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Die Rundbriefe der Traditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel
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Berichte aus der Presse Die wechselhafte Geschichte der Garnisonkirche in Potsdam Die Einweihung des Glockenspiels in Iserlohn Über den Turm der Garnisonkirche. Informationen über das Glockenspiel der Garnisonkirche DieTraditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel Melodien des Potsdamer Glockenspiels als MP3 Datei zum Downloaden

Rundbriefe
Stiftung Preussisches Kulturerbe
vorm. Traditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel
Gemälde der Garnisonkirche
Potsdam im
November 2002

Meine sehr verehrten Damen und Herren!

Die Verhandlungen mit den Vertretern der Stadt und der Ev. Kirche Potsdams dauern an. Nach fünf Gesprächsrunden treten unterschiedliche Positionen schärfer hervor (vgl. Ziff. 2.a.). Eine Einigung steht aus. Wir haben aber die erforderliche Geduld, mit der wir dank Ihrer aller Hilfe in den vergangenen 18 Jahren doch eine Menge erreichten.  Heute haben wir zu berichten:

1. Der Spendenkontostand steht bei rund 5,5 Mio € (10,8 Mio DM). Haben Sie auch auf diesem Weg nochmals herzlichen Dank für alle Gaben, die uns bestärken, im Vertrauen auf Gottes Hilfe und ganz bestimmt ohne jede Furcht vor Menschen auf dem eingeschlagenen Weg beharrlich fortzuschreiten.

Die Hälfte der Wegstrecke zur vollen Bausumme ist also geschafft. Damit könnte der Turm begonnen und in einem Zuge durchgebaut werden. Wir bleiben weiterhin optimistisch, dass wir mit den Verantwortlichen zu einer Lösung der offenen Fragen gelangen werden, um dann endlich den Grundstein zu legen. Der Ökumenische Kirchentag in Berlin wäre ein gutes Datum (Mai 2003).

2.  Lageentwicklung seit Juni 2002

a.  Am 07. September 2002 tagte die Jahreshauptversammlung (JHV) unserer Gemeinschaft; aus diesem Anlass schrieb unser Schirmherr, Minister Jörg Schönbohm, der sie wiederum dankbar und herzlich grüßen lässt, den Mitgliedern der TPG:

„Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kameraden!

Ich begrüße Sie sehr herzlich zu Ihrer Jahreshauptversammlung hier in Potsdam. Ich freue mich sehr, dass Sie auch in diesem Jahr der alten Residenzstadt die Treue gehalten haben.

Deutschland und Potsdam stehen in diesen Tagen vor grundlegenden Entscheidungen. Am 22. September 2002 wählen wir nicht nur einen neuen Deutschen Bundestag, sondern die Potsdamerinnen und Potsdamer auch einen neuen Oberbürgermeister. Ich bitte Sie daher um Verständnis, dass diese Termine mich daran hindern, heute persönlich bei Ihnen zu sein.

Auch die Traditionsgemeinschaft und die ihr nahestehende Stiftung Preußisches Kulturerbe stehen vor grundlegenden Entscheidungen.

Sie haben die in diesem Jahr begonnenen Verhandlungen zum Wiederaufbau des Turmes der Garnisonkirche verfolgt, und sie sind Hauptthema der diesjährigen Versammlung. Wer hätte noch vor einem Jahr gedacht, dass bereits jetzt konkrete Ergebnisse vorliegen? Ich danke daher zunächst den Mitgliedern der Verhandlungsgruppe ...... für ihren unermüdlichen Einsatz. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie schwierig derartige Verhandlungen sein können.

Es wurde dennoch viel erreicht. Ohne das Endergebnis vorwegnehmen zu können, lässt sich erkennen, dass unsere beiden Grundanliegen, die historische äußere Gestalt mit Wetterfahne und die kirchliche Nutzung im Inneren, angenommen werden, wenn in den verbleibenden weniger wichtigen Fragen Einigung erzielt

werden kann. Selbstverständlich wird es dabei auch für uns notwendig sein, bei Fragen wie Baudurchführung oder Ergänzung des Stundenlaufes,  Kompromissen zuzustimmen. .......

Sie, meine sehr geehrten Damen und Herren, müssen daher entscheiden, ob Sie bereit sind, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen .......

Der Wiederaufbau der Garnisonkirche ist für mich ein wesentliches Motiv für meinen persönlichen Einsatz.

Ich erkläre Ihnen daher heute erneut meine Bereitschaft, mich mit allen zur Verfügung stehenden Kräften für das Gelingen des Wiederaufbaus in unserem Sinne einzusetzen. Ich bitte zugleich auch Sie, heute ein deutliches Signal an die Öffentlichkeit zu geben, dass Sie den Erfolg der Verhandlungen wünschen, und dass daher die Gespräche fortgesetzt werden müssen. Sollten die Stadt und die EKiBB den Turm in historischer Gestalt und kirchlicher Nutzung im Inneren akzeptieren, dürfen wir uns unsererseits nicht verweigern.

Ich danke an dieser Stelle auch den Tausenden von Spendern, die im festen Glauben an den Wiederaufbau seit Jahren unser gemeinsames Projekt großzügig befördern. Auch deshalb sind wir zum Erfolg verpflichtet.

Ich wünsche uns allen daher das erforderliche Maß an Mut und Kraft, das Notwendige zu tun, um den Wiederaufbau des Garnisonkirchturmes – ein Vorhaben von nationaler Bedeutung mit internationaler Wirkung – nunmehr zu vollenden. Lassen Sie den Faden der gemeinsamen Gespräche, die letztlich zum Erfolg geführt werden müssen, nicht abreißen. Wir sind dies auch den zukünftigen Generationen schuldig, denen wir dieses Geschenk machen wollen.

Ich verbleibe in preußischer Verbundenheit Ihr gez. Jörg Schönbohm“.

b.  Dieser aufrüttelnde Brief unseres Schirmherren war den Teilnehmern der Jahreshauptversammlung (JHV) unserer Gemeinschaft wesentliche Einstimmung auf die Bedeutung der Tagung.

