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Die Rundbriefe der Traditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel
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Berichte aus der Presse Die wechselhafte Geschichte der Garnisonkirche in Potsdam Die Einweihung des Glockenspiels in Iserlohn Über den Turm der Garnisonkirche. Informationen über das Glockenspiel der Garnisonkirche DieTraditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel Melodien des Potsdamer Glockenspiels als MP3 Datei zum Downloaden

Rundbriefe
Stiftung Preussisches Kulturerbe
vorm. Traditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel
Gemälde der Garnisonkirche
Potsdam im
November 2004

Meine sehr verehrten Damen und Herren!

Es ist einiges geschehen, seit wir Sie im Mai zuletzt über den Sachstand informierten. Zunächst ist aber der erfreuliche Spendenzufluss zu nennen, für den wir uns bei Ihnen immer wieder nur herzlich bedanken können. Unser Baukonto ist nun auf 6,02 Mio. € angeschwollen, und wir freuen uns natürlich ganz besonders über Ihre anhaltend treue Unterstützung zu unserer ehrenamtlichen Arbeit für die Wiederherstellung dieses so symbolträchtigen Gotteshauses. Unser Land bedarf dessen – doch dazu später. Der Reihe nach ist zu melden:

 

1. Standort Garnisonkirche

Neben dem Turmgrundstück der Garnisonkirche steht nun ein etwa 12 m hohes Rohrgerüst, an dessen Frontseite auf Sacktuchbespannung das Eingangsportal der Garnisonkirche gemalt ist. Daran ist der „Ruf aus Potsdam“ angebracht, in dem es u.a. heißt: „Eingebunden in die internationale Nagelkreuzgemeinschaft von Coventry soll die wiederaufgebaute Garnisonkirche zu einem Zentrum für Frieden und Versöhnung werden “. Der Symbolbruch durch diese „politische“ Umwidmung der Garnisonkirche zu einem Internationalen Versöhnungszentrum (IVZ) ist also Programm. Dem hatten im Januar 2002 PDS, SPD und CDU in der Stadtverordnetenversammlung zugestimmt und damit den für unsere Arbeit grundlegenden SVV-Beschluss vom Oktober 1990 revidiert.

Am 20. Juli 2004 wurde Potsdamer Kirchenvertretern feierlich ein Coventry-Nagelkreuz übergeben, wozu Innenminister Schönbohm (CDU) als Schirmherr über den Wiederaufbau nicht eingeladen war, wohl aber die neu hinzugekommenen Schirmherren Bischof Huber (SPD) und Ministerpräsident Platzeck (SPD).

 

2. Innenminister Jörg Schönbohm wandte sich am selben Tag in einem Interview mit der Zeitung Potsdamer Neueste Nachrichten – PNN gegen ein „Internationales Versöhnungszentrum“ – IVZ – in der wiederaufgebauten Garnisonkirche, wie es die Ev. Kirche wolle und warnte vor einem Auseinanderbrechen der Initiative „Ruf aus Potsdam“. Er führte aus: „Versöhnung ist der christliche Auftrag der Kirche, dazu bedarf es nicht eines Versöhnungszentrums in einer Kirche“. Es gäbe ja auch den Vorschlag, das „Internationale Versöhnungszentrum“ in der Nähe der Garnisonkirche einzurichten; er verstehe nicht, warum man in der jetzigen Phase die Nagelkreuzverleihung an die in Gründung befindliche Stiftung Garnisonkirche „draufgesattelt“ habe. Das berge die große Gefahr, dass sich die Menschen nun von dem Vorhaben abwenden würden.

Damit bewies Jörg Schönbohm wieder einmal Mut, denn es war Wahlkampf in Brandenburg für die Landtagswahl vom 19.09.2004. Bemerkenswert ist, dass er mit der Aussage die Forderungen der TPG aufgriff, die genau diese Position vertritt, wofür sie heftigen Angriffen ausgesetzt war. Schönbohm, der den „Ruf aus Potsdam“ vom 15. Januar 2004 mitunterschrieb, monierte gleichzeitig, dass bei Unterzeichnung von einem „Internationalen Versöhnungszentrum“ nicht die Rede gewesen sei.

