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Die Rundbriefe der Traditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel
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Berichte aus der Presse Die wechselhafte Geschichte der Garnisonkirche in Potsdam Die Einweihung des Glockenspiels in Iserlohn Über den Turm der Garnisonkirche. Informationen über das Glockenspiel der Garnisonkirche DieTraditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel Melodien des Potsdamer Glockenspiels als MP3 Datei zum Downloaden

Rundbriefe
Stiftung Preussisches Kulturerbe
vorm. Traditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel

Gemälde der Garnisonkirche
Bonn,
im Juni 2009


Meine sehr verehrten Damen und Herren!

Größte Freude machten Sie uns wieder mit Ihren erneuten, reichlichen Spenden, die Sie zum Erhalt preußischer Kulturwerte aber auch zur Vermehrung der Projektrücklage für die Potsdamer Garnisonkirche gaben. Seit Dezember 2008 kamen gut 90.000 € zusammen. Ihre Tat ist uns Auftrag, den eingeschlagenen Weg unbeirrt weiterzugehen. Dankbar verneigen wir uns, und geben folgenden Rechenschaftsbericht Wegen erneuter, besorgter Anfragen noch einmal zur - Bankenkrise: Satzungsgemäß ist uns „Spekulation“ verboten; wir haben nur festverzinsliche Anleihen im Depot. Daraus erwuchs uns kein Verlust. Die Anleihen werden bei Fälligkeit zu 100% ausgezahlt. - Das Stiftungskapital beträgt gut 840.000 €. Daraus sind jährlich rund 40.000 € Zinsgewinn auszukehren.

Die Projektrücklage für den Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonkirche beträgt nun rund 6,1 Mio. €. - Potsdam, St. Nikolaikirche: Die Renovierung schreitet munter fort (siehe Bildteil). Die Glocken, die Sie der Gemeinde schenken, sind noch nicht gegossen, da sich die vorbereitenden Arbeiten an den Ecktürmen und der Dachsanierung verzögerten. Frau Pfarrerin Weichenhan lässt Sie dankbar grüßen und bat uns, Ihnen mitzuteilen, dass das neue vierstimmige Geläut zum Advent oder Jahresanfang installiert werden soll. An erforderlichem Kapital brachten Sie dafür zusammen: 145.000 €

- Barsikow, Patronatskirche: Für die Dachsanierung erbrachten Ihre Spenden 30.000 €. Das Geld ist überwiesen. Pfarrer J. Brückner, Ev. Pfarramt Zernitz, schrieb Ihnen u.a.: „Unfassbare 30.000 € für unsere Kirche – die führten zu Fördermittelzusagen der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, der KiBa, des Landkreises, des Kulturministeriums und der Landeskirche. Die Baugenehmigung für die Sanierung des Kirchenschiffdaches liegt vor, und nun kann es weitergehen. Dafür sind wir Ihrer Stiftung dankbar. Unsere Kirche, und damit ein Stück Preußische Geschichte, kann im alten Glanz erscheinen. Es geht wohl eine Kraft vom Wirken unserer preußischen Vorfahren auf uns und unser heutiges Leben aus. Ausdruck und Gesicht dieser Kraft sind die vielen preußischen Bauwerke und Kirchen. Unser Barsikower Gotteshaus zu erhalten, es für die Kirchengemeinde, die Menschen aus dem Ort, den Pilgern sowie anderen Besuchern wieder im vollen Umfang nutzbar zu machen, das ist unser gemeinsames Anliegen, und deshalb danken wir Ihnen für Ihre Unterstützung sehr herzlich.“

- Werben, St. Johanniskirche: Wir erhielten einen Notruf von Pfarrer Jürgen Brilling, der uns wissen ließ, dass von den 450.000 € zur Teilsanierung des gotischen Gotteshauses am Zusammenfluss von Havel und Elbe noch 30.000 € fehlten, die von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz erhofft aber nicht übernommen wurden. Wir sahen uns dieses Kleinod voller preußischer Kunstschätze an und überwiesen sofort 30.000 €. Pfarrer Brilling schrieb Ihnen: „Sie und Ihre Stiftung standen mal wieder zur Verfügung, als nichts mehr ging und alle Messen gesungen schienen. Dank Ihrer Hilfe können wir in diesem Jahr das Feuchtigkeitsproblem in der St. Johanniskirche anpacken. Dafür möchte ich mich im Namen des Gemeindekirchenrates bei Ihnen ganz herzlich bedanken. Es ist schön, dass wir Gottes wunderbares Wirken immer wieder erleben dürfen und interessant, auf welche Engel er zurückgreift, um in seinem Namen Dienst zu tun.“

