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Die Rundbriefe der Traditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel
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Berichte aus der Presse Die wechselhafte Geschichte der Garnisonkirche in Potsdam Die Einweihung des Glockenspiels in Iserlohn Über den Turm der Garnisonkirche. Informationen über das Glockenspiel der Garnisonkirche DieTraditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel Melodien des Potsdamer Glockenspiels als MP3 Datei zum Downloaden

Rundbriefe
Stiftung Preussisches Kulturerbe
vorm. Traditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel
Gemälde der Garnisonkirche von Gerhard Reindel
Bonn, Dezember 2001

Meine sehr verehrten Damen und Herren!

Wieder ging's einen Schritt zum Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonkirche voran. Nach Aufstellung des Glockenspiels in Potsdam, der Stiftungsgründung im Mai und der Übernahme der Schirmherrschaft durch Innenminister Jörg Schönbohm ist jetzt bei der ev. Kirche eine Beschlusslage da, "an diesem Ort mit ihrer ureigensten Botschaft präsent zu sein ...". Die ev. Kirche will den Wiederaufbau des Garnisonkirchturmes aktiv begleiten und Verantwortung für die inhaltliche Arbeit übernehmen. Ebenso ist die kath. Kirche zur Übernehme theologischer Verantwortung bereit.

Doch der Reihe nach:


1. Unser Schirmherr, Innenminister Jörg Schönbohm, lässt Sie herzlich grüßen. Er freut sich mit uns über den großen Zuwachs unseres Kirchbaukontos. Hatten wir vor Jah-resfrist durch die hochherzige Bereitschaft von Herrn Prof. Dr. h.c. Otto (OttoVersand) 7,7 Mio DM zusammen, sind es heute über 10,2 Mio DM. Damit lässt sich (bei Gesamtkosten von 20-22 Mio DM für den Turm) anfangen, sobald die Stadt Potsdam die nötigen Voraussetzungen geschaffen haben wird.
In dieser Summe ist eine Spende von zwei Mio DM enthalten, die uns im Oktober zuging. Einem Ehepaar war dazu seine bevorstehende Diamant-Hochzeit Anlass. Vor 60 Jahren in der Potsdamer Garnisonkirche getraut, blicken die Jubilare auf eine gute Ehe und ein erfolgreiches Leben zurück. In Dankbarkeit dafür spendeten sie gemeinsam diesen Betrag, damit das "preußische Gotteshaus" wieder gebaut werde.
Die Freude über all Ihre Gaben ist sehr groß. Sie machten uns wieder viel Mut, mit dem vor 17 Jahren begonnenen "Dauerlauf" unverzagt weiterzumachen. Wir verneigen uns vor Ihnen und sagen Ihnen auch auf diesem Weg abermals ganz herzlich Dank für Ihre Mithilfe. "Das Wort ist ein Zwerg, die Tat ist ein Riese!"
Nach diesem Motto tragen Sie aktiv bei, das zählt!

2. Oberbürgermeister Matthias Platzeck erklärte sich öffentlich für die Umsetzung der von der ev. Kirche beschlossenen Ideen zur künftigen Arbeit im Turm der Garnisonkirche. Auch aus einigen Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung kam Zustimmung.

3. Die ev. Kirche gab am 02. September 2001 das "Nutzungskonzept" bekannt, das sich für den Wiederaufbau des Turmes der Garnisonkirche ausspricht. Das Konzept trägt den Titel "Veränderung ist möglich - The spirit of change". In der Präambel des Konzeptes heißt es u.a.:

".... Die Garnisonkirche mit ihrer zweideutigen Geschichte sollte ein exponierter Lernort und eine verheißungsvolle Zukunftswerkstatt werden. Zu lernen ist, was auf dem Spiel steht, wenn Ideologien von rechts und links das sichere Wissen über den Menschen verdunkeln.
An diesem Ort mit ihrer ureigensten Botschaft präsent zu sein, ist das Motiv der Evangelischen Kirche, den Wiederaufbau des Garnisonkirchturmes aktiv zu begleiten und Verantwortung für die inhaltliche Arbeit zu übernehmen. Weil wir gehalten sind, der Stadt Bestes zu suchen, haben wir lange und ernsthaft geprüft, was das Beste ist. Wir haben uns selbst einem Lernprozess unterworfen und sind zu der Einsicht gekommen, dass es besser ist, den umstrittenen Platz zu ‚besetzen, als ihn leer zu lassen. Die Evangelische Kirche möchte hier zeigen, was Versöhnung bedeutet: zwischen den Menschen, den Völkern und zwischen Mensch und Gott."
Als die "drei Säulen des Nutzungskonzeptes" werden vorgestellt:
• Symbolkirchenarbeit',
• Citykirchenarbeit',
• Internationales Versöhnungszentrum Potsdamer Garnisonkirche'.
Zu Letzterem heißt es: " ...............Auch heute wird das Leben der Stadt durch die Erfahrungen eines internationalen Austausches bereichert. Deshalb soll die Arbeit am Garnisonkirchturm einen internationalen Schwerpunkt durch eine verabredete Partnerschaft mit der Versöhnungskathedrale von Coventry erhalten. Eine solche Partnerschaft ist naheliegend.
Die deutsche Luftwaffe hat im November 1940 Coventry zerstört. Im April 1945 flog die Royal Airforce einen Bombenangriff auf Potsdam und zerstörte die Stadt. Unermessliches Leid entstand durch diesen von Deutschland ausgegangenen Krieg.
Heute kann Potsdam von Coventry lernen, wie die vor Ort nötige Versöhnungsarbeit international eingebracht werden kann. Die Verfasser empfehlen daher die Gründung des ‚Internationalen Versöhnungszentrums Potsdamer Garnisonkirche'"

Das Konzept stellt insgesamt viele Ideen für die Arbeit im Turm vor, auf die hier der Kürze wegen nicht näher eingegangen wird.
Die Presse berichtete regional und bundesweit darüber. Aus Ihrem Spenderkreis er-hielten wir zahllose Anrufe und Briefe. Darin wurde durchweg die Sorge geäußert, dass mit dem Konzept doch Dinge verfolgt werden könnten, die nicht in der Absicht der Spender liegen. Einige von Ihnen wandten sich auch an unseren Schirmherren. Ebenso erhielten Bischof Huber und Vertreter der ev. Kirche in Potsdam solche Nachrichten. Leserbriefe in der Regionalpresse fanden ebenfalls Beachtung.

Was ist unsererseits dazu zu sagen?
Der Wiederaufbau der Garnisonkirche ist "eine Aufgabe von nationaler Bedeutung und mit internationaler Wirkung" (Jörg Schönbohm).
Deswegen verdient das Thema große Sorgfalt. Das gilt zunächst erst einmal für die Wetterfahne, der das "Nutzungskonzept" die falsche Aussage unterstellt "... ursprünglich mit kriegerischen Anspielungen arbeitende Kirchturmspitze ...". Das gilt auch für die geschichtlichen Zusammenhänge des II. Weltkrieges, soweit sie in den Zusammenhang mit der Garnisonkirche gebracht werden.

Wir freuen uns aber natürlich, dass die ev. Kirche nach so langer Zeit endlich zur Mitarbeit grundsätzlich bereit ist. Der Teufel steckt nun wie immer im Detail, wozu auch die Konzeptüberlegung gehört, statt der ehemaligen Wetterfahne auf der Kirchturmspitze ein übergroßes "Nagelkreuz" (Coventry) anzubringen.
Wir haben bei den Zuständigen der Potsdamer Kirchenleitung unsere Sicht der Dinge vorgebracht. Sie betreffen die äußere Gestalt des Turmes, der originalgetreu wiederherzustellen ist; sie betreffen aber auch die Lehrinhalte für die Arbeit am Turm sowie die rechtliche Konstruktion, mit der die weitere Spendensammlung und die spätere Trägerschaft gesichert werden soll.