Nach ausgiebiger Beratung und unter Berücksichtigung der Vorstellungen der Gesprächspartner von Stadt und Kirche beschloss die JHV dann als Position für die Beteiligung der Traditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel am Wiederaufbau des Garnisonkirchturmes:

1. Der nachstehend aufgezeigte Weg soll als Vorschlag zur „Paketlösung“ den Gremien der Stadt Potsdam, der Ev. Kirche in Berlin-Brandenburg (EKiBB) und der TPG zur Beschlussfassung vorgelegt werden.

2. Der Turm der Garnisonkirche wird in seiner äußeren Gestalt gänzlich originalgetreu wiedererrichtet. Er erhält seine alte Turmspitze.

3.  Gegen ein „Nagelkreuz“, das neben dem Turm aufgestellt würde, um   als Symbol für die Versöhnungsarbeit der Kirche zu dienen, hätte die TPG keine Einwände.

4. Der Glockenspiellauf folgt der historischen Vorgabe; das schließt Sonderspieleinlagen zu besonderen Anlässen nicht aus.

5. Die TPG bleibt auch weiterhin  die „Sammelbüchse“ für den Wiederaufbau des Garnisonkirchturmes. Konkurrierende Sammeltätigkeit wird ausgeschlossen.

6. Schirmherr des Wiederaufbaus der Garnisonkirche ist der Stellvertretende Ministerpräsident des Landes Brandenburg, Innenminister Jörg Schönbohm.

7. Eine von der Stadt Potsdam, der ARAG (Grundstückseigentümer), der Ev. Kirche und der TPG zu gründende „Gesellschaft für den Wiederaufbau der Garnisonkirche m.b.H.“ führt den Bau aus. Die Stadt Potsdam, ARAG und die TPG schenken das fertiggestellte Objekt der EKiBB.

8. Voraussetzung für die Teilnahme der TPG ist ein Schenkungsvertrag zwischen ihr und der EKiBB, der vor Baubeginn beurkundet wird und gewährleistet, dass der Turm als Kirche genutzt wird.

9. In der Präambel des Schenkungsvertrages zwischen TPG und EKiBB wird die Symbolbedeutung der Garnisonkirche definiert. Die Nutzung soll dieses Symbolverständnis aufnehmen und dabei auch heutigen kirchlichen Vorstellungen Rechnung tragen, soweit sie biblisch gerechtfertigt sind. Folgende Grundsätze sollen hierzu in die Präambel aufgenommen werden:

·        Die Garnisonkirche ist eine christliche Kirche und damit ein Ort der Verkündigung der Heilszusage Gottes, der Versöhnung  und des Gebets.

·        Sie wird zur Ehre Gottes wiedererrichtet und dient als Stadtkirche in besonderer Weise der Inneren Mission.

·        Aufgrund des Willens ihres Stifters und ihrer Geschichte soll in ihr deutlich werden,

- dass wir Gott mehr gehorchen müssen als den Menschen,

- wie christlich verantwortetes Handeln für die Gemeinschaft aussehen kann und

- wie das Gewissen für diese Aufgabe geschult werden kann.

10.  Der Turm dient als Kirche für Gottesdienste, Andachten, Stadtkirchen- und Versöhnungsarbeit im Sinne der biblischen Botschaft. Er steht beiden großen christlichen Konfessionen hierfür sowie für Militärseelsorge und ökumenische Arbeit zur Verfügung („Schule des Gewissens“).

Im Turm werden keine Geschäfts- oder Verwaltungsstellen von Institutionen zugelassen.

11.  Die Beteiligten schaffen alsbald die planerischen und rechtlichen Voraussetzungen für den Baubeginn. Die Möglichkeit zum Wiederaufbau des Kirchenschiffs in der historischen äußeren Form wird offengehalten. Näheres regelt der Schenkungsvertrag.

Wir informierten unsere Gesprächspartner von der Beschlusslage. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Dinge entwickeln. Wir werden Sie vom Fortgang weiter unterrichten.

Um den Gesprächsverlauf nicht zu belasten, kamen die Gesprächsteilnehmer überein, die Presse über die jeweiligen konkreten Gesprächsinhalte erst bei Einigung zu unterrichten.

3.  In Potsdam wechselte der Oberbürgermeister. Matthias Platzeck folgte Manfred Stolpe als Ministerpräsident. Jann Jakobs wurde zum neuen Oberbürgermeister gewählt; die TPG gratulierte ihm dazu.

Der Büroleiter des Oberbürgermeisters, Herr Wieland Eschenburg, nimmt als Vertreter des OB weiterhin als Gesprächsleiter teil. Von ihm wissen wir, dass auch OB Jakobs den Erfolg der Gespräche wünscht.

Die Verhandlungsgrundsätze der TPG machten wir im Rundbrief 1/2002 deutlich. Daran halten wir fest. Der Beschluss der JHV und die vielen Reaktionen aus Ihrem Kreis bestärken uns hierin.

4.  Ein Weggefährte der ersten Stunde unserer Arbeit verstarb im Sommer dieses Jahres.

Wir trauern um

Generalleutnant a.D.

Gerhard Wessel

Präsident des Bundesnachrichtendienstes i. R.

24. Dezember 1913 – 28. Juli 2002

General Gerhard Wessel begleitete unsere Arbeit in der Traditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel von Anfang an mit großer Anteilnahme und hatte erkannt, dass gute Traditionspflege in der Bundeswehr eine umfassende Aufgabe ist, der sich die Führung zu stellen hat.

Er unterzeichnete die Stiftungsurkunde für das neugeschaffene Potsdamer Glockenspiel und übergab es am 17. Juni 1987 im Namen aller Spender an die Iserlohner Fallschirmjäger. Unvergessen ist seine

Ansprache im Namen der Spender zur Übergabe

des POTSDAMER GLOCKENSPIELS an das Fallschirmjägerbataillon 271

„Meine verehrten Damen, meine Herren, Soldaten der Bundeswehr!

Der Kommandeur des FschJgBtl 271 bat mich vor einigen Monaten, namens all derer, die die Wiederherstellung des POTSDAMER GLOCKENSPIELS ermöglichten, das Geläut heute urkundlich in die Obhut dieses Bataillons unserer Bundeswehr zu übergeben.