Im Oktober 2004 informierte uns nun Herr Schönbohm, dass die Einigung mit der Kirche kurz bevorstünde. In unserer Antwort drückten wir ihm gegenüber die Hoffnung aus, dass es ihm dabei gelingen möge, seine am 20. Juli 2004 öffentlich gemachte, so klare Position durchzusetzen, keiner wäre darüber glücklicher als die Traditionsgemeinschaft (TPG) und deren Spender.

 

3. Fördergesellschaft (FG) für den Wiederaufbau der GK

Den Initiator dieser Vereinigung, Dr. Rheinheimer, hatten wir gebeten, seine FG Anfang September auf der Jahreshauptversammlung der TPG vorzustellen. Dabei führte er u.a. aus:

a. Er stehe in Verhandlungen mit der Kirche um die Satzungsinhalte für die in Gründung befindliche Stiftung, in der Stadt, Land und Ev. Kirche sich zusammenschließen, um den Wiederaufbau der GK zu betreiben. Durchführungsorgan für den Bau sei seine FG.

Er sei sicher, durchsetzen zu können, dass diese Stiftung dann nur noch „Stiftung Potsdamer Garnisonkirche“ heißen würde. Das „Internationale Versöhnungszentrum“ - IVZ würde nichts, auch seien manche Vorstellungen dazu recht „infantil“.

b. Wir sollten Vertrauen haben zur Ev. Kirche. Die heute Handelnden wären bis zur Fertigstellung der GK in 10 bis 15 Jahren längst nicht mehr in ihren Funktionen. Und wenn dann einst in der GK ein Büro des IVZ

wäre mit „einem Schildchen an der Tür ‚Internationales Versöhnungszentrum' - mein Gott, was soll's.“ (Anmerkung: Dann wäre das IVZ in der GK also doch das Ziel, was der vorherigen Aussage widerspräche.)

Des weiteren hätte bei den Kirchenvertretern bezüglich der Bedeutung Preußens ein erkennbarer Lernprozess eingesetzt, der sicherlich noch weiterginge.

c. Man könne für die GK eine Personalgemeinde gründen, die über den Gemeindekirchenrat politischen Missbrauch der GK verhindert; auch darauf könnten wir vertrauen.

e. Grundsteinlegung sei am 14.04. 2005 auf dem unbebauten Teil des GK-Grundstückes. Baubeginn wäre dann etwa 2008, bis dahin würden alle Grundsatz- und Grundstücksfragen geklärt. ( Also liegt der Grundstein dann erst mal drei Jahre nur so da.)

f. TPG möge abwarten, ob die Lageentwicklung eines Tages nicht doch ihre Mitwirkung zuließe. TPG möge prüfen, ob mit der FG nicht gemeinsame Vorhaben finanziert werden könnten.

g. Frage an die TPG-Mitglieder, ob denn die „Interpretation“ unseres Sammlungsversprechens nicht „flexibler“ werden könne; er wisse als Kaufmann, wer nicht flexibel sei, der könne keine „Geschäfte machen“. (Anmerkung: Wir machen keine Geschäfte! R. wurde darauf hingewiesen, dass die rechtliche Pflicht unserer Treuhänderschaft über das verwaltete Geld nicht beliebiger Änderbarkeit unterliegt. Wir wären dabei, wenn unsere drei Bedingungen rechtsverbindlich erfüllt würden:

- Originalgetreuer Wiederaufbau,
- Nutzung als Kirche, aus der die
- Politik herauszuhalten ist.)

h. Die FG sei noch in der Konsolidierung. Die Spendensammlung würde bald im großen Stil weltweit begonnen und Münzen, Briefmarken, Uhren etc. verkauft sowie eine Sponsorenbank gewonnen. (Anmerkung: Die Sammlung sollte eigentlich schon längst begonnen haben, vergl. Rbrf. März und Mai 2004).

Im Anschluss an seinen Vortrag gab es eine lebhafte Debatte. Dabei verwiesen wir auf § 2, Abs. 3 der Satzung der FG. Die FG sammelt danach für den Wiederaufbau der GK „zur Nutzung nach dem Nutzungskonzept der Ev. Kirche“. Sie würde „unter falscher Flagge“ segeln, wenn sie GK sage, aber tatsächlich für das Internationale Versöhnungszentrum – IVZ sammele. Deshalb wünschte die Versammlung Herrn Rheinheimer jeden nur denkbaren Erfolg bei seinen Bemühungen, das IVZ noch „wegzuverhandeln“, was er zu können glaubte. Auch ihm sagten wir, dass niemand glücklicher wäre als die TPG und deren Spender, wenn das gelänge.