Der Potsdamer Superintendent, Herr Althausen, bedeutete uns in einem Gespräch, dass es in Verhandlungen einzutreten gelte, sobald der Kirche ein entsprechender Synodenbeschluss vorliege.
Am 27.10.2001 stimmte die Kirchenkreissynode dem Wiederaufbau des Turmes unter der "unabdingba-ren Voraussetzung zu, dass das vorgeschlagene "Nutzungskonzept" in die Tat umgesetzt wird.
Wir sehen jetzt den angekündigten Verhandlungen entgegen. Für uns bleibt "unabdingbar", was sich im positiven Symbolgehalt der Garnisonkirche als zeitlos gültig erweist. Dazu gehört die Botschaft der Wetterfahne. Auf Symbolgehalt und Wetterfahne wird noch eingegangen.

 

*****


Wir nehmen Ihre uns vorgebrachten Besorgnisse jedenfalls sehr ernst. Seien Sie versichert, dass wir mit dem Geld, das Sie uns anvertrauen, nur das machen, wofür wir gesammelt haben und weitersammeln. Aus der Satzung der "Traditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel" sowie der Präambel der "Stiftung Preußisches Kulturerbe" - und das sind Rechtszustände - geht Ihr Auftrag an uns hervor. So werden wir handeln - semper talis (immer gleich).

4. Worum geht es?
Wie kein Gotteshaus sonst stand die Potsdamer Garnisonkirche für die Idee Preußens und für die Geisteshaltung der Preußen. Tausende von Spendern ließen sich seit 1984 aufrufen, für den Wiederaufbau zunächst des Potsdamer Glockenspiels und dann der Potsdamer Garnisonkirche zu spenden; allen voran Bundespräsident a.D. Dr. Richard von Weizsäcker, der mehrfach immer wieder zum Gelingen des Vorhabens erhebliche Mittel schenkte.

Erbauer dieses Gotteshauses war Friedrich-Wilhelm I., der Soldatenkönig. Er förderte die christliche Erziehung in seinem Land, weil er sich als "Amtmann Gottes auf Erden" dazu in der Pflicht sah. Das belegt sein Regierungsmotto "So ich nun baue Stadt und Land und mache nicht Christen, ist alles nichts nütze". Das ist auch heute gültig! Wie anders wollen wir denn Innere Mission verstehen?
Der ehemalige Bundespräsident Prof. Karl Carstens sagte kurz vor seinem Tod: "Ich halte die Rückbesinnung auf die Religion für eine Überlebensfrage der Menschheit; ich habe nichts Wichtigeres zu sagen als dies."
Der Soldatenkönig diente seinem Staat und damit dessen Bürgern selbstlos, genauso sein Sohn Friedrich der Große. "Ich bin der erste Diener meines Staates" kam also nicht von ungefähr. Dies gilt auch heute für jeden Regierungschef; deswegen stellen wir ihn da hin!

In der Garnisonkirche symbolisierten sich die preußischen Tugenden, wie sie sich seit dem Großen Kurfürsten in Brandenburg/Preußen entwickelt hatten und als staatstragend, ja in den Befreiungskriegen sogar als staatsrettend erwiesen haben. Dazu gehören die Verpflichtung zur Wahrheit, zur innerlichen und äußerlichen Disziplin, die Dienst- und Verantwortungsbereitschaft genau so, wie Bescheidenheit, Anstand, Ehrenhaftigkeit, Treue und Redlichkeit, um nur einiges zu nennen. Solche Tugenden, also Bindungen, werden aber schnell zu einem unerträglichen Korsett, wenn nicht erkannt wird, worauf sie gründen. Als Wichtigstes stand die Garnisonkirche auch für die Freiheit im Handeln aus dem Bewusstsein der FREIHEIT eines Christenmenschen, der sich vor Gott für sein Tun verantwortlich weiß. Erst das Erkennen dieses Zusammenhanges von "Bindung" und "Freiheit" macht uns fähig, der Tugend nach-zustreben. Die alten Griechen formulierten das so: "Nicht der ist frei, der tun kann, was er will, sondern der ist frei, der WOLLEN KANN, WAS ER SOLL!" Das ist auch heute gültig!

Preußens Herrscher respektierten den, der sich darauf berief: "Du musst Gott mehr gehorchen als dem Menschen", und gerade dadurch war die Potsdamer Garnisonkirche für viele eine "Schule des Gewissens". Der Haltung der Preußen, gewissermaßen ihrem "Herztakt", gab das weltberühmte Glockenspiel mit seinem steten Ruf "Lobe den Herrn, den mächtigen König der Ehren" und "Üb' immer Treu' und Redlichkeit" klingenden Ausdruck. Das bleibt auch heute gültig!