Über Parteigrenzen hinweg machten Tausende diese besondere Form der Traditionspflege möglich. Zwei Namen seien stellvertretend für alle genannt: Der Präsident der Bundesrepublik Deutschland, Dr. Richard von Weizsäcker und Seine Kaiserliche Hoheit, Dr. Louis Ferdinand Prinz von Preußen.

Was mag die Spender bewogen haben, in unserer Symbolen und Traditionen oft so ablehnend gegenüberstehenden Zeit für dieses Glockenspiel zu geben? Was veranlasste mich? Nicht mit eigenen Worten will ich dieser Frage nachgehen, sondern mit Aussagen von Menschen aus der Zeit zwischen 1736 und der Gegenwart. Es sind Worte, die mit dem Begriff ‚Preußen’ zwar eng zusammenhängen, die aber nie für Preußen allein gültig waren. Es sind dies Worte zur Religion, zur Toleranz, zu Pflicht, Gehorsam und Ehre.

Friedrich Wilhelm I. sagte zur Religion: ‚So ich nun baue Stadt und Land und mache nicht Christen, ist alles nichts nütze.’ So steht es jetzt auf der Stundenschlagglocke des Potsdamer Glockenspiels.

Sein Sohn Friedrich II., der Große, ging einen Schritt weiter und betonte die gerade in Glaubensfragen so nötige Toleranz: ‚Die Religionen müssen alle tolerieret werden, denn hier muss ein jeder nach seiner FaVon selig werden.’

Pflicht, Gehorsam und Ehre gehören zusammen. Der Spruch auf dem Grabstein des Johann Friedrich Adolf von der Marwitz, der seinen Abschied aus Friedrichs Armee nahm, um einen Plünderungsbefehl nicht ausführen zu müssen, lautet: ‚Sah Friedrichs Heldenzeit und kämpfte mit ihm in allen seinen Kriegen. Wählte Ungnade da, wo Gehorsam keine Ehre brachte.’

Moltkes Wort gehört hierzu: ‚Gehorsam ist Prinzip, der Mann steht über dem Prinzip.’

Und so schrieb Hindenburg in den Pflichten des Deutschen Soldaten: ‚Größten Lohn und höchstes Glück findet der Soldat im Bewusstsein freudig erfüllter Pflicht.’

Schließlich aus einem Buch zum 200. Todestag Friedrich des Großen: ‚Wie wäre ein aktiver Widerstand gegen Hitler möglich gewesen ohne das Pflichtgefühl. Ist es ein Zufall, dass mit dem 20. Juli 1944 so viele Namen aus der preußischen Geschichte im Untergang noch einmal aufleuchten?’

Aus diesen Worten sprechen große ethische Werte. Sie gelten auch heute und morgen. Und ich bin davon über-zeugt, dass es diese Werte und diese Haltung waren, die uns bewogen, für das Potsdamer Glockenspiel nach unserem Vermögen zu spenden.

Nach mehr als vier Jahrzehnten erlebt eine schon für immer zerstört und vernichtet geglaubte Tradition ihre Auferstehung. Dies sollte uns auch zu größerer Gelassenheit gegenüber den Gefahren und Nöten unserer Zeit führen. Wie oft und wie lang waren in der Geschichte Völker und Nationen getrennt oder gespalten! Die Griechen (490-448 v.Chr.) während der Perserkriege. Die Spanier (756-1212) fast 500 Jahre während der Maurenkriege. Die Ungarn  300 Jahre während der Türkenkriege. Die Polen über 100 Jahre im Zuge der drei Teilungen von 1772, 1793, 1795.

Trennungen und Spaltungen sind nicht nur Geduldsproben, sie sind vor allem Bewährungsproben für die Völker. So mag der 17. Juni 1987 jedem von uns bewusst werden lassen, dass wir uns gerade in der Trennung bewähren müssen, um eines Tages das „Potsdamer Glockenspiel“ wirklich wieder zum Potsdamer Glockenspiel werden zu lassen.

Bis dahin sei mit dem Dank der Spender an alle, die das Geläut zu neuem Leben erweckten, das Potsdamer Glockenspiel in Iserlohn mit dieser Urkunde in die Obhut des Fallschirmjägerbataillons übergeben.“

URKUNDE

Dem Fallschirmjägerbataillon 271 wurde am Tag der Deutschen Einheit 1987 das wiederhergestellte POTSDAMER GLOCKENSPIEL

in die treuhänderische Obhut übergeben.

Das Bataillon möge das Geläut in Ehren pflegen, bis unser Deutsches Vaterland nicht mehr gewaltsam geteilt ist. Alsdann soll es die Glok-ken nach Potsdam stiften; dies ist ihr endgültiger Bestimmungsort.

 

Das POTSDAMER GLOCKENSPIEL wurde damit zum Symbol für die Sehnsucht der Deutschen nach Wiederherstellung ihrer staatlichen Einheit in Freiheit.

Mögen seine Melodien „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“ und „Üb’ immer Treu’ und Redlichkeit“ unser Volk begleiten auf dem Weg zu einem Deutschland der Einigkeit, des Rechtes und der Freiheit.

So helfe uns Gott!

Gegeben am 17. Juni 1987 – im Jahre des 750-jährigen Bestehens der Städte ISERLOHN und BERLIN

- im Namen der Spender -

Gerhard Wessel

Generalleutnant a.D.

Wir bewahren General Wessel ein ehrendes Andenken.

5.  Besonderer Dank

Allen Jubilaren, die ihren Ehrentag in den Dienst unserer großen Sache gestellt haben, in dem sie zu Spenden für den Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonkirche aufriefen, sagen wir nochmals sehr herzlichen Dank.

Bewährt hat sich, dazu vorher mit unserer Bonner Geschäftsstelle Verbindung aufzunehmen, damit alle Spenden korrekt zugeordnet und eine vollständige Schlussbilanz vorgelegt werden kann.

6.  Vorstandswahl

Die Jahreshauptversammlung unserer Traditionsgemeinschaft hat am 07. September 2002 in Potsdam dem Vorstand Entlastung erteilt und durch Neuwahl für die kommenden fünf Jahre erneut das Vertrauen ausgesprochen.

