Sehr verehrte Damen und Herren!
Dezember 1995 konnte ich Ihnen vom positiven Gang unserer
Spendensammlung für den Wiederaufbau des Turmes der
Garnisonkirche berichten. Herrn Oberbürgermeister Dr.
Horst Gramlich und den Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung
trug ich den Sachstand vor und bat um ein konkretes Datum
für den Bau . Dazu schrieb Ihnen Herr Dr. Horst Gramlich
vor wenigen Tagen:“Liebe Mitglieder und Freunde der
Traditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel!
Potsdam ist unbestreitbar ein Zentrum preußischer
und deutscher Geschichte. Wir werden diese Tatsache nicht
verklären und nicht verleugnen. Unsere Stadt wird dann
am besten ihre Gegenwart meistern, und ihre Zukunft, wem
sie ihre Geschichte würdigt.
Die vorhandenen Entwürfe zum Aufbau des Stadtzentrums-,
der barocken Kernstad, wie wir sagen - gehen von der Möglichkeit
der Wiedererrichtung des Turmes der Garnisonkirche aus,
und ich persönlich trete für das Projekt der Wiedererrichtung
ein. Dieser Turm wird auch heute von vielen Bürgerinnen
und Bürgern als verlorenes Wahrzeichen der Stadt und
als ein authentischer Ausdruck unserer Stadtbaugeschichte
empfunden. Zeichenhaft dafür, daß Potsdam den
Turm, der Garnisonkirche wiederhaben sollte, steht seit
dem 14. April 1991 das Glockenspiel auf der Plantage.
Ein Baubeginn des Turmes hängt von mehreren anderen
Projekten ab. Das wesentlichste dabei ist der Rückbau
der Breiten Straße, was die Fertigstellung des dritten
Havelüberganges voraussetzt. Die Planungen sehen vor,
das dieses in den nächsten fünf Jahren geschafft
sein kann.
Ich will all denen danken, die uns helfen, von Potsdams
Schönheit zurückzugewinnen, was zurückgewonnen
werden kann und richte meine Bitte um Spenden für dieses
große Vorhaben an alle, die mit unserer Stadt mitleben
und sie in Ihrem Aufbau fordern wollen.
Mit Freundlichen Grüßen gez. Dr. Horst Gramlich
Potsdam 18. Juni 1996 „
Das ist uns allen doch eine recht große Freude. Uns
bleiben nur noch knapp fünf Jahre zum Spatenstich.
In dieser Zeit müssen wir die noch fehlenden zwei Mio.
DM zusammenbringen; eine halbe Million pro Jahr; das können
wir schaffen.
Mit Ihrer Hilfe liegen jetzt schon ca. 3,2 Mio DM bereit.
Ich bin tief in Ihrer aller Schuld und danke auch meinerseits
sehr, sehr herzlich. Alle Ihre Gaben machen mir immer wieder
Mut auf dem langen Weg fortzufahren.
Viele fragten an, wie der letzte Sammlungssprung zu erklären
sei. Wir erhielten aus Erbschaften, rückerstatteten
Grundstücken, aus Geburtsund Festtagssammlungen, Familienfesten
oder ähnlichen Anlässen doch erhebliche Zuwendungen,
so daß wir heute den Turm in seiner äußeren
Gestalt schon finanzieren können.
Wir schaffen es also. Für unmöglich wurde erklärt,
daß Potsdam zurückerhält was durch Krieg
und diktatorische Willkür zerstört worden war.
Aber Kultur lebt in den Herzen von Menschen und ist unzerstörbar.
Menschen bauen wieder, was Künstler einst schufen und
was von großer christlicher Symbolkraft für unser
Land bleibt
In diesem Sinn traten Sie stets für dieses hohe Ziel
ein und gaben. Ich ersuche Sie von Herzen, auch weiterhin
an unserer Seite zu stehen und das zu tun, worum Sie der
Oberbürgermeister Potsdams jetzt bittet - Spenden für
dieses große Vorhaben.
