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Die Rundbriefe der Traditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel
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Die Satzung der Traditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel
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Berichte aus der Presse Die wechselhafte Geschichte der Garnisonkirche in Potsdam Die Einweihung des Glockenspiels in Iserlohn Über den Turm der Garnisonkirche. Informationen über das Glockenspiel der Garnisonkirche DieTraditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel Melodien des Potsdamer Glockenspiels als MP3 Datei zum Downloaden

Rundbriefe
Stiftung Preussisches Kulturerbe
vorm. Traditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel
Gemälde der Garnisonkirche von Gerhard Reindel
Bonn im Juni 2000

Meine sehr verehrten Damen und Herren!


Die Sammlung für den Wiederaufbau des Turmes der Garnisonkirche steht bei knapp 4,6 Mio DM. Allen Spendern sei auf diesem Wege nochmals herzlich gedankt. Jede Gabe ist uns Ermutigung. Mit Ihnen reißen wir Bäume aus; wir werden es schaffen.

• Potsdam-Information -

1. Der Beigeordnete für Bauen und Wohnen der Stadt Potsdam schrieb uns am 30. Mai 2000:

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der Landeshauptstadt Potsdam!
1991 schenkten Sie unserer Stadt das neugeschaffene Potsdamer Glockenspiel und tragen seit dem beharrlich die nötigen finanziellen Voraussetzungen dafür zusammen, dass zunächst der Turm der Hof- und Garnisonkirche zu Potsdam wieder erstehen kann.
Als der für die Durchführung dieses Vorhabens zuständige Beigeordnete möchte ich Ihnen heute auch im Namen des Oberbürgermeisters Matthias Platzeck sehr herzlich für all Ihre Bemühungen danken, die dem Ziel dienen, dass Potsdam dieses Wahrzeichen endlich zurück erhält.

Oberbürgermeister Matthias Platzeck stellte in seiner Grundsatzrede vor der Stadtverordnetenversammlung Stadtverordnetenversammlung vom 26.01.2000 dar, wie unsere Stadt ihre historische Mitte wiedergewinnen soll. Dabei führte er auch aus: „Ich möchte mit meiner Meinung nicht hinter dem Berg halten - für mich gehört der Baukörper des Stadtschlosses genauso wieder in die Mitte wie der Turm der Garnisonkirche.“
Der Wiederaufbau des Fortunaportals des Stadtschlosses wird im September 2000 beginnen. Auch der Wiederaufbau des Turmes der Garnisonkirche würde im ganzen Land, aber auch darüber hinaus, große Beachtung finden.

Ich bat Ihre Gemeinschaft, für das Projekt einen Stufenplan vorzulegen, aus dem wir dann ersehen, was bei welchem Spendenstand verwirklicht werden kann. Die Melodien „Üb’ immer Treu’ und Redlichkeit“ und „Lobe den Herren den mächtigen König der Ehren“ sollen wieder wie einst aus großer Höhe über das Havelland klingen und wirken. Wie das Beispiel Dresden zeigt, ist es wichtig, dass angefangen wird, wodurch sich großes Engagement Wohlgesonnener ergeben wird; Ihre bisherigen Gaben sind dafür schlagender Beweis.

Ihre Vereinigung, die als Kirchenbauverein ehrenamtlich für Potsdam arbeitet, wünsche ich bei ihren Bemühungen um weitere Spenden viel Erfolg, damit der Turm in seiner („historischen“- Red.) äußeren Gestalt baldmöglichst neu gebaut werden kann.
Mit freundlichem Gruß gez. Michael Stojan


******Herr Flämig und ich sagten Herrn Stojan den geforderten Stufenplan zu; er wird gegenwärtig von zwei Firmen erarbeitet und soll die Angaben zum Rohbau des Innenkerns und die Fassadenarbeiten in originalgetreuer Rekonstruktion enthalten. Den Innenausbau zur Kapelle und in den oberen Bereichen werden wir gesondert betrachten. Dabei soll die Kapelle unter dem Altar für den Soldatenkönig Friedrich-Wilhelm I. eine Gruft erhalten. Dort und nirgendwo anders gehört er hin.
2. Der Innenminister des Landes Brandenburg, Jörg Schönbohm, gab der Zeitschrift des Deutschen Reservistenverbandes loyal, Ausgabe Juni 2000, folgendes Interview:

