Meine sehr verehrten Damen und Herren!
Größte Freude machten Sie uns wieder
mit Ihren erneuten, reichlichen Spenden,
die Sie zum Erhalt preußischer
Kulturwerte aber auch zur Vermehrung
der Projektrücklage für die Potsdamer Garnisonkirche gaben. Seit Dezember
2008 kamen gut 90.000 € zusammen.
Ihre Tat ist uns Auftrag, den eingeschlagenen
Weg unbeirrt weiterzugehen.
Dankbar verneigen wir uns, und
geben folgenden Rechenschaftsbericht Wegen erneuter, besorgter Anfragen
noch einmal zur
- Bankenkrise: Satzungsgemäß ist uns
„Spekulation“ verboten; wir haben
nur festverzinsliche Anleihen im Depot.
Daraus erwuchs uns kein Verlust.
Die Anleihen werden bei Fälligkeit zu
100% ausgezahlt.
- Das Stiftungskapital beträgt gut
840.000 €. Daraus sind jährlich rund
40.000 € Zinsgewinn auszukehren.
Die Projektrücklage für den Wiederaufbau
der Potsdamer Garnisonkirche
beträgt nun rund 6,1 Mio. €.
- Potsdam, St. Nikolaikirche: Die
Renovierung schreitet munter fort
(siehe Bildteil). Die Glocken, die Sie
der Gemeinde schenken, sind noch
nicht gegossen, da sich die vorbereitenden
Arbeiten an den Ecktürmen
und der Dachsanierung verzögerten.
Frau Pfarrerin Weichenhan lässt Sie
dankbar grüßen und bat uns, Ihnen
mitzuteilen, dass das neue vierstimmige
Geläut zum Advent oder Jahresanfang
installiert werden soll.
An erforderlichem Kapital brachten
Sie dafür zusammen: 145.000 €
- Barsikow, Patronatskirche: Für die
Dachsanierung erbrachten Ihre Spenden 30.000 €. Das Geld ist überwiesen. Pfarrer J. Brückner, Ev. Pfarramt
Zernitz, schrieb Ihnen u.a.:
„Unfassbare 30.000 € für unsere Kirche
– die führten zu Fördermittelzusagen
der Deutschen Stiftung Denkmalschutz,
der KiBa, des Landkreises, des
Kulturministeriums und der Landeskirche.
Die Baugenehmigung für die
Sanierung des Kirchenschiffdaches
liegt vor, und nun kann es weitergehen.
Dafür sind wir Ihrer Stiftung dankbar.
Unsere Kirche, und damit ein Stück
Preußische Geschichte, kann im alten
Glanz erscheinen. Es geht wohl eine Kraft vom Wirken unserer preußischen Vorfahren auf uns und unser heutiges Leben aus. Ausdruck und Gesicht dieser Kraft
sind die vielen preußischen Bauwerke
und Kirchen.
Unser Barsikower Gotteshaus zu erhalten,
es für die Kirchengemeinde,
die Menschen aus dem Ort, den Pilgern
sowie anderen Besuchern wieder
im vollen Umfang nutzbar zu machen,
das ist unser gemeinsames Anliegen,
und deshalb danken wir Ihnen für Ihre
Unterstützung sehr herzlich.“
- Werben, St. Johanniskirche: Wir
erhielten einen Notruf von Pfarrer Jürgen Brilling, der uns wissen ließ,
dass von den 450.000 € zur Teilsanierung
des gotischen Gotteshauses am
Zusammenfluss von Havel und Elbe
noch 30.000 € fehlten, die von der
Deutschen Stiftung Denkmalschutz erhofft
aber nicht übernommen wurden.
Wir sahen uns dieses Kleinod voller
preußischer Kunstschätze an und
überwiesen sofort 30.000 €. Pfarrer Brilling schrieb Ihnen: „Sie
und Ihre Stiftung standen mal wieder
zur Verfügung, als nichts mehr ging
und alle Messen gesungen schienen.
Dank Ihrer Hilfe können wir in diesem
Jahr das Feuchtigkeitsproblem
in der St. Johanniskirche anpacken.
