Meine
sehr verehrten Damen und Herren!
Die
Verhandlungen mit den Vertretern der Stadt und der Ev.
Kirche Potsdams dauern an. Nach fünf Gesprächsrunden treten
unterschiedliche Positionen schärfer hervor (vgl. Ziff.
2.a.). Eine Einigung steht aus. Wir haben aber die erforderliche
Geduld, mit der wir dank Ihrer aller Hilfe in den vergangenen
18 Jahren doch eine Menge erreichten. Heute haben
wir zu berichten:
1.
Der Spendenkontostand steht bei rund 5,5 Mio € (10,8 Mio DM). Haben Sie auch auf diesem Weg nochmals herzlichen
Dank für alle Gaben,
die uns bestärken, im Vertrauen auf Gottes Hilfe
und ganz bestimmt ohne jede Furcht vor Menschen auf dem eingeschlagenen Weg beharrlich fortzuschreiten.
2.
Lageentwicklung seit Juni 2002
a.
Am 07. September 2002 tagte die Jahreshauptversammlung
(JHV) unserer Gemeinschaft; aus diesem Anlass schrieb
unser Schirmherr, Minister Jörg Schönbohm,
der sie wiederum dankbar und herzlich grüßen lässt, den
Mitgliedern der TPG:
„Sehr
geehrte Damen und Herren, liebe Kameraden!
Ich
begrüße Sie sehr herzlich zu Ihrer Jahreshauptversammlung
hier in Potsdam. Ich freue mich sehr, dass Sie auch in
diesem Jahr der alten Residenzstadt die Treue gehalten
haben.
Deutschland
und Potsdam stehen in diesen Tagen vor grundlegenden Entscheidungen.
Am 22. September 2002 wählen wir nicht nur einen neuen
Deutschen Bundestag, sondern die Potsdamerinnen und Potsdamer
auch einen neuen Oberbürgermeister. Ich bitte Sie daher
um Verständnis, dass diese Termine mich daran hindern,
heute persönlich bei Ihnen zu sein.
Auch
die Traditionsgemeinschaft und die ihr nahestehende Stiftung
Preußisches Kulturerbe stehen vor grundlegenden Entscheidungen.
Sie
haben die in diesem Jahr begonnenen Verhandlungen zum
Wiederaufbau des Turmes der Garnisonkirche verfolgt, und
sie sind Hauptthema der diesjährigen Versammlung. Wer
hätte noch vor einem Jahr gedacht, dass bereits jetzt
konkrete Ergebnisse vorliegen? Ich danke daher zunächst
den Mitgliedern der Verhandlungsgruppe ...... für ihren
unermüdlichen Einsatz. Ich weiß aus eigener Erfahrung,
wie schwierig derartige Verhandlungen sein können.
Es
wurde dennoch viel erreicht. Ohne das Endergebnis vorwegnehmen
zu können, lässt sich erkennen, dass unsere beiden Grundanliegen,
die historische äußere Gestalt mit Wetterfahne und die
kirchliche Nutzung im Inneren, angenommen werden, wenn
in den verbleibenden weniger wichtigen Fragen Einigung
erzielt
werden
kann. Selbstverständlich wird es dabei auch für uns notwendig
sein, bei Fragen wie Baudurchführung oder Ergänzung des
Stundenlaufes, Kompromissen zuzustimmen. .......
Sie,
meine sehr geehrten Damen und Herren, müssen daher entscheiden,
ob Sie bereit sind, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen
.......
Der
Wiederaufbau der Garnisonkirche ist für mich ein wesentliches
Motiv für meinen persönlichen Einsatz.
Ich
erkläre Ihnen daher heute erneut meine Bereitschaft, mich
mit allen zur Verfügung stehenden Kräften für das Gelingen
des Wiederaufbaus in unserem Sinne einzusetzen. Ich bitte
zugleich auch Sie, heute ein deutliches Signal an die
Öffentlichkeit zu geben, dass Sie den Erfolg der Verhandlungen
wünschen, und dass daher die Gespräche fortgesetzt werden
müssen. Sollten die Stadt und die EKiBB den Turm in historischer
Gestalt und kirchlicher Nutzung im Inneren akzeptieren,
dürfen wir uns unsererseits nicht verweigern.
Ich
danke an dieser Stelle auch den Tausenden von Spendern,
die im festen Glauben an den Wiederaufbau seit Jahren
unser gemeinsames Projekt großzügig befördern. Auch deshalb
sind wir zum Erfolg verpflichtet.
Ich
wünsche uns allen daher das erforderliche Maß an Mut und
Kraft, das Notwendige zu tun, um den Wiederaufbau des
Garnisonkirchturmes – ein Vorhaben von nationaler Bedeutung
mit internationaler Wirkung – nunmehr zu vollenden.
Lassen Sie den Faden der gemeinsamen Gespräche, die letztlich
zum Erfolg geführt werden müssen, nicht abreißen. Wir
sind dies auch den zukünftigen Generationen schuldig,
denen wir dieses Geschenk machen wollen.
Ich
verbleibe in preußischer Verbundenheit Ihr gez. Jörg Schönbohm“.
b.
Dieser aufrüttelnde Brief unseres Schirmherren war den
Teilnehmern der Jahreshauptversammlung (JHV) unserer Gemeinschaft
wesentliche Einstimmung auf die Bedeutung der Tagung.
Nach
ausgiebiger Beratung und unter Berücksichtigung der Vorstellungen
der Gesprächspartner von Stadt und Kirche beschloss die
JHV dann als Position für die Beteiligung der Traditionsgemeinschaft
Potsdamer Glockenspiel am Wiederaufbau des Garnisonkirchturmes:
1.
Der nachstehend aufgezeigte Weg soll als Vorschlag zur
„Paketlösung“ den Gremien der Stadt Potsdam, der Ev. Kirche
in Berlin-Brandenburg (EKiBB) und der TPG zur Beschlussfassung
vorgelegt werden.
2.
Der Turm der Garnisonkirche wird in seiner äußeren Gestalt
gänzlich originalgetreu wiedererrichtet. Er erhält seine
alte Turmspitze.
3.
Gegen ein „Nagelkreuz“, das neben dem Turm aufgestellt
würde, um als Symbol für die Versöhnungsarbeit der Kirche
zu dienen, hätte die TPG keine Einwände.