“Üb’ immer Treu’ und Redlichkeit”


loyal 1:
Potsdams Oberbürgermeister Matthias Platzeck sprach sich am 26. Januar 2000 u.a. für die Wiedererrichtung des Stadtschlosses und des Turmes der Garnisonkirche aus.Sehen Sie darin eine Chance, dass Potsdam einen Teil seiner bei Kriegsende am 14. April 1945 zerstörten historischen Innenstadt zurückerhält?
Schönbohm:
Das ist im wahrsten Sinne des Wortes eine Chance. Einerseits erhält Potsdam einen Teil seines historischen Herzstücks zurück und andererseits ist das ein bedeutender Schritt zum weitergehenden Aufbau unserer Stadt. Mit dem Stadtschloss und dem Turm der Garnisonkirche verhelfen wir der Stadt zu neuem Leben und stiften einen neuen und zugleich alten Identitäts- und Integrationspunkt. Der Startschuss des Stadtparlamentes zum Wiederaufbau des Stadtschlosses hat dabei Signalwirkung weit über die Grenzen Brandenburgs hinaus.Man erkennt darin eine innere Verbundenheit der Menschen hier mit ihrer Stadt und dass besondere Werte auch durch Krieg und andere politische Systeme nicht zu zerstören sind.
Nichts ist verloren, was in den Herzen der Menschen vorhanden ist. Ich freue mich auch für die Potsdamer auf die vor uns liegenden Aufgaben.
loyal 2:
Die Iserlohner Fallschirmjäger bildeten 1984 - 1987 das zerstörte Potsdamer Glockenspiel nach und übernahmen es am 17. Juni 1987 in treuhänderische Obhut. Das Fallschirmjägerbataillon 271 sollte das Geläut so lange hüten, bis Deutschland nicht mehr gewaltsam geteilt wäre. Alsdann sollte das Geläut nach Potsdam gestiftet werden.
Zur Finanzierung riefen die Fallschirmjäger einen gemeinnützigen Verein (Traditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel - TPG) ins Leben und veranstalteten eine Sammlung, die weit über die Bundesrepublik hinaus Freunde Potsdams veranlasste, das Portemonnaie für diesen Zweck zu öffnen. Am 14. April 1991 wurde das neugeschaffene Geläut in einer Festveranstaltung mit über 10.000 Gästen der Stadt Potsdam übergeben.
Wie beurteilen Sie diese “Bürgerinitiative besonderer Art”, an der sich hauptsächlich Soldaten, vom Pensionär über den Reservisten bis zum Aktiven mit ihren Angehörigen beteiligten. Aber auch Politiker, wie der ehemalige Bundespräsident, Richard Freiherr von Weizsäcker und die damaligen Ministerpräsidenten Johannes Rau und Franz-Josef Strauß, trugen seit 1984 zum Gelingen bei.
Schönbohm:
Das Engagement dieser “Bürgerinitiative besonderer Art” beweist doch, dass das Potsdamer Glockenspiel mehr als nur ein symbolischer Schulterschluss weiter Teile der Bevölkerung mit der Historie der Stadt ist. Preußische Tugenden, die sich in dieser Kirche symbolisch vereinigten, sprechen die Menschen auch heute noch an, weil sie zeitlos gültig sind. Ich hoffe, dass der Funke der Unterstützung durch die namhaften Helfer auf noch weitere Kreise in der Bevölkerung überspringt und wir gemeinsam zur Wiederherstellung Potsdams im umfangreichen Masse beitragen können.
loyal 3:
In der Diskussion um das Für und Wider des Wiederaufbaus wird stets der Tag von Potsdam (März 1933) erwähnt, an dem Hindenburg Hitler “hoffähig” machte. Ist das ein Argument gegen den Wiederaufbau?
Schönbohm:
Auf gar keinen Fall! Die Garnisonkirche stand und steht für christliche Tugenden, die auch in dem Glockenspiel ihren Ausdruck fanden und zugleich aufforderten, immer Treue und Redlichkeit zu üben.
Auch wenn der damalige Reichspräsident Hindenburg hier in Potsdam einen folgenschweren Fehler beging, indem er Hitler und seine Nationalsozialisten an die Macht berief, ist das kein Argument gegen den Wiederaufbau des Turms der Garnisonkirche. Es gibt multikausale Erklärungsansätze für die damalige Entwicklung, aber daraus für heute eine solche Argumentation abzuleiten, ist falsch und für mich nicht nachvollziehbar. In seiner letzten Konsequenz bedeutete dies, dass ganz Deutschland in dem verwaisten Trümmerfeldzustand von 1945 hätte erhalten werden müssen, als ewiges Mahnmal für nationalsozialistische Agitation.