Dafür möchte ich mich im Namen des
Gemeindekirchenrates bei Ihnen ganz
herzlich bedanken. Es ist schön, dass wir Gottes wunderbares Wirken immer wieder erleben dürfen und interessant, auf welche Engel er zurückgreift, um in seinem Namen Dienst zu tun.“
- Potsdam, St. Peter und Paul: Der
katholischen Gemeinde überwiesen
wir zur Wiederherstellung des Heiligen-
Geist-Fensters ihrer Kirche die
erforderlichen 7.000 €. - Beuster, Nikolauskirche: Für die
Orgelüberholung überwiesen wir 30.000 €. - Potsdamer Stadtschloss: Für die
Restaurierung einer Gesims-Figur
sagten wir zu 25.000 €. Zur Rettung preußischer Kulturwerte
sind 2009 aus Spenden und Zinserträgen auszukehren 267.000 €.

Sankt Nikolaikirche, Potsdam
Wir sechs von Stiftungsrat und Stiftungsvorstand
schließen uns dem sehr
herzlichen Dank der Beschenkten an
und bitten Sie auch heute wieder, nach
Ihren Kräften mitzuhelfen, preußische
Kulturgüter zu retten und wiederherzustellen.
Für 2010 sind zugesagt:
- Potsdam, der Neptunbrunnen im
Lustgarten (hinter dem Hotel Mercur)
wird wiederhergestellt. Wir übernehmen
davon den Triton. 60.000 €.
- Ahrensfelde, Reiterstandbild Der
preußische Leutnant von Arnim fi el in
den Befreiungskriegen an dieser Stelle
als erster im Kampf gegen Napoleon.
Russen schlugen ihm 1945 den Kopf
ab; der kommt nun wieder oben drauf.
Zugesagt sind 16.000 €.
- Koblenz, St. Florinskirche: Die
Gemeinde bat uns, bei der Sanierung
ihrer alten preußischen Garnisonkirche
zu helfen. Wir besichtigten das
Projekt und entschieden, im Rahmen
der Gesamtsanierung die Wiederherstellung
des Seitenportals zu übernehmen.
Kosten: 20.000 €.
Im Rundbrief 2/09 geben wir Ihnen
weitere Reaktionen der Empfänger Ihrer
Hilfe bekannt und legen über unser
Tun erneut Rechenschaft ab.
Wer seine Spende der Projektrücklage Garnisonkirche zugefügt wissen
will, braucht auf dem Überweisungsträger
als „Verwendungszweck“ nur Garnisonkirche zu vermerken, dann
verfahren wir so. Es bleibt aber dabei,
dass wir die Spendensammlung
für dieses Gotteshaus erst dann wieder
offi ziell aufnehmen, wenn die Voraussetzungen
dafür gegeben sein werden.
Lage in Potsdam
Superintendent Dr. Joachim Zehner hielt im Januar einen Vortrag zu: „Wo
liegt mein Preußen?“ und beendete ihn
mit folgenden Worten:
„Es ist die Landschaft, es sind die
Menschen, die für Preußen werben
– und es ist die Garnisonkirche. Sie
wird - weithin sichtbar - dieses große
Erbe darstellen, es ist ein Symbol für das christliche Preußen, mit dem
weiten Horizont und dem planvoll gestalteten
Ganzen. Vielleicht kann hier einmal eine Personalgemeinde ähnlich der am Berliner Dom entstehen. Deshalb habe ich keine Minute gezögert.
Deshalb habe ich von der ersten
Minute, vom ersten Moment an, als
ich von diesem Projekt hörte, als mir
diese Vision vor Augen gestellt wurde,
Sympathien entwickelt. Ich werde dieses Projekt unterstützen, als Person Joachim Zehner, Hesse und Preuße zugleich, und ich werde die Garnisonkirche fördern in meinem Amt als Superintendent des Kirchenkreises Potsdam, mit all den Kräften, die ich habe.“
*****
Was für eine Aussage! Nur schade,
dass ihm sofort Sturm ins Haus stand;
gerade die Personalgemeinde soll
eben nicht werden. Sie wäre aber das
aus unserer Sicht zwingend erforderliche demokratische Instrument zur
Beaufsichtigung des Geschehens in
der Garnisonkirche.
Statt dessen bleibt das rückwärtsgewandte „Nutzungskonzept“ von 2005
in Kraft. Zwar hören wir immer wieder,
das sei doch „längst nicht mehr gültig“,
aber hier kennen die sich selbst
täuschenden „Zweckoptimisten“ wohl
die kirchliche Rechtslage nicht.
Die Kirchenleitung der EKBO (Ev.