4.
Der Glockenspiellauf folgt der historischen Vorgabe; das
schließt Sonderspieleinlagen zu besonderen Anlässen nicht
aus.
5.
Die TPG bleibt auch weiterhin die „Sammelbüchse“
für den Wiederaufbau des Garnisonkirchturmes. Konkurrierende
Sammeltätigkeit wird ausgeschlossen.
6.
Schirmherr des Wiederaufbaus der Garnisonkirche ist der
Stellvertretende Ministerpräsident des Landes Brandenburg,
Innenminister Jörg Schönbohm.
7.
Eine von der Stadt Potsdam, der ARAG (Grundstückseigentümer),
der Ev. Kirche und der TPG zu gründende „Gesellschaft
für den Wiederaufbau der Garnisonkirche m.b.H.“ führt
den Bau aus. Die Stadt Potsdam, ARAG und die TPG schenken
das fertiggestellte Objekt der EKiBB.
8.
Voraussetzung für die Teilnahme der TPG ist ein Schenkungsvertrag
zwischen ihr und der EKiBB, der vor Baubeginn beurkundet
wird und gewährleistet, dass der Turm als Kirche genutzt
wird.
9.
In der Präambel des Schenkungsvertrages zwischen TPG und
EKiBB wird die Symbolbedeutung der Garnisonkirche definiert.
Die Nutzung soll dieses Symbolverständnis aufnehmen und
dabei auch heutigen kirchlichen Vorstellungen Rechnung
tragen, soweit sie biblisch gerechtfertigt sind. Folgende
Grundsätze sollen hierzu in die Präambel aufgenommen werden:
·
Die Garnisonkirche ist eine christliche
Kirche und damit ein Ort der Verkündigung der Heilszusage
Gottes, der Versöhnung und des Gebets.
·
Sie wird zur Ehre Gottes wiedererrichtet
und dient als Stadtkirche in besonderer Weise der Inneren
Mission.
·
Aufgrund des Willens ihres Stifters und
ihrer Geschichte soll in ihr deutlich werden,
-
dass wir Gott mehr gehorchen müssen als den Menschen,
-
wie christlich verantwortetes Handeln für die Gemeinschaft
aussehen kann und
-
wie das Gewissen für diese Aufgabe geschult werden kann.
10.
Der Turm dient als Kirche für Gottesdienste, Andachten,
Stadtkirchen- und Versöhnungsarbeit im Sinne der biblischen
Botschaft. Er steht beiden großen christlichen Konfessionen
hierfür sowie für Militärseelsorge und ökumenische Arbeit
zur Verfügung („Schule des Gewissens“).
Im
Turm werden keine Geschäfts- oder Verwaltungsstellen von
Institutionen zugelassen.
11.
Die Beteiligten schaffen alsbald die planerischen und
rechtlichen Voraussetzungen für den Baubeginn. Die Möglichkeit
zum Wiederaufbau des Kirchenschiffs in der historischen
äußeren Form wird offengehalten. Näheres regelt der Schenkungsvertrag.
Wir
informierten unsere Gesprächspartner von der Beschlusslage.
Es bleibt abzuwarten, wie sich die Dinge entwickeln. Wir
werden Sie vom Fortgang weiter unterrichten.
Um
den Gesprächsverlauf nicht zu belasten, kamen die Gesprächsteilnehmer
überein, die Presse über die jeweiligen konkreten Gesprächsinhalte
erst bei Einigung zu unterrichten.
3.
In Potsdam wechselte der Oberbürgermeister. Matthias
Platzeck folgte Manfred Stolpe als Ministerpräsident.
Jann Jakobs wurde zum neuen Oberbürgermeister
gewählt; die TPG gratulierte ihm dazu.
Der
Büroleiter des Oberbürgermeisters, Herr Wieland Eschenburg,
nimmt als Vertreter des OB weiterhin als Gesprächsleiter
teil. Von ihm wissen wir, dass auch OB Jakobs den Erfolg
der Gespräche wünscht.
Die
Verhandlungsgrundsätze der TPG machten wir im Rundbrief
1/2002 deutlich. Daran halten wir fest. Der Beschluss
der JHV und die vielen Reaktionen aus Ihrem Kreis bestärken
uns hierin.
4.
Ein Weggefährte der ersten Stunde unserer Arbeit verstarb
im Sommer dieses Jahres.
| Wir
trauern um
Generalleutnant
a.D.
Gerhard
Wessel
Präsident
des Bundesnachrichtendienstes i. R.
24. Dezember 1913 – 28. Juli 2002 |
General
Gerhard Wessel begleitete unsere Arbeit in der Traditionsgemeinschaft
Potsdamer Glockenspiel von Anfang an mit großer Anteilnahme
und hatte erkannt, dass gute Traditionspflege in der Bundeswehr
eine umfassende Aufgabe ist, der sich die Führung zu stellen
hat.
Er
unterzeichnete die Stiftungsurkunde für das neugeschaffene
Potsdamer Glockenspiel und übergab es am 17. Juni 1987
im Namen aller Spender an die Iserlohner Fallschirmjäger.
Unvergessen ist seine
Ansprache
im Namen der Spender zur Übergabe
des
POTSDAMER GLOCKENSPIELS an das Fallschirmjägerbataillon
271
„Meine
verehrten Damen, meine Herren, Soldaten der Bundeswehr!
Der
Kommandeur des FschJgBtl 271 bat mich vor einigen Monaten,
namens all derer, die die Wiederherstellung des POTSDAMER
GLOCKENSPIELS ermöglichten, das Geläut heute urkundlich
in die Obhut dieses Bataillons unserer Bundeswehr zu übergeben.
Über
Parteigrenzen hinweg machten Tausende diese besondere
Form der Traditionspflege möglich. Zwei Namen seien stellvertretend
für alle genannt: Der Präsident der Bundesrepublik Deutschland,
Dr. Richard von Weizsäcker und Seine Kaiserliche Hoheit,
Dr. Louis Ferdinand Prinz von Preußen.