Später, im Gespräch mit einem unserer Mitglieder, äußerte R. noch, dass unter den ca. 300 gewonnenen Mitgliedern seiner FG der „gesamte preußische Adel“ mit 47 Personen vertreten wäre, wobei auch zwei Prinzen seien. (Kein Kommentar)

Wenige Tage nach der Veranstaltung erklärte Rheinheimer dann gegenüber der Presse (PNN, 17.09.04) zu unserer großen Verwunderung: „Sein Verein sei längst nicht mehr auf das Geld der TPG fokussiert, auch weil dieses Geld ‚nicht entscheidend ist für ein 65-Mio-Euro-Projekt'. Die Initiatoren für den Wiederaufbau der 1968 gesprengten Weltkriegsruine ‚müssen sich endlich mental von der Traditionsgemeinschaft lösen. Das wird unsere Arbeit erleichtern'.“

Wir baten Herrn Rheinheimer daraufhin um Erklärung, die er damit gab, dass es einigen der ihn unterstützenden Anhänger „allein“ um die von der TPG gesammelten Gelder ginge und wir außerdem auf unserer JHV lediglich beschlossen hätten, die weitere Entwicklung mit Interesse zu beobachten. Auch habe er unsererseits kein Signal der Kooperationsbereitschaft erhalten, deshalb müsse er davon ausgehen, dass dies nicht der Fall wäre.

Meine Damen und Herren, wir warten nun erst einmal getrost ab, was aus all den so schönen „Ankündigungen“ wird. Sollten sie sich erfüllen, geben wir den Jubel sofort an Sie weiter. Aber mehr möchten wir dazu im Augenblick wirklich nicht sagen; es wäre der Sache undienlich.

Die TPG bat noch im September eine hochgestellte, einflussreiche Persönlichkeit, die öffentlich nicht genannt werden will, an entscheidender Stelle vorstellig zu werden und dafür zu werben, dass das IVZ nicht in der GK untergebracht wird, um so den politischen Absichten der Ev. Kirche mit der Umwidmung dieses Gotteshauses kein Raum zu geben.

 

4. Bedeutung der Garnisonkirche

Die Debattenbeiträge im Anschluss an Herrn Rheinheimers Darstellungen gingen auch auf die Symbolbedeutung der GK ein. Dabei führte ein Mitglied engagiert aus, dass die Ev. Kirche durch das IVZ den Bruch mit der preußisch-deutschen Geschichte an der GK exekutieren wolle. Die TPG verträte das Gegenteil. Die GK sei der Ort, an dem diese Entscheidung fiele. Es ginge dabei weniger um Denkmalpflege als um die Frage nach unserer nationalen Identität – also: Wird Preußen von der Verdächtigung befreit, Hort des Militarismus und der Kriegstreiberei und damit Hitlers Wegbereiter gewesen zu sein, oder wird die Verdächtigung durch symbolbrechende politische Nutzung (und Lehre) neue Nahrung erhalten und damit Zwietracht in unsere Kirchengemeinde tragen.

Wir sollten uns keinen Illusionen hingeben. Die Frauenkirche in Dresden gäbe es wieder, weil sie politisch unstrittig sei. Die GK stünde für das durch die Sieger verbotene, verleumdete Preußen, und darum würde um sie gekämpft. Dieser Auseinandersetzung dürfe die TPG nicht ausweichen – das sei ihre Aufgabe.

*****

Heute, einige Wochen später, scheint es uns wichtig, dass wir dazu noch einige Gedanken nachtragen.

Dieser vehemente Beitrag eines Weggefährten der ersten Stunde von 1984, wir feierten gerade unseren 20. Geburtstag , wies auf die Motivationslage der TPG bei Gründung hin. Uns ging es um zwei Anliegen:

- Erstens galt es, den Gedanken an Deutschlands Einheit, der damals von Handelnden der Politik aus SPD, Grünen und CDU immer weiter in den Hintergrund gelenkt worden war, im Bewusstsein der Öffentlichkeit zu halten. So weist es die von General Gerd Wessel unterzeichnete Stiftungsurkunde vom 17. Juni 1987 bei Übergabe des fertiggestellten Glockenspiels in die treuhänderische Obhut des Fallschirmjägerbataillons 271 in Iserlohn aus.