Kirche Berlin-Brandenburg Schlesische
Oberlausitz) beschloss am 15.
April 2005 bei zwei Enthaltungen:
„Die Kirchenleitung dankt der von
ihr beauftragten ‚Arbeitsgruppe Nutzungskonzept’
für die Weiterentwicklung
des ersten Nutzungskonzeptes
‚The Spirit of Change’. Sie macht sich das nun vorliegende Nutzungskonzept für die entsprechend dem ‚Ruf
aus Potsdam’ wieder aufzubauende
Garnisonkirche zu eigen.
Die Kirchenleitung bekräftigt damit
ihren Willen, gemeinsam mit dem Kirchenkreis
Potsdam die Garnisonkirche
als
- offene Stadtkirche,
- Symbolkirche,
- internationales Versöhnungszentrum
zu nutzen.
Die Kirchenleitung hält die vorgesehenen gestalterischen Neuinterpretationen im Inneren und Äußeren der
Kirche für angemessene und wegweisende Interpretamente der neuen Nutzung.
Sie schließt jedoch nicht aus,
dass im Verlauf des Wiederaufbaus der Garnisonkirche Ergänzungen und Veränderungen vorgenommen
werden, sofern diese einerseits auf
das historische Vorbild Rücksicht nehmen
und andererseits der inhaltlichen Neuinterpretation dienlich sind.“
Das ist an Deutlichkeit nicht zu
überbieten. Es geht der EKBO um
die Umdeutung („Neuinterpretation“)
der Garnisonkirche. Dieser Beschluss
hat Gültigkeit. Wir haben Ihnen die
„Pferdefüße“ kursiv und fett gedruckt
(s.o.). Spender, die sich auf die reine Aussage verlassen, „Die Garnisonkirche wird wieder errichtet“, werden getäuscht. Die EKBO hat sich hiermit
das Instrumentarium für „Veränderungen“ und „inhaltliche Neuinterpretation“ geschaffen.
Im Nutzungskonzept sind zwei Festlegungen
verbindlich:
- Keine Kirchengemeinde,
- Kein Sonntagsgottesdienst.
Die erste Bestimmung kann die Kirchenleitung
gemäß Art. 12, Abs. 3 der
Kirchenordnung wohl beschließen.
Wenn es sich um eine Kirche handeln
würde, verstieße die zweite Bestimmung
gegen die Leitlinien kirchlichen
Lebens der EKU. Dort heißt es in Art.
47: An allen Sonntagen ... werden öffentliche
Gottesdienste gefeiert. ... Die
Stetigkeit des Sonntagsgottesdienstes
verbindet die Gemeinde mit der weltweiten
Kirche und stellt sie in die Tradition
und Gemeinschaft der Kirche
aller Zeiten.“ Eine Kirche ohne Gemeinde ist ein Museum! Das sieht man an der Nicolaikirche
im Berliner Nicolaiviertel.
Sie heißt noch so wie zu Paul Gerhards
Zeiten, sie ist aber ein Museum.
*****
Über die neu gegründete ev. Kirchenstiftung Garnisonkirche Potsdam und deren Satzungszwecke unterrichteten
wir Sie mit Rundbrief 2/08. Im
Juni 2009 soll deren Kuratorium „feierlich
berufen“ werden.
Man will das uminterpretierte Gotteshaus
als „Symbolkirche und Erinnerungsort“ nutzen, in dem „die wechselvolle Geschichte der Garnisonkirche Potsdam in ihren unterschiedlichen Bezügen aufgearbeitet, dokumentiert und vermittelt wird.
Hierzu gehört auch, dass die Stiftung
das würdige Gedenken der Opfer des
20. Juli 1944 und die Erinnerung an
den von der Potsdamer Garnison ausgehenden
Widerstand gegen die nationalsozialistische
Herrschaft in geeigneter
Form ermöglicht. Die Stiftung
strebt die Zusammenarbeit mit Partnern
aus Wissenschaft, Kultur und den
Kirchen, darunter auch der internationalen
Nagelkreuzgemeinschaft, an.“
Und das Verrückteste ist wohl, dass
in der wiedererbauten Garnisonkirche
nunmehr auch des kommunistischen Widerstandes gegen Hitler gedacht werden soll, was Manfred Stolpe anregte. Franz Ludwig Schenk Graf von Stauffenberg, Sohn des Hitler-Attentäters,
hat schon 1994 – im Bezug
auf die Berliner Gedenkstätte dagegen
protestiert, den deutschen Widerstand
der Männer des 20. Juli 1944 mit den
sowjetisch gesteuerten Aktivitäten von
Exilkommunisten in Zusammenhang
zu bringen: Im Gedenken an die Opfer
für Freiheit, Recht und Ehre dürfe es „keine Kumpanei mit Lumpen“ geben.