Was
mag die Spender bewogen haben, in unserer Symbolen und
Traditionen oft so ablehnend gegenüberstehenden Zeit für
dieses Glockenspiel zu geben? Was veranlasste mich? Nicht
mit eigenen Worten will ich dieser Frage nachgehen, sondern
mit Aussagen von Menschen aus der Zeit zwischen 1736 und
der Gegenwart. Es sind Worte, die mit dem Begriff ‚Preußen’
zwar eng zusammenhängen, die aber nie für Preußen allein
gültig waren. Es sind dies Worte zur Religion, zur Toleranz,
zu Pflicht, Gehorsam und Ehre.
Friedrich
Wilhelm I. sagte zur Religion: ‚So ich nun baue Stadt
und Land und mache nicht Christen, ist alles nichts nütze.’
So steht es jetzt auf der Stundenschlagglocke des Potsdamer
Glockenspiels.
Sein
Sohn Friedrich II., der Große, ging einen Schritt weiter
und betonte die gerade in Glaubensfragen so nötige Toleranz:
‚Die Religionen müssen alle tolerieret werden, denn hier
muss ein jeder nach seiner FaVon
selig werden.’
Pflicht,
Gehorsam und Ehre gehören zusammen. Der Spruch auf dem
Grabstein des Johann Friedrich Adolf von der Marwitz,
der seinen Abschied aus Friedrichs Armee nahm, um einen
Plünderungsbefehl nicht ausführen zu müssen, lautet: ‚Sah
Friedrichs Heldenzeit und kämpfte mit ihm in allen seinen
Kriegen. Wählte Ungnade da, wo Gehorsam keine Ehre brachte.’
Moltkes
Wort gehört hierzu: ‚Gehorsam ist Prinzip, der Mann steht
über dem Prinzip.’
Und
so schrieb Hindenburg in den Pflichten des Deutschen Soldaten:
‚Größten Lohn und höchstes Glück findet der Soldat im
Bewusstsein freudig erfüllter Pflicht.’
Schließlich
aus einem Buch zum 200. Todestag Friedrich des Großen:
‚Wie wäre ein aktiver Widerstand gegen Hitler möglich
gewesen ohne das Pflichtgefühl. Ist es ein Zufall, dass
mit dem 20. Juli 1944 so viele Namen aus der preußischen
Geschichte im Untergang noch einmal aufleuchten?’
Aus
diesen Worten sprechen große ethische Werte. Sie gelten
auch heute und morgen. Und ich bin davon über-zeugt, dass
es diese Werte und diese Haltung waren, die uns bewogen,
für das Potsdamer Glockenspiel nach unserem Vermögen zu
spenden.
Nach
mehr als vier Jahrzehnten erlebt eine schon für immer
zerstört und vernichtet geglaubte Tradition ihre Auferstehung.
Dies sollte uns auch zu größerer Gelassenheit gegenüber
den Gefahren und Nöten unserer Zeit führen. Wie oft und
wie lang waren in der Geschichte Völker und Nationen getrennt
oder gespalten! Die Griechen (490-448 v.Chr.) während
der Perserkriege. Die Spanier (756-1212) fast 500 Jahre
während der Maurenkriege. Die Ungarn 300 Jahre während
der Türkenkriege. Die Polen über 100 Jahre im Zuge der
drei Teilungen von 1772, 1793, 1795.
Trennungen
und Spaltungen sind nicht nur Geduldsproben, sie sind
vor allem Bewährungsproben für die Völker. So mag der
17. Juni 1987 jedem von uns bewusst werden lassen,
dass wir uns gerade in der Trennung bewähren müssen, um
eines Tages das „Potsdamer Glockenspiel“ wirklich
wieder zum Potsdamer Glockenspiel werden zu lassen.
Bis
dahin sei mit dem Dank der Spender an alle, die das Geläut
zu neuem Leben erweckten, das Potsdamer Glockenspiel in
Iserlohn mit dieser Urkunde in die Obhut des Fallschirmjägerbataillons
übergeben.“
URKUNDE
Dem
Fallschirmjägerbataillon 271 wurde am Tag der Deutschen
Einheit 1987 das wiederhergestellte POTSDAMER GLOCKENSPIEL
in
die treuhänderische Obhut übergeben.
Das
Bataillon möge das Geläut in Ehren pflegen, bis unser
Deutsches Vaterland nicht mehr gewaltsam geteilt ist.
Alsdann soll es die Glok-ken nach Potsdam stiften; dies
ist ihr endgültiger Bestimmungsort.
Das
POTSDAMER GLOCKENSPIEL wurde damit zum Symbol für die
Sehnsucht der Deutschen nach Wiederherstellung ihrer staatlichen
Einheit in Freiheit.
Mögen
seine Melodien „Lobe den Herren, den mächtigen König der
Ehren“ und „Üb’ immer Treu’ und Redlichkeit“ unser Volk
begleiten auf dem Weg zu einem Deutschland der Einigkeit,
des Rechtes und der Freiheit.
So
helfe uns Gott!
Gegeben
am 17. Juni 1987 – im Jahre des 750-jährigen Bestehens
der Städte ISERLOHN und BERLIN
- im Namen der Spender -
Gerhard Wessel
Generalleutnant a.D.
Wir
bewahren General Wessel ein ehrendes Andenken.
5.
Besonderer Dank
Allen
Jubilaren, die ihren Ehrentag in den Dienst unserer großen
Sache gestellt haben, in dem sie zu Spenden für den Wiederaufbau
der Potsdamer Garnisonkirche aufriefen, sagen wir nochmals
sehr herzlichen Dank.
Bewährt
hat sich, dazu vorher mit unserer Bonner Geschäftsstelle
Verbindung aufzunehmen, damit alle Spenden korrekt zugeordnet
und eine vollständige Schlussbilanz vorgelegt werden kann.
6.
Vorstandswahl
Die
Jahreshauptversammlung unserer Traditionsgemeinschaft hat
am 07. September 2002 in Potsdam dem Vorstand Entlastung
erteilt und durch Neuwahl für die kommenden fünf Jahre erneut
das Vertrauen ausgesprochen.
7.
Ankündigung
Am
25. Januar 2003, 14.00-19.30 Uhr, veranstaltet die „Stiftung
Preußisches
Kulturerbe“ im Hotel Mercure, Potsdam das
1.
„Brandenburgische Gespräch“
mit
folgendem Programm:
a.
Historische Wurzeln christlicher Ethik in Brandenburg-Preußen,
Dr.
Wilhelm Hüffmeier
b.
Das Gewissen - ist es lehr- und lernbar?,
Prof.
