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Die Rundbriefe der Traditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel
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Berichte aus der Presse Die wechselhafte Geschichte der Garnisonkirche in Potsdam Die Einweihung des Glockenspiels in Iserlohn Über den Turm der Garnisonkirche. Informationen über das Glockenspiel der Garnisonkirche DieTraditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel Melodien des Potsdamer Glockenspiels als MP3 Datei zum Downloaden

Rundbriefe
Stiftung Preussisches Kulturerbe
vorm. Traditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel
Gemälde der Garnisonkirche
Bonn im
Dezember 1995

 

Sehr verehrte Damen und Herren!

Weihnachten - schönstes Fest der Christenheit - steht vor der Tür, und wir machen uns Geschenke aus Freude über Jesu Geburt. Ich kann Ihnen gute Nachrichten bieten, die für uns alle ein Geschenk sind: Der Turm der Garnisonkirche wird in Potsdam nun mehrheitlich gewollt. Und das nötige Geld. für den Rohbau haben wir durch Ihrer aller Gaben schon beisammen.Lassen Sie mich der Reihe nach berichten.

1. Herr Kaminski der Beigeordnete für Stadtentwicklung, hatte unseren Verein gebeten, die Vermessung des Turmgrundstückes zu ordern und zu bezahlen. Das ist geschehen; wir übergaben das Ergebniss der Stadt. Potsdam vefügt nun über die nötigen Geländeangaben zur Bildung des Baugrundstückes.

2. Durch Vermittlung von Herrn Dr. Michael Schöne, (Investor für das Potsdamer Stadtschloss) erhielten wir eine Kalkulation zur Wiedererichtung des Turmes der Garnisonkirche. Danach kostet der „Steinerne Grenadier“ in seiner äußerlich historischen Form 2.8 Mio DM. Der Innenausbau kommt dann hinzu. Heute kam der Verein durch Ihre Gebefreude, sowie durch eine Erbschaft und eine Großschenkung knapp 3 Mio DM aufbringen. Damit ist es nun aus materieller Sicht realistisch, dass Potsdam ein Teilstück seines alten Gesichtes wiedererhält.Ich erklärte gegenüber den Stadtverordneten den zuständigen Beigeordneten und dem Oberbürgermeister, dass unser Verein nichts beginnen wird, was er nicht auch zuende bringen kann. Das heißt. dass wir weitersammeln müssen, um auch den Innenausbau und die spätere Unterhaltung des Turmes sicher finanzieren zu können. Bei einem Kontostand von 5 Mio DM können wir den „ersten Spatenstich“ gewiss wagen. Sie werden es also erleben; es geschieht zu Ihrer Zeit. Dann kann „Üb’ immer Treu’ und Redlichkeit wieder wie einst aus großer
Höhe über das Havefland schallen.Von ganzem Herzen bitte ich Sie also, uns auch künftig mit Ihren Spenden weiterzuhelfen. Kamen wir gemeinsam so weit, schaffen wir den „Rest“ mit Gottes gütiger Führung und Fügung auch noch.

3. Im Sommer nahmen wir das Gespräch mit Vertretern der ev.luth. Kirche in Potsdam auf Wir trugen den Sachstand vor und erklärten, dass wir die Kapelle im Turm wieder so herstellen wollten, wie sie nach dem Krieg dort eingerichtet worden war. Gleichzeitig erbaten wir Aufklärung darüber, ob die ev. luth. Kirche bereit wäre, Gottesdienste und auf Wunsch Amtshandlungen vorzunehmen. Darauf erhielten wir positive Antwort, allerdings müsse sichergestellt werden dass die Kirche keinerlei Unkosten haben würde. Dies sagten wir zu und richteten einen offiziellen Antrag an den Bischof von Berlin Brandenburg. Dessen Antwort steht noch aus.

4. Vor vier Wochen berichtete ich Herrn Oberbürgermeister Dr. Gramlich schriftlich über die günstige Entwicklung und bat darum, uns die weiteren Absichten der, Stadt wissen zu lassen.

