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Die Rundbriefe der Traditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel
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Berichte aus der Presse Die wechselhafte Geschichte der Garnisonkirche in Potsdam Die Einweihung des Glockenspiels in Iserlohn Über den Turm der Garnisonkirche. Informationen über das Glockenspiel der Garnisonkirche DieTraditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel Melodien des Potsdamer Glockenspiels als MP3 Datei zum Downloaden

 


Die Geschichte eines Kunstwerkes

1. Januar 1722 - Errichtung des Vorgängerbaus auf der Plantage.

14. April 1734 - Grundsteinlegung auf Befehl von Friedrich Wilhelm I., Architekt der Querhausanlage mit dem gegliederten 88,4 Meter hohen Turm an der Südseite ist Philipp Gerlach (1679-1748). 1735 Fertigstellung des Turmbauwerkes.

1740 - Beisetzung des Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I. in der Gruft.

8. Mai 1747 - Johann Sebastian Bach spielt vor Friedrich II. an der Wagner-Orgel.

1786 - Beisetzung Friedrich des Großen in der Gruft.

5. November 1805 - Friedrich Wilhelm III. und Königin Luise treffen in der Garnisonkirche auf Zar Alexander I. von Russland.

Oktober 1806 - Napoleon besucht die Königsgruft.


21. März 1933 - «Tag von Potsdam». Der Händedruck von Hilter und Reichspräsident Hindenburg
vor der Eröffnung des Anfang März 1933 gewählten Reichstages in der Kirche
symbolisiert den Schulterschluss zwischen Nazis und Konservativen.


März 1943 - Abtransport der beiden Särge des Soldatenkönigs und Friedrichs des Großen in ein bombensicheres Salzbergwerk.

14. April 1945 - Bombardierung Potsdams. Das Kirchenschiff und der Turm brennen aus.


50er Jahre - Kirchenbaurat Winfried Wendland baute in den Turmschaft eine Kapelle für die Heilig-Kreuz-Gemeinde ein.

Juni 1967 - SED-Chef Walter Ulbricht besucht Potsdam und die Ruine der Garnisonkirche.

April 1968 - Mit drei Gegenstimmen beschließen die Stadtverordneten den Abriss der Garnisonkirche.

2. Mai - Die Heilig-Kreuz-Gemeinde nimmt mit einer letzten Andacht von ihrer Kirche Abschied.

Juni 1968 - Nach mehreren Sprengversuchen versinkt das Wahrzeichen. Auf dem Grundstück entsteht in den Folgejahren das Rechenzentrum.


24. Oktober 1990 - Die Mehrheit der Stadtverordneten spricht sich für die
Wiederannäherung an das historische Stadtbild und den Wiederaufbau markanter Bauten, wie der Garnisonkirche, aus.
«Der mögliche Wiederaufbau der Kirche wird in einer wirtschaftlich gesicherten Zukunft unserer Stadt seinen Platz finden, er wird nicht die Rettung der erhaltenen Originalbauten
beeinträchtigen - eher fördern.»


August 2000 - Mit einer Millionenspende des Unternehmers Werner Otto kommt der Wiederaufbau des Turmes der Garnisonkirche in den Bereich des Möglichen

© Berliner Morgenpost 2000

Zur Geschichte der Garnisonkirche


Die Garnisonkirche mit ihrem 88,4 m hohen Turm und dem weltbekannten Glockenspiel war ein Wahrzeichen und Symbol Potsdams.

Die Garnisonkirche - Gemälde von G. Reindel

Die Garnisonkirche
Gemälde von G. Reindel

Wenig bekannt ist, dass sie schon einen Vorgängerbau gehabt hatte. Am 1. Januar 1722 wurde, fast auf der gleichen Stelle des späteren Baues, eine schlichte Fachwerkkirche mit einem eingeschossigen Turm auf dem Walmdach, eingeweiht. Der Turm trug bereits ein 35stimmiges Glockenspiel des Amsterdamer Glockengießers J. A. de Grave.