- Potsdam, St. Peter und Paul: Der katholischen Gemeinde überwiesen wir zur Wiederherstellung des Heiligen- Geist-Fensters ihrer Kirche die erforderlichen 7.000 €. - Beuster, Nikolauskirche: Für die Orgelüberholung überwiesen wir 30.000 €. - Potsdamer Stadtschloss: Für die Restaurierung einer Gesims-Figur sagten wir zu 25.000 €. Zur Rettung preußischer Kulturwerte sind 2009 aus Spenden und Zinserträgen auszukehren 267.000 €.


Sankt Nikolaikirche, Potsdam
Sankt Nikolaikirche, Potsdam

Wir sechs von Stiftungsrat und Stiftungsvorstand schließen uns dem sehr herzlichen Dank der Beschenkten an und bitten Sie auch heute wieder, nach Ihren Kräften mitzuhelfen, preußische Kulturgüter zu retten und wiederherzustellen.

Für 2010 sind zugesagt:

- Potsdam, der Neptunbrunnen im Lustgarten (hinter dem Hotel Mercur) wird wiederhergestellt. Wir übernehmen davon den Triton. 60.000 €.

- Ahrensfelde, Reiterstandbild Der preußische Leutnant von Arnim fi el in den Befreiungskriegen an dieser Stelle als erster im Kampf gegen Napoleon. Russen schlugen ihm 1945 den Kopf ab; der kommt nun wieder oben drauf. Zugesagt sind 16.000 €.

- Koblenz, St. Florinskirche: Die Gemeinde bat uns, bei der Sanierung ihrer alten preußischen Garnisonkirche zu helfen. Wir besichtigten das Projekt und entschieden, im Rahmen der Gesamtsanierung die Wiederherstellung des Seitenportals zu übernehmen. Kosten: 20.000 €. Im Rundbrief 2/09 geben wir Ihnen weitere Reaktionen der Empfänger Ihrer Hilfe bekannt und legen über unser Tun erneut Rechenschaft ab. Wer seine Spende der Projektrücklage Garnisonkirche zugefügt wissen will, braucht auf dem Überweisungsträger als „Verwendungszweck“ nur Garnisonkirche zu vermerken, dann verfahren wir so. Es bleibt aber dabei, dass wir die Spendensammlung für dieses Gotteshaus erst dann wieder offi ziell aufnehmen, wenn die Voraussetzungen dafür gegeben sein werden.

Lage in Potsdam

Superintendent Dr. Joachim Zehner hielt im Januar einen Vortrag zu: „Wo liegt mein Preußen?“ und beendete ihn mit folgenden Worten: „Es ist die Landschaft, es sind die Menschen, die für Preußen werben – und es ist die Garnisonkirche. Sie wird - weithin sichtbar - dieses große Erbe darstellen, es ist ein Symbol für das christliche Preußen, mit dem weiten Horizont und dem planvoll gestalteten Ganzen. Vielleicht kann hier einmal eine Personalgemeinde ähnlich der am Berliner Dom entstehen. Deshalb habe ich keine Minute gezögert. Deshalb habe ich von der ersten Minute, vom ersten Moment an, als ich von diesem Projekt hörte, als mir diese Vision vor Augen gestellt wurde, Sympathien entwickelt. Ich werde dieses Projekt unterstützen, als Person Joachim Zehner, Hesse und Preuße zugleich, und ich werde die Garnisonkirche fördern in meinem Amt als Superintendent des Kirchenkreises Potsdam, mit all den Kräften, die ich habe.“