Leserecho auf unseren letzten Rundbrief gingen mir sehr
viele Briefe zu und ich danke an der Stelle nochmals allen
die mir schrieben. Die Zustimmung ist groß, aber einige
Kritiker will ich nicht verschweigen. Sie brachten in der
Substanz vor:
1. Der Gott der soviel Elend zulässt, den kann es nicht
geben.
2. Ich habe von dieser Kirche die Nase gestrichen voll.
3. Glaube und Patriotismus gehören doch nicht zusammen.
4. Ich dachte, es geht um Preußen und Deutschland,
statt dessen haben wir es mit einem Betbruder zu tun,“
Diesen wenigen Herren (die Damen und sehr viele Herren
schrieben durchweg positiv) antwortete ich wie folgt: Je
älter wir werden desto mehr wird unsere eigene Meinung
zum Maß, mit dem wir an die Ereignisse um uns herum
herangehen. Insofern kann ich Ihnen Mut machen, es ist keineswegs
außergewöhnlich, daß Sie die Dinge in unserer
Kirche so sehen. Ich teile ja Ihre Aussagen größten
teils , komme jedoch zu anderen Schlüssen.
Die Kirche ist nicht Christus, aber ohne Christus ist Kirche
nicht. Christus ist sehr wohl da, auch ohne Kirche. Wer
diese Meinung im Glauben teilt, wird vor der Frage stehen,
was tue ich in der Nachfolge, um dem Missionsbefehl zu gehorchen
(gehet hin ... ), um viel Frucht zu bringen (weil das Senfkorn
auf guten Boden fiel), um viel Zins zu bringen aus den mir
anvertrauten Pfunden u.s.w.“. Am Ende, der der Anfang
ist, steht doch die Frage des Herrn: „ Wie viel hast
du dazu gewonnen?“ Ist das nicht der Generalauftrag
an jeden Glaubenden? Wie können die immer wieder Nachwachsenden
von Gott erfahren, wem wir es ihnen nicht sagen? Also lautet
für mich die erste Schlussfolgerung: Ich sage es weiter.
Nun fragen Sie, wie kann dieser Gott, der ein barmherziger
genannt wird, all das Morden und Elend auf der Welt nur
zulassen? Diese Frage ist unter den Menschen, seit Kain
Abel erschlug. Unseren Herrn verstehen setzt unseren Glauben
an das voraus, was uns wirklich gesagt ist. Und das ist
nun daß Gott dem gefallenen Engel erlaubte, mit Ihm
um uns Menschen zu „kämpfen“. Gott ist
ein umfassend freies Wesen, das sich den Menschen Sich zum
Bilde schuf (wofür, das ist uns größtenteils
verborgen). Die bildliche Ähnlichkeit besteht mindestens
darin, daß wir denken, entscheiden handeln können,
so wie die Schöpfungsgeschichte ein Beleg dafür
ist, daß dieser Gott denkt, entscheidet und dann tut
(„ .... und der Herr sah daß es gut war und
alsbald machte er ). Zwar ist unsere Kapazität in diesen
Fähigkeiten weit unter Gottes Möglichkeiten (Ihm
ist nichts unmöglich), aber immerhin.
Sollten Sie mir soweit stattgeben ist die Folgerung zwingend,
daß dieser Herr keine Marionetten will, sondern freie
Wesen weil sie sich sonst nicht mehr entscheiden könnten.
So ist sein Angebot ( glaube an mich ) zu verstehen, denn
wenn wir wissenschaftlich beweisbar (im mathematischen Sinn)
wußten, so könnten wir nicht glauben. Der Wissende
muß trachten, das Gewußte zu erfüllen (durchaus
zwanghaft), der Glaubende darf (muß) sich frei entscheiden.
Aber gerade dadurch bleibt er frei und eben darum ein bildlich
ähnliches Geschöpf des umfassend freien Gottes.
Wenn Gott die Welt heute regierte, sähe sie anders
aus. Aber diese „Bewährung „ eines jeden
von uns auf dieser Erde bleibt uns nicht erspart. Mord ist
immer die Schuld des Mordenden und damit nicht die des Herrn.