Schon nach acht Jahren, 1730, musste die Kirche wegen Baufälligkeit abgerissen werden. Aber der König beschloss, auf derselben Stelle ein neues, schöneres Gotteshaus errichten zu
lassen. Auch einen hohen Turm nach holländischem Muster sollte die Kirche bekommen. Das entschied sich aber erst während des Baues, denn Friedrich Wilhelm I. hatte bei seinem
Aufenthalt in Holland die dortigen Kirchtürme bewundert und wollte nun auch solche in seinen Landen haben. Der Turm der Heiligengeistkirche sowie die Türme der Sophienkirche und der Petrikirche in Berlin gehen auf diese Leidenschaft des Königs für hohe Türme zurück.

Friedrich Wilhelm I

Friedrich Wilhelm I

Nach den Wünschen Friedrich Wilhelm I. entwarf Philipp Gerlach eine Querhausanlage mit kräftig gegliedertem Turm. Nach schwierigen Arbeiten für neue tragfähige Fundamente wurde der Bau 1731 begonnen und die Kirche - ohne Turm - am 17. August 1732 eingeweiht. 1735 wurde auch der Turm fertig. Die Inschrifttafel über dem Hauptportal verkündete: >Friedrich Wilhelm, König in Preußen, hat diesen Thurm nebst der Garnison-Kirche zur Ehre Gottes erbauen lassen<. Anno 1735.

Im Turm wurde das Glockenspiel, um fünf Glocken vermehrt, wieder aufgehängt. Das Spielwerk konnte mechanisch und mit der Hand bedient werden. Im 18. Jahrhundert wurde zur vollen Stunde eine geistliche Melodie und zur halben Stunde eine weltliche Melodie gespielt.

Seit 1797, dem Regierungsantritt Friedrich Wilhelms III., erklang zur vollen Stunde >Lobe den Herrn< und zur halben Stunde >Üb' immer Treu und Redlichkeit< nach der Mozartschen
Papageno-Melodie aus der Zauberflöte und dem Höltyschen Text.

Das Geläut

Das Geläut

Ein schwingendes Glockengeläut besaß die Kirche in den ersten zweihundert Jahren ihres Bestehens nicht. Man behalf sich mit einer Vorrichtung zum Anschlagen der stehenden Glocken, was nur einen sehr dünnen Ton gab. Erst 1938 begann man mit Vorarbeiten für ein eigenes Geläut.  Da reichlich Spenden eingingen, konnte man schon im Oktober d.j. bei Schilling in Apolda an den Guß der vier Glocken gehen. Am 21. Mai 1939 wurde das neue Geläut dann feierlich eingeweiht.

Im Inneren

Im Inneren

Das Innere der Kirche war ursprünglich einfach und schmucklos gehalten, bis auf den reich verzierten Kanzelaufbau, hinter dem die Gruft verborgen war. Der Entwurf für die prachtvolle
Anlage stammte von dem Architekten Feldmann und wurde von den Bildhauern Koch und Glume von 1735 bis 1737 ausgeführt.

Die Kirche besaß eine hervorragende Orgel von Joachim Wagner,auf der auch Johann Sebastian Bach bei seinem Besuch in Potsdam am 8. Mai 1747 gespielt hat.

Von 1910 bis 1945 war Professor Otto Becker Organist, der von der Berliner Garnisonkirche hierher kam. Ihm oblag auch die Bedienung des Glockenspiels. Becker hat in seiner fünfunddreißigjährigen Amtszeit über 2000 Glockenkonzerte gegeben.

Bei dem Umbau des Kircheninneren im Jahre 1898 wurden die einfachen Emporen mit aufwendigem Schmuck versehen, die Bronzegitter angebracht, die den Altarraum nach den Seiten hin abschlossen, und viele andere Neuerungen vorgenommen. Dabei wurde auch die Wagnersche Orgel durch Sauer der Zeit entsprechend modernisiert und von 25 Registern auf 46 Register vergrößert. Im Jahre 1910 stiftete der Kaiser einen prächtigen neuen Altartisch.
      

