Sehr verehrte Damen und Herren!
Weihnachten - schönstes Fest der Christenheit - steht
vor der Tür, und wir machen uns Geschenke aus Freude
über Jesu Geburt. Ich kann Ihnen gute Nachrichten bieten,
die für uns alle ein Geschenk sind: Der Turm der Garnisonkirche
wird in Potsdam nun mehrheitlich gewollt. Und das nötige
Geld. für den Rohbau haben wir durch Ihrer aller Gaben
schon beisammen.Lassen Sie mich der Reihe nach berichten.
1. Herr Kaminski der Beigeordnete für Stadtentwicklung,
hatte unseren Verein gebeten, die Vermessung des Turmgrundstückes
zu ordern und zu bezahlen. Das ist geschehen; wir übergaben
das Ergebniss der Stadt. Potsdam vefügt nun über
die nötigen Geländeangaben zur Bildung des Baugrundstückes.
2. Durch Vermittlung von Herrn Dr. Michael Schöne,
(Investor für das Potsdamer Stadtschloss) erhielten
wir eine Kalkulation zur Wiedererichtung des Turmes der
Garnisonkirche. Danach kostet der „Steinerne Grenadier“
in seiner äußerlich historischen Form 2.8 Mio
DM. Der Innenausbau kommt dann hinzu. Heute kam der Verein
durch Ihre Gebefreude, sowie durch eine Erbschaft und eine
Großschenkung knapp 3 Mio DM aufbringen. Damit ist
es nun aus materieller Sicht realistisch, dass Potsdam ein
Teilstück seines alten Gesichtes wiedererhält.Ich
erklärte gegenüber den Stadtverordneten den zuständigen
Beigeordneten und dem Oberbürgermeister, dass unser
Verein nichts beginnen wird, was er nicht auch zuende bringen
kann. Das heißt. dass wir weitersammeln müssen,
um auch den Innenausbau und die spätere Unterhaltung
des Turmes sicher finanzieren zu können. Bei einem
Kontostand von 5 Mio DM können wir den „ersten
Spatenstich“ gewiss wagen. Sie werden es also erleben;
es geschieht zu Ihrer Zeit. Dann kann „Üb’
immer Treu’ und Redlichkeit wieder wie einst aus großer
Höhe über das Havefland schallen.Von ganzem Herzen
bitte ich Sie also, uns auch künftig mit Ihren Spenden
weiterzuhelfen. Kamen wir gemeinsam so weit, schaffen wir
den „Rest“ mit Gottes gütiger Führung
und Fügung auch noch.
3. Im Sommer nahmen wir das Gespräch mit Vertretern
der ev.luth. Kirche in Potsdam auf Wir trugen den Sachstand
vor und erklärten, dass wir die Kapelle im Turm wieder
so herstellen wollten, wie sie nach dem Krieg dort eingerichtet
worden war. Gleichzeitig erbaten wir Aufklärung darüber,
ob die ev. luth. Kirche bereit wäre, Gottesdienste
und auf Wunsch Amtshandlungen vorzunehmen. Darauf erhielten
wir positive Antwort, allerdings müsse sichergestellt
werden dass die Kirche keinerlei Unkosten haben würde.
Dies sagten wir zu und richteten einen offiziellen Antrag
an den Bischof von Berlin Brandenburg. Dessen Antwort steht
noch aus.
4. Vor vier Wochen berichtete ich Herrn Oberbürgermeister
Dr. Gramlich schriftlich über die günstige Entwicklung
und bat darum, uns die weiteren Absichten der, Stadt wissen
zu lassen.
Herr Dr. Gramlich teilte am 20. November 1995 mit, dass
er sich an die Fa. ALLDATA (die uns das Grundstück
kostenlos zur Verfügung stellt) gewandt habe, um deren
Bereitschaft zu verbindlichen Erklärungen zu erfragen.