Am 20. Juli 1944 bekam Hitler diese Haltung zu spüren. Das Streben nach Freiheit als einem göttlichen Prinzip lebt in unserem Volk fort; Ulbricht hörte am 17. Juni 1953 den Ruf, der sein Regime erschütterte: "Kollegen reiht euch ein, wir wollen freie Menschen sein!" 1989 füllten die Menschen nach den Montagsgebeten die Leipziger Straßen, woraus bald der Ruf nach "Deutschland einig Vaterland" zu vernehmen war; das war das Ende der zweiten deutschen Diktatur.

Die Staatsidee Preußens brachte die Säulen unseres Gemeinwesens hervor. Dazu zählen die Toleranz (dem Toleranten gegenüber) - die Rechtsstaatlichkeit - der soziale Ausgleich aus der Fürsorgeverpflichtung des Machthabers entwickelt - und der demokratische Umgang miteinander als Folge, wenn christliche Gesinnung das Gesetz und die Rechtspflege bestimmen. Wir finden das im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland kodifiziert. Hierin steht Deutschland in historischer Kontinuität zu Preußen.

Dies Wenige macht deutlich, dass der Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonkirche die schon zitierte "Aufgabe von nationaler Bedeutung ist, die international große Beachtung" (Jörg Schönbohm) finden wird. Dabei geht es nicht um Restauration, schon gar nicht um die der geschichtlichen Schattenseiten Preußens und Deutschlands, die keinesfalls unerwähnt bleiben sollen. Sondern die Garnisonkirche soll wieder erstehen, weil ihre positive Symbolbedeutung zeitlos gültig bleibt und deswegen in die Zukunft Deutschlands und der europäischen Einigung weist.

Sie soll äußerlich ihre barocke Form einschließlich der historischen Wetterfahne zurückerhalten und ein Ort der Ökumene und der Inneren Mission sein, in der auch die Militärseelsorge ihren Platz hat. Wo Kirche drauf steht, muss Kirche drin sein; dabei ist der Dreieinige Gott das Konzept. Jedwede politische motivierte Nutzung ist auszuschließen.


5. Sachinformation
Im "Nutzungskonzept" wird der alten Wetterfahne eine unwahre Behauptung unterstellt ("... ursprünglich mit kriegerischen Anspielungen arbeitende Kirchturmspitze ..." s.o.), aus der dann die Forderung abgeleitet ist, an ihrer Stelle künftig das Nagelkreuz von Coventry anzubringen.

Dass sie im Gegenteil zur Behauptung einen höchst theologischen Gehalt besaß, hätte man leicht erfahren können. In unserer Internet-Darstellung ist dazu die Andacht des ehem. Militärgeneraldekan(s) Reinhard Gramm, abgedruckt, die er anlässlich der Einweihung des Glockenspieles am 17. Juni 1987 in Iserlohn gehalten hat.

So sah die Wetterfahne aus

Turmbekrönung der Potsdamer Garnisonkirche mit Handwerkern um 1927
Turmbekrönung der
Potsdamer Garnisonkirche
mit Handwerkern um 1927


Sie enthielt das Kreuz, aber eben noch weit mehr. Der Erbauer der Potsdamer Garnisonkirche, Friedrich-Wilhelm I., der Soldatenkönig, unterlegte der Wetterfahne Jesaja 40/31: " aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden."

Ein Spender schrieb uns: "... Der zur Sonne emporblickende Wetterfahnen-Adler stand ... über der goldenen Preußenkrone. Und das aus gutem Grund: Der (in der christlichen Ikonographie dem Evangelisten Johannes zugeordnete) Adler begleitet Christus bei seiner Himmelfahrt, denn er war (und ist) das einzige Lebewesen, das der Sonne ins Auge blicken kann, ohne Schaden zu nehmen. (Daher auch der Wahlspruch: ‚nec soli ce-dit')."