Herr Dr. Gramlich teilte am 20. November 1995 mit, dass er sich an die Fa. ALLDATA (die uns das Grundstück kostenlos zur Verfügung stellt) gewandt habe, um deren Bereitschaft zu verbindlichen Erklärungen zu erfragen. Desweiteren würden nun von der Stadt die Baurechtsfragen geprüft. Ebenso wies er darauf hin, dass Potsdam beabsichtige, die alte Breite Straße wieder zurückzubauen. Das hat sicherlich auch Einfluss auf den Baubeginn für den Turm.

Ich verabredete deshalb am 27. November 1995 mit dem Bevollmächtigten der ALLDATA, dass wir noch im Dezember 1995 das weitere Vorgehen gemeinsam abstimmen werden. Die ALLDATA wird das Kirchengelände freiräumen und baldmöglichst die eigenen Bauabsichten verwirklichen. Davon hatte ich Ihnen in einem anderen Rundbrief schon berichtet.

5. Am 18. November 1995 hat die SPD auf dem Potsdamer Parteitag u.a. beschlossen: „Potsdams historischer Kernbereich soll mit dem Alten Markt (Standort des ehemaligen Stadtschlosses und dem ehemaligen Palai Barbbarini), dem ehemaligen Lustgarten der ehemaligen Schloßfreiheit (heute Breite Straße bis Dortustraße) in seinen historischen Grundzügen, die Nikolai-Kirche, das Alte Rathaus und der Marstall ergänzend wieder hergestellt werden............. Vorstellungen zur ‚Wiedergewinnung des Potsdamer Stadtschlosses sind sorgfältig zu prüfen. Bei gesichertem Nutzungs- und Finanzierungskonzept werden wir entsprechende Planungen unterstützen. Gleiches gilt auch für den Turm der Garnisonkirche. Unsere Absicht ist dabei auf eine inhaltlich bestimmte Wiederbelebung des historischen Kernbereichs Potsdams als Ganzes gerichtet.

Dadurch erhielt Herr OB Dr. Gramlich (SPD) auch die nötige Rückendeckung seiner eigenen Partei. Herr Scholl, Abgeordneter der SVV, teilte mir mit dass sich nun auch Ministerpräsident Stolpe öffentlich für die Wiedergewinnung der Altstadt mit dem Stadtschloss ausgesprochen habe.


Na, wenn das kein Fortschritt ist!


Ausblick
Mit der jetzigen Lageentwicklung ist der Baubeginn in .greifbare Nähe gerückt. Wir. werden. den Gesamtbau des Turm, einschließlich der Innenausbaukosten genauestens prüfen lassen.
Wenn das nötige Geld (incl. Sicherheit 5 Mio DM aus heutiger Sicht) beisammen ist hinterlegen wir die Bausumme in Potsdam bei der Bayrischen Vereinsbank die gegenüber der Stadt bürgt, dass das Geld da ist und nur für den Bauzweck verwandt werden kann. Dadurch erhält die Stadtregierung die geforderte Sicherheit, dass keine „Bauruine“ übrig bleibt.
Über das Stiftungskonzept berichtete ich Ihnen im Rundbrief vom April 1995. Das verfolgen wir weiter, sobald Bau und Unterhaltung des Turmes gesichert sind.
Die 1990 von Herrn Dr. Gramlich genannten 20 Mio DM als Voraussetzung für die Baugenehmigung galten dem Gesamtneubau der Kirche. Jetzt will man zunächst den Turm was durchaus sinnvoll ist. Dafür brauchen wir. zum Baubeginn nun nur noch ein Viertel der ursprünglich geforderten Summe.
In diesem Sinn bitte ich Sie abermals herzlich um eine „Kraftanstrengung“ besonderer Art, damit wir möglichst bald Potsdam die 5 Mio DM vorweisen können.

Es fehlen nur noch 2 Mio DM.


