Meine sehr verehrten Damen und Herren!
Wieder ging's einen Schritt zum Wiederaufbau der Potsdamer
Garnisonkirche voran. Nach Aufstellung des Glockenspiels
in Potsdam, der Stiftungsgründung im Mai und der Übernahme
der Schirmherrschaft durch Innenminister Jörg Schönbohm
ist jetzt bei der ev. Kirche eine Beschlusslage da, "an
diesem Ort mit ihrer ureigensten Botschaft präsent
zu sein ...". Die ev. Kirche will den Wiederaufbau
des Garnisonkirchturmes aktiv begleiten und Verantwortung
für die inhaltliche Arbeit übernehmen. Ebenso
ist die kath. Kirche zur Übernehme theologischer Verantwortung
bereit.
Doch der Reihe nach:
1. Unser Schirmherr, Innenminister Jörg Schönbohm,
lässt Sie herzlich grüßen. Er freut sich
mit uns über den großen Zuwachs unseres Kirchbaukontos.
Hatten wir vor Jah-resfrist durch die hochherzige Bereitschaft
von Herrn Prof. Dr. h.c. Otto (OttoVersand) 7,7 Mio DM zusammen,
sind es heute über 10,2 Mio DM. Damit lässt sich
(bei Gesamtkosten von 20-22 Mio DM für den Turm) anfangen,
sobald die Stadt Potsdam die nötigen Voraussetzungen
geschaffen haben wird.
In dieser Summe ist eine Spende von zwei Mio DM enthalten,
die uns im Oktober zuging. Einem Ehepaar war dazu seine
bevorstehende Diamant-Hochzeit Anlass. Vor 60 Jahren in
der Potsdamer Garnisonkirche getraut, blicken die Jubilare
auf eine gute Ehe und ein erfolgreiches Leben zurück.
In Dankbarkeit dafür spendeten sie gemeinsam diesen
Betrag, damit das "preußische Gotteshaus"
wieder gebaut werde.
Die Freude über all Ihre Gaben ist sehr groß.
Sie machten uns wieder viel Mut, mit dem vor 17 Jahren begonnenen
"Dauerlauf" unverzagt weiterzumachen. Wir verneigen
uns vor Ihnen und sagen Ihnen auch auf diesem Weg abermals
ganz herzlich Dank für Ihre Mithilfe. "Das Wort
ist ein Zwerg, die Tat ist ein Riese!"
Nach diesem Motto tragen Sie aktiv bei, das zählt!
2. Oberbürgermeister Matthias Platzeck erklärte
sich öffentlich für die Umsetzung der von der
ev. Kirche beschlossenen Ideen zur künftigen Arbeit
im Turm der Garnisonkirche. Auch aus einigen Fraktionen
der Stadtverordnetenversammlung kam Zustimmung.
3. Die ev. Kirche gab am 02. September 2001 das
"Nutzungskonzept" bekannt, das sich für den
Wiederaufbau des Turmes der Garnisonkirche ausspricht. Das
Konzept trägt den Titel "Veränderung ist
möglich - The spirit of change". In der Präambel
des Konzeptes heißt es u.a.:
".... Die Garnisonkirche mit ihrer zweideutigen Geschichte
sollte ein exponierter Lernort und eine verheißungsvolle
Zukunftswerkstatt werden. Zu lernen ist, was auf dem Spiel
steht, wenn Ideologien von rechts und links das sichere
Wissen über den Menschen verdunkeln.
An diesem Ort mit ihrer ureigensten Botschaft präsent
zu sein, ist das Motiv der Evangelischen Kirche, den Wiederaufbau
des Garnisonkirchturmes aktiv zu begleiten und Verantwortung
für die inhaltliche Arbeit zu übernehmen. Weil
wir gehalten sind, der Stadt Bestes zu suchen, haben wir
lange und ernsthaft geprüft, was das Beste ist. Wir
haben uns selbst einem Lernprozess unterworfen und sind
zu der Einsicht gekommen, dass es besser ist, den umstrittenen
Platz zu besetzen, als ihn leer zu lassen. Die Evangelische
Kirche möchte hier zeigen, was Versöhnung bedeutet:
zwischen den Menschen, den Völkern und zwischen Mensch
und Gott."