- Und zweitens galt es, den 20. Juli 1944 nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Das sollte dadurch geschehen, dass das alte Preußen mit seinen christlichen Quellen wieder ins Bewusstsein der heutigen Zeit gerückt würde. Es sollte gezeigt werden, dass

  • Toleranz,
  • Rechtsstaatlichkeit,
  • Sozialer Ausgleich und
  • demokratischer Umgang der Menschen miteinander

uns 1945 nicht übergestülpt wurden, sondern das Ergebnis einer langen geschichtlichen Entwicklung Bran-denburgs und dann Preußens sind, die zur Deutschen Einheit von 1871 führte und dass diese Dinge heute in den Grundrechten unseres Grundgesetzes in historischer Kontinuität zu unserer Geschichte kodifiziert sind. In diesem Zusammenhang ist immer wieder darauf hinzuweisen, dass das Preußische Landrecht den Beitrag der Deutschen zur Erklärung der Menschenrechte darstellt, was heute kaum noch einer weiß, geschweige denn nennt.

Die Traditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel hat beide Anliegen konsequent verfolgt und dabei das Regierungsmotto des Erbauers der Garnisonkirche, Friedrich-Wilhelm I., vorangestellt: „So ich nun baue Stadt und Land und mache nicht Christen, ist alles nichts nütze.“ Das ist heute genauso richtig, wie es damals modern war.

Wer wollte denn bestreiten, dass das preußische Prinzip des gesellschaftlichen Zusammenhalts, „Was Du nicht willst, das man Dir tu', das füg' auch keinem andern zu!“, zeitlose Gültigkeit behielt. Sicher, Tugenden gibt es überall auf der Welt, aber in Preußen waren sie Teil der Staatsraison.

Und fragen wir uns doch heute, wo wir wären, wenn sich Politiker nach diesen Tugenden gerichtet hätten und weiter richten würden. Pflichtbewusstsein im Gegenteil zu Pflichtvergessenheit, verantwortungsgerechtes Handeln im Gegensatz zu Vorspiegelung falscher Tatsachen aus Angst um die eigene Wiederwahl, Sparsamkeit im Gegensatz zu öffentlicher Verschwendung, Treue im Gegensatz zu Treulosigkeit, Schutz der Hilflosen (Ungeborenen) statt Verfügungsgewalt über das Leben werdender Menschen in der Hand der jeweils Betroffenen, Anstand im Gegensatz zur Förderung des Sittenverfalls, Sauberkeit statt verkommener Stadtbilder. Es ließe sich fortsetzen.

Unter dieser Staatsraison, in der Bescheidenheit und Maß bestimmend waren, entwickelte sich ein fleißiges Volk, dass nur ausgab, was es zuvor erwirtschaftet hatte. Die Menschen waren willig zu lernen und erwarben sie befreiende Bildung, später wurde Deutschland zum Land der meisten Nobelpreisträger und rangierte an der Spitze des Fortschritts – dazu trugen auch deutsche Juden bei!

Wir wollen keiner Geschichtsverklärung das Wort reden, denn wo viel Licht, ist auch Schatten – wie überall auf der Welt. Aber es ist schlicht unwahr, die Ahnenreihe von Friedrich dem Großen zu Hitler zu ziehen. Das ist aufoktroyiertes „Sieger-Latein“. Ein Narr, der dem heute noch glaubt. Es gibt inzwischen genügend Quellen, die das widerlegen; aber man muss sich schon die Mühe machen, das zu lesen – fidele Ignoranz kann Kenntnis nicht ersetzen.