*****

Was für eine Aussage! Nur schade, dass ihm sofort Sturm ins Haus stand; gerade die Personalgemeinde soll eben nicht werden. Sie wäre aber das aus unserer Sicht zwingend erforderliche demokratische Instrument zur Beaufsichtigung des Geschehens in der Garnisonkirche. Statt dessen bleibt das rückwärtsgewandte „Nutzungskonzept“ von 2005 in Kraft. Zwar hören wir immer wieder, das sei doch „längst nicht mehr gültig“, aber hier kennen die sich selbst täuschenden „Zweckoptimisten“ wohl die kirchliche Rechtslage nicht. Die Kirchenleitung der EKBO (Ev. Kirche Berlin-Brandenburg Schlesische Oberlausitz) beschloss am 15. April 2005 bei zwei Enthaltungen: „Die Kirchenleitung dankt der von ihr beauftragten ‚Arbeitsgruppe Nutzungskonzept’ für die Weiterentwicklung des ersten Nutzungskonzeptes ‚The Spirit of Change’. Sie macht sich das nun vorliegende Nutzungskonzept für die entsprechend dem ‚Ruf aus Potsdam’ wieder aufzubauende Garnisonkirche zu eigen. Die Kirchenleitung bekräftigt damit ihren Willen, gemeinsam mit dem Kirchenkreis Potsdam die Garnisonkirche als - offene Stadtkirche, - Symbolkirche, - internationales Versöhnungszentrum zu nutzen. Die Kirchenleitung hält die vorgesehenen gestalterischen Neuinterpretationen im Inneren und Äußeren der Kirche für angemessene und wegweisende Interpretamente der neuen Nutzung. Sie schließt jedoch nicht aus, dass im Verlauf des Wiederaufbaus der Garnisonkirche Ergänzungen und Veränderungen vorgenommen werden, sofern diese einerseits auf das historische Vorbild Rücksicht nehmen und andererseits der inhaltlichen Neuinterpretation dienlich sind.“ Das ist an Deutlichkeit nicht zu überbieten. Es geht der EKBO um die Umdeutung („Neuinterpretation“) der Garnisonkirche. Dieser Beschluss hat Gültigkeit. Wir haben Ihnen die „Pferdefüße“ kursiv und fett gedruckt (s.o.). Spender, die sich auf die reine Aussage verlassen, „Die Garnisonkirche wird wieder errichtet“, werden getäuscht. Die EKBO hat sich hiermit das Instrumentarium für „Veränderungen“ und „inhaltliche Neuinterpretation“ geschaffen. Im Nutzungskonzept sind zwei Festlegungen verbindlich: - Keine Kirchengemeinde, - Kein Sonntagsgottesdienst. Die erste Bestimmung kann die Kirchenleitung gemäß Art. 12, Abs. 3 der Kirchenordnung wohl beschließen. Wenn es sich um eine Kirche handeln würde, verstieße die zweite Bestimmung gegen die Leitlinien kirchlichen Lebens der EKU. Dort heißt es in Art. 47: An allen Sonntagen ... werden öffentliche Gottesdienste gefeiert. ... Die Stetigkeit des Sonntagsgottesdienstes verbindet die Gemeinde mit der weltweiten Kirche und stellt sie in die Tradition und Gemeinschaft der Kirche aller Zeiten.“ Eine Kirche ohne Gemeinde ist ein Museum! Das sieht man an der Nicolaikirche im Berliner Nicolaiviertel. Sie heißt noch so wie zu Paul Gerhards Zeiten, sie ist aber ein Museum.