7.  Ankündigung

Am 25. Januar 2003, 14.00-19.30 Uhr, veranstaltet die „Stiftung Preußisches Kulturerbe im Hotel Mercure, Potsdam das

1. „Brandenburgische Gespräch“

mit folgendem Programm:

a. Historische Wurzeln christlicher Ethik in Brandenburg-Preußen,

Dr. Wilhelm Hüffmeier

b. Das Gewissen - ist es lehr- und lernbar?,

Prof. Dr. Richard Schröder

c. Welche Tugenden braucht unsere Gesellschaft?,

Minister Jörg Schönbohm

d. Ist Deutschland noch eine Nation,

Prof. Dr. Arnulf Baring

e. Podiumsdiskussion - Aussprache

Generalsuperintendent Hans-Ulrich Schulz übernimmt die Moderation.

Bitte melden Sie sich bei unserer Geschäftsstelle Potsdam dazu an (Tel. 0331-201.50.84.). Teilnehmerzahl ist begrenzt. Übernachtung im Hotel Mercure möglich (Buchung unter 0331- 272.420.)

8.  Zum Schluss

Der Geburtstag unseres Herrn Jesus Christus steht bevor. Wir wünschen Ihnen eine besinnliche Adventszeit und vor allem von ganzem Herzen eine FROHE WEIHNACHT.

Das NEUE JAHR möge Ihnen alles nur erdenklich Gute bringen und niemandem von uns soll mehr aufgeladen werden, als er tragen kann.

So gilt es, Richtung zu halten mit:

Gib, dass ich tu‚ mit Fleiß, was mir zu tun gebühret;

wozu mich Dein Befehl in meinem Stande führet.

Gib, dass ich‚s tue bald, zu der Zeit da ich‚s soll,

und wenn ich‚s tu‚, so gib, dass es gerate wohl!

Gott befohlen für heute; im Namen des Vorstands und unserer Geschäftsführer grüße ich Sie in preußischer Verbundenheit und bleibe stets

Ihr ergebener und dankbarer

Max Klaar

Oberstleutnant a. D.

Die Beilage zum Rundbrief - November 2002

Vae Victis, wehe dem Besiegten
Ehrhardt Bödecker


Inhaber des Brandenburg-Preußen Museums in Wustrau

Nach ihrer schweren Niederlage gegen die Gallier vor 2.390 Jahren erkauften sich die Römer den Abzug der Fremden aus ihrer Stadt mit einem hohen Lösegeld in purem Gold. Als die Gallier beim Abwiegen des Goldes manipulierte Gewichte benutzten und die Römer dagegen protestierten, rief Brennus, der gallische Heerführer, „Vae Victis“, was nichts anderes bedeutete, ihr habt nichts zu sagen, seid froh, daß wir euch nicht umbringen. Dieses Vae Victis wurde in den folgenden Jahrhunderten zum Sinnbild einer gnadenlosen und rechtlosen Behandlung besiegter Gegner. In der Antike bestand eine weitverbreitete Gewohnheit, die Soldaten eines besiegten Heeres zu töten oder in die Sklaverei zu führen.

Die Grausamkeit unter streitenden Parteien und Staaten nahm zu. Die Kirche war nicht imstande, dieser Entwicklung moralische oder rechtliche Barrieren entgegenzusetzen. Erst mit der Reformation durch Martin Luther und Johannes Calvin, mit der Veränderung des Weltbildes durch Kopernikus und Galilei veränderten sich auch Lebensgefühl und Lebensformen der Menschen. An die Stelle der antiken Rechtsansichten wurde jetzt über das Wesen des Rechts neu nachgedacht. Einer der herausragenden Vertreter der neuen Rechtslehre war der 1583 geborene Hugo Grotius. Man nennt ihn den Vater des Völkerrechts. Er forderte die Einhaltung von Rechtsregeln nicht nur im friedlichen Verkehr der Völker untereinander, sondern auch während und nach Austragung von kriegerischen Konflikten.

Das bisher geltende „ius ad bellum“, das Recht eines Staates zur Kriegsführung, wurde durch die Lehre vom „gerechten Krieg“ – das „bellum iustum“ – ersetzt. Ein gerechter Krieg sollte nach Hugo Grotius im Interesse des Rechtsfriedens mit einem „guten Frieden“ beendet werden. Zu einem guten Frieden gehörte nicht nur ein totales Vergessen der gegenseitig zugefügten Gewalttaten, sondern auch die Gewährung gegenseitiger Amnestie. Der

Westfälische Friedensvertrag, der den Dreißigjährigen Krieg 1648 beendete, wurde daher mit der Klausel eingeleitet: alle Gewalttaten sollen gegeneinander aufgehoben sein und dem immerwährenden Vergessen anheim gegeben werden. Diese Klausel enthielt auch der Friedensvertrag von Schweden mit Preußen am 21.1.1720 und endlich auch der Hubertusburger Frieden, der den Siebenjährigen Krieg 1763 beendete.

Aber auch die Lehre des „gerechten Krieges“ gab man im 18. Jahrhun­dert auf und versachlichte die Kriegsgründe. Man nannte die Kriege deshalb „Kabinettskriege“. Den zahlreichen seit 1700 von den Großmächten geführten Konflikten fehlte daher das zerstörerische Element der Berufung auf den „wahren Glauben“ oder auf die „bessere Moral“. Das hatte zur Folge, daß die Friedensschlüsse den Kriegsparteien Versöhnung brachten und eine zügige Wiederaufnahme von mensch­lichen und staatlichen Beziehungen nach Ende der Kampfhandlungen. Friedrich der Große meinte, die Bevölkerung dürfte es nicht merken, wenn der Staat einen Krieg führe. Der erste internationale Vertrag, der humane Forderungen als verbindlich zwischen den Staaten im Krieg und Frieden festlegte, war der Vertrag zwischen Preußen und den Vereinigten Staaten von Amerika vom 3. September 1783. Hier sind zum ersten Mal – übrigens auf Veranlassung Preußens – Bestimmungen zur Humanisierung der Kriegsführung als elementare menschliche Grundrechte ins Völkerrecht eingegangen. Während des 19. Jahrhunderts wurde dieser Vertrag im gegenseitigen Einverständnis mehrmals verlängert, zuletzt durch Wilhelm II. Ende des 19. Jahrhunderts.