Um das theologisch näher zu belegen, baten wir einen Theologen um Ausarbeitung. Dr. Thomas Buske, Vorsitzender des "Evangelischen Kirchbauvereins", Berlin, übernahm das bereitwillig und führt für uns dazu aus:
"'Ihr habt gesehen ..., wie ich, Gott, euch getragen habe auf Adlersflügeln und zu Mir gebracht, spricht der Herr' (Ex 19 4), nämlich an den Berg Sinai, dorthin, wo die Geschichte der Zehn Gebote begann; stellvertretend für alle Menschen sollte Gottes Volk bezeugen: ‚Ich bin der Herr, dein Gott ...'"
Der Adler der Wetterfahne zeugt "von jenem Anfang der ‚Gerechtigkeit, die alleine vor Gott gilt' (Rm 3 17), nämlich im Aufblicken zu Gott, dem ‚Licht der Welt' - Christus (Jh 9 5) der ‚Sonne der Gerechtigkeit' (EG 263); .....
Nicht die Hybris eines Ikarus, der der Sonne zu nahe kam und herabstürzte, aber auch nicht Luzifer, der heller leuchten wollte als Christus, und der auf die Erde herabgeworfen wurde und weiß, dass er nur noch wenig Zeit haben wird, um Unheil zu stiften (Lk 10 18; Apok 12 12). Alle Regierenden hatten hier stets zu schützen und nur dazu auch ihre Macht. Alle - und in welchem ‚Beruf und Stand' auch immer - waren darum unterschiedslos in die Verantwortung vor Gott gestellt. Vor Gott gilt und galt nie das ‚Ansehen der Person' (Acta 19 34); aber auch keine Anonymität.
Darum fand sich auch neben dem Adler das Monogramm des Bauherrn: FWR (Fried-rich-Wilhelm, König). ....
Auf der Turmspitze der Garnisonkirche war diese ganze Geschichte aber zu sehen; in alle Himmelsrichtungen zeigte sie. Der jeweilige Zeitgeist mochte sie dann als ‚Wetterfahne' drehen, soviel er nur wollte.
Mehr als es nur ein bloßes Kreuz versinnbildlichen konnte, wurde hier der ganze Heilsweg für jedermann sichtbar gezeigt.
Wer wollte es also schon wagen, das Evangelium hier etwa zu verkürzen und sich über vorangegangene Generationen zu erheben, die es ganz augenscheinlich umfassender auszudrücken vermochten als wir.
Es musste wieder entdeckt werden. Man lese nur Jochen Kleppers Roman ‚Der Vater', wo er es unter dem Kapitel beschrieb ‚Die Hütte Gottes bei den Menschen" und ‚Die aufgehende Sonne". .....
Alles wurde dem König zum Gleichnis und zur ‚Verkündigung', und auch das ‚nec soli cedit' sollte zum Ausdruck eines biblischen Gottesglaubens werden......
Ihr Turm (Anm. der Garnisonkirche) wurde in Anlehnung an den noch vor seiner Vollendung zusammengestürzten Turm der St. Petrikirche in Berlin gestaltet. Auf St. Petri war für die Turmspitze ein heranschwebender Engel mit der Krone der Gerechtigkeit und des ewigen Lebens vorgesehen; ...... Hundert Jahre später zeigte dann ebenso der Turm der ‚Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche' in Berlin über dem Kreuz den Stern von Bethlehem. Das Christuskind wurde der Gekreuzigte; Kreuze ... genügten eben nicht. .....
Erst kürzlich wurde das Bildmotiv vom Turm der Garnisonkirche: der auffliegende Adler - Christus, der Sonne der Gerechtigkeit entgegen (nec soli cedit) in Halle auf dem Giebel des dortigen Waisenhauses wieder hergestellt: Und wer dennoch das Bild nicht verstand, der konnte es lesen: ‚Die auf den HERREN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler' (Js 40 31)."