*****

Über die neu gegründete ev. Kirchenstiftung Garnisonkirche Potsdam und deren Satzungszwecke unterrichteten wir Sie mit Rundbrief 2/08. Im Juni 2009 soll deren Kuratorium „feierlich berufen“ werden. Man will das uminterpretierte Gotteshaus als „Symbolkirche und Erinnerungsort“ nutzen, in dem „die wechselvolle Geschichte der Garnisonkirche Potsdam in ihren unterschiedlichen Bezügen aufgearbeitet, dokumentiert und vermittelt wird. Hierzu gehört auch, dass die Stiftung das würdige Gedenken der Opfer des 20. Juli 1944 und die Erinnerung an den von der Potsdamer Garnison ausgehenden Widerstand gegen die nationalsozialistische Herrschaft in geeigneter Form ermöglicht. Die Stiftung strebt die Zusammenarbeit mit Partnern aus Wissenschaft, Kultur und den Kirchen, darunter auch der internationalen Nagelkreuzgemeinschaft, an.“ Und das Verrückteste ist wohl, dass in der wiedererbauten Garnisonkirche nunmehr auch des kommunistischen Widerstandes gegen Hitler gedacht werden soll, was Manfred Stolpe anregte. Franz Ludwig Schenk Graf von Stauffenberg, Sohn des Hitler-Attentäters, hat schon 1994 – im Bezug auf die Berliner Gedenkstätte dagegen protestiert, den deutschen Widerstand der Männer des 20. Juli 1944 mit den sowjetisch gesteuerten Aktivitäten von Exilkommunisten in Zusammenhang zu bringen: Im Gedenken an die Opfer für Freiheit, Recht und Ehre dürfe es „keine Kumpanei mit Lumpen“ geben. Und welcher Kommunist – bitteschön – hatte irgendeinen Bezug zu Preußen oder gar zur Garnisonkirche? Wir bleiben dabei: Für das Aufarbeiten, Dokumentieren und Vermitteln historischer Sachverhalte hat die Kirche keine Kompetenz; in derartig weltlichen und historischen Fragen hat sie auch keine Autorität. Geschichte aufarbeiten, dokumentieren und vermitteln – Volkspädagogik eben – ist nicht ihre Zuständigkeit; daran versuchen sich Universitäten, Schulen und Institutionen wie die Bundeszentrale für politische Bildung. Lehre geschichtlicher Zusammenhänge, zu denen Menschen so oder so stehen, gehört nicht in Kirchen, denn sie spaltet die Gemeinden. Daran wird sich die Stiftung Preußisches Kulturerbe – SPKE nicht beteiligen. Bischof Prof. Dr. Wolfgang Huber sagte am 10.12.2008 im Interview mit der MAZ so schön: „Sie (Anmerkung: die Spender) wollen, dass dort, wo Kirche drauf steht, auch Kirche drin ist. Und das wollen wir auch.“ Ja, um Himmels Willen, Herr Huber, warum handeln Sie dann nicht entsprechend? Unter Ihrer Stabführung ist doch diese unselige „Konzepterei“, mit dem Ziel, das Symbol Potsdamer Garnisonkirche zu brechen, erst entstanden. Sie verlangten von uns zunächst, dass die internationalen Friedensdienste in die Garnisonkirche einziehen sollten. Das lehnten wir ab, weil wir dafür nicht gesammelt hatten. Dann ließen Sie den „Spirit of Change“ ausrufen. Dafür hatten wir noch viel weniger gesammelt. Dann ließen Sie die polithistorische Volkspädagogik im Internationalen Versöhnungszentrum als Konzept vorstellen, womit auch kaum einer hinter dem Ofen vorgelockt werden konnte. Und nun erklären Sie öffentlich (in o.a. Interview), dass in der Garnisonkirche als Erinnerungsort und Versöhnungsort u.a. „Begegnungsveranstaltungen vorstellbar“ sind, „auch im internationalen Rahmen. So könnten sich Gruppen treffen, die sich in der gemeinsamen Arbeit zwischen Deutschen und Polen engagieren. Vorstellbar sind auch Ausstellungen und Fortbildungsmöglichkeiten.“ Also: „Nutzungskonzept“ pur! Das hat doch mit Kirche als Ort der Verkündigung nichts gemein. Wenn das für Sie bedeutet, „wo Kirche drauf steht, muss auch Kirche drin sein“, dann ist ein solches Kirchenverständnis zu hinterfragen. Sie, Herr Huber, luden uns im genannten Interview öffentlich „sehr herzlich“ ein, uns „am Vorgang zu beteiligen.