Es hatte gute Gründe, daß man von der Rechtfertigung eines Krieges „als gerecht“ abgerückt war, denn die Berufung auf die gerechte Sache führte zur Verabsolutierung des eigenen Standpunktes und somit zu Intoleranz und Fanatismus. Der Sieg des Stärkeren oder des zahlen­mäßig Überlegenen sollte nicht länger als Sieg der gerechten Sache gelten. Die Identifikation von Sieg mit dem Recht, kurz Siegerjustiz genannt, zerstörte in Wirklichkeit den

Glauben an das Recht und seine Gültigkeit.

Die Versachlichung des Völkerrechts, die der Menschlichkeit diente, das Abrücken vom moralisch gerechtfertigten Krieg, haben England und Amerika im Ersten Weltkrieg zum Schaden Europas aufgegeben und den Grundsatz vom „gerechten Krieg“ nach 200 Jahren wieder belebt. Außenpolitische und völkerrechtliche Fragen wurden wieder moralistisch und ideologisch behandelt. Diese moralisierende Verherrlichung des eigenen Standpunktes führte zum Fanatismus und zur Inhumanität. Europa erlebte fanatisierende ideologische Auseinandersetzungen von einer Stärke, wie sie auf dem Kontinent in den beiden zurückliegenden Jahrhunderten unbekannt geworden waren. Die Selbstvergötzung der Alliierten, die künstliche Politisierung mit Hilfe der modernen Propagandaapparate wurde zur Quelle des Unheils in Europa. Es wurde die Ursache für jene maßlose Überschätzung des Politischen, jene Aufwühlung politischer Leidenschaften, die mit der totalen Politisierung allen Lebens, dem Aufsaugen aller echten Gemeinschaftsbildung durch den Staat geendet haben. Ein Ignorant, wer diese Ursachen nicht erkennt. Der Friedensschluß in Versailles nach dem Ersten Weltkrieg machte die Aufgeblasenheit und den Unfehlbarkeitsdünkel der Alliierten zum Vertragsinhalt. Seine Wirkungen beschrieb Altbundespräsident Richard von Weizsäcker wie folgt: „Frankreich, England und die USA verloren jedes Maß. Man setzte Deutschland das Kainsmal der alleinigen Kriegsschuld auf die Stirn, verurteilte es in Grund und Boden und demütigte es, wo und wie man nur konnte. Das mußte Folgen haben, sie kamen, und sie waren schwer“.

Auch der Zweite Weltkrieg wurde durch den Einfluß der Vereinigten Staaten mit der Selbstvergottung der Sieger beendet. Der gegenüber allen Deutschen erhobene Vorwurf der Kollektivschuld und des Gewußthabens von rechtlichen Verfehlungen diente nicht der Förderung des Verständnisses geschichtlicher Zusammenhänge, sondern man verfolgte das politische Ziel der persönlichen Demütigung und Erniedrigung der Deutschen, das Untergraben unseres nationalen Selbstbewußtseins. Von wenigen Ausnahmen abgesehen ist dieses Ziel erreicht worden.

Es ist folgerichtig, wenn wir hier die umgekehrte Frage stellen, nämlich nach der Verantwortung der Bürger der alliierten Länder an den völkerrechtswidrigen, rechtswidrigen oder nur moralisch unsittlichen Verhalten ihrer Regierungen und ihrer Armeen während und nach Beendigung der Kampfhandlungen. Für die bestialischen Untaten an den europäischen Juden trägt Deutschland, unabhängig vom Wissen des einzelnen, die Verantwortung. Daran ändert auch die inzwischen wissenschaftlich nachgewiesene Unrichtigkeit der behaupteten Zahl von 6 Millionen Opfern nichts. Angesichts der deutsch-preußischen Geschichte werden diese Untaten ewig unerklärlich bleiben, ein schwarzer Fleck, der sich niemals tilgen läßt, weder durch Zeitablauf, noch durch Vergessen. Dieser unbegreifliche Frevel läßt sich auch nicht durch Vergleich oder Aufrechnung mit anderen Verbrechen ähnlicher Art in seiner moralischen Bewertung abschwächen oder tilgen.

Diese Regel gilt jedoch für beide Seiten. Das heißt, in umgekehrter Weise auch für die von Amerikanern, Engländern oder Russen begangenen Verbrechen, deren Unrechtsgehalt ebenfalls weder durch Vergleich oder Aufrechnung mit anderen Verbrechen, schon gar nicht durch Berufung auf Hitler gerechtfertigt oder moralisch gemindert werden können. Rechtstaatlichkeit und Gerechtigkeit fordern gleiche Behandlung gleicher Tatbestände, und zwar ohne Ansehung der Person und ohne Ansehung der Nationalität. Von deutschen Verfehlungen wird in den inländischen und ausländischen Medien im Übermaß berichtet. Daher wollen wir uns hier den Verfehlungen der anderen Seite zuwenden.

Schon bei Beginn des Krieges wurde in England unter Verstoß gegen das Völkerrecht die Bombardierung der deutschen Städte mit dem Ziel der Terrorisierung der zivilen Bevölkerung erörtert und zur Strategie der Kriegsführung bestimmt. Es widerspricht allen Forschungsergebnissen, die englischen Bombenangriffe als vom Völkerrecht sanktio­nierte Vergeltung für gleichartige deutsche Angriffe entschuldigen zu wollen. Uneingeschränkt gilt das auch für den deutschen Bomben­angriff auf Coventry, der nur auf militärische Objekte zielte, nicht auf die Bevölkerung. Das ist heute in der Wissenschaft unstreitig, trotzdem wird von Journalisten, Politologen und der Evangelischen Kirche in Potsdam immer wieder und wieder das Gegenteil behauptet. Ist es Nachlässigkeit oder ideologische Absicht?