Dr. Richard Schröder
c.
Welche Tugenden braucht unsere Gesellschaft?,
Minister
Jörg Schönbohm
d.
Ist Deutschland noch eine Nation,
Prof.
Dr. Arnulf Baring
e.
Podiumsdiskussion - Aussprache
Generalsuperintendent
Hans-Ulrich Schulz übernimmt die Moderation.
Bitte
melden Sie sich bei unserer Geschäftsstelle Potsdam dazu
an (Tel. 0331-201.50.84.). Teilnehmerzahl ist begrenzt.
Übernachtung im Hotel Mercure möglich (Buchung unter 0331-
272.420.)
8.
Zum Schluss
Der
Geburtstag unseres Herrn Jesus Christus steht bevor.
Wir wünschen Ihnen eine besinnliche Adventszeit und vor
allem von ganzem Herzen eine FROHE WEIHNACHT.
Das
NEUE JAHR möge Ihnen alles nur erdenklich Gute bringen
und niemandem von uns soll mehr aufgeladen werden, als er
tragen kann.
So
gilt es, Richtung zu halten mit:
Gib,
dass ich tu‚ mit Fleiß, was mir zu tun gebühret;
wozu
mich Dein Befehl in meinem Stande führet.
Gib,
dass ich‚s tue bald, zu der Zeit da ich‚s soll,
und
wenn ich‚s tu‚, so gib, dass es gerate wohl!
Gott befohlen für heute; im Namen des Vorstands
und unserer Geschäftsführer grüße ich Sie in preußischer
Verbundenheit und bleibe stets
Ihr
ergebener und dankbarer
Max Klaar
Oberstleutnant
a. D.

Die Beilage zum Rundbrief - November
2002
Vae Victis, wehe
dem Besiegten
Ehrhardt Bödecker
Inhaber des Brandenburg-Preußen Museums in Wustrau
Nach ihrer schweren Niederlage gegen die Gallier vor 2.390
Jahren erkauften sich die Römer den Abzug der Fremden
aus ihrer Stadt mit einem hohen Lösegeld in purem Gold.
Als die Gallier beim Abwiegen des Goldes manipulierte Gewichte
benutzten und die Römer dagegen protestierten, rief
Brennus, der gallische Heerführer, „Vae Victis“,
was nichts anderes bedeutete, ihr habt nichts zu sagen,
seid froh, daß wir euch nicht umbringen. Dieses Vae
Victis wurde in den folgenden Jahrhunderten zum Sinnbild
einer gnadenlosen und rechtlosen Behandlung besiegter Gegner.
In der Antike bestand eine weitverbreitete Gewohnheit, die
Soldaten eines besiegten Heeres zu töten oder in die
Sklaverei zu führen.
Die Grausamkeit unter streitenden Parteien und Staaten
nahm zu. Die Kirche war nicht imstande, dieser Entwicklung
moralische oder rechtliche Barrieren entgegenzusetzen. Erst
mit der Reformation durch Martin Luther und Johannes Calvin,
mit der Veränderung des Weltbildes durch Kopernikus
und Galilei veränderten sich auch Lebensgefühl
und Lebensformen der Menschen. An die Stelle der antiken
Rechtsansichten wurde jetzt über das Wesen des Rechts
neu nachgedacht. Einer der herausragenden Vertreter der
neuen Rechtslehre war der 1583 geborene Hugo Grotius. Man
nennt ihn den Vater des Völkerrechts. Er forderte die
Einhaltung von Rechtsregeln nicht nur im friedlichen Verkehr
der Völker untereinander, sondern auch während
und nach Austragung von kriegerischen Konflikten.
Das bisher geltende „ius ad bellum“, das Recht
eines Staates zur Kriegsführung, wurde durch die Lehre
vom „gerechten Krieg“ – das „bellum
iustum“ – ersetzt. Ein gerechter Krieg sollte
nach Hugo Grotius im Interesse des Rechtsfriedens mit einem
„guten Frieden“ beendet werden. Zu einem guten
Frieden gehörte nicht nur ein totales Vergessen der
gegenseitig zugefügten Gewalttaten, sondern auch die
Gewährung gegenseitiger Amnestie. Der
Westfälische Friedensvertrag, der den Dreißigjährigen
Krieg 1648 beendete, wurde daher mit der Klausel eingeleitet:
alle Gewalttaten sollen gegeneinander aufgehoben sein und
dem immerwährenden Vergessen anheim gegeben werden.
Diese Klausel enthielt auch der Friedensvertrag von Schweden
mit Preußen am 21.1.1720 und endlich auch der Hubertusburger
Frieden, der den Siebenjährigen Krieg 1763 beendete.
Aber auch die Lehre des „gerechten Krieges“
gab man im 18. Jahrhundert auf und versachlichte die
Kriegsgründe. Man nannte die Kriege deshalb „Kabinettskriege“.
Den zahlreichen seit 1700 von den Großmächten
geführten Konflikten fehlte daher das zerstörerische
Element der Berufung auf den „wahren Glauben“
oder auf die „bessere Moral“. Das hatte zur
Folge, daß die Friedensschlüsse den Kriegsparteien
Versöhnung brachten und eine zügige Wiederaufnahme
von menschlichen und staatlichen Beziehungen nach Ende
der Kampfhandlungen. Friedrich der Große meinte, die
Bevölkerung dürfte es nicht merken, wenn der Staat
einen Krieg führe. Der erste internationale Vertrag,
der humane Forderungen als verbindlich zwischen den Staaten
im Krieg und Frieden festlegte, war der Vertrag zwischen
Preußen und den Vereinigten Staaten von Amerika vom
3. September 1783. Hier sind zum ersten Mal – übrigens
auf Veranlassung Preußens – Bestimmungen zur
Humanisierung der Kriegsführung als elementare menschliche
Grundrechte ins Völkerrecht eingegangen. Während
des 19. Jahrhunderts wurde dieser Vertrag im gegenseitigen
Einverständnis mehrmals verlängert, zuletzt durch
Wilhelm II. Ende des 19. Jahrhunderts.