Desweiteren würden nun von der Stadt die Baurechtsfragen
geprüft. Ebenso wies er darauf hin, dass Potsdam beabsichtige,
die alte Breite Straße wieder zurückzubauen.
Das hat sicherlich auch Einfluss auf den Baubeginn für
den Turm.
Ich verabredete deshalb am 27. November 1995 mit dem Bevollmächtigten
der ALLDATA, dass wir noch im Dezember 1995 das weitere
Vorgehen gemeinsam abstimmen werden. Die ALLDATA wird das
Kirchengelände freiräumen und baldmöglichst
die eigenen Bauabsichten verwirklichen. Davon hatte ich
Ihnen in einem anderen Rundbrief schon berichtet.
5. Am 18. November 1995 hat die SPD auf dem Potsdamer Parteitag
u.a. beschlossen: „Potsdams historischer Kernbereich
soll mit dem Alten Markt (Standort des ehemaligen Stadtschlosses
und dem ehemaligen Palai Barbbarini), dem ehemaligen Lustgarten
der ehemaligen Schloßfreiheit (heute Breite Straße
bis Dortustraße) in seinen historischen Grundzügen,
die Nikolai-Kirche, das Alte Rathaus und der Marstall ergänzend
wieder hergestellt werden............. Vorstellungen zur
‚Wiedergewinnung des Potsdamer Stadtschlosses sind
sorgfältig zu prüfen. Bei gesichertem Nutzungs-
und Finanzierungskonzept werden wir entsprechende Planungen
unterstützen. Gleiches gilt auch für den Turm
der Garnisonkirche. Unsere Absicht ist dabei auf eine inhaltlich
bestimmte Wiederbelebung des historischen Kernbereichs Potsdams
als Ganzes gerichtet.
Dadurch erhielt Herr OB Dr. Gramlich (SPD) auch die nötige
Rückendeckung seiner eigenen Partei. Herr Scholl, Abgeordneter
der SVV, teilte mir mit dass sich nun auch Ministerpräsident
Stolpe öffentlich für die Wiedergewinnung der
Altstadt mit dem Stadtschloss ausgesprochen habe.
Na, wenn das kein Fortschritt ist!
Ausblick
Mit der jetzigen Lageentwicklung ist der Baubeginn in .greifbare
Nähe gerückt. Wir. werden. den Gesamtbau des Turm,
einschließlich der Innenausbaukosten genauestens prüfen
lassen.
Wenn das nötige Geld (incl. Sicherheit 5 Mio DM aus
heutiger Sicht) beisammen ist hinterlegen wir die Bausumme
in Potsdam bei der Bayrischen Vereinsbank die gegenüber
der Stadt bürgt, dass das Geld da ist und nur für
den Bauzweck verwandt werden kann. Dadurch erhält die
Stadtregierung die geforderte Sicherheit, dass keine „Bauruine“
übrig bleibt.
Über das Stiftungskonzept berichtete ich Ihnen im Rundbrief
vom April 1995. Das verfolgen wir weiter, sobald Bau und
Unterhaltung des Turmes gesichert sind.
Die 1990 von Herrn Dr. Gramlich genannten 20 Mio DM als
Voraussetzung für die Baugenehmigung galten dem Gesamtneubau
der Kirche. Jetzt will man zunächst den Turm was durchaus
sinnvoll ist. Dafür brauchen wir. zum Baubeginn nun
nur noch ein Viertel der ursprünglich geforderten Summe.
In diesem Sinn bitte ich Sie abermals herzlich um eine „Kraftanstrengung“
besonderer Art, damit wir möglichst bald Potsdam die
5 Mio DM vorweisen können.
Es fehlen nur noch 2 Mio DM.
Nehmen Sie an dieser Stelle erneut meinen aufrichtigen Dank
für all Ihre so großzügige Mithilfe. Mir
ist durchaus bewusst, dass wir diesen ehrenamtlichen Dienst
für Potsdam nur leisten können, weil Sie sich
immer wieder zu patriotischer Tat entschließen und
schenken. Ich verneige mich tief vor Ihnen.
