
und in seinem Testament bestimmt, dass er in ihr bestattet werden
sollte. Dieser Platz neben seinen Hunden im Bereich der östlichen
Stirnseite des Schlosses Sanssouci wurde aber nach seinem Tode
als für einen >König unwürdig< betrachtet und deshalb
wurde sein Sarkophag neben seinem Vater aufgestellt. Prinz Louis
Ferdinand von Preußen ist die Testamentserfüllung nach 205 Jahren
zu verdanken.

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| Hitler
- Hindenburg |

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| Ansprache
in der Garnisonkirche |
Das bis heute nachwirkende Ereignis in der Garnisonkirche war
jedoch die Eröffnung des Reichstages am 21. März 1933. Ursprünglich
war nur daran gedacht, die erste Sitzung des Reichstages des
neuen nationalsozialistischen Staates irgendwo in Potsdam zu
eröffnen. Magistratsrat Dr. Bestehorn, der einen dafür geeigneten
Ort ausfindig machen sollte, schlug die Garnisonkirche vor.
Die Zustimmungen des Kirchenältesten, des Pfarrers sowie der
städtischen Instanzen wurden eingeholt. Der Vorschlag fand die
Billigung der Reichsregierung. Bei der folgenden Ortsbesichtigung
kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen Bestehorn und dem
Oberkirchenrat unter Leitung des Generalsuperintendenten der
Kurmark, Dr.Dibelius, der es aus religiösen Gründen ablehnte,
die Kirche für eine politische Veranstaltung zur Verfügung zu
stellen.
Nach längerem Hin und Her wurde dann vereinbart, dass in der
Kirche nur der Festakt der Eröffnung des Reichstages und die
eigentliche Sitzung im Langen Stall stattfindet. Schließlich
erwies sich der Lange Stall als nicht geeignet, und die Reichstagssitzung
fand in der Krolloper in Berlin statt.
(Nach: Dr. Friedrich Bestehorn, Der »Tag von Potsdam« und
seine Vorgeschichte. In Mitteilungen d. Vereins f . d. Geschichte
Potsdams, Neue Folge, Band VII, Heft 4. )
Allgemein war man bisher des Glaubens,
daß die Garnisonkirche beim Luftangriff vom 14. April 1945
von Bomben getroffen wurde. Nun wird in mehreren übereinstimmenden
Augenzeugenberichten gesagt, daß nicht Bomben, sondern die
im benachbarten Langen Stall gelagerte und explodierende Munition
erst das hohe Kirchendach in Brand gesetzt und von dort auf
den Turm übergegriffen habe. Kirche und Turm brannten aus
und die Läuteglocken wie das Glockenspiel wurden dabei vernichtet.

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| Nach
der Sprengung vom 19. Juni 1968 |
Zum Glück waren die Sarkophage der beiden Könige schon im März
1943 in Sicherheit gebracht worden. Die
Kirchenruine stand noch lange, bis man 1968 im Zuge der Verbreiterung
der Breiten Straße an die Beseitigung der Garnisonkirche ging.
Beginnend am 14. Mai 1968, wurden bis zum 14. August des Jahres,
als man das Fundament sprengte, insgesamt 15 Sprengungen durchgeführt.
Am spektakulärsten war wohl die 12., die Sprengung des Turmes
am 19. Juni 1968, deren Ergebnis das Foto zeigt. Am 23. Juni
1968 wurde der noch verbliebene Rest des Turmes gesprengt.
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dwh Potsdam - Versandhausgründer
Werner Otto haben es Türme angetan. Die Kirche in seinem Geburtsort
Seelow erhielt dank seiner Millionen-Spende 1997 einen neuen
Turm, vom Belvedere auf dem Pfingstberg in Potsdam können
Besucher der Buga im kommenden Jahr wieder die Kulturlandschaft
genießen. Otto spendete für die Restaurierung des Bauwerkes
viereinhalb Millionen Mark.
Und nun die Garnisonkirche. «Da ich sehr dafür bin, traditionelle
Werte zu bewahren und zu unterstützen, dürfen sie drei Millionen
DM aus meiner Privatschatulle für den Wiederaufbau der Potsdamer
Garnisonkirche einkalkulieren und zu gegebener Zeit
bei mir abrufen», schrieb der Unternehmensgründer an Max Klaar.
Werner Otto, Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrates des von
ihm aufgebauten Versandhausimperiums, wurde am 13. August
1909 als Sohn eines Lebensmittelhändlers geboren.
© Berliner Morgenpost 2000
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