Die Gruft

Die Gruft

Friedrich Wilhelm I. wollte in der Gruft der Garnisonkirche ruhen und hatte schon bei Lebzeiten die Särge für sich und die Königin bestellt. Am 4. Juni 1740 wurde er in der Gruft beigesetzt. Die Königin Sophie Dorothee wurde 1757 nach ihrem Tode nicht in Potsdam, sondern im Berliner Dom bestattet.
Die Stelle neben Friedrich Wilhelm I. blieb leer, bis am 18. August 1786 Friedrich der Große neben seinem Vater die letzte Ruhe fand.

Napoleon am Sarg des Preußenkönig

Napoleon am Sarg des Preußenkönig

In der Gruft schlossen am 5. November 1805 Zar Alexander von Russland und König Friedrich Wilhelm III. von Preußen ihren Freundschaftsbund.
Ein Jahr später, am 25. Oktober 1806, stand Napoleon I. am Sarge des Preußenkönigs.

Die Garnisonkirche - Farbaufnahme Die Sarkophage mit den sterblichen Überresten der beiden Könige wurden gegen Kriegsende in Sicherheit gebracht  und befanden sich bis 1991 in der evangelischen Kapelle der Burg Hohenzollern-Hechingen.  Am 17.August 1991 wurden die Särge wieder nach Potsdam übergeführt. Der Sarg Friedrich Wilhelm I. fand seinen Platz im Mausoleum neben der Friedenskirche und der Sarg mit den Überresten Friedrich des Großen wurde in  Erfüllung seines Testamentes in seiner Gruft neben dem Schloss Sanssouci zur letzten Ruhe bestattet. Friedrich II. hatte diese Gruft zu seinen Lebzeiten bauen lassen und in seinem Testament bestimmt, dass er in ihr bestattet werden sollte. Dieser Platz neben seinen Hunden im Bereich der östlichen Stirnseite des Schlosses Sanssouci wurde aber nach seinem Tode als für einen >König unwürdig< betrachtet und deshalb wurde sein Sarkophag neben seinem Vater aufgestellt. Prinz Louis Ferdinand von Preußen ist die Testamentserfüllung nach 205 Jahren zu verdanken.

Hitler und Hindenburg am "Tag von Potsdam"

Hitler - Hindenburg

Ansprache in der Garnisonkirche

Ansprache in der Garnisonkirche

Das bis heute nachwirkende Ereignis in der Garnisonkirche war jedoch die Eröffnung des Reichstages am 21. März 1933. Ursprünglich war nur daran gedacht, die erste Sitzung des Reichstages des neuen nationalsozialistischen Staates irgendwo in Potsdam zu eröffnen. Magistratsrat Dr. Bestehorn, der einen dafür geeigneten Ort ausfindig machen sollte, schlug die Garnisonkirche vor. Die Zustimmungen des Kirchenältesten, des Pfarrers sowie der städtischen Instanzen wurden eingeholt. Der Vorschlag fand die Billigung der Reichsregierung. Bei der folgenden Ortsbesichtigung kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen Bestehorn und dem Oberkirchenrat unter Leitung des Generalsuperintendenten der Kurmark, Dr.Dibelius, der es aus religiösen Gründen ablehnte, die Kirche für eine politische Veranstaltung zur Verfügung zu stellen.
Nach längerem Hin und Her wurde dann vereinbart, dass in der Kirche nur der Festakt der Eröffnung des Reichstages und die eigentliche Sitzung im Langen Stall stattfindet. Schließlich erwies sich der Lange Stall als nicht geeignet, und die Reichstagssitzung fand in der Krolloper in Berlin statt.