Preußen hat dem späteren Deutschland sowohl im Geistigen wie im Künstlerischen eine Lektion erteilt, die in der neueren Geschichte ihresgleichen sucht und die den als militaristisch und engherzig verschrienen Staat von Anbeginn zu einem Gehäuse von Philosophie und Kunst machte. Das schrieb Frank Schirrmacher in der FAZ am 03.02.2004. Er führte weiter aus: „Preußen war nicht nur Schinkel und Fontane, es war Kant und Kleist, Moses Mendelssohn, Max Liebermann und Kurt Tucholsky, und es war so unendlich viel mehr, was in keinem Museum der Welt je auszustellen sein wird, weil es ein Klima, ein geistiges Aroma, ein Gefühl ist, aus dem heraus eine große kulturelle Inspiration möglich wurde. Und Preußen meldete sich zurück, als im Juli 1944 einige Verschwörer versuchten, Adolf Hitler zu töten.“

Auch der „Tag von Potsdam“ gehört zu Preußen, aber anders, als es heute gelehrt wird. Das Symbol der Garnisonkirche stand für die preußischen Tugenden unter denen sich die beiden großen Könige für ihr Land verzehrt und dort ihre Grablege hatten. Das Glockenspiel gab dem vom Turm herab hörbar Ausdruck. Die Menschen befanden sich damit im Einklang: Ja, lobe den Herren! Ja, üb' immer Treu' und Redlichkeit, und weiche keinen Finger breit von Gottes Wegen (den Geboten) ab. So wurde das damals verstanden und so muss es auch wieder verstanden werden. Es heißt nichts anderes!

Was ein Symbol bedeutet, ist immer eine Frage der lebenden Generation. Dieses von den Nationalsozialisten missbrauchte Symbol hat dadurch nichts von seiner Kraft verloren. Der Missbrauch spricht immer gegen den Missbraucher aber nicht gegen das Missbrauchte. Das Volk sollte getäuscht werden: ‚Seht her, wir stellen uns unter dieses gute Symbol Preußens; das neue Deutschland der nationalsozialistischen Revolution nimmt die preußischen Tugenden auf und wird sich danach richten.' Das Gegenteil war der Fall, wie wir heute wissen. Aber dafür kann dieses Bauwerk und seine Bedeutung genau so wenig, wie das Kreuz Christi, dass auf den Kreuzzügen und später von den Borgia-Päpsten missbraucht worden war sowie heute in Nordirland von einem sogenannten „Geistlichen“ noch missbraucht wird.

„Es geht einzig um die Frage, wie wir mit unserem Erbe umgehen, um die Frage also, ob wir die Geschichte umlügen. ... Preußen hat das nicht verdient, unsere Nachkommen aber auch nicht. Sonst beginnt eines Tages deutsche Geschichte mit dem ‚Wunder von Bern'.“ (Schirrmacher s.o.).

Es ist festzuhalten, dass Preußen 1947 durch die Siegermächte mit historisch unhaltbaren, falschen Begründungen aufgelöst worden ist. Die Verbietenden verfuhren dabei nach der Methode „Haltet den Dieb“. Sie selber erwiesen sich bis auf den heutigen Tag als die am häufigsten Kriegführenden, wobei sie das internationale Recht in fragwürdigster Weise interpretieren. Kriegsverbrechen werden nur beim Besiegten verfolgt. Wer hier entgegnet, dass heute doch auch Gefängnisaufseher der Sieger zur Rechenschaft gezogen würden, muss sich einmal diesen Zynismus angesichts der Leiden in der Zivilbevölkerung vergegenwärtigen.

Preußens Devise hieß : „Griff zu den Waffen nur in der Not“. Das wird auch nicht durch Friedrichs ersten Schlesischen Krieg anders. Unter den Kriegsverursachern sind Preußen und dann Deutschland Waisenknaben im Vergleich zu den vier Alliierten, wenn es um die Häufigkeit - also die Kriegstreiberei - geht. „Wer käme auf die Idee, sie dafür aufzulösen?“

*****

5. Wie geht es weiter

Diese Frage stellten uns mehrere unserer Spender. „Wohin sollen wir nun unsere weiteren Spenden geben?“ Es bleibt dabei:

- Wem es nur um das Bauwerk, also die barocke Architektur geht, der mag getrost die FG unterstützen.

- Wer dagegen die Wiederherstellung des Symbols Garnisonkirche im dargestellten Sinn verfolgt wissen will, der wird weiterhin die Traditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel unterstützen und seine Spenden dahin richten. Sie sagen damit: ‚Die politischen Ambitionen mit dem IVZ mag die Ev. Kirche betreiben wo sie will und bitte auch selber bezahlen – aber nicht in einer von Spendengeldern wiedererbauten Garnisonkirche.'