Als die "drei Säulen des Nutzungskonzeptes"
werden vorgestellt:
Symbolkirchenarbeit',
Citykirchenarbeit',
Internationales Versöhnungszentrum Potsdamer
Garnisonkirche'.
Zu Letzterem heißt es: " ...............Auch
heute wird das Leben der Stadt durch die Erfahrungen eines
internationalen Austausches bereichert. Deshalb soll die
Arbeit am Garnisonkirchturm einen internationalen Schwerpunkt
durch eine verabredete Partnerschaft mit der Versöhnungskathedrale
von Coventry erhalten. Eine solche Partnerschaft ist naheliegend.
Die deutsche Luftwaffe hat im November 1940 Coventry zerstört.
Im April 1945 flog die Royal Airforce einen Bombenangriff
auf Potsdam und zerstörte die Stadt. Unermessliches
Leid entstand durch diesen von Deutschland ausgegangenen
Krieg.
Heute kann Potsdam von Coventry lernen, wie die vor Ort
nötige Versöhnungsarbeit international eingebracht
werden kann. Die Verfasser empfehlen daher die Gründung
des Internationalen Versöhnungszentrums Potsdamer
Garnisonkirche'"
Das Konzept stellt insgesamt viele Ideen für die Arbeit
im Turm vor, auf die hier der Kürze wegen nicht näher
eingegangen wird.
Die Presse berichtete regional und bundesweit darüber.
Aus Ihrem Spenderkreis er-hielten wir zahllose Anrufe und
Briefe. Darin wurde durchweg die Sorge geäußert,
dass mit dem Konzept doch Dinge verfolgt werden könnten,
die nicht in der Absicht der Spender liegen. Einige von
Ihnen wandten sich auch an unseren Schirmherren. Ebenso
erhielten Bischof Huber und Vertreter der ev. Kirche in
Potsdam solche Nachrichten. Leserbriefe in der Regionalpresse
fanden ebenfalls Beachtung.
Was ist unsererseits dazu zu sagen?
Der Wiederaufbau der Garnisonkirche ist "eine Aufgabe
von nationaler Bedeutung und mit internationaler Wirkung"
(Jörg Schönbohm).
Deswegen verdient das Thema große Sorgfalt. Das gilt
zunächst erst einmal für die Wetterfahne, der
das "Nutzungskonzept" die falsche Aussage unterstellt
"... ursprünglich mit kriegerischen Anspielungen
arbeitende Kirchturmspitze ...". Das gilt auch für
die geschichtlichen Zusammenhänge des II. Weltkrieges,
soweit sie in den Zusammenhang mit der Garnisonkirche gebracht
werden.
Wir freuen uns aber natürlich, dass die ev. Kirche
nach so langer Zeit endlich zur Mitarbeit grundsätzlich
bereit ist. Der Teufel steckt nun wie immer im Detail, wozu
auch die Konzeptüberlegung gehört, statt der ehemaligen
Wetterfahne auf der Kirchturmspitze ein übergroßes
"Nagelkreuz" (Coventry) anzubringen.
Wir haben bei den Zuständigen der Potsdamer Kirchenleitung
unsere Sicht der Dinge vorgebracht. Sie betreffen die äußere
Gestalt des Turmes, der originalgetreu wiederherzustellen
ist; sie betreffen aber auch die Lehrinhalte für die
Arbeit am Turm sowie die rechtliche Konstruktion, mit der
die weitere Spendensammlung und die spätere Trägerschaft
gesichert werden soll.
Der Potsdamer Superintendent, Herr Althausen, bedeutete
uns in einem Gespräch, dass es in Verhandlungen einzutreten
gelte, sobald der Kirche ein entsprechender Synodenbeschluss
vorliege.
Am 27.10.2001 stimmte die Kirchenkreissynode dem Wiederaufbau
des Turmes unter der "unabdingba-ren Voraussetzung
zu, dass das vorgeschlagene "Nutzungskonzept"
in die Tat umgesetzt wird.
Wir sehen jetzt den angekündigten Verhandlungen entgegen.
Für uns bleibt "unabdingbar", was sich im
positiven Symbolgehalt der Garnisonkirche als zeitlos gültig
erweist. Dazu gehört die Botschaft der Wetterfahne.