 

*****


Soweit die theologische Bedeutung der Garnisonkirchturmspitze. Dr. Buske schrieb uns weiter:
"Und diese christliche Hoffnung sollte in Potsdam den Bürgern auf dem Turm der Garnisonkirche verwehrt werden? ....
Im übrigen hat sich der ‚Tag von Potsdam' auch anders abgespielt, als immer wieder berichtet wird. (Friedrich Bestehorn in MVGP - Mitteilungen des Vereins für Geschichte Potsdams - 1937 4 352 ...): ‚Am folgenden Tag kam es bei einer ersten Ortsbesichtigung zu einer peinlichen Auseinandersetzung ... mit den Vertretern des Oberkirchenrates, angeführt vom damaligen Generalsuperintendenten der Kurmark, Dr. Otto Dibelius, die aus religiösen Gründen glaubten, Widerstand leisten zu müssen und sich auf den Standpunkt stellten, dass die Kirche über allen politischen Ordnungen stehe ... Niemals würde die oberste Kirchenbehörde zulassen ..., die Kirche zu einer solchen Versammlung zu benutzen. ... Der Oberkirchenrat erreichte ... (so wenigstens), dass außer dem Staatsakt nicht auch noch die Sitzung in der Kirche stattfand.'
Die Garnisonkirche war mithin der Ort, an dem der erste offene Widerstand gegen die sich etablierende NS-Herrschaft aufgebrochen war. Zum ersten Mal wagte in Deutschland ein Regime, eine Kirche zu missbrauchen, aber die Kirche verwahrte sich!
Nicht, dass nicht Parlamentseröffnungen mit Gottesdiensten in einer Kirche wie eh und je auch in Preußen begannen - sondern nun eben ohne Gottesdienst und dennoch in einer Kirche. Und noch Schlimmeres war leider zu befürchten. Der Kampf gegen die Kirche als Ausdruck für Rechtsbruch und Diktatur. Und dagegen stand - und schon im ersten Anlauf damals - die Garnisonkirche in Potsdam."

Herrn Dr. Buske ist für diese Ausarbeitung zu danken. Die theologische Aussage der Wetterfahne bleibt ebenfalls zeitlos richtig und gültig. Davon dürfen wir uns nicht leichtfertig verabschieden. Es ist eine gute Tradition; lasst sie uns aufheben und weitertragen. Das ist der Spenderwille; dafür treten wir ein.

 

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6. Garnisonkirchen-Geschichten
Im letzten Rundbrief baten wir Sie, uns Ihre persönliche Geschichte, die Sie mit der Potsdamer Garnisonkirche verbinden, zu erzählen und zu schicken. Wir bedanken uns sehr herzlich für die große Resonanz.

"Nachzügler" bitten wir, Herrn
Stephan Goericke, Weinbergstr. 2, in 14469 Potsdam.
ihr Erlebnis noch eilig nachzureichen. Das Buch soll in etwa einem halben Jahr auf den Markt kommen. Wir informieren dann dazu.

Unser Schirmherr und Herr Goericke schließen sich dem Dank für Ihre Nachricht an. Manches, von dem, was Sie weitergeben, hat uns alle tief bewegt.

7. Unter'm Glockenspiel
Sonntag, den 07. September 2002
9. Prof.-Otto-Becker-Gedächtniskonzert

Es konzertieren wieder Potsdamer Künstler am Glockenspiel. Wir freuen uns auf Ihren Besuch.

 

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Meine Damen und Herren, wir erreichten gemeinsam sehr viel. Dank über Dank dafür. Das beste Argument für die weitere Arbeit ist ein "sich stets füllendes Portemonnaie". Bitte helfen Sie uns auch künftig nach Ihren Kräften weiter.

Wir wünschen Ihnen einen "Gesegneten Advent" und recht "Frohe Weihnachten". Unser gnädiger HERR gebe uns allen nur das auf, was wir zu tragen vermögen.
Für das Neue Jahr erbitten wir SEINE gnädige Führung für unser Land.
Dabei begleite uns:

"Gib, dass ich tu` mit Fleiß, was mir zu tun gebühret;
wozu mich Dein Befehl in meinem Stande führet.
Gib, dass ich`s tue bald, zu der Zeit da ich`s soll,
und wenn ich`s tu`, so gib, dass es gerate wohl!"

Im Namen des Vorstandes und unseres Schirmherrn, Innenminister Jörg Schönbohm, grüße ich Sie alle sehr herzlich und bleibe Gott befohlen sowie in preußischer Verbundenheit
Ihr getreuer und dankbarer

Max Klaar
Oberstleutnant a.D.

 

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