Meine sehr verehrten Damen und Herren
Dank Ihrer aller Mithilfe stehen wir heute mit der Sammlung
fur den Wiederaufbau des Turmes der Garnisonkirche bei über
3,7 Mio DM. Ich bin tief in Ihrer Schuld und danke Ihnen
diesem Wege sehr, sehr herzlich für Ihre tätige
Mithilfe. Wir werden es schaffen.-
Potsdam-Information -
1. Die evangelische Kirche unterrichteten wir erneut vom
Stand unserer Sammlung und der Absicht, im wiederaufgebauten
Turm der Garnisonkirche eine Kapelle einzurichten, die unter
Leitung der Kirche im Sprengel Potsdam stehen und für
Bedarfsgottesdienste geöffnet werden solle, ohne dass
damit irgendwelche Kosten für die Kirchenleitung verbunden
wären. Insoweit sei unsere Sammlung auf Bitten der
Stadt Potsdam eine christliche Bürgerinitiative besonderer
Art.
Wir berufen uns in unserem Tun auf die zeitlos gültigen
Werte, die in Brandenburg Preußen aus christlichem
Glauben wuchsen, und deshalb wollen wir helfen, uns Menschen
eines der Zeichen positiver Erinnerung daran zurückzugeben.
Wer wollte bestreiten, dass die menschliche Ethik auch heutiger
Zeit der tiefer reichenden, normierenden Kraft verbindlicher
Religion bedarf, wenn sie von Dauer sein will?
„Es gilt ein frei Geständnis in dieser unsrer
Zeit, ein offenes Bekenntnis bei allem Widerstreit trotz
aller Feinde Toben, trotz allem Heidentum zu preisen und
zu loben das Evangelium.“ - Wohlan!
Hoffen und beten wir gemeinsam, dass dies mehr und mehr
verstanden wird und das wir noch in diesem Jahr mit einer
verbindlichen Äußerung der Amtskirche rechnen
können. Ich werde Sie alsbald darüber informieren.
2. Oberbürgermeister Dr. Horst Gramlich beendete seine
über achtjährige Amtszeit. Er nahm im August 1990
die Schenkung des Glockenspieles an, das wir am 14. April
1991 offiziell an Potsdam übergaben. Er bat uns dabei,
die nötigen Finanzmittel für den Wiederaufbau
der Garnisonkirche zusammenzubringen und folgte in seiner
Regierungszeit dem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung
vom 24. Oktober 1990, die u.a. festlegte: „ ... mit
Freude und Dank nehmen wir die Initiative der Traditionsgemeinschaft
Potsdamer Glockenspiel e. V. zugunsten der Garnisonkirche
zur Kenntnis, die dem Bedürfnis, die alte Schönheit
der Stadt Potsdam wiederherzustellen, entspricht. ... Der
mögliche Wiederaufbau der Garnisonkirche wird in wirtschaftlich
gesicherter Zukunft unserer Stadt seinen Platz finden; er
wird nicht die Rettung der zu erhaltenden Originalbauten
beeinträchtigen - eher fördern. „
Dr. Gramlich erkannte die Identität stiftende Kraft
historischer Bauten an und gestaltete seine Politik entsprechend.
Die Planungen zum Rückbau der Breiten Straße
und zur Schaffung der innerstädtischen Entlastungsstraße
(neuer Havelübergang) als Voraussetzung für den
Turinbau geht auf ihn zurück. Desweiteren wandte er
sich mit einem Aufruf an alle Freunde Potsdams, durch Spenden
zu diesem Turmbau beizutragen.
Wir danken ihm dafür. Andere werden ernten, was er
begann.
3. Die Stadtverordnetenversammlung beschloss am 08. .April
1998 den Wiederaufbau
des Fortunaportales (Stadtschloß) in seiner ursprünglichen
Form (Rekonstruktion) und bewilligte die Mittel für
die theoretischen Vorarbeiten. Der Aufbau soll aus Spenden
finanziert werden. Wir entsprachen der Bitte der Stadtpräsidentin
Frau Birgit Müller, dazu beizutragen und werden einen
einmaligen Betrag von 10. 000 DM bei Baubeginn übergeben.
Wir stellen sicher, das dieses Geld nur für Grundsteinlegung
und Aufbau ausgegeben wird.