Auf Symbolgehalt und Wetterfahne wird noch eingegangen.
*****
Wir nehmen Ihre uns vorgebrachten Besorgnisse jedenfalls
sehr ernst. Seien Sie versichert, dass wir mit dem Geld,
das Sie uns anvertrauen, nur das machen, wofür wir
gesammelt haben und weitersammeln. Aus der Satzung der "Traditionsgemeinschaft
Potsdamer Glockenspiel" sowie der Präambel der
"Stiftung Preußisches Kulturerbe" - und
das sind Rechtszustände - geht Ihr Auftrag an uns hervor.
So werden wir handeln - semper talis (immer gleich).
4. Worum geht es?
Wie kein Gotteshaus sonst stand die Potsdamer Garnisonkirche
für die Idee Preußens und für die Geisteshaltung
der Preußen. Tausende von Spendern ließen sich
seit 1984 aufrufen, für den Wiederaufbau zunächst
des Potsdamer Glockenspiels und dann der Potsdamer Garnisonkirche
zu spenden; allen voran Bundespräsident a.D. Dr. Richard
von Weizsäcker, der mehrfach immer wieder zum Gelingen
des Vorhabens erhebliche Mittel schenkte.
Erbauer dieses Gotteshauses war Friedrich-Wilhelm I., der
Soldatenkönig. Er förderte die christliche Erziehung
in seinem Land, weil er sich als "Amtmann Gottes auf
Erden" dazu in der Pflicht sah. Das belegt sein Regierungsmotto
"So ich nun baue Stadt und Land und mache nicht Christen,
ist alles nichts nütze". Das ist auch heute gültig!
Wie anders wollen wir denn Innere Mission verstehen?
Der ehemalige Bundespräsident Prof. Karl Carstens sagte
kurz vor seinem Tod: "Ich halte die Rückbesinnung
auf die Religion für eine Überlebensfrage der
Menschheit; ich habe nichts Wichtigeres zu sagen als dies."
Der Soldatenkönig diente seinem Staat und damit dessen
Bürgern selbstlos, genauso sein Sohn Friedrich der
Große. "Ich bin der erste Diener meines Staates"
kam also nicht von ungefähr. Dies gilt auch heute für
jeden Regierungschef; deswegen stellen wir ihn da hin!
In der Garnisonkirche symbolisierten sich die preußischen
Tugenden, wie sie sich seit dem Großen Kurfürsten
in Brandenburg/Preußen entwickelt hatten und als staatstragend,
ja in den Befreiungskriegen sogar als staatsrettend erwiesen
haben. Dazu gehören die Verpflichtung zur Wahrheit,
zur innerlichen und äußerlichen Disziplin, die
Dienst- und Verantwortungsbereitschaft genau so, wie Bescheidenheit,
Anstand, Ehrenhaftigkeit, Treue und Redlichkeit, um nur
einiges zu nennen. Solche Tugenden, also Bindungen, werden
aber schnell zu einem unerträglichen Korsett, wenn
nicht erkannt wird, worauf sie gründen. Als Wichtigstes
stand die Garnisonkirche auch für die Freiheit im Handeln
aus dem Bewusstsein der FREIHEIT eines Christenmenschen,
der sich vor Gott für sein Tun verantwortlich weiß.
Erst das Erkennen dieses Zusammenhanges von "Bindung"
und "Freiheit" macht uns fähig, der Tugend
nach-zustreben. Die alten Griechen formulierten das so:
"Nicht der ist frei, der tun kann, was er will, sondern
der ist frei, der WOLLEN KANN, WAS ER SOLL!" Das ist
auch heute gültig!
Preußens Herrscher respektierten den, der sich darauf
berief: "Du musst Gott mehr gehorchen als dem Menschen",
und gerade dadurch war die Potsdamer Garnisonkirche für
viele eine "Schule des Gewissens". Der Haltung
der Preußen, gewissermaßen ihrem "Herztakt",
gab das weltberühmte Glockenspiel mit seinem steten
Ruf "Lobe den Herrn, den mächtigen König
der Ehren" und "Üb' immer Treu' und Redlichkeit"
klingenden Ausdruck. Das bleibt auch heute gültig!