Am 8. Juli 1945 bat der japanische Kaiser über den schwedischen König die USA um die Einleitung von Friedensverhandlungen. Trotzdem erfolgten am 6. August und am 9. August die Bombardierungen von Hiroshima und Nagasaki mit Atombomben. Ungeheure Verluste und die schrecklichsten Verletzungen unter der Zivilbevölkerung waren die Folge. Es ist eine unentschuldbare Unwahrheit zu behaupten, die Atombomben haben der Kriegsverkürzung und damit der Schonung von Menschenleben gedient. Es waren Bombentests, Versuche am Menschen. Hat von der amerikanischen oder englischen Bevölkerung keiner von diesen Verbrechen etwas gewußt? Wer hat sie verhindert, zumindest versucht, sie zu verhindern? Diese Frage ist natürlich nur rhetorisch gemeint, sie sollte nur die Absurdität des Schuldvorwurfs deutlich machen, der gegenüber den einzelnen Deutschen wegen der Untaten an den Juden erhoben wird.

Die kollektive Kriminalisierung aller Deutschen blieb nicht bei der Erlebnisgeneration stehen, sondern wurde auf die deutsche Geschichte ausgedehnt. Soziologen und Politologen der USA machten unsere Vorfahren ebenfalls zum Gegenstand des Schuldvorwurfs, sie konstruierten eine Kausalkette, die von Luther über Friedrich den Großen bis zu Hitler führte. Die Berufung Hitlers auf diese Kontinuität war unberechtigt, seine geistige Wiege stand in Wien, nicht in Preußen. Das wußten die ausländischen Umerzieher. Trotzdem war eine positive Rückbesinnung auf Preußen politisch nicht erwünscht, sie war politisch nicht korrekt. Lediglich eine herabsetzende Darstellung oder wie man heute sagt, eine kritische Darstellung der preußischen Geschichte, wurde akzeptiert.

Nach dem schrecklichsten, verlustreichsten und über sechs Jahre dauernden Krieg..kapitulierte die Deutsche Wehrmacht im Mai 1945. Die Niederlage war total. Das Land lag in Trümmern. Die Sieger zerteilten das Deutsche Reich in vier Zonen und damit zertrennten sie auch das einheitlich deutsche Wirtschaftsgebiet. Sie beschlossen die Abtretung der ostdeutschen Gebiete, es waren die preußischen Kernprovinzen, und ordneten gleichzeitig die Austreibung der dortigen Bevölkerung an. Die Deutschen wurden zusätzlich einer mehrjährigen Nahrungs­mittelbeschränkung unterworfen, die Forschungsergebnisse und Patente deutscher privater Firmen und Personen geraubt sowie Wissenschaftler zur Ausbeutung ihrer Kenntnisse in die Länder der Siegermächte gebracht. Diese geistige Beute ersparte der amerikanischen und russischen Forschung milliardenschwere Investitionen und jahrzehntelange Forschungsarbeit. Neben der Demontage aller Fabriken und der Wegnahme privater und staatlicher Vermögenswerte hatten sich die westlichen Siegermächte noch auf eine besondere Demütigung geeinigt, indem sie den Deutschen eine Art Gehirnwäsche verordneten, die als Reeducation oder Umerziehung in die Nachkriegsgeschichte eingegangen ist. Diese Umerziehung richtete sich in erster Linie nicht, wie es nahe gelegen hätte, gegen die Ideen des Nationalsozialismus, sondern sie hatte eine klare antipreußische Tendenz. Demokratische Gesinnung wurde und wird mit antipreußischer Haltung gleichgesetzt. Auch die Umerziehung dürfte als ein besonders schwerwiegender Rückfall in die Zeit der Glaubenskriege angesehen werden.

Ein weiterer Verstoß gegen das Völkerrecht, besonders seiner humanen Bedingungen, war die von England schon 1940, also vor dem Angriff der deutschen Wehrmacht auf Rußland, den anderen Alliierten vorgeschlagene Austreibung von 13 Millionen Deutschen aus ihren angestammten preußischen Siedlungsgebieten. Diese Austreibung stellte ein schweres Menschheitsverbrechen dar, das nicht nur gegen die Regeln des damaligen, sondern auch des heute noch gültigen Völkerrechts verstößt. Rund 2,5 Millionen Menschen kamen dabei ums Leben. Die Anwendung von Terror bei der Austreibung der bäuerlich geprägten ostdeutschen Bevölkerung wurde im englischen Außenministerium als notwendig angesehen. Der britische Unterstaatssekretär Sargent schlug sogar vor, die Deutschen aus Ostpreußen und Schlesien nach Sibirien zu deportieren. Nicht der Nationalsozialismus, sondern Preußen als Kern Deutschlands sollte mit dieser Vertreibung niedergeworfen werden. Wer die Hauptschuld unter den Alliierten an der Vertreibung und seiner Durchführung trägt, ist ohne Belang, denn alle haben diese Unmenschlichkeit akzeptiert und zugesehen, wie Millionen von Frauen, Kindern und alten Leuten erfroren, verhungerten oder zum Teil bestialisch umgebracht wurden. Mit dem Hinweis auf Hitler läßt sich die Vertreibung weder rechtfertigen noch entschuldigen, es bleibt ein internationales Menschheitsverbrechen.

Preußen sollte auch mit dem britischen Luftangriff auf Potsdam am 15. April 1945, nur wenige Tage vor Ende des Krieges, getroffen werden. Die Zerstörung Potsdams war ohne die geringste militärische Bedeutung. Sie sollte den kulturellen Kern Preußens zerstören. Potsdam war die preußischste Stadt der preußischen Könige, die Stadt entsprach im Tiefsten ihres Wesens dem preußischen Staat. Holland, Italien, Frankreich und England, die Antike, Renaissance aber auch Rußland und selbst der Islam waren in der Stadtarchitektur mit Bauten und Nachbauten vertreten. Aus dieser kulturellen und geistigen Fülle ist in Preußen eine Einheit geworden. Das Fremde zu integrieren und es der Entwicklung Preußens dienlich zu machen, hat keine Stadt so repräsentiert wie Potsdam. Das wußte die britische Führungsschicht, deshalb mußte Potsdam nur wenige Tage vor Ende des Krieges als Kulturdenkmal zerstört werden. Der Angriff auf Potsdam, es war ein Akt kultureller Barbarei, bewies die gleiche militärische Unsinnigkeit wie der Angriff auf Dresden im Februar 1945. Wie glücklich kann sich die Welt heute schätzen, daß sich deutsche Offiziere eingedenk ihrer preußischen Tradition trotz gegenteiliger Befehle bemüht haben, Rom und Paris vor der Zerstörung zu bewahren.