Zum 100. Todestag vonOtto Fürst von Bismarck 30. Juli
1898 - 1998
1948 schrieb eine englische Zeitung über ihn:
„Bei seiner Geburt war Preußen die geringste
unter den Großmächten, bei seinem Tode überschattete
Deutschland bereits ganz Europa. Das war sein Werk. Bismarcks
Ruhmestat war, dessen Größe in Grenzen zu halten.
Seiner Herkunft und Überzeugung nach ein Konservativer,
hasste er die ‚Sintflut’ genau wie Metternich.
Aber ihre Methoden waren verschieden. Metternich widersetzte
sich der Revolution und stürzte, Bismarck führte
die deutsche Revolution und meisterte sie ... Weder wiederholte
er den Versuch Napoleons, noch nahm er den Hitlers vorweg.
Nach 1871 war Bismarck der höchste Exponent des Gleichgewichts
der Mächte; indem er für Deutschland Sicherheit
suchte, gab er sie jedem Staat in Europa. Nicht nur auf
dem Berliner Kongress, sondern 19 Jahre lang war Bismarck
ein ehrlicher Friedensmacher, und sein Bündnissystem
zwang jede Macht, seinem Friedenskurs zu folgen ... Bismarcks
‚Fehlschlag war der Fehlschlag des Konservativismus
in einem Zeitalter des Umsturzes. Deutschland war auf dem
Marsch zur Weltmacht, und Bismarck konnte seinen Vormarsch
nur verzögern. Aber auch kein anderer Mann würde
auch nur diesen begrenzten Erfolg erzielt haben. Die Welt
dankt Bismarcks Politik, was im Deutschland der letzten
50 Jahre gut war. Nach den Worten Goethes: In der Begrenzung
zeigt sich erst der Meister, liegt seine Größe
in der Beschränkung. Die Geschichte des modernen Europa
kann mit den Namen von drei Titanen umschrieben werden:
Napoleon, Bismarck und Lenin. Von diesen drei Namen eines
höchsten politischen Genius hat Bismarck wohl am wenigsten
Unheil gestiftet. „ (Manchester Guardian)
Es bleibt bezeichnend, dass großen Deutschen Ehrungen
gelegentlich aus dem Ausland zuteil werden, während
hierzulande geschmäht oder geschwiegen wird. Wir haben
allen Grund, uns dankbar dieses großen Preußen
und Deutschen erinnern’.
1. Der Einiger Deutschland suchte Sicherheit für seinen
Staat, indem er sie jedem an deren in Europa gab.
Es war historische Aufgabe Deutschlands, Europa Sicherheit
zu geben, woran sich bis heute wohl nichts änderte.
Interessant auch, dass sich später Bevin und Churchill
gegenseitig vorwarfen durch Forderung nach bedingungsloser
Kapitulation zur Vernichtung des deutschen Sicherheitswalls
beigetragen zu haben. Bei den Akteure von Casablanca, Jalta
und Potsdam war nichts davon spüren, was der „Manchester
Guardian“ als Bismarcks Ruhmestat zu loben wusste,
die Größe des Sieges in Grenzen zu haften. Fürst
Otto von Bismarck war Märker-, die historische Sendung
der Mark war, Bollwerk der Christenheit sowie Brücke
nach Osten und dabei offen zu sein für Drangsalierte,
denen neue Heimat zu geben war. Jenes Kleineuropa auf deutschem
Boden hatte sich geformt. Preußen strahlte Faszination
aus. König und Volk im Bewusstsein ihrer Verantwortung
vor Gott
• unter einem gleichen Recht,
• dem Gemeinwohl verpflichtet,
• opferfreudig im Dienst,
• treu und patriotisch,
• Disziplin und Ordnung wahrend,
• in der Haushaltsführung sparsam.
1 Staatskunst statt Ideologie bestimmte Bismarcks Handeln
durchaus ungewöhnlich in einer vom Nationalismus der
französischen Revolution geprägten Zeit. Welcher
Gegensatz zum maßlosen Imperialismus Napoleons.
Das „Spiel mit den fünf Kugeln“, die Vertragspolitik
mit England, Frankreich, Ruß1and, Österreich
und Italien so, dass keiner zu Koalitionen gegen einen dritten
im Bunde fand.
Ideologie galt ihm als „Embryo der Untreue gegen den
eigenen Staat“. Er gestaltete die Beziehungen zu Staaten
rein nach den Möglichkeiten der Kooperation, um die
Souveränität Deutschlands zu sichern. Als Bundestagsgesandter
in Frankfurt erklärte er schon 1857 „... mein
Ideal für auswärtige Politik ist die Vorurteilsfreiheit,
die Unabhängigkeit der Entschließungen von den
Eindrücken der Abneigung oder Vorliebe für fremde
Staaten und deren Regenten.“ Diese Haltung ließ
ihn später Sicherheit für sein Land dadurch finden,
dass er sie jedem Staat in Europa gab.