Am 20. Juli 1944 bekam Hitler diese Haltung zu spüren.
Das Streben nach Freiheit als einem göttlichen Prinzip
lebt in unserem Volk fort; Ulbricht hörte am 17. Juni
1953 den Ruf, der sein Regime erschütterte: "Kollegen
reiht euch ein, wir wollen freie Menschen sein!" 1989
füllten die Menschen nach den Montagsgebeten die Leipziger
Straßen, woraus bald der Ruf nach "Deutschland
einig Vaterland" zu vernehmen war; das war das Ende
der zweiten deutschen Diktatur.
Die Staatsidee Preußens brachte die Säulen unseres
Gemeinwesens hervor. Dazu zählen die Toleranz (dem
Toleranten gegenüber) - die Rechtsstaatlichkeit - der
soziale Ausgleich aus der Fürsorgeverpflichtung des
Machthabers entwickelt - und der demokratische Umgang miteinander
als Folge, wenn christliche Gesinnung das Gesetz und die
Rechtspflege bestimmen. Wir finden das im Grundgesetz der
Bundesrepublik Deutschland kodifiziert. Hierin steht Deutschland
in historischer Kontinuität zu Preußen.
Dies Wenige macht deutlich, dass der Wiederaufbau der Potsdamer
Garnisonkirche die schon zitierte "Aufgabe von nationaler
Bedeutung ist, die international große Beachtung"
(Jörg Schönbohm) finden wird. Dabei geht es nicht
um Restauration, schon gar nicht um die der geschichtlichen
Schattenseiten Preußens und Deutschlands, die keinesfalls
unerwähnt bleiben sollen. Sondern die Garnisonkirche
soll wieder erstehen, weil ihre positive Symbolbedeutung
zeitlos gültig bleibt und deswegen in die Zukunft Deutschlands
und der europäischen Einigung weist.
Sie soll äußerlich ihre barocke Form einschließlich
der historischen Wetterfahne zurückerhalten und ein
Ort der Ökumene und der Inneren Mission sein, in der
auch die Militärseelsorge ihren Platz hat. Wo Kirche
drauf steht, muss Kirche drin sein; dabei ist der Dreieinige
Gott das Konzept. Jedwede politische motivierte Nutzung
ist auszuschließen.
5. Sachinformation
Im "Nutzungskonzept" wird der alten Wetterfahne
eine unwahre Behauptung unterstellt ("... ursprünglich
mit kriegerischen Anspielungen arbeitende Kirchturmspitze
..." s.o.), aus der dann die Forderung abgeleitet ist,
an ihrer Stelle künftig das Nagelkreuz von Coventry
anzubringen.
Dass sie im Gegenteil zur Behauptung einen höchst
theologischen Gehalt besaß, hätte man leicht
erfahren können. In unserer Internet-Darstellung ist
dazu die Andacht des ehem. Militärgeneraldekan(s) Reinhard
Gramm, abgedruckt, die er anlässlich der Einweihung
des Glockenspieles am 17. Juni 1987 in Iserlohn gehalten
hat.
So sah die Wetterfahne aus
 |
| Turmbekrönung
der
Potsdamer Garnisonkirche
mit Handwerkern um 1927 |
Sie enthielt das Kreuz, aber eben noch weit mehr. Der Erbauer
der Potsdamer Garnisonkirche, Friedrich-Wilhelm I., der
Soldatenkönig, unterlegte der Wetterfahne Jesaja 40/31:
" aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft,
dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie
laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht
müde werden."
Ein Spender schrieb uns: "... Der zur Sonne emporblickende
Wetterfahnen-Adler stand ... über der goldenen Preußenkrone.
Und das aus gutem Grund: Der (in der christlichen Ikonographie
dem Evangelisten Johannes zugeordnete) Adler begleitet Christus
bei seiner Himmelfahrt, denn er war (und ist) das einzige
Lebewesen, das der Sonne ins Auge blicken kann, ohne Schaden
zu nehmen. (Daher auch der Wahlspruch: nec soli ce-dit')."