Leserecho
Im letzten Rundbrief berichtete ich Ihnen davon, dass ich
aufgefordert worden war, das „Kirchliche“ nicht
so zu betonen. Dies und meine Stellungnahme dazu löste
ein reges Echo aus, und ich bedanke mich sehr bei allen
Zusendern. Dabei gab es viel Zuspruch und auch Ablehnung.
Was geschah in Brandenburg-Preußen das wir im Rahmen
der Traditionspflege heute mit Glockenspiel und Wiederaufbau
des Turmes der Garnisonkirche in Erinnerung bringen wollen?
Voranstellen möchte ich, dass es bei unserem Tun ja
nicht um Restauration geht. Ganz gewiss geht es auch nicht
um kritiklose Glorifizierung eines Geschichtsabschnittes.
Aber es ereigneten sich in diesem Teil Deutschlands unter
Berufung auf Christus Dinge, die es Wert sind, heute darauf
geprüft zu werden, ob sie zur Problemlösung beitragen
können wenn wir den Aufbau eines freien, friedlichen
Europas wirklich voran bringen wollen. Dazu gehörten
u.a.:
• Gerechtigkeit Toleranz im Staatsaufbau (bestimmt
nicht in heute so verstandener Idealform, aber immerhin
beispielhaft in der damaligen europäischen Staatenwelt).
• tugendgebundene Staatsfahrung im Dienst für
das Gemeinwohl (einschließlich der Fürsorge für
die, die unverschuldet in Not geraten waren),
• Gerechtigieit gegen jedermann durch ebenso tugendgebundenes
Beamtentum, das alle Bürger gleich zu behandeln hatte,-
wirtschaftliche Gesundung des Staates durch sparsame Haushaltsführung,
• Patriotisches Handeln jenseits von Nationalismus,
denn in diesem Staat lebten viele Nationalitäten,
• Entwicklung der Freiheit des Gewissens, die sich
aus dem Bewustsein der Verantwortung vor Gott ergibt.
Und damit sei es genug, aber die Positiva können fortgesetzt
werden.
Was für ein Europa wollen wir denn? Wie halten wir
sie uns nur vom Leibe, die Diktaturen der Intoleranz und
der „seligmachenden“ Ideologien, die Mafia,
die anarchischen Wirrungen die Verschwender, die Landräuber
und Vertreiber, die Vergewaltiger und Unterdrücker,
die Enteigner?
Freiheit, wie wir sie heute verstehen und weiter entwickeln
wollen ist keinesfalls auf ewig gesichert. Sie muß
verteidigt werden, und die beste Verteidigung ist Werte
vermittelnde Ausbildung. Was für Werte sind es denn,
wenn sie nicht aus unser aller Verantwortung vor Gott entwickelt
wurden? Wer nur an sich glaubt, springt zu kurz. Wir Menschen
kamen an dem Punkt an, der uns in den Zustand versetzte,
uns selbst auszulöschen. Das aber kann ja wohl nicht
des Lebens Sinn sein, denn dan gäbe es ja kein Leben.
Schauen wir uns das Leben an, dann verstehen wir auch die
Schöpfung und erahnen den Schöpfer, der uns ein
großartiges Angebot zur Partnerschaft machte.
„Mach dir die Erde untertan“, heißt es
dabei. Untertan ist, wer gerne dient. Wer Untertanes (im
Sinn von Nachgeordnetes) misshandelt.. bewirkt Aufruhr,
Mord und Brand. Dient uns die Schöpfung ? Dienen die
Geschöpfe einander?
Als „erster Diener des Staates“ oder „Amtmann
Gottes auf Erden“ wird sich fühlen, wer in dieser
Erkenntnis weit kam. Aber das geht nicht ohne Lehre, und
hier wird die Missionsaufgabe deutlich. Es ist doch entlarvend,
wenn die alten Ideologien und Verführer am lautesten
schreien, wo dem Christus Gehör verschafft werden soll.