Preußische Herrscher haben aus Gehorsam gegen Gott und aus Respekt vor der Schöpfung ihre Regentschaft so verstanden, dass ihr Staat seinerzeit Toleranz, Rechtsstaatlichkeit, sozialen Ausgleich und anständigen menschlichen Umgang miteinander in dem seinerzeit möglichen Maß verwirklichte. Das war modern und ist es bis heute geblieben. Die Grundrechte des Grundgesetzes stehen in historischer Kontinuität dazu. Allein daran sehen Sie, dass keine wie auch immer geartete Diktatur sich auf preußische Tugenden berufen kann. Die erlangte “Hoffähigkeit” der Nazis spricht doch nicht gegen das Symbol, die Garnisonskirche, sondern gegen den Missbrauch des Symbols. Das muss man deutlich unterscheiden.
Man kann die Argumentation auch umdrehen: Die Wiedererrichtung des Turms der Garnisonkirche ist zugleich ein Symbol für die Überwindung geschehenen Unrechts, für einen Neubeginn und damit für den Selbstbehauptungswillen freier Menschen, den man nicht unterschätzen darf.
loyal 4:
Können Sie das ein wenig näher ausführen?
Schönbohm:
Gerne. Meiner Meinung nach ist die preußische Staatsidee ohne das Christentum mit den 10 Geboten und der Forderung nach Nächstenliebe gar nicht denkbar. Dem gottgläubigen Menschen sind Grenzen gesetzt, die er respektiert. Der Gottlose setzt sich die Grenzen selber- welcher Wahn wird da sichtbar. Hitler war ganz und gar so ein Gottloser, der keinerlei Grenzen anerkannte. Das Ergebnis kennen wir und an der schmerzhaften Überwindung der Untaten arbeiten wir noch immer.
Unser ehemaliger Bundespräsident, Karl Carstens, sagte einmal, die Rückbesinnung auf die Religion sei eine Überlebensfrage der Menschheit, etwas Wichtigeres habe er nicht zu sagen. Und genau so ist es.
Daher begrüße ich die Initiative der Soldaten und der vielen Bürgerinnen und Bürger, die in der “Traditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel” zum Wohle der Brandenburger Landeshauptstadt im ehrenamtlichen Dienst zusammenarbeiten. Ich halte den Wiederaufbau des Turms mit seiner Symbolkraft für eine Aufgabe von großer nationaler Bedeutung und mit internationaler Wirkung.
Man wird auf dieses Werk, wenn es denn unternommen wird, was ich sehr hoffe, sehr genau schauen und beachten, was dort künftig geschieht. Ich hörte, dass dort eine ökumenische Kapelle als Ort der Verkündigung geplant ist. Wer Kirchen baut, der dokumentiert, dass er auf ein Wachsen der Gemeinde vertraut; zur inneren Mission ist der Christ ja auch ganz besonders berufen.
Das Ganze ist natürlich auch eine finanzielle Frage. Der Wiederaufbau wird sehr viel Geld kosten, das weder im Staatshaushalt noch in den leeren Kirchenkassen eingeplant
eingeplant werden kann. Hier wünsche ich mir, dass die Initiatoren der “Traditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel” auf der Suche nach Investoren nicht erlahmen.
loyal 5:
Die - TPG - informierte loyal, dass mit Stand Mai 2000 rund 4,5 Mio. DM für den Wiederaufbau zusammengebracht sind. Der Rohbau könne mit ca. 5 Mio. DM aufgerichtet werden. Die Rekonstruktion der historischen Fassade unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten und der Innenausbau würden weitere erhebliche Mittel (ca. 15 Mio. DM) erfordern. Bei welchem Kassenstand sollte Ihrer Meinung nach begonnen werden?
Schönbohm:
4,5 Mio. DM sind eine erstaunlich große Summe, die zusammengebracht wurde. Ich wüsste nicht, dass die Initiatoren dabei irgendeine wesentliche öffentliche Unterstützung erfahren hätten, was auch ein wenig beschämt. Um so mehr kommt es nun darauf an, nachdem ein klarer politischer Wille der Stadtregierung gegeben ist, die Sache in die Umsetzungsphase zu bringen.
Ich denke, dass jetzt auch der Zeitpunkt gekommen ist, an dem sich die beiden Konfessionen dazu äußern sollten. Auch wenn kirchlicherseits keine finanziellen Mittel dafür vorhanden sind, so kann man doch das Gelingen des Wiederaufbaus mit Spendenaufrufen und Gebeten positiv unterstützen. Die Kirchen sollten sich ruhig mehr zutrauen. Die Kraft der Leipziger Montagsgebete ist unvergessen. Ich bin gewiss, dass die Menschen in unserem Land das Nötige geben werden, wenn wir uns alle für die gute Sache erklären.