“ Wir antworten Ihnen ebenso öffentlich: „Entideologisieren Sie das Vorhaben, und lassen Sie es ein theologisches werden. Laden Sie den heute Lebenden keine Schuldkomplexe auf, wie Sie es im „Nutzungskonzept“ festschreiben ließen: „Die Garnisonkirche symbolisiert Preußens Gloria und Preußens Elend. .... Die Schuldverstrickung ist eine mächtige Realität. ...Der unverwechselbare Ort mit seiner wechselvollen Geschichte wird auch in Zukunft in besonderer Weise nach Deutung verlangen.“ (Seite 10) „Seither fordert das Nagelkreuz insbesondere uns Deutsche heraus, mit unserer schuldbeladenen Vergangenheit ... im Geiste der Wahrheit und der Versöhnung umzugehen.“ (Seite 8) „Der Begriff der Versöhnung ist so positiv besetzt, dass er vor Missverständnissen und Missbräuchen geschützt werden muss. Die Inanspruchnahme billiger Gnade zur Selbstentlastung hat mit Versöhnung so wenig zu tun wie der moralische Appell an das ‚Gute im Menschen’. Die Einebnung des Unterschiedes von Tätern und Opfern ist ebenso unbiblisch wie die abergläubische Vorstellung von einer Wunden heilenden Zeit. ...“ (Seite 11) „Und unter dem Dach dieser Kirche sollen interessierte Bürger und politische Entscheidungsträger, engagierte Friedensaktivisten und verantwortliche Militärs in fairen Gesprächen ebenso um Themen der Friedenserhaltung, der gewaltfreien Konfl iktlösung und des heilsamen Umgangs mit persönlicher und gesellschaftlicher Schuld ringen können wie die Vertreter der modernen Medien und der sozial- und globalisierungskritischen Organisationen.“ (Seite 7) Das ist doch blanke polit-historische Schuldideologie. Wir halten Ihnen entgegen, es ist unchristliche Lieblosigkeit, wenn die heute Lebenden, die keinerlei Schuld tragen, in „Pseudo- Schuldverstrickung“ geführt und gehalten werden sollen. Oder wollen Sie den jetzt lebenden Polen Verbrechen ihrer Väter und Großväter an Deutschen, Juden und Ukrainern seit 1919 (also lange vor Hitler) aufl aden, um sie dafür Schuldgefühle hegen zu lassen? Von den Geschehnissen seit 1945 ganz zu schweigen. Die internationale Versöhnungsarbeit war Anliegen aller Bundesregierungen seit 1949. Unser Platz in den UN, der EU, der NATO und WEU zeugt vom Gelingen dieser politischen Anstrengungen. Die Grenzen sind offen, wer in Breslau, Stettin, Colberg oder sonst wo leben möchte, kann es so tun, wie mein freundlicher Nachbar W. aus Polen es hier in Bonn tut. Er achtet die Gesetze des Gastlandes, arbeitet, zahlt Steuern und Sozialabgaben. Wir alle mögen ihn und seine Familie sehr – und zwar ohne pseudotheologisches Gefasel von „gesellschaftlicher Schuld“, die es doch gar nicht gibt. Christen reichen einander die Hand. Die heute Schuldfreien aller Länder wollen wohl eher den Prinzipien des Westfälischen Friedens folgen, als die Lieblosigkeiten solcher höchst fragwürdigen „Nutzungskonzeptinhalte“ zu „genießen“. Das Vorgehen der Kirchenvertreter seit 2001 spaltete die Unterstützer der großartigen und für unser Land so wichtigen Aufgabe des Wiederherstellens der Garnisonkirche als Denkmal und Symbol des christlichen Pree ßens. Und so bleibt es fraglich, ob mit der von Ihnen, Herr Huber, so gebilligten, weiterhin gültigen polit-historischen Zielsetzung Spenden eingeworben werden können. Wir rufen Ihnen zu: 1. Stampfen Sie das „Nutzungskonzept“ ein, das Ihre Kirchenleitung sich 2005 zu eigen machte. 2. Entfrachten Sie das Vorhaben von allen polit-historischen Vorgaben. 3. Lassen Sie eine Personalgemeinde zu, die sich die Garnisonkirche als ihr Gotteshaus im Äußeren originalgetreu wieder aufbaut, um sie als Kirche in den Dienst der Verkündigung des Wortes Gottes zu nehmen, dem Soldatenkönig seine Grablegung und Potsdam ein Identität stiftendes Barock-Bauwerk zurückzugeben. Dafür, Herr Huber, sammelten wir. In diesem Sinn verwalten wir Testamente. Nur so können und werden wir handeln. Wenn diese Voraussetzungen gegeben sein werden, kann man uns gerne – auch öffentlich – „einladen“, uns „am Vorgang zu beteiligen“, wie Sie es auszudrücken beliebten.