Wer aber auf den Herrn aus Glauben hört trachtet zu
erfüllen die Gebote; also mordet er nicht. Mord ist
Töten aus persönlichen niederen Motiven.
Es ist also zutiefst die Aufgabe der Lebenden, die Forderungen
Gottes bekannt zu machen, zu taufen, zu erziehen, anzuleiten,
zu konfirmieren, miteinander zu sprechen und immer wieder
die Nachwachsenden in den Stand zu versetzen, daß
sie erkennen, was zu unseren Zeit von ihnen verlangt wird,
damit eines Tages das Reich Gottes anbrechen kann - wann
und wie auch immer. Unser Verstand langt nicht hin, hier
diese Zukunft verläßlich zu beschreiben. Christus
ist da, weil er auferstand (wo und wie immer er sich aufhält);
er versprach wiederzukommen, also seien wie nicht „töricht“,
sondern halten wir „Öl auf den Lampen“
für den Tag daß er denn kommt. Sehen Sie, und
für diese Aufgaben brauchen wir Kirche und alles was
an ihr hängt, denn man muß da doch eine ganze
Menge organisieren auf dieser Welt, um Christi Forderungen
Taten der Nächstenliebe folgen lassen zu können
- bei all dem von Ihnen beklagten Elend. Daher lautet die
zweite Schlußfolgerung: Deswegen bleibe ich in der
Kirche.
Luther (mit dem ich mich keineswegs vergleichen will, blieb
in der damals verderbten Kirche. Reformation wurde, Kirche
änderte sich, heute gehen wir (spät genug) in
de Ökumene wieder aufeinander zu. Den „Rest“
schaffen auch noch, denn es ist e und derselbe dreieinige
Gott, der Himmel und Erde gemacht hat und in Christus unschuldig
selbst auf diese Welt kam, um vorzumachen wie er sich das
denn vorstellt unserer Gefolgschaft; aber „die Welt
hat Ihn nicht verstanden“ sondern umgebracht, was
Er vorher schon wußte und es aber trotzdem tat. „Niemand
hat größere Liebe denn die, daß er sein
Leben läßt für seine Freunde.“ Was
muß denn eigentlich noch geschehen, ehe wir uns anrühren
lassen und fest bleiben im Glauben an einen solchen Herrn,
also fruchtbarer Boden sind und nicht Gestein von dein der
Wind (Zeitgeist) den Samen bläst wie es ihm gefällt?
Ich bleibe in der Kirche. In ihr kann nur ändern,
wer ihr angehört. Wenn Kirche Gotteshäuser verkauft,
weil sie diese nicht mehr füllt, dann läßt
das an der Anziehungskraft der „Frohen Botschaft“
zweifeln. Ich aber zweifle nicht daran und vertraue auf
die Liebe dieses Herren und deswegen sage ich davon fröhlich
und einfach weiter und tue mein Teil soweit ich dazu fähig
bin.. Andere und ,viel bessere Gemeindemitglieder werden
mehr zustande bringen; und es wird sie geben, denn jeder
Niedergang ist Start für einen neuen Anfang.
Wer diesem Herrn folgt, sich auf eine bestimmte Weise verhalten;
das wirkt bis in die Staatsführung . Schauen Sie auf
Preußen und auf das, was es an geistige Kraft bis
heute entfaltet und zwar vor allem durch die Gewißheit,
daß viel dienen muß (für die Gemeinschaft),
wem viel (Aufgab gegeben ist So wird man „Amtmann
Gottes auf Er den“ oder „Erster Diene meines
Staates“. Es geht nicht um Restauration. E geht darum
zu nutzen, zeitlose Kraft hat. Wie wollen wir anders das
einige Europa schaffen wenn nicht auf dieser Grundlage.
Ohne Christi Lehre bauen wir auf Sand.