Und welcher Kommunist – bitteschön
– hatte irgendeinen Bezug zu
Preußen oder gar zur Garnisonkirche?
Wir bleiben dabei: Für das Aufarbeiten, Dokumentieren und Vermitteln historischer Sachverhalte hat die
Kirche keine Kompetenz; in derartig
weltlichen und historischen Fragen hat
sie auch keine Autorität. Geschichte aufarbeiten, dokumentieren und vermitteln – Volkspädagogik eben
– ist nicht ihre Zuständigkeit; daran
versuchen sich Universitäten, Schulen
und Institutionen wie die Bundeszentrale
für politische Bildung. Lehre
geschichtlicher Zusammenhänge, zu
denen Menschen so oder so stehen,
gehört nicht in Kirchen, denn sie spaltet
die Gemeinden. Daran wird sich die Stiftung Preußisches Kulturerbe – SPKE nicht beteiligen. Bischof Prof. Dr. Wolfgang Huber sagte am 10.12.2008 im Interview mit
der MAZ so schön: „Sie (Anmerkung:
die Spender) wollen, dass dort, wo
Kirche drauf steht, auch Kirche drin
ist. Und das wollen wir auch.“ Ja, um
Himmels Willen, Herr Huber, warum
handeln Sie dann nicht entsprechend?
Unter Ihrer Stabführung ist doch diese
unselige „Konzepterei“, mit dem Ziel, das Symbol Potsdamer Garnisonkirche zu brechen, erst entstanden. Sie
verlangten von uns zunächst, dass die internationalen Friedensdienste in
die Garnisonkirche einziehen sollten.
Das lehnten wir ab, weil wir dafür
nicht gesammelt hatten. Dann ließen
Sie den „Spirit of Change“ ausrufen.
Dafür hatten wir noch viel weniger
gesammelt. Dann ließen Sie die polithistorische
Volkspädagogik im Internationalen Versöhnungszentrum als
Konzept vorstellen, womit auch kaum
einer hinter dem Ofen vorgelockt werden
konnte.
Und nun erklären Sie öffentlich (in
o.a. Interview), dass in der Garnisonkirche als Erinnerungsort und Versöhnungsort u.a. „Begegnungsveranstaltungen vorstellbar“ sind, „auch im internationalen Rahmen. So könnten sich Gruppen treffen, die sich in der gemeinsamen Arbeit zwischen Deutschen und Polen engagieren. Vorstellbar sind auch Ausstellungen und Fortbildungsmöglichkeiten.“ Also:
„Nutzungskonzept“ pur!
Das hat doch mit Kirche als Ort der Verkündigung nichts gemein. Wenn
das für Sie bedeutet, „wo Kirche drauf steht, muss auch Kirche drin sein“,
dann ist ein solches Kirchenverständnis
zu hinterfragen.
Sie, Herr Huber, luden uns im genannten
Interview öffentlich „sehr
herzlich“ ein, uns „am Vorgang zu beteiligen.“
Wir antworten Ihnen ebenso
öffentlich: „Entideologisieren Sie das
Vorhaben, und lassen Sie es ein theologisches
werden. Laden Sie den heute
Lebenden keine Schuldkomplexe
auf, wie Sie es im „Nutzungskonzept“ festschreiben ließen: „Die Garnisonkirche symbolisiert Preußens Gloria und Preußens Elend. .... Die Schuldverstrickung ist eine mächtige Realität.