3. Fürst Otto von Bismarck war Preuße mit Leib
und Seele und daher kein Nationalist. Der preußische
Konservative seiner Zeit begriff den Staat als zum Dienste
des Höheren (Gottes) existierend, und der Regent habe
eine daraus abgeleitete, verpflichtende Statthalterschaft.
Diese Sicht billigte man natürlich auch jedem anderen
Staat zu. Ein preußischer Patriot dachte nicht im
Traum daran, sein Volk hoch und andere Völker unter
seinem stehend zu begreifen. Das blieb den verblendeten
Ideologen der Neuzeit vorbehalten
4. Fürst Otto von Bismarck war Europder, indem er Mitteleuropa
eine feste Ordnung gab. Beispielhaft für staatsmännische
Weisheit bleiben bis heute die Friedensschlüsse von
1866 und 1871. Sie sind wohl die letzten Abkommen, die den
Namen „Friedensschluss“ verdienten. So gelang
es, eine europäische Ordnung zu schaffen und den Besiegten
alsbald wieder zum Freunde zu machen.
Der Forderung seines preußischen Königs in Nikolsburg,
den „Friedensbrecher“ Österreich zu bestrafen,
stellt sich Bismarck mit aller Schärfe entgegen. Nach
dem Sieg über Frankreich wird ihm von Englands Seite
nahegelegt, Napoleon und dessen Regierung wegen Kriegsanzettelung
vor Gericht zu stellen. Bismarck Antwort darauf :“Wir
teilen diese Ansicht in keiner Weise. Allerdings ist die
öffentliche Meinung nur sehr geneigt, dass bei Konflikten
zwischen Staaten der Sieger sich mit dem Moralkodex in der
Hand aber den Besiegten zu Gericht setze. Ein solches Verlangen
ist völlig ungerechtfertigt. Es stellen, heißt
die Natur politischer Dinge, unter die die Begriffe Strafe,
Lohn, Rache nicht gehören, gänzlich missverstehen.
Ihm entsprechen, hieße das Wesen der Politik verfälschen.
Die Politik hat die Bestrafung etwaiger Versündigungen
von Fürsten und Völkern gegen das Moralgesetz
der göttlichen Vorsehung (als) dem Lenker der Schlachten
zu
überlassen. Sie hat weder die Befugnis noch die Pflicht,
das Richteramt zu üben ... Die Politik hat nicht zu
rächen, was geschehen ist, sondern zu sorgen, dass
es nicht wieder geschehe.“Im Haß der Pariser
Vorortverträge entglitt der „Friedenskongress“
zum Welttribunal über das Kaiserreich Deutschland;
die Sieger übten Vergeltung statt Vernunft. Der Nährboden
für Hitlers Wahn war damit bereitet. In der bedingungslosen
Kapitulation zerstörten die Sieger 1945 Bismarcks zentraleuropäische
Friedensordnung endgültig. Nicht einmal „Frieden“
wurde noch geschlossen, sondern aufgelöst, zerstückelt,
besetzt, vertrieben, demontiert, geraubt, enteignet, fremdbestimmt
und anderes „Friedensfeindliche“ mehr.
Und dennoch ist heute Europa auf dem richtigen Weg. Es wurde
ein Bündniswerk geschaffen, das der Bismarckschen Maxime
folgt: Es soll ein Zustand erreicht werden, in den alle
miteinander vertraglich verbunden sind und dadurch nicht
zu Koalitionen gegen einen dritten im Bunde finden können.
Es war schmerzlich mühevoll, die Folgen des Zweiten
Weltkrieges bis zum heute Erreichten zu landen bewältigt
sind sie wahrlich noch nicht.
Aber ein europäischer Patriotismus ist uns dass möglich,
ein Gemeinwesen anzustreben
• der Toleranz
• der Rechtsstaatlichkeit,
• des demokratischen Umgangs miteinander und
• des sozialen Ausgleichs.
Das ist preußisches Denken. Bismarck- war davon erfüllt.
Entwickelt und zur Staatsidee verdichtet hatte es sich unter
den Hohenzollern in Jahrhunderte dauernder Regentschaft,
die sich als in der Verantwortung vor Gott im Amt hier auf
Erden begriff.