Kirchen bauen, missionieren, erziehen. ausbilden ist eine
ganzheitliche Aufgabe.
Da sagt einer: „Ne, lass man, mein Kind taufe ich
nicht. Das soll sich eines Tages selbst entscheiden.“
Ja, wie soll es sich denn entscheiden, wenn es gar nichts
weiß? Auswählen kann doch nur, wer beurteilen
kann. Beurteilen kann ich nur, was ich kenne. So liegen
doch die Dinge.Gott ist in Christus selbst auf die Welt
gekommen. Er lebt vor und gibt Handlungsanweisung zu unserer
Erlösung. Wo an ihn geglaubt, da stehen Lahme auf und
gehen, Blinde sehen, Taube hören, selbst Tote weckt
er auf. Der Gott, der Himmel und Erde gemacht hat der kann
das. Ihm ist nichts unmöglich.
Es ist Geschehen und bezeugt. Durch sein Tun gibt uns der
Herr aber auch Maß und Ziel. Daraus folgt wiederum
der Ruf, es weiter zu sagen. Womit wir wieder bei der Miission
wären.
„Das kann ich nicht glauben!“ sagt da wieder
einer. Ja, woran kannst Du denn glauben? An eigene Vollkommenheit,
an das goldene Kalb, an Zugfähigkeit des Makro- wie
des Nanokosmos? Wer so glaubt, der zwingt, drangsalieren
löscht aus, sperrt ein, verbietet auch und führt
Angriffskriege-, wenn er die Macht hat und behalten will.
Wir brauchen heute die Freiheit. und die Freiheit braucht
die Gebundenheit der Führenden; das geht in der Familie
los und gilt bis in die Staatslenkung. Darum geht es. wenn
wir in der Traditionspflege Anleihe da nehmen, wo es gewirkt
hat.
Wenn wir erkennen, was wir sollen und es dann freiwillig
wollen und auch tun, dann erreichen wir Menschen das Maß
an Freiheit, was uns auf Erden möglich ist.
Es hegt durch Christi Kommen ein unglaublich großartiges
Angebot auf dem Tisch. Der Herr, der freie Wesen schuf (und
sie als Freie will), bietet an, dass wir uns in freiem Glauben
für ihn entscheiden. Wenn wir ihm die Tür nicht
aufmachen, wie soll er zu uns kommen können?
Ich wünsche uns, dass alle Welt wieder von dem Christus
erfährt. Ich wünsche uns, dass die Verantwortlichen
in Staat und Gesellschaft aus dieser Erfahrung heraus die
Schranken ihres Tuns sehen und entsprechend handeln. Ich
wünsche uns, dass wir wieder von der Verkündigung
der Frohen Botschaft beseelt sind und uns Volkskirche gelingt.
Solche „Nachfolger“ brauchen wir beim Neuanfang.
„Wach auf, wach auf, du deutsches Land, du hast genug
geschlafen.......
Johann Walter dichtete dieses Kirchenhed 1561. Vieles davon
gilt auch heute.
In diesem Sinn wünsche ich Ihnen allen eine recht Frohe
Weihnacht. Ihre Mithüfe war mir stets ein Dankgebet
wert. Geb’s Gott, dass aus unserem weiteren Gemeinsamen
Tun Gutes erwächst für unser Deutsches Vaterland.
Uns begleitet dazuweiterhin
Gib, dass ich tu’ mit Fleiß, was mir zu tun
gebühret; wozu mich Dein Befehl in meinem Stande führet.
Gib, dass ich’s tue bald, zu der Zeit da ich’s
soll
und wenn ich’s tu’, so gib, daß es gerate
wohl!
Gott befohlen für heute; ich grüße Sie
in preußischer Verbundenheit und bleibe stets Ihr
ergebener
Max KlaarOberstleutnant a.D. / d.R
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