...Der unverwechselbare Ort mit
seiner wechselvollen Geschichte wird
auch in Zukunft in besonderer Weise
nach Deutung verlangen.“ (Seite 10)
„Seither fordert das Nagelkreuz insbesondere
uns Deutsche heraus, mit
unserer schuldbeladenen Vergangenheit ... im Geiste der Wahrheit und der
Versöhnung umzugehen.“ (Seite 8)
„Der Begriff der Versöhnung ist so positiv
besetzt, dass er vor Missverständnissen
und Missbräuchen geschützt
werden muss. Die Inanspruchnahme billiger Gnade zur Selbstentlastung hat mit Versöhnung so wenig zu tun
wie der moralische Appell an das
‚Gute im Menschen’. Die Einebnung des Unterschiedes von Tätern und Opfern ist ebenso unbiblisch wie die
abergläubische Vorstellung von einer
Wunden heilenden Zeit. ...“ (Seite 11)
„Und unter dem Dach dieser Kirche
sollen interessierte Bürger und politische
Entscheidungsträger, engagierte
Friedensaktivisten und verantwortliche
Militärs in fairen Gesprächen
ebenso um Themen der Friedenserhaltung, der gewaltfreien Konfl iktlösung und des heilsamen Umgangs mit persönlicher und gesellschaftlicher Schuld ringen können wie die Vertreter
der modernen Medien und der
sozial- und globalisierungskritischen
Organisationen.“ (Seite 7)
Das ist doch blanke polit-historische Schuldideologie. Wir halten Ihnen
entgegen, es ist unchristliche Lieblosigkeit,
wenn die heute Lebenden, die
keinerlei Schuld tragen, in „Pseudo- Schuldverstrickung“ geführt und gehalten werden sollen. Oder wollen
Sie den jetzt lebenden Polen Verbrechen
ihrer Väter und Großväter an
Deutschen, Juden und Ukrainern seit
1919 (also lange vor Hitler) aufl aden,
um sie dafür Schuldgefühle hegen zu
lassen? Von den Geschehnissen seit
1945 ganz zu schweigen.
Die internationale Versöhnungsarbeit
war Anliegen aller Bundesregierungen
seit 1949. Unser Platz in den UN, der
EU, der NATO und WEU zeugt vom
Gelingen dieser politischen Anstrengungen.
Die Grenzen sind offen, wer
in Breslau, Stettin, Colberg oder sonst
wo leben möchte, kann es so tun, wie
mein freundlicher Nachbar W. aus
Polen es hier in Bonn tut. Er achtet
die Gesetze des Gastlandes, arbeitet,
zahlt Steuern und Sozialabgaben.
Wir alle mögen ihn und seine Familie
sehr – und zwar ohne pseudotheologisches Gefasel von „gesellschaftlicher Schuld“, die es doch gar nicht gibt.
Christen reichen einander die Hand. Die heute Schuldfreien aller Länder wollen wohl eher den Prinzipien des Westfälischen Friedens folgen, als die
Lieblosigkeiten solcher höchst fragwürdigen
„Nutzungskonzeptinhalte“
zu „genießen“.
Das Vorgehen der Kirchenvertreter
seit 2001 spaltete die Unterstützer
der großartigen und für unser Land so
wichtigen Aufgabe des Wiederherstellens
der Garnisonkirche als Denkmal und Symbol des christlichen Pree ßens. Und so bleibt es fraglich, ob mit
der von Ihnen, Herr Huber, so gebilligten,
weiterhin gültigen polit-historischen Zielsetzung Spenden eingeworben
werden können.
Wir rufen Ihnen zu: 1. Stampfen Sie das „Nutzungskonzept“ ein, das Ihre Kirchenleitung sich
2005 zu eigen machte. 2. Entfrachten Sie das Vorhaben von
allen polit-historischen Vorgaben. 3. Lassen Sie eine Personalgemeinde zu, die sich die Garnisonkirche als ihr
Gotteshaus im Äußeren originalgetreu
wieder aufbaut, um sie als Kirche in den Dienst der Verkündigung des Wortes Gottes zu nehmen, dem Soldatenkönig seine Grablegung und Potsdam ein Identität stiftendes Barock-Bauwerk zurückzugeben.
Dafür, Herr Huber, sammelten wir. In
diesem Sinn verwalten wir Testamente.
Nur so können und werden wir handeln.
Wenn diese Voraussetzungen gegeben
sein werden, kann man uns gerne –
auch öffentlich – „einladen“, uns „am Vorgang zu beteiligen“, wie Sie es auszudrücken
beliebten.
Zum Brandenburgischen Gespräch 2009 am 05. September 2009
bitten wir auch in diesem Jahr wieder
nach Potsdam. Die Einladung mit Programm
geht Ihnen noch gesondert zu. Am 24.09.2009, 14.00 Uhr, werden auf dem Zieten-Platz, Berlin (ehem.