Es hatte gute Gründe, daß man von der Rechtfertigung
eines Krieges „als gerecht“ abgerückt war,
denn die Berufung auf die gerechte Sache führte zur
Verabsolutierung des eigenen Standpunktes und somit zu Intoleranz
und Fanatismus. Der Sieg des Stärkeren oder des zahlenmäßig
Überlegenen sollte nicht länger als Sieg der gerechten
Sache gelten. Die Identifikation von Sieg mit dem Recht,
kurz Siegerjustiz genannt, zerstörte in Wirklichkeit
den
Glauben an das Recht und seine Gültigkeit.
Die Versachlichung des Völkerrechts, die der Menschlichkeit
diente, das Abrücken vom moralisch gerechtfertigten
Krieg, haben England und Amerika im Ersten Weltkrieg zum
Schaden Europas aufgegeben und den Grundsatz vom „gerechten
Krieg“ nach 200 Jahren wieder belebt. Außenpolitische
und völkerrechtliche Fragen wurden wieder moralistisch
und ideologisch behandelt. Diese moralisierende Verherrlichung
des eigenen Standpunktes führte zum Fanatismus und
zur Inhumanität. Europa erlebte fanatisierende ideologische
Auseinandersetzungen von einer Stärke, wie sie auf
dem Kontinent in den beiden zurückliegenden Jahrhunderten
unbekannt geworden waren. Die Selbstvergötzung der
Alliierten, die künstliche Politisierung mit Hilfe
der modernen Propagandaapparate wurde zur Quelle des Unheils
in Europa. Es wurde die Ursache für jene maßlose
Überschätzung des Politischen, jene Aufwühlung
politischer Leidenschaften, die mit der totalen Politisierung
allen Lebens, dem Aufsaugen aller echten Gemeinschaftsbildung
durch den Staat geendet haben. Ein Ignorant, wer diese Ursachen
nicht erkennt. Der Friedensschluß in Versailles nach
dem Ersten Weltkrieg machte die Aufgeblasenheit und den
Unfehlbarkeitsdünkel der Alliierten zum Vertragsinhalt.
Seine Wirkungen beschrieb Altbundespräsident Richard
von Weizsäcker wie folgt: „Frankreich, England
und die USA verloren jedes Maß. Man setzte Deutschland
das Kainsmal der alleinigen Kriegsschuld auf die Stirn,
verurteilte es in Grund und Boden und demütigte es,
wo und wie man nur konnte. Das mußte Folgen haben,
sie kamen, und sie waren schwer“.
Auch der Zweite Weltkrieg wurde durch den Einfluß
der Vereinigten Staaten mit der Selbstvergottung der Sieger
beendet. Der gegenüber allen Deutschen erhobene Vorwurf
der Kollektivschuld und des Gewußthabens von rechtlichen
Verfehlungen diente nicht der Förderung des Verständnisses
geschichtlicher Zusammenhänge, sondern man verfolgte
das politische Ziel der persönlichen Demütigung
und Erniedrigung der Deutschen, das Untergraben unseres
nationalen Selbstbewußtseins. Von wenigen Ausnahmen
abgesehen ist dieses Ziel erreicht worden.
Es ist folgerichtig, wenn wir hier die umgekehrte Frage
stellen, nämlich nach der Verantwortung der Bürger
der alliierten Länder an den völkerrechtswidrigen,
rechtswidrigen oder nur moralisch unsittlichen Verhalten
ihrer Regierungen und ihrer Armeen während und nach
Beendigung der Kampfhandlungen. Für die bestialischen
Untaten an den europäischen Juden trägt Deutschland,
unabhängig vom Wissen des einzelnen, die Verantwortung.
Daran ändert auch die inzwischen wissenschaftlich nachgewiesene
Unrichtigkeit der behaupteten Zahl von 6 Millionen Opfern
nichts. Angesichts der deutsch-preußischen Geschichte
werden diese Untaten ewig unerklärlich bleiben, ein
schwarzer Fleck, der sich niemals tilgen läßt,
weder durch Zeitablauf, noch durch Vergessen. Dieser unbegreifliche
Frevel läßt sich auch nicht durch Vergleich oder
Aufrechnung mit anderen Verbrechen ähnlicher Art in
seiner moralischen Bewertung abschwächen oder tilgen.
Diese Regel gilt jedoch für beide Seiten. Das heißt,
in umgekehrter Weise auch für die von Amerikanern,
Engländern oder Russen begangenen Verbrechen, deren
Unrechtsgehalt ebenfalls weder durch Vergleich oder Aufrechnung
mit anderen Verbrechen, schon gar nicht durch Berufung auf
Hitler gerechtfertigt oder moralisch gemindert werden können.
Rechtstaatlichkeit und Gerechtigkeit fordern gleiche Behandlung
gleicher Tatbestände, und zwar ohne Ansehung der Person
und ohne Ansehung der Nationalität. Von deutschen Verfehlungen
wird in den inländischen und ausländischen Medien
im Übermaß berichtet. Daher wollen wir uns hier
den Verfehlungen der anderen Seite zuwenden.
Schon bei Beginn des Krieges wurde in England unter Verstoß
gegen das Völkerrecht die Bombardierung der deutschen
Städte mit dem Ziel der Terrorisierung der zivilen
Bevölkerung erörtert und zur Strategie der Kriegsführung
bestimmt. Es widerspricht allen Forschungsergebnissen, die
englischen Bombenangriffe als vom Völkerrecht sanktionierte
Vergeltung für gleichartige deutsche Angriffe entschuldigen
zu wollen. Uneingeschränkt gilt das auch für den
deutschen Bombenangriff auf Coventry, der nur auf militärische
Objekte zielte, nicht auf die Bevölkerung. Das ist
heute in der Wissenschaft unstreitig, trotzdem wird von
Journalisten, Politologen und der Evangelischen Kirche in
Potsdam immer wieder und wieder das Gegenteil behauptet.
Ist es Nachlässigkeit oder ideologische Absicht?
Am 8. Juli 1945 bat der japanische Kaiser über den
schwedischen König die USA um die Einleitung von Friedensverhandlungen.