Um das theologisch näher zu belegen, baten wir einen
Theologen um Ausarbeitung. Dr. Thomas Buske, Vorsitzender
des "Evangelischen Kirchbauvereins", Berlin, übernahm
das bereitwillig und führt für uns dazu aus:
"'Ihr habt gesehen ..., wie ich, Gott, euch getragen
habe auf Adlersflügeln und zu Mir gebracht, spricht
der Herr' (Ex 19 4), nämlich an den Berg Sinai, dorthin,
wo die Geschichte der Zehn Gebote begann; stellvertretend
für alle Menschen sollte Gottes Volk bezeugen: Ich
bin der Herr, dein Gott ...'"
Der Adler der Wetterfahne zeugt "von jenem Anfang der
Gerechtigkeit, die alleine vor Gott gilt' (Rm 3 17),
nämlich im Aufblicken zu Gott, dem Licht der
Welt' - Christus (Jh 9 5) der Sonne der Gerechtigkeit'
(EG 263); .....
Nicht die Hybris eines Ikarus, der der Sonne zu nahe kam
und herabstürzte, aber auch nicht Luzifer, der heller
leuchten wollte als Christus, und der auf die Erde herabgeworfen
wurde und weiß, dass er nur noch wenig Zeit haben
wird, um Unheil zu stiften (Lk 10 18; Apok 12 12). Alle
Regierenden hatten hier stets zu schützen und nur dazu
auch ihre Macht. Alle - und in welchem Beruf und Stand'
auch immer - waren darum unterschiedslos in die Verantwortung
vor Gott gestellt. Vor Gott gilt und galt nie das Ansehen
der Person' (Acta 19 34); aber auch keine Anonymität.
Darum fand sich auch neben dem Adler das Monogramm des Bauherrn:
FWR (Fried-rich-Wilhelm, König). ....
Auf der Turmspitze der Garnisonkirche war diese ganze Geschichte
aber zu sehen; in alle Himmelsrichtungen zeigte sie. Der
jeweilige Zeitgeist mochte sie dann als Wetterfahne'
drehen, soviel er nur wollte.
Mehr als es nur ein bloßes Kreuz versinnbildlichen
konnte, wurde hier der ganze Heilsweg für jedermann
sichtbar gezeigt.
Wer wollte es also schon wagen, das Evangelium hier etwa
zu verkürzen und sich über vorangegangene Generationen
zu erheben, die es ganz augenscheinlich umfassender auszudrücken
vermochten als wir.
Es musste wieder entdeckt werden. Man lese nur Jochen Kleppers
Roman Der Vater', wo er es unter dem Kapitel beschrieb
Die Hütte Gottes bei den Menschen" und Die
aufgehende Sonne". .....
Alles wurde dem König zum Gleichnis und zur Verkündigung',
und auch das nec soli cedit' sollte zum Ausdruck eines
biblischen Gottesglaubens werden......
Ihr Turm (Anm. der Garnisonkirche) wurde in Anlehnung an
den noch vor seiner Vollendung zusammengestürzten Turm
der St. Petrikirche in Berlin gestaltet. Auf St. Petri war
für die Turmspitze ein heranschwebender Engel mit der
Krone der Gerechtigkeit und des ewigen Lebens vorgesehen;
...... Hundert Jahre später zeigte dann ebenso der
Turm der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche' in
Berlin über dem Kreuz den Stern von Bethlehem. Das
Christuskind wurde der Gekreuzigte; Kreuze ... genügten
eben nicht. .....
Erst kürzlich wurde das Bildmotiv vom Turm der Garnisonkirche:
der auffliegende Adler - Christus, der Sonne der Gerechtigkeit
entgegen (nec soli cedit) in Halle auf dem Giebel des dortigen
Waisenhauses wieder hergestellt: Und wer dennoch das Bild
nicht verstand, der konnte es lesen: Die auf den HERREN
harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln
wie Adler' (Js 40 31)."
*****
Soweit die theologische Bedeutung der Garnisonkirchturmspitze.
Dr. Buske schrieb uns weiter:
"Und diese christliche Hoffnung sollte in Potsdam den
Bürgern auf dem Turm der Garnisonkirche verwehrt werden?
....