Aus der Tatsache, daß die deutsche Zivilbevölkerung, von einer oder vielleicht von zwei Ausnahmen abgesehen, im Angesicht ihrer brennenden und ausgebombten Häuser, vielleicht sogar im Angesicht ihrer durch Bomben getöteten Kinder oder Familienangehörigen sich nicht an abgesprungenen feindlichen Bomberpiloten vergriffen und keine Lynchjustiz verübt hat, läßt mehr über die Deutschen erkennen, als aus den von einer aufgehetzten SS-Minderheit auf Befehl verübten Grausamkeiten an jüdischen Menschen.

Der höchstdekorierte amerikanische Jagdflieger, der spätere General Chuck Yeager berichtete in seinen Kriegserinnerungen, daß den amerikanischen Jagdfliegern im Herbst 1944 der Befehl erteilt wurde, auf alle sich bewegenden Zivilisten zu schießen und zwar mit der Begründung, mit der Terrorisierung der Zivilbevölkerung sollte ihr Widerstandswille gebrochen werden. Der General schreibt, dieser Befehl war grausam, und doch gehorchten wir alle und schossen auf wehrlose Menschen.

„Vae Victis“ – Wehe dem Besiegten.

Die Abtretung von Gebieten, die Zahlung von Kontributionen und die Befriedigung von Schadensersatzansprüchen gehörten auch unter dem neuen Völkerrecht zu den Folgen einer erlittenen Kriegsniederlage. Gebietsabtretungen allerdings nicht in dem Umfang, wie man sie Deutschland auferlegte. Das „Vae Victis“ nach den beiden Weltkriegen bestand in der Gnadenlosigkeit und der Mißachtung des Rechts durch die Sieger, bestand vor allen Dingen in ihrem abstoßenden Überlegenheitsdünkel und in der Demütigung aller Deutschen. Diese Demütigung wurde nach dem Zweiten Weltkrieg durch den Befehl zur Umerziehung der Deutschen verschärft. Wir Deutsche verloren unsere Geschichte, die auf 12 Jahre des Nationalsozialismus reduziert wurde. Mit einer überdimensionierten politischen Bildungsarbeit in Universitäten, Schulen, Stiftungen, Parteieinrichtungen, Gewerk­schaftsinstituten und Medien wird nicht nur das verfälschte Geschichtsbild, sondern auch die Existenz der Parteien, ihrer Funktionäre und der ungebührliche Zugriff auf die steuerlichen Mittel gerechtfertigt. Schlagworte wie Demokratie, Freiheit und soziale Gerechtigkeit dienen als Knüppel in der politischen Auseinandersetzung. Zusätzlich sorgt das „System“ mit Verfassungsschutzeinrichtungen für seine Unangreifbarkeit. Das alles ist Ausfluß der beiden großen Glaubenskriege des 20. Jahrhunderts. „Vae Victis“.

Wo steht Deutschland heute?

Uwe Greve - MdL S-H

(Bismarckbund e.V.)

Deutschland befindet sich im schleichenden Abstieg – wirtschaftlich, moralisch, kulturell, politisch – moderiert von der Regierung Schröder / Fischer. Dabei ist die Talsohle noch nicht erreicht. Wenn keine Gegenbewegung eingeleitet wird, kann der schleichende Niedergang schnell zum galoppierenden werden.

Welche Fragen diskutieren wir in unserem Lande in den letzten Jahren? Ob die Neuverschuldung um einige Millionen Euro zurückgeführt werden kann, wie die Arbeitslosigkeit am besten verwaltet werden soll, ob Schifffahrt mit zwei oder drei „f“ geschrieben werden soll, ob gleichgeschlechtliche Partnerschaften „Ehen“ sind, ob Pädophile Vereine gründen dürfen oder Frauen in der Bundeswehr eine Nahkampfausbildung erhalten sollen, ob Asylbewerbern, die ihren Pass vernichtet haben, Bleiberecht zusteht, ob die Haare des Bundeskanzlers gefärbt sind.

Während deutsche Kinder – zumeist auf Krankenschein – zu mehr als hundertdreißigtausend pro Jahr vor ihrer Geburt abgetrieben werden, schmiedet die Regierung Pläne für eine verstärkte Masseneinwanderung von Menschen aus fremden Kulturen. Ein neues Zuwanderungsrecht weitet den Asylanspruch auf unüberprüfbare „nichtstaatliche“ und „geschlechtsspezifische Verfolgung“ aus, und das alles auf Kosten unseres bereits aus den Fugen geratenen Sozialsystems und bei zu erwartenden 4,3 Millionen Arbeitslosen. Seit einigen Jahren gibt es in Deutschland mehr Hunde als Kinder. Der zentrale Pfeiler unserer demokratischen und marktwirtschaftlichen Staatsordnung, der Arbeits- und Ausbildungsplatz schaffende Mittelstand, schrumpft, steuerlich ausgelastet dahin. Die lobbystarken Großkonzerne aber lenken ihre Geldströme so, dass in Deutschland nur geringer Gewinn verbleibt.

Entwicklungsland Deutschland?
Mit 40.000 Insolvenzen rauscht die größte Pleitewelle der Nachkriegszeit auf Deutschland zu, die wahrscheinlich noch einmal mindestens 200.000 Arbeitsplätze vernichtet. Politiker, die selbst den Wehrdienst strikt verweigert hatten, schicken deutsche Soldaten in Kriege auf fremde Kontinente.

Internationale Studien stellen unserem Bildungssystem, der zentralen Wurzel unseres Wohlstandes, in wachsendem und verdientem Maße schlechte Zeugnisse aus. Die Politik antwortet mit der x-ten Organisationsreform, die Lehrer, Schüler und Eltern noch weiter verunsichern wird. Deutschland, das über länger als ein Jahrhundert Techniker und Wissenschaftler in alle Welt entsandte, bettelt in Entwicklungsländern um Computerexperten. Dabei inkaufnehmend, dass der Verlust mühsam herangezogener Eliten diese Länder nicht auf die Beine kommen lässt. Die Folgen? Heute drängen Hunderttausende von Armutswanderern nach Europa. Morgen werden es Millionen sein. Politisches Handeln von Zwölf bis Mittag!