Wilhelmplatz) die Denkmäler der Generale
und Feldmarschälle Friedrichs
des Großen der Hauptstadt übergeben.
Interessenten sind herzlich eingeladen,
dabei zu sein.
Sie ermöglichten mit Ihren Spenden in
Höhe von 55.000 €, die Restaurierung
und Rettung des Denkmals von General von Winterfeld zu beginnen. Es ist
bis dahin fertiggestellt.
*****
Meine sehr verehrten Damen und Herren,
Sie sind mit uns gemeinsam auf dem Weg für Brandenburg-Preußen, und das tun die meisten von Ihnen nun
schon seit 25 Jahren. Es ist an uns, Ihnen
anlässlich dieses Jubiläums dafür
wirklich von Herzen dankbar zu sein.
Was für ein Weg!
Trost, Kraft und Richtungsgeber bleibt
unser gemeinsames Arbeitmotto:
Gib, dass ich tu` mit Fleiß,
was mir zu tun gebühret;
wozu mich Dein Befehl
in meinem Stande führet.
Gib, dass ich`s tue bald,
zu der Zeit da ich`s soll,
und wenn ich`s tu`, so gib,
dass es gerate wohl!
Alle Mitstreiter in Stiftungsrat und
Stiftungsvorstand grüßen Sie wieder in
preußischer Verbundenheit und wünschen
Ihnen eine schöne Sommerzeit.
Im Namen aller bleibe ich Gott befohlen
stets
Ihr ergebener und dankbarer

Max Klaar
Oberstleutnant a. D.
St. Johanniskirche, Werben/Elbe
Durch Feuchtigkeit gefährdet |
St. Johanniskirche, Werben/Elbe „Hauptaltar“ (Mitte)
|
| |
Maria neben Christus als Himmelskönigin |
St. Johanniskirche, Werben/Elbe
Kanzel aus Sandstein“
|
Patronatskirche Barsikow Dachstuhlerneuerung
|
Durch Feuchtigkeit gefährdet |
|
Von Preußen lernen
Werte wie Sparsamkeit, Fleiß und Pflichtbewußtsein sind in der Krise wieder gefragt
Krisenmanagement – was wir von Preußen lernen können: – da fällt uns als erstes das politische Vermächtnis
des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm I.
(1713–1740) ein: „Macht keine Schulden und gebt
nicht mehr aus, als ihr einnehmt!“ Der sogenannte
Soldatenkönig, dessen wahre Verdienste gar nicht
im militärischen Bereich lagen, hatte sich zeitlebens
strikt an diese Devise gehalten. Er hat nicht nur den
20-Millionen-Taler-Schuldenberg seines ausgabenfreudigen
Vorgängers abgebaut, sondern seinem
Nachfolger sogar noch einen Staatsschatz von acht
Millionen Taler hinterlassen. Seit wir nicht mehr
von Königen, sondern von Bundeskanzlern regiert
werden, erleben wir das exakte Gegenteil, mit dem
Unterschied, daß die Taler zu Mark und Euro und
die Millionen zu Millarden wurden.
Keine Schulden machen, nicht mehr ausgeben,
als man einnimmt – hätten Millionen US-Bürger
sich daran gehalten, statt mit zu wenig Eigenkapital
zu teure Häuser mit zu hohen Zins- und Tilgungsraten
zu fi nanzieren und den Rest des Lebens mit
Plastikgeld zu bestreiten, dann hätte es keine Immobilienkrise
gegeben, folglich kein Herüberschwappen
nach Europa und Deutschland. Und hätten unsere
öffentlichen Hände nicht einen Schuldenberg
von 1,5 Billionen Euro aufgetürmt, dann hätten sie
einen viel größeren Spielraum, um auf Krisen zu
reagieren.
Ist das also der Königsweg zur Krisenbewältigung:
keine Schulden, keine Krise, und alles wird
gut? Richten wir unseren Blick relativierend gen
Süden! Neuschwanstein, Linderhof, Herrenchiemsee
– die Prunkschlösser Ludwig II., alle auf Pump
gebaut. Sie hatten den Märchenkönig im wirklichen
Leben dem Staatsbankrott gefährlich nahe gebracht.
Bis heute hält sich das Gerücht, Majestät seien – auf
welche Weise auch immer – in den Tod getrieben
worden, weil nur so der Bau weiterer unbezahlbarer
Schlösser zu verhindern war.