So konnte Preußen seine Aufgabe als Einiger Deutschlands
erfüllen und hatte in Bismarck den nichtigen Mann an
der richtigen Stelle zur entsprechenden Zeit, der Europa
Frieden brachte.
5. Fürst Otto von Bismarck las als tiefgläubiger
Christ morgens als erstes die Losungen der Böhmischen
Brüder. Gegen die Dämonie der Macht half ihm die
Erkenntnis seiner Verantwortlichkeit vor dem, „der
Völker werden und vergehen lässt.“
Deshalb auch seine Bescheidenheit, die ihn erklären
ließ: „Die Geschichte können wir nicht
machen, sondern nur abwarten, dass sie sich vollzieht.
Wir können das Reifen der Früchte nicht dadurch
beschleunigen, dass wir eine Lampe darunter halten, und
wenn wir nach unreifen Früchten schlagen, so werden
wir nur ihr Wachstum hindern und sie verderben. „
Wie vermessen dagegen das Großmaulgehabe Hitlers 1935
auf dem Reichsparteitag in Nürnberg: „Wir, meine
Parteigenossen, Mitführer des Volkes und der Armee,
sind vom Schicksal ausersehen worden, im höchsten Sinne
des Wortes Geschichte zu machen; was Millionen Menschen
verwehrt wird, hat uns die Vorsehung gegeben. An unser Werk
wird sich die späteste Nachwelt noch erinnern. „
Wahrlich, das tut sie!
Wie anders dagegen Bismarck: Einem Besucher, der ihm seine
Bewunderung ausdrückte, entgegnete er, das sei alles
nicht mehr so wichtig. In 30 Jahren seien alle diese Fragen
längst vergessen. Dann ginge es nur noch um die Frage:
Wie schaffe ich mir einen gnädigen Gott“ was
ja auch Luthers Denken bestimmte.
Fürst Otto von Bismarck verstarb am 30. Juli 1898 in
Friedrichsruh bei Hamburg. Wir bewahren ihm in großer
Dankbarkeit ehrendes Andenken als dem, der vorbildlich wirkte,
Deutschland einte, Frieden in Europa schuf und den sozialen
Ausgleich im Staate als bleibende Aufgabe der Regierenden
Gesetz werden ließ.
Europa kann noch heute von
ihm lernen.
Allen, die mir schrieben danke ich auf diesem Wege sehr
herzlich dafür und bitte um Verzeihung, dass ich noch
nicht jeden Brief beantworten konnte. Die berufliche Tätigkeit
läßt wenig Luft, und so bin ich häufig gejagt.
Das sehen Sie mir bitte nach.
Ihre Meinung ist mir aber immer wichtig, auch wenn sie noch
so kritisch ist. Punkte von allgemeinem Interesse kann ich
so aufgreifen. Aber auch über Anerkennendes war die
Freude groß.
• Unter’m Glockenspiel -
Samstag, den 05. September 1998 halten wir unsere diesjährige
Jahreshauptversammlung in Postdam ab. Alle Mitglieder werden
dazu noch gesondert eingeladen.
Sonntag, den 06. September 1998 veranstalten wir mit Potsdamer
Künstlern wieder das Prof.-Otto-BeckerGedächtniskonzert
Bitte kormmen Sie!
• 10.00 Uhr Gottesdienst Nikolai-Kirche,
• 11.30 Uhr Konzert am Glockenspiel / Plantage.
• Lesenswert -DEUTSCHE GESCHICHTE, Heft =V, Zeitschrift
für historisches Wissen-, ISSN 0945 7224 B 20182 F,
DM 18 - / ÖS 133 - / SFr 18 -
Titel-. Die Potsdamer Garnisonkirche; VGB-Verlagsgesellschaft
mbH-, Postfach 82328 Berg am Starnberger See
Unser Tun richte sich auch künftig nach dem
Liedvers:
Gib, dass ich tu’ mit Fleiß, was mir zu tun
gebühret; wozu mich Dein Befehl in meinem Stande führet.
Gib, dass ich’s tue bald, zu der Zeit da ich’s
soll,
und wenn ich’s tu’, so gib, dass es gerate wohl!
Gott befohlen für heute; ich grüße Sie in
preußischer Verbundenheit und bleibeIhr ergebener
und dankbarer
Max Klaar
Oberstleutnant a.D. / d.R.
.