Trotz explodierender Therapiekosten sinkt der Gesundheitszustand von uns Deutschen. Zunehmende Fehlernährung macht Diabetes zur neuen Volkskrankheit. Jedes vierte Kind hat erhebliches Übergewicht. Jedes zehnte Kind ist psychisch gestört. Noch nie mussten Bundeswehrärzte einer so großen Prozentzahl von Jugendlichen die Wehruntauglichkeit bescheinigen. In deutschen Pflegeheimen arbeiten in großer Zahl Helfer ohne Ausbildung und Zeitarbeiter. Dort herrscht ein Kampf um die Verwirklichung der elementarsten Grundversorgung.

Konsequent weiter geht die deutsche Außenpolitik ihren Weg von Machtversessenheit zur Machtvergessenheit. So schnell wie möglich möchte Außenminister Fischer Deutschland in einem europäischen Superstaat verschmolzen sehen. Der „Täterstaat“ soll nur noch ein „Standort“ von vielen in der europäischen oder weltweiten Konsumgesellschaft sein.

Sich an keine moralischen oder geistigen Mindeststandards gebunden fühlend, fördern einflussreiche private Fernsehanstalten den Niedergang Deutschlands in den Morast einer Spaß-, Verblödungs- und Verfallsgesellschaft. Vieles erinnert an die Dekadenz im alten Rom. Destruktive Zerstörungsspiele im Internet verkrüppeln jugendliche Seelen. Nachmittagssendungen für Kinder ohne Gewaltdarstellung sind beinahe schon in der Minderheit.

Und die deutsche Sprache? Sie ist noch immer nicht Verhandlungssprache der EU. Sie wird anglisiert und verflacht. Verräterisch für den Geisteszustand im Lande ist so manche neue Begriffskombination: „feindliche Übernahme“, „Souveränitätsverzicht“, „Globalisierungszwang“, „Null-Lösung“, „gleichgeschlechtliche Lebensform“, und – ganz neu – „Scheidungsglück“. Wie warb doch ein weltweit operierender „Fast-Food“-Konzern für ein Schinkenbrötchen? „Mitten inside of the eggs saftige stripes vom ham“. Wen wundert es noch, dass das Land Goethes und Schillers jetzt schon rund vier Millionen Analphabeten zählt?

Und unsere Kirchen? Während der Islam im 20. Jahrhundert weltweit 300 Millionen Gläubige hinzugewonnen hat und vor Selbstbewusstsein strotzt, diskutieren katholische und noch mehr evangelische Würdenträger in Deutschland, inwieweit und wo überall sich das Christentum in der Vergangenheit schuldig gemacht hat. Die evangelische Kirche ist auf dem besten Wege, ihren Glauben schrittweise über Bord zu werfen und zu einer politisch linksprogressiven Sozialinstitution zu schrumpfen. Pfarrer streben an, Ehescheidungen „mit kirchlichem Ritual segnend zu begleiten“. Eine Bischöfin empfindet Zuverlässigkeit als „sekundäre Tugend“. Das Kruzifix als Kernsymbol abendländischer Kultur hat laut Gerichtsurteil in Klassenzimmern nichts zu suchen. Doch keine grauen Haare wachsen der Regierung Schröder / Fischer darüber. Ihre ganze Sorge geht dahin, fremde Religionen und Kulturen könnten sich bei uns in ihren Ausbreitungsbestrebungen behindert fühlen.

Notprogramm für Deutschland
Ist das nicht alles übertrieben dargestellt, pessimistisch und schwarz gesehen? Aber das ist ja gerade das Gefährliche an einem schleichendem Niedergang, dass alles als „noch nicht tiefer beunruhigend“ empfunden wird. Noch funktionieren ein paar Millionen Familien. Noch rangiert unser Staat, der einst zu den drei Weltbesten beim Bruttosozialprodukt gehörte, unter den ersten fünfzehn. Noch haben nicht alle Landeshaushalte einen Schuldenstand, der ihre Verfassungsmäßigkeit in Frage stellt. Noch ist die Ghettobildung der Einwanderer erst in Anfängen sichtbar, ebenso wie die Bildung von Slums in den Metropolen. Noch halten die Maschen des sozialen Netzes. Noch!

Kann es ein Trost sein, dass es in einigen Nachbarländern nicht viel besser aussieht? Nur für Ignoranten!

Dieser beispiellosen Herausforderung müssen wir uns stellen, eine Sisyphusarbeit von unvergleichlichem Umfang.

Die Frage „Was ist zu tun?“ ist nicht mehr mit der Fortschreibung vorhandener Programme zu beantworten. Es bedarf eines „Notprogramms für Deutschland“, das viele kränkelnde oder fehlentwickelte Sektoren der Politik umfassen muss. Die grundsätzlich wichtigsten Punkte wären:

Den Tendenzen der Spaßgesellschaft muss der Wille zur Verantwortungsgemeinschaft gegenübergestellt werden.

Allen Tendenzen zum Wertepluralismus muss energisch entgegengetreten werden. Ein Staat, in dem gültige Gemeinschaftswerte wie Achtung vor der Schöpfung, Familiensinn, Solidarität mit Schwächeren, Leistungswille, Fleiß, Zivilcourage, Tapferkeit, Mut, Ehrlichkeit, Höflichkeit, Sparsamkeit, Pünktlichkeit; Berechenbarkeit, Bescheidenheit oder Treue zu Menschen und Ideen ihren verbindlichen Wert verlieren, hat keine Zukunft.

Zusammengefasst: Meinungspluralismus – ja! Wertepluralismus – nein!

Reformen der Zukunft dürfen nicht an dem Ziel gemessen werden, etwas anders machen zu wollen als bisher, vielmehr muss das angestrebte Neue nachweislich besser sein als das Alte.

Es gilt zu erkennen, dass Trends kein Schicksal sind. Trends werden von Menschen erzeugt und können ebenso von anderen Menschen verändert, auch umgekehrt werden.

 

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