Zum Brandenburgischen Gespräch 2009 am 05. September 2009 bitten wir auch in diesem Jahr wieder nach Potsdam. Die Einladung mit Programm geht Ihnen noch gesondert zu. Am 24.09.2009, 14.00 Uhr, werden auf dem Zieten-Platz, Berlin (ehem. Wilhelmplatz) die Denkmäler der Generale und Feldmarschälle Friedrichs des Großen der Hauptstadt übergeben. Interessenten sind herzlich eingeladen, dabei zu sein. Sie ermöglichten mit Ihren Spenden in Höhe von 55.000 €, die Restaurierung und Rettung des Denkmals von General von Winterfeld zu beginnen. Es ist bis dahin fertiggestellt. ***** Meine sehr verehrten Damen und Herren, Sie sind mit uns gemeinsam auf dem Weg für Brandenburg-Preußen, und das tun die meisten von Ihnen nun schon seit 25 Jahren. Es ist an uns, Ihnen anlässlich dieses Jubiläums dafür wirklich von Herzen dankbar zu sein. Was für ein Weg! Trost, Kraft und Richtungsgeber bleibt unser gemeinsames Arbeitmotto:

Gib, dass ich tu` mit Fleiß,
was mir zu tun gebühret;
wozu mich Dein Befehl
in meinem Stande führet.
Gib, dass ich`s tue bald,
zu der Zeit da ich`s soll,
und wenn ich`s tu`, so gib,
dass es gerate wohl!

Alle Mitstreiter in Stiftungsrat und Stiftungsvorstand grüßen Sie wieder in preußischer Verbundenheit und wünschen Ihnen eine schöne Sommerzeit. Im Namen aller bleibe ich Gott befohlen stets Ihr ergebener und dankbarer

Max Klaar - Oberstleutnant a.D.
Max Klaar
Oberstleutnant a. D.

 


St. Johanniskirche, Werben/ElbeSt. Johanniskirche, Werben/Elbe
Durch Feuchtigkeit gefährdet
St. Johanniskirche, Werben/ElbeSt. Johanniskirche, Werben/Elbe„Hauptaltar“ (Mitte)
 
Maria neben Christus als Himmelskönigin

 

St. Johanniskirche, Werben/ElbeSt. Johanniskirche, Werben/Elbe
Kanzel aus Sandstein“
Patronatskirche BarsikowPatronatskirche BarsikowDachstuhlerneuerung
Durch Feuchtigkeit gefährdet

 



Von Preußen lernen
Werte wie Sparsamkeit, Fleiß und Pflichtbewußtsein sind in der Krise wieder gefragt