  (Nach: Dr. Friedrich Bestehorn, Der »Tag von Potsdam« und seine Vorgeschichte. In Mitteilungen d. Vereins f . d. Geschichte Potsdams, Neue Folge, Band VII, Heft 4. )

Allgemein war man bisher des Glaubens, daß die Garnisonkirche beim Luftangriff vom 14. April 1945 von Bomben getroffen wurde. Nun wird in mehreren übereinstimmenden Augenzeugenberichten gesagt, daß nicht Bomben, sondern die im benachbarten Langen Stall gelagerte und explodierende Munition erst das hohe Kirchendach in Brand gesetzt und von dort auf den Turm übergegriffen habe. Kirche und Turm brannten aus und die Läuteglocken wie das Glockenspiel wurden dabei vernichtet.

Die Garnisonkirche nach der Sprengung vom 19. Juni 1968

Nach der Sprengung vom 19. Juni 1968

Zum Glück waren die Sarkophage der beiden Könige schon im März 1943 in Sicherheit gebracht worden.

Die Kirchenruine stand noch lange, bis man 1968 im Zuge der Verbreiterung der Breiten Straße an die Beseitigung der Garnisonkirche ging. Beginnend am 14. Mai 1968, wurden bis zum 14. August des Jahres, als man das Fundament sprengte, insgesamt 15 Sprengungen durchgeführt.

Am spektakulärsten war wohl die 12., die Sprengung des Turmes am 19. Juni 1968, deren Ergebnis das Foto zeigt. Am 23. Juni 1968 wurde der noch verbliebene Rest des Turmes gesprengt.

                       

©2000 copyright Immo Klemund. Alle Rechte vorbehalten. Mit freundlicher Genehmigung


 

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Nach der Wiedervereinigung Deutschlands beschloß die Potsdamer Stadtverordnetenversammlung im Oktober
1990:
             
"W I LL E N S E R K L Ä R U N G"

Der Beschluß der Stadtverordnetenversammlung von 1968, der zur Sprengung der Garnisonkirche führte, war ein Akt kultureller Barbarei.  Damit ging der Stadt Potsdam eine architektonische  Meisterleistung von europäischem Rang verloren.
Wir, die frei gewählte Stadtverordnetenversammlung, verurteilen diese politisch motivierte Tat, die stellvertretend für eine Vielzahl von Abrissen genannt  wird.
Mit Freude und Dankbarkeit nehmen wir die Initiative der "Traditionsgemeinschaft PotsdammerGlockenspiel e.V." zugunsten der Garnisonkirche zur Kenntnis, die dem Bedürfnis, die  alte Schönheit der Stadt Potsdam wiederherzustellen, entspricht.  Diese Bemühungen müssen sich in eine städtebauliche Gesamtkonzeption einordnen.

Der mögliche Wiederaufbau der Garnisonkirche  wird in einer wirtschaftlich gesicherten Zukunft unserer Stadt seinen Platz finden; er wird nicht die Rettung der zu erhaltenden Originalbauten beeinträchtigen - eher fördern."
   

dwh Potsdam - Versandhausgründer Werner Otto haben es Türme angetan. Die Kirche in seinem Geburtsort Seelow erhielt dank seiner Millionen-Spende 1997 einen neuen Turm, vom Belvedere auf dem Pfingstberg in Potsdam können Besucher der Buga im kommenden Jahr wieder die Kulturlandschaft genießen. Otto spendete für die Restaurierung des Bauwerkes viereinhalb Millionen Mark.

Und nun die Garnisonkirche. «Da ich sehr dafür bin, traditionelle Werte zu bewahren und zu unterstützen, dürfen sie drei Millionen DM aus meiner Privatschatulle für den Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonkirche einkalkulieren und zu gegebener Zeit
bei mir abrufen», schrieb der Unternehmensgründer an Max Klaar.

Werner Otto, Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrates des von ihm aufgebauten Versandhausimperiums, wurde am 13. August 1909 als Sohn eines Lebensmittelhändlers geboren.

© Berliner Morgenpost 2000Nach Oben