Nehmen Sie an dieser Stelle erneut meinen aufrichtigen Dank für all Ihre so großzügige Mithilfe. Mir ist durchaus bewusst, dass wir diesen ehrenamtlichen Dienst für Potsdam nur leisten können, weil Sie sich immer wieder zu patriotischer Tat entschließen und schenken. Ich verneige mich tief vor Ihnen.


Leserecho


Im letzten Rundbrief berichtete ich Ihnen davon, dass ich aufgefordert worden war, das „Kirchliche“ nicht so zu betonen. Dies und meine Stellungnahme dazu löste ein reges Echo aus, und ich bedanke mich sehr bei allen Zusendern. Dabei gab es viel Zuspruch und auch Ablehnung.
Was geschah in Brandenburg-Preußen das wir im Rahmen der Traditionspflege heute mit Glockenspiel und Wiederaufbau des Turmes der Garnisonkirche in Erinnerung bringen wollen?
Voranstellen möchte ich, dass es bei unserem Tun ja nicht um Restauration geht. Ganz gewiss geht es auch nicht um kritiklose Glorifizierung eines Geschichtsabschnittes. Aber es ereigneten sich in diesem Teil Deutschlands unter Berufung auf Christus Dinge, die es Wert sind, heute darauf geprüft zu werden, ob sie zur Problemlösung beitragen können wenn wir den Aufbau eines freien, friedlichen Europas wirklich voran bringen wollen. Dazu gehörten u.a.:
• Gerechtigkeit Toleranz im Staatsaufbau (bestimmt nicht in heute so verstandener Idealform, aber immerhin beispielhaft in der damaligen europäischen Staatenwelt).
• tugendgebundene Staatsfahrung im Dienst für das Gemeinwohl (einschließlich der Fürsorge für die, die unverschuldet in Not geraten waren),

• Gerechtigieit gegen jedermann durch ebenso tugendgebundenes Beamtentum, das alle Bürger gleich zu behandeln hatte,- wirtschaftliche Gesundung des Staates durch sparsame Haushaltsführung,
• Patriotisches Handeln jenseits von Nationalismus, denn in diesem Staat lebten viele Nationalitäten,
• Entwicklung der Freiheit des Gewissens, die sich aus dem Bewustsein der Verantwortung vor Gott ergibt.

Und damit sei es genug, aber die Positiva können fortgesetzt werden.
Was für ein Europa wollen wir denn? Wie halten wir sie uns nur vom Leibe, die Diktaturen der Intoleranz und der „seligmachenden“ Ideologien, die Mafia, die anarchischen Wirrungen die Verschwender, die Landräuber und Vertreiber, die Vergewaltiger und Unterdrücker, die Enteigner?
Freiheit, wie wir sie heute verstehen und weiter entwickeln wollen ist keinesfalls auf ewig gesichert. Sie muß verteidigt werden, und die beste Verteidigung ist Werte vermittelnde Ausbildung. Was für Werte sind es denn, wenn sie nicht aus unser aller Verantwortung vor Gott entwickelt wurden? Wer nur an sich glaubt, springt zu kurz. Wir Menschen kamen an dem Punkt an, der uns in den Zustand versetzte, uns selbst auszulöschen. Das aber kann ja wohl nicht des Lebens Sinn sein, denn dan gäbe es ja kein Leben. Schauen wir uns das Leben an, dann verstehen wir auch die Schöpfung und erahnen den Schöpfer, der uns ein großartiges Angebot zur Partnerschaft machte.
„Mach dir die Erde untertan“, heißt es dabei. Untertan ist, wer gerne dient. Wer Untertanes (im Sinn von Nachgeordnetes) misshandelt.. bewirkt Aufruhr, Mord und Brand. Dient uns die Schöpfung ? Dienen die Geschöpfe einander?
Als „erster Diener des Staates“ oder „Amtmann Gottes auf Erden“ wird sich fühlen, wer in dieser Erkenntnis weit kam. Aber das geht nicht ohne Lehre, und hier wird die Missionsaufgabe deutlich. Es ist doch entlarvend, wenn die alten Ideologien und Verführer am lautesten schreien, wo dem Christus Gehör verschafft werden soll. Kirchen bauen, missionieren, erziehen. ausbilden ist eine ganzheitliche Aufgabe.