Krisenmanagement – was wir von Preußen lernen können: – da fällt uns als erstes das politische Vermächtnis des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm I. (1713–1740) ein: „Macht keine Schulden und gebt nicht mehr aus, als ihr einnehmt!“ Der sogenannte Soldatenkönig, dessen wahre Verdienste gar nicht im militärischen Bereich lagen, hatte sich zeitlebens strikt an diese Devise gehalten. Er hat nicht nur den 20-Millionen-Taler-Schuldenberg seines ausgabenfreudigen Vorgängers abgebaut, sondern seinem Nachfolger sogar noch einen Staatsschatz von acht Millionen Taler hinterlassen. Seit wir nicht mehr von Königen, sondern von Bundeskanzlern regiert werden, erleben wir das exakte Gegenteil, mit dem Unterschied, daß die Taler zu Mark und Euro und die Millionen zu Millarden wurden. Keine Schulden machen, nicht mehr ausgeben, als man einnimmt – hätten Millionen US-Bürger sich daran gehalten, statt mit zu wenig Eigenkapital zu teure Häuser mit zu hohen Zins- und Tilgungsraten zu fi nanzieren und den Rest des Lebens mit Plastikgeld zu bestreiten, dann hätte es keine Immobilienkrise gegeben, folglich kein Herüberschwappen nach Europa und Deutschland. Und hätten unsere öffentlichen Hände nicht einen Schuldenberg von 1,5 Billionen Euro aufgetürmt, dann hätten sie einen viel größeren Spielraum, um auf Krisen zu reagieren. Ist das also der Königsweg zur Krisenbewältigung: keine Schulden, keine Krise, und alles wird gut? Richten wir unseren Blick relativierend gen Süden! Neuschwanstein, Linderhof, Herrenchiemsee – die Prunkschlösser Ludwig II., alle auf Pump gebaut. Sie hatten den Märchenkönig im wirklichen Leben dem Staatsbankrott gefährlich nahe gebracht. Bis heute hält sich das Gerücht, Majestät seien – auf welche Weise auch immer – in den Tod getrieben worden, weil nur so der Bau weiterer unbezahlbarer Schlösser zu verhindern war. Und heute? Der Freistaat Bayern hat einen nicht unbeträchtlichen Teil seines Wohlstands und seiner relativ niedrigen Staatsverschuldung den exorbitanten Einnahmen zu verdanken, die er Touristen aus aller Welt an den Kassenhäuschen der Pumpschlösser abknöpft. Schuldenmachen kann also durchaus dem Gemeinwohl förderlich sein. Die beiden Beispiele – der sparsame Soldatenkönig und der verschwenderische Märchenkönig – zeigen, daß es gar nicht so einfach ist, dahinterzukommen, was wir aus der Geschichte lernen können, um mit der heutigen Krise fertig zu werden. Einfach anmutende Rezepte erweisen sich bei näherem Hinsehen oft als genauso untauglich wie alles, was jetzt wieder aus der sozialistischen Mottenkiste hervorgezaubert wird, nicht nur von eingefl eischten Sozialisten, sondern auch von sozialdemokratisierenden Unionspolitikern. Die jüngste „Berliner Rede“ des Bundespräsidenten bringt uns einer Antwort näher. Es fällt auf, daß sich ein Begriffspaar wie ein Leitfaden durch den Text zieht: Freiheit und Verantwortung. „Wir erleben das Ergebnis von Freiheit ohne Verantwortung“, stellt Horst Köhler fest: Es gehe „auch um Fragen der Verantwortung und des Anstands. Was vielen abhanden gekommen ist, das ist die Haltung: So etwas tut man nicht.“ Weiter beklagt Köhler „Entgrenzung und Bindungslosigkeit. Jetzt erleben wir, daß es der Markt allein nicht richtet. Denn Marktwirtschaft lebt von Verantwortung und persönlicher Haftung für das eigene Tun. Die Krise zeigt uns: Schrankenlose Freiheit birgt Zerstörung.“ Die Soziale Marktwirtschaft ist für den Präsidenten „mehr als eine Wirtschaftsordnung. Sie ist eine Werteordnung. Sie vereinigt Freiheit und Verantwortung zum Nutzen aller“. Punkt für Punkt zählt er auf, welche Werte er dabei im Sinn hat: Disziplin, Glaubwürdigkeit, Anstand, Gemeinsinn, Sparsamkeit, Solidarität. Das klingt irgendwie bekannt. Richtig: bekannt wie Kant. Es ist das zentrale Denken der deutschen, genauer: der preußischen Aufklärung, wie sie der Königsberger Philosoph so treffl ich formuliert hat. Bei Kant ist Freiheit nie zügel- und schrankenlos, sondern unlösbar gebunden an Verantwortung. Die Grenzen setzt zum einem die Freiheit des anderen, vor allem aber das übergeordnete Gemeinwohl. Hinzu kommt, daß der Freiheitsbegriff, auf dem das Staatsverständnis Preußens basierte, von Anfang an eng gebunden war an einen klaren Rechtsrahmen. Da wurde klar beschrieben, welche Rechte und welche Pfl ichten der Bürger gegenüber der Obrigkeit hat – und umgekehrt. Nicht nur der Bürger hatte dem Staat, auch der Staat hatte dem Bürger zu dienen. Schon der