Und heute? Der Freistaat Bayern hat einen nicht
unbeträchtlichen Teil seines Wohlstands und seiner
relativ niedrigen Staatsverschuldung den exorbitanten
Einnahmen zu verdanken, die er Touristen
aus aller Welt an den Kassenhäuschen der Pumpschlösser
abknöpft. Schuldenmachen kann also
durchaus dem Gemeinwohl förderlich sein.
Die beiden Beispiele – der sparsame Soldatenkönig
und der verschwenderische Märchenkönig
– zeigen, daß es gar nicht so einfach ist, dahinterzukommen,
was wir aus der Geschichte lernen können,
um mit der heutigen Krise fertig zu werden.
Einfach anmutende Rezepte erweisen sich bei näherem
Hinsehen oft als genauso untauglich wie alles,
was jetzt wieder aus der sozialistischen Mottenkiste
hervorgezaubert wird, nicht nur von eingefl eischten
Sozialisten, sondern auch von sozialdemokratisierenden
Unionspolitikern.
Die jüngste „Berliner Rede“ des Bundespräsidenten
bringt uns einer Antwort näher. Es fällt auf,
daß sich ein Begriffspaar wie ein Leitfaden durch
den Text zieht: Freiheit und Verantwortung. „Wir
erleben das Ergebnis von Freiheit ohne Verantwortung“,
stellt Horst Köhler fest: Es gehe „auch um
Fragen der Verantwortung und des Anstands. Was
vielen abhanden gekommen ist, das ist die Haltung:
So etwas tut man nicht.“
Weiter beklagt Köhler „Entgrenzung und Bindungslosigkeit.
Jetzt erleben wir, daß es der Markt
allein nicht richtet. Denn Marktwirtschaft lebt von
Verantwortung und persönlicher Haftung für das eigene
Tun. Die Krise zeigt uns: Schrankenlose Freiheit
birgt Zerstörung.“
Die Soziale Marktwirtschaft ist für den Präsidenten
„mehr als eine Wirtschaftsordnung. Sie ist
eine Werteordnung. Sie vereinigt Freiheit und Verantwortung
zum Nutzen aller“. Punkt für Punkt
zählt er auf, welche Werte er dabei im Sinn hat:
Disziplin, Glaubwürdigkeit, Anstand, Gemeinsinn,
Sparsamkeit, Solidarität.
Das klingt irgendwie bekannt. Richtig: bekannt
wie Kant. Es ist das zentrale Denken der deutschen,
genauer: der preußischen Aufklärung, wie sie der
Königsberger Philosoph so treffl ich formuliert hat.
Bei Kant ist Freiheit nie zügel- und schrankenlos,
sondern unlösbar gebunden an Verantwortung. Die
Grenzen setzt zum einem die Freiheit des anderen,
vor allem aber das übergeordnete Gemeinwohl.
Hinzu kommt, daß der Freiheitsbegriff, auf dem
das Staatsverständnis Preußens basierte, von Anfang
an eng gebunden war an einen klaren Rechtsrahmen.
Da wurde klar beschrieben, welche Rechte
und welche Pfl ichten der Bürger gegenüber der Obrigkeit
hat – und umgekehrt. Nicht nur der Bürger
hatte dem Staat, auch der Staat hatte dem Bürger
zu dienen. Schon der sogenannte Soldatenkönig sah
sich nicht als absolutistischer Herrscher von Gottes
Gnaden, sondern als Inhaber eines von Gott gegebenen
Amtes, dessen höchste Pfl icht es war, seinen
Untertanen ein fürsorglicher, wenn auch gelegentlich
strenger Landesvater zu sein. Sein legendärer
Satz „Hohle der Deuffel lieber meine zeitliche
Wohlfahrdt, als daß so viel Leute Bettler werden
und ich reich“ war keine populistische Floskel,
wie man sie heute oft hört von Leuten, denen viel
Geld angeblich „gar nichts sagt“ (Hauptsache, sie
haben es). Der Preußenkönig meinte das ernst, lebte
es selber vor. Er strich die Kosten des Hofes auf
ein Fünftel zusammen, trennte sich von 18 der 24
Schlösser seines Vaters, bewohnte nur fünf der 700
Räume des Berliner Stadtschlosses, begnügte sich
mit zwei persönlichen Pagen. Das war der absolute
Gegenentwurf zum absolutistischen Prunk des
französischen Sonnenkönigs und seiner Nachahmer
auf europäischen Thronen. Sich selber verlangte der
König Arbeitseifer, Sparsamkeit, Pfl ichterfüllung
und Fleiß genauso ab wie seinen Untertanen. Auch
aus heutiger Sicht ganz modern, praktizierte er
„Fordern und Fördern“. 1717 führte er die allgemeine
Volksschulpfl icht ein, investierte – drei Jahrhunderte
vor PISA, massiv in Bildung. Das Ergebnis:
Bei Einführung der Schulpfl icht hatte Preußen 320
Volksschulen, 1740 bereits 1480!