Da sagt einer: „Ne, lass man, mein Kind taufe ich nicht. Das soll sich eines Tages selbst entscheiden.“ Ja, wie soll es sich denn entscheiden, wenn es gar nichts weiß? Auswählen kann doch nur, wer beurteilen kann. Beurteilen kann ich nur, was ich kenne. So liegen doch die Dinge.Gott ist in Christus selbst auf die Welt gekommen. Er lebt vor und gibt Handlungsanweisung zu unserer Erlösung. Wo an ihn geglaubt, da stehen Lahme auf und gehen, Blinde sehen, Taube hören, selbst Tote weckt er auf. Der Gott, der Himmel und Erde gemacht hat der kann das. Ihm ist nichts unmöglich.
Es ist Geschehen und bezeugt. Durch sein Tun gibt uns der Herr aber auch Maß und Ziel. Daraus folgt wiederum der Ruf, es weiter zu sagen. Womit wir wieder bei der Miission wären.
„Das kann ich nicht glauben!“ sagt da wieder einer. Ja, woran kannst Du denn glauben? An eigene Vollkommenheit, an das goldene Kalb, an Zugfähigkeit des Makro- wie des Nanokosmos? Wer so glaubt, der zwingt, drangsalieren löscht aus, sperrt ein, verbietet auch und führt Angriffskriege-, wenn er die Macht hat und behalten will.
Wir brauchen heute die Freiheit. und die Freiheit braucht die Gebundenheit der Führenden; das geht in der Familie los und gilt bis in die Staatslenkung. Darum geht es. wenn wir in der Traditionspflege Anleihe da nehmen, wo es gewirkt hat.
Wenn wir erkennen, was wir sollen und es dann freiwillig wollen und auch tun, dann erreichen wir Menschen das Maß an Freiheit, was uns auf Erden möglich ist.
Es hegt durch Christi Kommen ein unglaublich großartiges Angebot auf dem Tisch. Der Herr, der freie Wesen schuf (und sie als Freie will), bietet an, dass wir uns in freiem Glauben für ihn entscheiden. Wenn wir ihm die Tür nicht aufmachen, wie soll er zu uns kommen können?
Ich wünsche uns, dass alle Welt wieder von dem Christus erfährt. Ich wünsche uns, dass die Verantwortlichen in Staat und Gesellschaft aus dieser Erfahrung heraus die Schranken ihres Tuns sehen und entsprechend handeln. Ich wünsche uns, dass wir wieder von der Verkündigung der Frohen Botschaft beseelt sind und uns Volkskirche gelingt.
Solche „Nachfolger“ brauchen wir beim Neuanfang.
„Wach auf, wach auf, du deutsches Land, du hast genug geschlafen.......
Johann Walter dichtete dieses Kirchenhed 1561. Vieles davon gilt auch heute.
In diesem Sinn wünsche ich Ihnen allen eine recht Frohe Weihnacht. Ihre Mithüfe war mir stets ein Dankgebet wert. Geb’s Gott, dass aus unserem weiteren Gemeinsamen Tun Gutes erwächst für unser Deutsches Vaterland.

Uns begleitet dazuweiterhin

Gib, dass ich tu’ mit Fleiß, was mir zu tun gebühret; wozu mich Dein Befehl in meinem Stande führet.
Gib, dass ich’s tue bald, zu der Zeit da ich’s soll
und wenn ich’s tu’, so gib, daß es gerate wohl!

Gott befohlen für heute; ich grüße Sie in preußischer Verbundenheit und bleibe stets Ihr ergebener

Max KlaarOberstleutnant a.D. / d.R

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