Trotzdem erfolgten am 6. August und am 9. August die Bombardierungen
von Hiroshima und Nagasaki mit Atombomben. Ungeheure Verluste
und die schrecklichsten Verletzungen unter der Zivilbevölkerung
waren die Folge. Es ist eine unentschuldbare Unwahrheit
zu behaupten, die Atombomben haben der Kriegsverkürzung
und damit der Schonung von Menschenleben gedient. Es waren
Bombentests, Versuche am Menschen. Hat von der amerikanischen
oder englischen Bevölkerung keiner von diesen Verbrechen
etwas gewußt? Wer hat sie verhindert, zumindest versucht,
sie zu verhindern? Diese Frage ist natürlich nur rhetorisch
gemeint, sie sollte nur die Absurdität des Schuldvorwurfs
deutlich machen, der gegenüber den einzelnen Deutschen
wegen der Untaten an den Juden erhoben wird.
Die kollektive Kriminalisierung aller Deutschen blieb nicht
bei der Erlebnisgeneration stehen, sondern wurde auf die
deutsche Geschichte ausgedehnt. Soziologen und Politologen
der USA machten unsere Vorfahren ebenfalls zum Gegenstand
des Schuldvorwurfs, sie konstruierten eine Kausalkette,
die von Luther über Friedrich den Großen bis
zu Hitler führte. Die Berufung Hitlers auf diese Kontinuität
war unberechtigt, seine geistige Wiege stand in Wien, nicht
in Preußen. Das wußten die ausländischen
Umerzieher. Trotzdem war eine positive Rückbesinnung
auf Preußen politisch nicht erwünscht, sie war
politisch nicht korrekt. Lediglich eine herabsetzende Darstellung
oder wie man heute sagt, eine kritische Darstellung der
preußischen Geschichte, wurde akzeptiert.
Nach dem schrecklichsten, verlustreichsten und über
sechs Jahre dauernden Krieg..kapitulierte die Deutsche Wehrmacht
im Mai 1945. Die Niederlage war total. Das Land lag in Trümmern.
Die Sieger zerteilten das Deutsche Reich in vier Zonen und
damit zertrennten sie auch das einheitlich deutsche Wirtschaftsgebiet.
Sie beschlossen die Abtretung der ostdeutschen Gebiete,
es waren die preußischen Kernprovinzen, und ordneten
gleichzeitig die Austreibung der dortigen Bevölkerung
an. Die Deutschen wurden zusätzlich einer mehrjährigen
Nahrungsmittelbeschränkung unterworfen, die Forschungsergebnisse
und Patente deutscher privater Firmen und Personen geraubt
sowie Wissenschaftler zur Ausbeutung ihrer Kenntnisse in
die Länder der Siegermächte gebracht. Diese geistige
Beute ersparte der amerikanischen und russischen Forschung
milliardenschwere Investitionen und jahrzehntelange Forschungsarbeit.
Neben der Demontage aller Fabriken und der Wegnahme privater
und staatlicher Vermögenswerte hatten sich die westlichen
Siegermächte noch auf eine besondere Demütigung
geeinigt, indem sie den Deutschen eine Art Gehirnwäsche
verordneten, die als Reeducation oder Umerziehung in die
Nachkriegsgeschichte eingegangen ist. Diese Umerziehung
richtete sich in erster Linie nicht, wie es nahe gelegen
hätte, gegen die Ideen des Nationalsozialismus, sondern
sie hatte eine klare antipreußische Tendenz. Demokratische
Gesinnung wurde und wird mit antipreußischer Haltung
gleichgesetzt. Auch die Umerziehung dürfte als ein
besonders schwerwiegender Rückfall in die Zeit der
Glaubenskriege angesehen werden.
Ein weiterer Verstoß gegen das Völkerrecht,
besonders seiner humanen Bedingungen, war die von England
schon 1940, also vor dem Angriff der deutschen Wehrmacht
auf Rußland, den anderen Alliierten vorgeschlagene
Austreibung von 13 Millionen Deutschen aus ihren angestammten
preußischen Siedlungsgebieten. Diese Austreibung stellte
ein schweres Menschheitsverbrechen dar, das nicht nur gegen
die Regeln des damaligen, sondern auch des heute noch gültigen
Völkerrechts verstößt. Rund 2,5 Millionen
Menschen kamen dabei ums Leben. Die Anwendung von Terror
bei der Austreibung der bäuerlich geprägten ostdeutschen
Bevölkerung wurde im englischen Außenministerium
als notwendig angesehen. Der britische Unterstaatssekretär
Sargent schlug sogar vor, die Deutschen aus Ostpreußen
und Schlesien nach Sibirien zu deportieren. Nicht der Nationalsozialismus,
sondern Preußen als Kern Deutschlands sollte mit dieser
Vertreibung niedergeworfen werden. Wer die Hauptschuld unter
den Alliierten an der Vertreibung und seiner Durchführung
trägt, ist ohne Belang, denn alle haben diese Unmenschlichkeit
akzeptiert und zugesehen, wie Millionen von Frauen, Kindern
und alten Leuten erfroren, verhungerten oder zum Teil bestialisch
umgebracht wurden. Mit dem Hinweis auf Hitler läßt
sich die Vertreibung weder rechtfertigen noch entschuldigen,
es bleibt ein internationales Menschheitsverbrechen.
Preußen sollte auch mit dem britischen Luftangriff
auf Potsdam am 15. April 1945, nur wenige Tage vor Ende
des Krieges, getroffen werden. Die Zerstörung Potsdams
war ohne die geringste militärische Bedeutung. Sie
sollte den kulturellen Kern Preußens zerstören.
Potsdam war die preußischste Stadt der preußischen
Könige, die Stadt entsprach im Tiefsten ihres Wesens
dem preußischen Staat. Holland, Italien, Frankreich
und England, die Antike, Renaissance aber auch Rußland
und selbst der Islam waren in der Stadtarchitektur mit Bauten
und Nachbauten vertreten. Aus dieser kulturellen und geistigen
Fülle ist in Preußen eine Einheit geworden. Das
Fremde zu integrieren und es der Entwicklung Preußens
dienlich zu machen, hat keine Stadt so repräsentiert
wie Potsdam. Das wußte die britische Führungsschicht,
deshalb mußte Potsdam nur wenige Tage vor Ende des
Krieges als Kulturdenkmal zerstört werden. Der Angriff
auf Potsdam, es war ein Akt kultureller Barbarei, bewies
die gleiche militärische Unsinnigkeit wie der Angriff
auf Dresden im Februar 1945. Wie glücklich kann sich
die Welt heute schätzen, daß sich deutsche Offiziere
eingedenk ihrer preußischen Tradition trotz gegenteiliger
Befehle bemüht haben, Rom und Paris vor der Zerstörung
zu bewahren.