Man fi ndet in der Geschichte Preußens also einiges,
dessen man sich zur Bewältigung der heutigen
Krise durchaus erinnern sollte. Natürlich kann
das Regierungskonzept des Soldatenkönigs kaum
konkrete Handlungsanleitungen geben, wie wir
heute verfahren – oder hätten verfahren – sollen. Ob
man Opel überhaupt – und wenn ja, mit wieviel Milliarden
– retten soll, wie man Sparer und Kleinanleger
vor hemmungslosen Börsenspekulanten schützt,
wie man den Kollaps von Staatsfi nanzen und Sozialsystemen
verhindert – Fragen, die wir Heutigen
selber beantworten müssen. Aber worauf stützen
wir uns bei der Suche nach den richtigen Antworten?
Da können wir von Preußen einiges lernen. Genauer:
von der Idee Preußen. Das Markenzeichen
dieser Idee ist ihre Ausgewogenheit, ihre kluge Balance
von Pfl ichten und Rechten, von Freiheit und
Verantwortung. Preußen in den guten Zeiten seiner
Geschichte, das war in der Terminologie der Klassik
„Athen“ und „Sparta“, in den Worten Kants der kategorische
Imperativ als übergeordnetes Handlungsprinzip
für den Einzelnen wie für den Staat.
Die Idee Preußen und ihre Bedeutung für uns
Heutige: Dazu gehören preußische Tugenden:
Ehrlichkeit, Gerechtigkeit, Treue, Bescheidenheit,
Sparsamkeit. Letztere ist nicht zu verwechseln mit
Geiz. Im Gegenteil, Geiz, wie er heute werbewirksam
propagiert wird, ist nicht „geil“, sondern dumm.
Geiz nimmt allem – den Waren, den Leistungen der
Menschen und am Ende den Menschen selbst – ihren
Wert. Sparsamkeit im preußischen Sinne hingegen
respektiert den Wert, will sorgfältig damit umgehen,
will ihn optimal zum Gemeinwohl nutzen. Der zitierte
Werbeslogan jedenfalls wäre im sparsamen
Preußen unvorstellbar gewesen. Heute aber lassen
wir vor lauter Geiz hochwertige eigene Produkte in
den Regalen liegen oder auf der Halde stehen und
retten statt dessen Arbeitsplätze in Fernost.
Bescheidenheit, am Gemeinwohl orientiert –
dieses Element der Idee Preußen ist im eigenen Lande
weitgehend in Vergessenheit geraten. Jenseits unserer
Grenzen hingegen hat es längst Anerkennung
gefunden, trotz der jahrzehntelang praktizierten
Diskriminierung Preußens und seiner Tugenden. In
der Sprache des französischen Bildungsbürgertums
steht „travailler pour le roi de Prusse“ (für den König
von Preußen arbeiten) für ehrenamtliches Engagement,
dafür, etwas zu tun, ohne schon vorher
die Hand aufzuhalten. Und wenn ich französischen
Freunden stolz die Preußische Allgemeine Zeitung
zeige, meinen sie hintergründig „Être prusse est un
honneur mais pas un plaisir“ (Preuße sein ist eine
Ehre, aber kein Vergnügen). Auch dies also können
wir von Preußen lernen: Weg von der egoistischen,
oberfl ächlichen Spaßgesellschaft, zurück zur am
Gemeinwohl wie am christlichen Menschenbild
geprägten „Freiheit in Verantwortung“ – das ist das
geistige Rüstzeug, das uns am ehesten noch einen
Weg aus der Krise weist.
Hans-JürgenMahlitz
Dieser Text basiert auf einer Rede vor dem Autorenverband
„Stimme der Mehrheit“ (siehe www.
stimmedermehrheit.de).
(Aus: Preußische Allgemeine Zeitung, Nr. 17 – 25. April 09)

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