sogenannte Soldatenkönig sah sich nicht als absolutistischer Herrscher von Gottes Gnaden, sondern als Inhaber eines von Gott gegebenen Amtes, dessen höchste Pfl icht es war, seinen Untertanen ein fürsorglicher, wenn auch gelegentlich strenger Landesvater zu sein. Sein legendärer Satz „Hohle der Deuffel lieber meine zeitliche Wohlfahrdt, als daß so viel Leute Bettler werden und ich reich“ war keine populistische Floskel, wie man sie heute oft hört von Leuten, denen viel Geld angeblich „gar nichts sagt“ (Hauptsache, sie haben es). Der Preußenkönig meinte das ernst, lebte es selber vor. Er strich die Kosten des Hofes auf ein Fünftel zusammen, trennte sich von 18 der 24 Schlösser seines Vaters, bewohnte nur fünf der 700 Räume des Berliner Stadtschlosses, begnügte sich mit zwei persönlichen Pagen. Das war der absolute Gegenentwurf zum absolutistischen Prunk des französischen Sonnenkönigs und seiner Nachahmer auf europäischen Thronen. Sich selber verlangte der König Arbeitseifer, Sparsamkeit, Pfl ichterfüllung und Fleiß genauso ab wie seinen Untertanen. Auch aus heutiger Sicht ganz modern, praktizierte er „Fordern und Fördern“. 1717 führte er die allgemeine Volksschulpfl icht ein, investierte – drei Jahrhunderte vor PISA, massiv in Bildung. Das Ergebnis: Bei Einführung der Schulpfl icht hatte Preußen 320 Volksschulen, 1740 bereits 1480! Man fi ndet in der Geschichte Preußens also einiges, dessen man sich zur Bewältigung der heutigen Krise durchaus erinnern sollte. Natürlich kann das Regierungskonzept des Soldatenkönigs kaum konkrete Handlungsanleitungen geben, wie wir heute verfahren – oder hätten verfahren – sollen. Ob man Opel überhaupt – und wenn ja, mit wieviel Milliarden – retten soll, wie man Sparer und Kleinanleger vor hemmungslosen Börsenspekulanten schützt, wie man den Kollaps von Staatsfi nanzen und Sozialsystemen verhindert – Fragen, die wir Heutigen selber beantworten müssen. Aber worauf stützen wir uns bei der Suche nach den richtigen Antworten? Da können wir von Preußen einiges lernen. Genauer: von der Idee Preußen. Das Markenzeichen dieser Idee ist ihre Ausgewogenheit, ihre kluge Balance von Pfl ichten und Rechten, von Freiheit und Verantwortung. Preußen in den guten Zeiten seiner Geschichte, das war in der Terminologie der Klassik „Athen“ und „Sparta“, in den Worten Kants der kategorische Imperativ als übergeordnetes Handlungsprinzip für den Einzelnen wie für den Staat. Die Idee Preußen und ihre Bedeutung für uns Heutige: Dazu gehören preußische Tugenden: Ehrlichkeit, Gerechtigkeit, Treue, Bescheidenheit, Sparsamkeit. Letztere ist nicht zu verwechseln mit Geiz. Im Gegenteil, Geiz, wie er heute werbewirksam propagiert wird, ist nicht „geil“, sondern dumm. Geiz nimmt allem – den Waren, den Leistungen der Menschen und am Ende den Menschen selbst – ihren Wert. Sparsamkeit im preußischen Sinne hingegen respektiert den Wert, will sorgfältig damit umgehen, will ihn optimal zum Gemeinwohl nutzen. Der zitierte Werbeslogan jedenfalls wäre im sparsamen Preußen unvorstellbar gewesen. Heute aber lassen wir vor lauter Geiz hochwertige eigene Produkte in den Regalen liegen oder auf der Halde stehen und retten statt dessen Arbeitsplätze in Fernost. Bescheidenheit, am Gemeinwohl orientiert – dieses Element der Idee Preußen ist im eigenen Lande weitgehend in Vergessenheit geraten. Jenseits unserer Grenzen hingegen hat es längst Anerkennung gefunden, trotz der jahrzehntelang praktizierten Diskriminierung Preußens und seiner Tugenden. In der Sprache des französischen Bildungsbürgertums steht „travailler pour le roi de Prusse“ (für den König von Preußen arbeiten) für ehrenamtliches Engagement, dafür, etwas zu tun, ohne schon vorher die Hand aufzuhalten. Und wenn ich französischen Freunden stolz die Preußische Allgemeine Zeitung zeige, meinen sie hintergründig „Être prusse est un honneur mais pas un plaisir“ (Preuße sein ist eine Ehre, aber kein Vergnügen). Auch dies also können wir von Preußen lernen: Weg von der egoistischen, oberfl ächlichen Spaßgesellschaft, zurück zur am Gemeinwohl wie am christlichen Menschenbild geprägten „Freiheit in Verantwortung“ – das ist das geistige Rüstzeug, das uns am ehesten noch einen Weg aus der Krise weist.

Hans-JürgenMahlitz

Dieser Text basiert auf einer Rede vor dem Autorenverband „Stimme der Mehrheit“ (siehe www. stimmedermehrheit.de). (Aus: Preußische Allgemeine Zeitung, Nr. 17 – 25. April 09)

 

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