Aus der Tatsache, daß die deutsche Zivilbevölkerung,
von einer oder vielleicht von zwei Ausnahmen abgesehen,
im Angesicht ihrer brennenden und ausgebombten Häuser,
vielleicht sogar im Angesicht ihrer durch Bomben getöteten
Kinder oder Familienangehörigen sich nicht an abgesprungenen
feindlichen Bomberpiloten vergriffen und keine Lynchjustiz
verübt hat, läßt mehr über die Deutschen
erkennen, als aus den von einer aufgehetzten SS-Minderheit
auf Befehl verübten Grausamkeiten an jüdischen
Menschen.
Der höchstdekorierte amerikanische Jagdflieger, der
spätere General Chuck Yeager berichtete in seinen Kriegserinnerungen,
daß den amerikanischen Jagdfliegern im Herbst 1944
der Befehl erteilt wurde, auf alle sich bewegenden Zivilisten
zu schießen und zwar mit der Begründung, mit
der Terrorisierung der Zivilbevölkerung sollte ihr
Widerstandswille gebrochen werden. Der General schreibt,
dieser Befehl war grausam, und doch gehorchten wir alle
und schossen auf wehrlose Menschen.
„Vae Victis“
– Wehe dem Besiegten.
Die Abtretung von Gebieten, die Zahlung von Kontributionen
und die Befriedigung von Schadensersatzansprüchen gehörten
auch unter dem neuen Völkerrecht zu den Folgen einer
erlittenen Kriegsniederlage. Gebietsabtretungen allerdings
nicht in dem Umfang, wie man sie Deutschland auferlegte.
Das „Vae Victis“ nach den beiden Weltkriegen
bestand in der Gnadenlosigkeit und der Mißachtung
des Rechts durch die Sieger, bestand vor allen Dingen in
ihrem abstoßenden Überlegenheitsdünkel und
in der Demütigung aller Deutschen. Diese Demütigung
wurde nach dem Zweiten Weltkrieg durch den Befehl zur Umerziehung
der Deutschen verschärft. Wir Deutsche verloren unsere
Geschichte, die auf 12 Jahre des Nationalsozialismus reduziert
wurde. Mit einer überdimensionierten politischen Bildungsarbeit
in Universitäten, Schulen, Stiftungen, Parteieinrichtungen,
Gewerkschaftsinstituten und Medien wird nicht nur das
verfälschte Geschichtsbild, sondern auch die Existenz
der Parteien, ihrer Funktionäre und der ungebührliche
Zugriff auf die steuerlichen Mittel gerechtfertigt. Schlagworte
wie Demokratie, Freiheit und soziale Gerechtigkeit dienen
als Knüppel in der politischen Auseinandersetzung.
Zusätzlich sorgt das „System“ mit Verfassungsschutzeinrichtungen
für seine Unangreifbarkeit. Das alles ist Ausfluß
der beiden großen Glaubenskriege des 20. Jahrhunderts.
„Vae Victis“.
Wo steht Deutschland heute?
Uwe Greve - MdL S-H
(Bismarckbund e.V.)
Deutschland befindet sich im schleichenden Abstieg –
wirtschaftlich, moralisch, kulturell, politisch –
moderiert von der Regierung Schröder / Fischer. Dabei
ist die Talsohle noch nicht erreicht. Wenn keine Gegenbewegung
eingeleitet wird, kann der schleichende Niedergang schnell
zum galoppierenden werden.
Welche Fragen diskutieren wir in unserem Lande in den letzten
Jahren? Ob die Neuverschuldung um einige Millionen Euro
zurückgeführt werden kann, wie die Arbeitslosigkeit
am besten verwaltet werden soll, ob Schifffahrt mit zwei
oder drei „f“ geschrieben werden soll, ob gleichgeschlechtliche
Partnerschaften „Ehen“ sind, ob Pädophile
Vereine gründen dürfen oder Frauen in der Bundeswehr
eine Nahkampfausbildung erhalten sollen, ob Asylbewerbern,
die ihren Pass vernichtet haben, Bleiberecht zusteht, ob
die Haare des Bundeskanzlers gefärbt sind.
Während deutsche Kinder – zumeist auf Krankenschein
– zu mehr als hundertdreißigtausend pro Jahr
vor ihrer Geburt abgetrieben werden, schmiedet die Regierung
Pläne für eine verstärkte Masseneinwanderung
von Menschen aus fremden Kulturen. Ein neues Zuwanderungsrecht
weitet den Asylanspruch auf unüberprüfbare „nichtstaatliche“
und „geschlechtsspezifische Verfolgung“ aus,
und das alles auf Kosten unseres bereits aus den Fugen geratenen
Sozialsystems und bei zu erwartenden 4,3 Millionen Arbeitslosen.
Seit einigen Jahren gibt es in Deutschland mehr Hunde als
Kinder. Der zentrale Pfeiler unserer demokratischen und
marktwirtschaftlichen Staatsordnung, der Arbeits- und Ausbildungsplatz
schaffende Mittelstand, schrumpft, steuerlich ausgelastet
dahin. Die lobbystarken Großkonzerne aber lenken ihre
Geldströme so, dass in Deutschland nur geringer Gewinn
verbleibt.
Entwicklungsland Deutschland?
Mit 40.000 Insolvenzen rauscht die größte Pleitewelle
der Nachkriegszeit auf Deutschland zu, die wahrscheinlich
noch einmal mindestens 200.000 Arbeitsplätze vernichtet.
Politiker, die selbst den Wehrdienst strikt verweigert hatten,
schicken deutsche Soldaten in Kriege auf fremde Kontinente.
Internationale Studien stellen unserem Bildungssystem,
der zentralen Wurzel unseres Wohlstandes, in wachsendem
und verdientem Maße schlechte Zeugnisse aus. Die Politik
antwortet mit der x-ten Organisationsreform, die Lehrer,
Schüler und Eltern noch weiter verunsichern wird. Deutschland,
das über länger als ein Jahrhundert Techniker
und Wissenschaftler in alle Welt entsandte, bettelt in Entwicklungsländern
um Computerexperten. Dabei inkaufnehmend, dass der Verlust
mühsam herangezogener Eliten diese Länder nicht
auf die Beine kommen lässt. Die Folgen? Heute drängen
Hunderttausende von Armutswanderern nach Europa. Morgen
werden es Millionen sein. Politisches Handeln von Zwölf
bis Mittag!