Im übrigen hat sich der Tag von Potsdam' auch anders
abgespielt, als immer wieder berichtet wird. (Friedrich Bestehorn
in MVGP - Mitteilungen des Vereins für Geschichte Potsdams
- 1937 4 352 ...): Am folgenden Tag kam es bei einer
ersten Ortsbesichtigung zu einer peinlichen Auseinandersetzung
... mit den Vertretern des Oberkirchenrates, angeführt
vom damaligen Generalsuperintendenten der Kurmark, Dr. Otto
Dibelius, die aus religiösen Gründen glaubten, Widerstand
leisten zu müssen und sich auf den Standpunkt stellten,
dass die Kirche über allen politischen Ordnungen stehe
... Niemals würde die oberste Kirchenbehörde zulassen
..., die Kirche zu einer solchen Versammlung zu benutzen.
... Der Oberkirchenrat erreichte ... (so wenigstens), dass
außer dem Staatsakt nicht auch noch die Sitzung in der
Kirche stattfand.'
Die Garnisonkirche war mithin der Ort, an dem der erste offene
Widerstand gegen die sich etablierende NS-Herrschaft aufgebrochen
war. Zum ersten Mal wagte in Deutschland ein Regime, eine
Kirche zu missbrauchen, aber die Kirche verwahrte sich!
Nicht, dass nicht Parlamentseröffnungen mit Gottesdiensten
in einer Kirche wie eh und je auch in Preußen begannen
- sondern nun eben ohne Gottesdienst und dennoch in einer
Kirche. Und noch Schlimmeres war leider zu befürchten.
Der Kampf gegen die Kirche als Ausdruck für Rechtsbruch
und Diktatur. Und dagegen stand - und schon im ersten Anlauf
damals - die Garnisonkirche in Potsdam."
Herrn Dr. Buske ist für diese Ausarbeitung zu danken.
Die theologische Aussage der Wetterfahne bleibt ebenfalls
zeitlos richtig und gültig. Davon dürfen wir uns
nicht leichtfertig verabschieden. Es ist eine gute Tradition;
lasst sie uns aufheben und weitertragen. Das ist der Spenderwille;
dafür treten wir ein.
*****
6. Garnisonkirchen-Geschichten
Im letzten Rundbrief baten wir Sie, uns Ihre persönliche
Geschichte, die Sie mit der Potsdamer Garnisonkirche verbinden,
zu erzählen und zu schicken. Wir bedanken uns sehr
herzlich für die große Resonanz.
"Nachzügler" bitten wir, Herrn
Stephan Goericke, Weinbergstr. 2, in 14469 Potsdam.
ihr Erlebnis noch eilig nachzureichen. Das Buch soll in
etwa einem halben Jahr auf den Markt kommen. Wir informieren
dann dazu.
Unser Schirmherr und Herr Goericke schließen sich
dem Dank für Ihre Nachricht an. Manches, von dem, was
Sie weitergeben, hat uns alle tief bewegt.
7. Unter'm Glockenspiel
Sonntag, den 07. September 2002
9. Prof.-Otto-Becker-Gedächtniskonzert
Es konzertieren wieder Potsdamer Künstler am Glockenspiel.
Wir freuen uns auf Ihren Besuch.
*****
Meine Damen und Herren, wir erreichten gemeinsam sehr viel.
Dank über Dank dafür. Das beste Argument für
die weitere Arbeit ist ein "sich stets füllendes
Portemonnaie". Bitte helfen Sie uns auch künftig
nach Ihren Kräften weiter.
Wir wünschen Ihnen einen "Gesegneten Advent"
und recht "Frohe Weihnachten". Unser gnädiger
HERR gebe uns allen nur das auf, was wir zu tragen vermögen.
Für das Neue Jahr erbitten wir SEINE gnädige Führung
für unser Land.
Dabei begleite uns:
"Gib, dass ich tu` mit Fleiß, was mir zu tun
gebühret;
wozu mich Dein Befehl in meinem Stande führet.
Gib, dass ich`s tue bald, zu der Zeit da ich`s soll,
und wenn ich`s tu`, so gib, dass es gerate wohl!"
Im Namen des Vorstandes und unseres Schirmherrn, Innenminister
Jörg Schönbohm, grüße ich Sie alle
sehr herzlich und bleibe Gott befohlen sowie in preußischer
Verbundenheit
Ihr getreuer und dankbarer
Max Klaar
Oberstleutnant a.D.
.