„Preuße“ sein bedarf nicht der Bestätigung
durch andere; der „Preuße“ tut dienend
gegen alle Widrigkeit, was er als nötig erkannt hat
aus Verantwortung vor Gott und seinen Mitmenschen. Das tut
er ohne heute übliches Geklingel; das tut er in der
Gewißheit eines Freien, der er als Gottes Geschöpf
unwiderruflich ist. Wer frei ist, läßt aber auch
anderen die Freiheit. Wie anders konnten die Männer
des 20. Juli 1944 damals unter Lebensgefahr aufstehen? Sie
haben durch diese Tat wenigstens die Ehre unseres Volkes
retten können. Was, glauben Sie, hat denn einen 19
jährigen Leutnant v. Kleist einen General v. Treskow,
einen Graf von Moltke, einen Gördeler, einen ............
, was hat denn alle diese Tapferen trotz ihres bangen Herzens
zur Tat für uns (das sind wir alle bis in alle Zukunft)
gebracht? Diese Tat vergeht genauso wenig wie die Tat von
Auschwitz.
Wenn, wie Sie schreiben, junge Menschen sich heute nicht
mehr für diese Lehre gewinnen (begeistern) lassen,
dann kann das nur daran legen, daß die, die davon
erzählen, ihre eigene Begeisterung nicht erkennbar
machen können. Wer aber selber nicht brennt der kann
ja wohl auch nicht anzünden.
Wem wir unseren barmherzigen Gott nicht Bahn brechen, füllen
andere „Götter“ die Herzen der Menschen,
heißen sie nun Mammon, Egoismus, Lug und Trug oder
nach irgendeiner Sekte. „Diabolos’ ist ein fleißiger
Verführer. Mit „Ersatzgöttern“, die
zerstörerisch sind (wodurch ja der von Ihnen beklagte
Zustand in der Welt erklärt ist), bauen wir aber nicht
an dem Nötigen im Staate und schon gar nicht daran,
dem „Herrn die Stiege zu bereiten’.
Mehr habe ich nicht zu sagen - auch nicht weniger -. Es
tut mir leid, falls Ihnen das nicht gefallt. Fragen wir
nicht nach dem was Gott für uns tut, sondern fragen
wir uns, was wir für diesen dreieinigen Herrnn tun,
denn dann erleben wir plötz1ich ganz persönlich,
daß dieser Gott selbst uns führt, leitet und
hüft.
Martin Luther sah das so: „Mir ist es bisher wegen
geborener Bosheit Schwachheit unmöglich gewesen, den
Forderungen Gottes zu genügen. Wenn ich nicht glauben
darf, daß Gott mir um Christi willen dies täglich
beweinte Zurückbleiben vergebe, so ist’s aus
mir.
Ich muß zweifeln. Aber laß’ ich bleiben.
Wie Judas den Baum mich hängen, tu’ ich nicht.
Ich hänge mich an den Hals oder Fuß wie die Sünderin.
Ob ich auch noch schlechter bin als diese, ich halte meinen
Herren fest.
Dann spricht er zum Vater: "Dieses Anhängsel muß
auch durch. Er hat zwar nichts gehalten und alle deine Gebote
übertreten.- Vater, aber er hängtt sich an mich.
Was will’s! Ich starb auch für ihn. Laß
ihn durchschlupfen.’ Das soll mein Glaube sein.“
Grußformel - gezeichnet Max Klaar, der so sehr hofft,
daß Sie sich auch an den Hals oder Fuß Christi
hängen und der Kirche wieder zuwenden, denn was Sie
nicht selber tun für unseren Herrn, das wird auch nicht
geschehen. Unser deutsches Vaterland braucht aber solche
Tat jeden Tag und an jedem Ort - auch und ganz besonders
durch Sie.
Soweit dazu. Zu verstehen wohl auch, daß uns in diesem
Sinn Weiterhin begleiten soll:
Gib, daß ich tu’ mit Fleiß, was mir zu
tun gebühret; wozu mich Dein Befehl in meinem Stande
führet. Gib, daß ich’s tue bald, zu der
Zeit da ich’s soll -und wenn ich es tu, so gib, daß
es gerate wohl!
Gott befohlen für heute; ich grüße Sie in
preußischer Verbundenheit und bleibe stets Ihr ergebener
Max Klaar
Oberstleutnant a.D. / d.R.
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