Trotz explodierender Therapiekosten sinkt der Gesundheitszustand
von uns Deutschen. Zunehmende Fehlernährung macht Diabetes
zur neuen Volkskrankheit. Jedes vierte Kind hat erhebliches
Übergewicht. Jedes zehnte Kind ist psychisch gestört.
Noch nie mussten Bundeswehrärzte einer so großen
Prozentzahl von Jugendlichen die Wehruntauglichkeit bescheinigen.
In deutschen Pflegeheimen arbeiten in großer Zahl
Helfer ohne Ausbildung und Zeitarbeiter. Dort herrscht ein
Kampf um die Verwirklichung der elementarsten Grundversorgung.
Konsequent weiter geht die deutsche Außenpolitik
ihren Weg von Machtversessenheit zur Machtvergessenheit.
So schnell wie möglich möchte Außenminister
Fischer Deutschland in einem europäischen Superstaat
verschmolzen sehen. Der „Täterstaat“ soll
nur noch ein „Standort“ von vielen in der europäischen
oder weltweiten Konsumgesellschaft sein.
Sich an keine moralischen oder geistigen Mindeststandards
gebunden fühlend, fördern einflussreiche private
Fernsehanstalten den Niedergang Deutschlands in den Morast
einer Spaß-, Verblödungs- und Verfallsgesellschaft.
Vieles erinnert an die Dekadenz im alten Rom. Destruktive
Zerstörungsspiele im Internet verkrüppeln jugendliche
Seelen. Nachmittagssendungen für Kinder ohne Gewaltdarstellung
sind beinahe schon in der Minderheit.
Und die deutsche Sprache? Sie ist noch immer nicht Verhandlungssprache
der EU. Sie wird anglisiert und verflacht. Verräterisch
für den Geisteszustand im Lande ist so manche neue
Begriffskombination: „feindliche Übernahme“,
„Souveränitätsverzicht“, „Globalisierungszwang“,
„Null-Lösung“, „gleichgeschlechtliche
Lebensform“, und – ganz neu – „Scheidungsglück“.
Wie warb doch ein weltweit operierender „Fast-Food“-Konzern
für ein Schinkenbrötchen? „Mitten inside
of the eggs saftige stripes vom ham“. Wen wundert
es noch, dass das Land Goethes und Schillers jetzt schon
rund vier Millionen Analphabeten zählt?
Und unsere Kirchen? Während der Islam im 20. Jahrhundert
weltweit 300 Millionen Gläubige hinzugewonnen hat und
vor Selbstbewusstsein strotzt, diskutieren katholische und
noch mehr evangelische Würdenträger in Deutschland,
inwieweit und wo überall sich das Christentum in der
Vergangenheit schuldig gemacht hat. Die evangelische Kirche
ist auf dem besten Wege, ihren Glauben schrittweise über
Bord zu werfen und zu einer politisch linksprogressiven
Sozialinstitution zu schrumpfen. Pfarrer streben an, Ehescheidungen
„mit kirchlichem Ritual segnend zu begleiten“.
Eine Bischöfin empfindet Zuverlässigkeit als „sekundäre
Tugend“. Das Kruzifix als Kernsymbol abendländischer
Kultur hat laut Gerichtsurteil in Klassenzimmern nichts
zu suchen. Doch keine grauen Haare wachsen der Regierung
Schröder / Fischer darüber. Ihre ganze Sorge geht
dahin, fremde Religionen und Kulturen könnten sich
bei uns in ihren Ausbreitungsbestrebungen behindert fühlen.
Notprogramm für Deutschland
Ist das nicht alles übertrieben dargestellt, pessimistisch
und schwarz gesehen? Aber das ist ja gerade das Gefährliche
an einem schleichendem Niedergang, dass alles als „noch
nicht tiefer beunruhigend“ empfunden wird. Noch funktionieren
ein paar Millionen Familien. Noch rangiert unser Staat,
der einst zu den drei Weltbesten beim Bruttosozialprodukt
gehörte, unter den ersten fünfzehn. Noch haben
nicht alle Landeshaushalte einen Schuldenstand, der ihre
Verfassungsmäßigkeit in Frage stellt. Noch ist
die Ghettobildung der Einwanderer erst in Anfängen
sichtbar, ebenso wie die Bildung von Slums in den Metropolen.
Noch halten die Maschen des sozialen Netzes. Noch!
Kann es ein Trost sein, dass es in einigen Nachbarländern
nicht viel besser aussieht? Nur für Ignoranten!
Dieser beispiellosen Herausforderung müssen wir uns
stellen, eine Sisyphusarbeit von unvergleichlichem Umfang.
Die Frage „Was ist zu tun?“ ist nicht mehr
mit der Fortschreibung vorhandener Programme zu beantworten.
Es bedarf eines „Notprogramms für Deutschland“,
das viele kränkelnde oder fehlentwickelte Sektoren
der Politik umfassen muss. Die grundsätzlich wichtigsten
Punkte wären:
Den Tendenzen der Spaßgesellschaft muss der Wille
zur Verantwortungsgemeinschaft gegenübergestellt werden.
Allen Tendenzen zum Wertepluralismus muss energisch entgegengetreten
werden. Ein Staat, in dem gültige Gemeinschaftswerte
wie Achtung vor der Schöpfung, Familiensinn, Solidarität
mit Schwächeren, Leistungswille, Fleiß, Zivilcourage,
Tapferkeit, Mut, Ehrlichkeit, Höflichkeit, Sparsamkeit,
Pünktlichkeit; Berechenbarkeit, Bescheidenheit oder
Treue zu Menschen und Ideen ihren verbindlichen Wert verlieren,
hat keine Zukunft.
Zusammengefasst: Meinungspluralismus – ja! Wertepluralismus
– nein!
Reformen der Zukunft dürfen nicht an dem Ziel gemessen
werden, etwas anders machen zu wollen als bisher, vielmehr
muss das angestrebte Neue nachweislich besser sein als das
Alte.
Es gilt zu erkennen, dass Trends kein Schicksal sind. Trends
werden von Menschen erzeugt und können ebenso von anderen
Menschen verändert, auch umgekehrt werden.
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