Beginnen sollte man, wenn das doppelte der Rohbaukosten erreicht ist und die sonstigen Voraussetzungen vorliegen. Dann hat die Sache gute Aussicht auf Erfolg. Wichtig ist, dass die Sache begonnen wird und die Menschen den Fortgang sehen können. Dresden gibt hierfür das beste Beispiel.
loyal 6:
Die - TPG - will eine Stiftung ins Leben rufen, die das neugeschaffene Gebäude unterhält und weitere historische Bauten Potsdams retten will.
Schönbohm:
Das ist eine kluge und weitsichtige Entscheidung. Es ist natürlich nicht damit getan, einen solchen Bau zu erstellen und sich über dessen Zukunft keine Gedanken zu machen. Es müssen Konzeptionen erarbeitet werden, die die Sicherung und den Erhalt gewährleisten. Wenn diese Stiftung eines Tages ins Leben gerufen werden wird, sollte sie “Friedrich-Wilhelm I.-Stiftung” heißen, denn dessen Regierungsmotto lautete: ”So ich nun baue Stadt und Land und mache nicht Christen, ist alles nichts nütze!”.
Aber auch die Satzung der Traditionsgemeinschaft ist sehr bemerkenswert. Was dort festgeschrieben steht, ist ein großartiges Programm im besten und gemeinnützigen Sinn. Der § 2 (Zweck und Ziel) der Satzung geht weit über die Rettung und den Erhalt historischer Bausubstanz hinaus, dem ich nur den besten Erfolg wünsche.
loyal 7:
Wenn Sie so positiv zur Wiederherstellung dieses historischen Gebäudes stehen, welche Möglichkeiten der Unterstützung sehen Sie?
Schönbohm:
Die Bedeutung der beiden christlichen Konfessionen und deren Möglichkeiten stellte ich schon dar. Die Stadtregierung hat einen klaren Willen bekundet, der auch von der Landesregierung unterstützt wird. Gegenwärtig prüfen wir, das Wiederaufbauwerk mit einem Spendenaufruf des Landes zu fördern. Ebenso kann ich mir vorstellen, dass Bund und Land einen Beitrag in die noch zu gründende (Friedrich-Wilhelm I.) -Stiftung einbringen werden. Wichtig scheint mir, dass mit dieser Stiftung eine in die Zukunft hinein tragfähige Organisation aufgebaut wird, die dem hohen Anspruch der Sat-zungzwecke und -ziele gerecht werden kann.
loyal 8:
Haben Sie in dem Zusammenhang ein Wort an die Reservisten und Leser unsere Zeitschrift zu richten?
Schönbohm:
Ja, natürlich! Nach allem, was ich Ihnen zu diesem Thema sagte, nutze ich gerne die Gelegenheit, Ihre Leserschaft, der ich aus vielerlei Gründen verbunden bin, aufzurufen, die Initiative der “Traditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel” in ihrer Zielsetzung finanziell durch Spenden zu unterstützen und für dieses Ziel zu werben. Ich bin diesbezüglich zuversichtlich und vertraue auf das Gelingen.
Das Engagement der vielen Beteiligten ist darüber hinaus ein deutliches Zeichen dafür, dass sich viele Menschen, aus verschiedenen gesellschaftlichen Kreisen, in den Dienst einer Sache stellen und diese dadurch zu einem gesellschaftlichen Integrationsfaktor avanciert. Eine überaus erfreuliche Entwicklung, wie ich meine, die symbolhaft für den gemeinsam eingeschlagenen Brandenburger Weg steht.
loyal 9:
Sie sagten vorhin, der Wiederaufbau sei eine “Aufgabe von nationaler Bedeutung mit internationaler Wirkung”, Können Sie das näher begründen?
Schönbohm:
Wenn die christliche Prägung brandenburg-preußischer Herrscher die preußische Staatsphilosophie wesentlich formen half und wir heute die positiven Tugenden wieder lehren und einhalten wollen, und darum geht es doch hier, dann werden wir mit unserem Land auf dem Weg zur Vollendung der Deutschen Einheit bestmöglich voranschreiten. Ein sich so entwickelndes Deutschland ist zugleich ein guter Partner der europäischen Nachbarn. Aber ich will nicht allein von den Tugenden sprechen, ohne dabei das Wesentliche zu bedenken: Treue im Dienst, Disziplin, Pflichterfüllung, Gehorsam gegen das Gesetz, Sparsamkeit, Unbestechlichkeit und vieles andere mehr bedürfen der Freiheit für einen gedeihenden Staat. Und nur der Mensch kann frei sein, der sein Handeln unter das Recht stellt. Freiheit und Recht schließen sich somit nicht gegenseitig aus, sondern bedingen einander.
loyal 10:
Herr Minister, wir danken Ihnen für das Gespräch.


3. Breitestes Leserecho zurWehrmachtsausstellung

Überaus viele positive Zuschriften erreichten uns, von denen noch nicht alle beantwortet werden konnten. Auf diesem Weg meinen aufrichtigen Dank; ich bemühe mich, mit den Antworten nachzukommen.
Zwei kritische Stimmen will ich nicht verschweigen, deren eine rüde war und daher keine Antwort finden wird. Beiden Schreibern sei aber vielschichtigere Lektüre empfohlen, als die, die sie offensichtlich kennen. Das Argument „rechte Quelle“ ist solange töricht, wie Wahres darin zu finden ist. Als Beispiel mag gelten:

The Times, November 1938„Mr. Churchills Reply“
Offener Brief Churchills an Hitler vom 7.11.1938
„I have always said that if Great Britain were defeated in war I hoped we should find a Hitler to lead us back to our rightful position among the Nations.”
(Ich habe immer gesagt, falls Groß Britannien in einem Krieg geschlagen wäre, ich hoffen würde, das wir einen Hitler fänden, um uns auf den uns zustehenden Platz unter den Nationen zurückzuführen.)
Müsste man das nicht dem deutschen Verteidigungsminister unter die Nase halten, der vorschlug, nach Herrn Churchill eine Bundeswehrkaserne zu benennen? Wenn schon die Kriegsverbrechen der Bombardierung der deutschen Zivilbevölkerung kein Hinderungsgrund für einen solchen Vorschlag sind, sollte nicht wenigstens die aus obigem Zitat schimmernde („rechts-radikale“?) „Bewunderung“ für den damaligen deutschen Regierungschef die Namensgeber-Würdigkeit in Frage stellen? Jede Bundeswehrkaserne würde sofort umbenannt, wenn deren Namensgeber, der ein noch so tapferer Soldat gewesen sein kann, etwas derartiges nachgewiesen werden könnte.
Ist das nun eine „rechte Quelle“? Solche „Totschlagargumente sind unwissenschaftlich und daher töricht. Bei der Prüfung der Kriegsschuldfrage muss umfassende Betrachtung der damaligen Situation erlaubt sein, wozu auch gehört, wie das Versailler Diktat von unserer Vätergeneration empfunden wurde.
Ist es denn unwahr, dass der polnische Staatschef Ridz Smigli im Frühjahr 1939 in Krakau vor Offizieren sagte: „Meine Herren, es gibt Krieg, ob die Deutschen wollen oder nicht!“
Ist es denn unwahr, dass der britische Außenminister nach dem deutschen Einmarsch in Polen gesagt hat: „Endlich haben wir Hitler zum Krieg gezwungen, so dass er nicht mehr einen Teil des Versailler Vertrages nach dem anderen außer Kraft setzen kann.“?
Es ließe sich fortfahren; die Progrome an Deutschen in Polen und der Tschechoslowakei nach 1919 sind noch gar nicht erwähnt, aber sie gehören zum Wissen unserer Vätergeneration, als diese von der Politik in den Krieg befohlen wurde.
Ist es unerlaubt, danach zu fragen, warum England und Frankreich 1939 nur Deutschland den Krieg erklärten? War es nicht so, dass auch die Sowjetunion Polen angegriffen hatte? Wenn es England und Frankreich wirklich nur um den Schutz Polens ging, warum wurde dann nur einer der „Aggressoren“ mit Krieg belegt und damit der lokale Konflikt um die Rückkehr Danzigs und den „Korridor“ nach Ostpreußen zu einem Weltkrieg ausgeweitet?
Wenn in unserer Zeit der Schutz von 1.000 US-Bürgern als Begründung für eine Intervention der Weltmacht in Grenada ausreicht, muss dann nicht auch der Schutz von Leib, Leben, Hab und Gut der Deutschen, die damals nicht im Schutz deutscher Grenzen leben, ein berechtigtes Anliegen einer jeden deutschen Regierung gewesen sein?
Beiden Kritikern sei nur gesagt, dass die politische Lage von 1919 – 1945 (und auch danach) in ihrer Gesamtheit gesehen werden muss und viel zu facettenreich ist, als das eine simple Ausstellung (wie die der Herren Reemtsma und Heer) mit einer auf die Jahre 1941 – 1945 isolierten und in ihrer Einseitigkeit höchst fragwürdigen und nachgewiesen unredlichen Betrachtung des Krieges im Osten und auf dem Balkan die ganze Wahrheit darstellen könnte.
Wer dem Leidensweg des deutschen Soldaten gerecht werden will, kommt um die Gesamtbetrachtung nicht her- um. Dabei leugnet niemand nachgewiesene Schandtaten Einzelner. Auf die Gesamtheit bezogen sind es aber wenige. Schon gar nicht „Die Wehrmacht“.
Sind für die „Enkelgeneration“ heute die Wenigen von damals hinlängliche Begründung, um die Großväter insgesamt zu verachten? Man spuckt nicht auf die Gräber der Tapferen, die doch nur auf Befehl der Politik ihr Leben gaben.
„Immer doch schreibt der Sieger die Geschichte des Besiegten. Dem Erschlagenen entstellt der Schläger die Züge. Aus der Welt geht der Schwächere und zurück bleibt die Lüge.“ (Bertolt Brecht)
Wer noch Quellenstudium betreiben möchte:

4. BuchempfehlungenVerdrängte Geschichte

ISBN 3-7758-1376-4
v. Hase&Köhler-Verlag
Von Eberhard Wagemann, zweibändig, 128,- DM. Eine Auseinandersetzung um Verteidigung und Verfassung in Europa.

Die verleumdete Armee
ISBN 3-932381-08-4
Pour le Mérite-Verlag
Von Walter Post, 49,80 DM. Eine profunde Auseinandersetzung mit den Unwahrheiten der Wehrmachtsausstellung.

Die Wehrmachtim Partisanenkrieg
ISBN 3-932381-04-1
Pour le Mérite-Verlag
Von Franz W. Seidler. Eine wichtige Quelle zum Verstehen der Kriegführung im Osten.

Vergessene Wahrheiten
Ein Deutscher erinnert sich
ISBN 3-861180774
Verlagsgesellschaft Berg
Am Starnberger See
Von Rudolf Samper. Wichtig zum Verstehen der Lage unserer Elterngeneration.

Die falsche Rolle mitDeutschland
Verlag J. Kofler
86391 Stadtbergen, Hauptstraße 4
Von Josef A. Kofler: Für den, dem Kenntnisse über die Lage der Deutschen nach 1919 in Polen und der Tschechoslowakei fehlen. Um der Klarheit willen sei ausdrücklich gesagt, es geht nicht um Aufrechnung. Es geht auch nicht darum, den politischen Standort des einen oder anderen Autoren zu hinterfragen. Es geht lediglich darum, dass man „wissen muss“, um urteilen zu können.


Europa findet entweder in der Wahrheit zusammen, oder es legt sich seinen spätern Sprengsatz ins Fundament.


5. Unter’m Glockenspiel

Sonntag, 03. September 2000

7. Prof.-Otto-Becker-Gedächtniskonzert
10.00 Uhr Gottesdienst in der Nikolai-Kirche
11.30 Uhr Konzert auf der Plantage an der Dortustraße


*****Unser Tun begleite auch künftig
Gib, dass ich tu mit Fleiß, was mir zu tun gebühret;
wozu mich Dein Befehl in meinem Stande führet.
Gib, dass ichs tue bald, zu der Zeit da ichs soll,
und wenn ichs tu, so gib, dass es gerate wohl!


*****Gott befohlen für heute; ich grüße Sie in preußischer Verbundenheit und bleibe
Ihr ergebener und dankbarer
Max Klaar
Oberstleutnant a.D.

 

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