Wir informierten Sie schon, dass Ihr seit 1991 gespendetes Geld noch 1:1 vorhanden ist. Wir werden es nur für den Wiederaufbau der Garnisonkirche als Kirche und in äußerlich originalgetreuer Form ohne irgendwelche Brüche verwenden. Wir bleiben zuversichtlich, dass das Ziel doch erreicht werden kann. Es ist noch ein langer Weg bis zur Fertigstellung des Bauwerkes zu gehen, und dabei sind wir durch schnell dahingesagte Äußerungen - egal von wem - nicht zu beeindrucken.

Für die TPG ist es hilfreich, dass die FG ihr jetzt viel Arbeit und Kosten abnimmt, denn sie braucht nun keine personalkostenintensive Aufbauorganisation mehr zu gründen. Des weiteren trägt die FG die Kosten für Architekt und Bauleitung sowie Baukontrolle. Dafür brauchen wir nicht mehr zu sammeln, sind dieser Dinge ledig und Potsdam gegenüber nicht mehr in der Pflicht, wie wir es der Stadt 1990 zusagen mussten.

Ihr Geld wird für den reinen Bau ausgegeben. Unser Ehrgeiz bleibt, den Turm finanzieren zu können. Dafür sammeln wir fleißig weiter und sagen Ihnen ein herzliches Dankeschön. Wir sind froh, mit ihnen gemeinsam auf dem Weg zu sein für unser Brandenburg-Preußen – Sie leisten damit einen Dienst an unserem deutschen Vaterland von großem Wert.

*****

Wir wünschen Ihnen einen gesegneten Advent und recht Frohe Weihnachten . Unser gnädiger Herrgott möge Ihnen auch im Neuen Jahr nur aufgeben, was Sie tragen können und unser Land gnädig durch diese wirre Zeit geleiten.

Maß und Richtung unserer Arbeit bleibt die Bitte an den Herrn:

 

Gib, dass ich tu` mit Fleiß, was mir zu tun gebühret;
wozu mich Dein Befehl in meinem Stande führet.
Gib, dass ich`s tue bald, zu der Zeit da ich`s soll,
und wenn ich`s tu`, so gib, dass es gerate wohl!

 

Gott befohlen für heute; wir aus Geschäftsführung und Vorstand grüßen Sie in preußischer Verbundenheit.

 

Ich bleibe Ihr ergebener und dankbarer


Max Klaar
Oberstleutnant a.D.

 

Letzte Nachrichten

 

Bei Redaktionsschluss erreichte uns noch eine Pressemeldung, die wir Ihnen nicht vorenthalten wollen. Am 05. November 2004 meldete die MÄRKISCHE ALLGEMEINE ZEITUNG / MAZ:

 

Kritik an Stiftungsidee

 

Die Finanzierung der geplanten Stiftung für den Wiederaufbau der Garnisonkirche in Potsdam stößt innerhalb der evangelischen Kirche offenbar auf deutlichen Widerstand. Der im Landeskirchlichen Haushalt vorgesehene Beitrag in Höhe von 150.000 Euro für die Stiftung solle besser zur Finanzierung von Pfarrstellen, Religionsunterricht, Schulstiftung und Jugendarbeit verwendet werden, betonten der Schriftsteller Jürgen Israel und andere Sprecher auf der in Berlin tagenden Synode der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, berichtete die Nachrichtenagentur EPD gestern.

Dagegen verteidigten Bischof Wolfgang Huber, Probst Karl-Heinrich Lütcke und die Potsdamer Pfarrerin Dörte Wernick das Vorhaben. Das Geld sei nicht für Baumaßnahmen sondern zur Finanzierung der kirchlichen Arbeit im Gebäude bestimmt, sagte Huber. Mit dem „bescheidenen Beitrag zum Stiftungskapital“ übernehme die Kirche Verantwortung dafür, dass in der künftigen Garnisonkirche Versöhnungs- und Geschichtsarbeit ermöglicht wird. Es sei immer richtig, Kirchen zu bauen, sagte Wernick. Aus den Erträgen des Stiftungskapitals werde auch pastorale Arbeit finanziert. Die Stiftungsgründung, für die bislang 400.000 Euro kirchliche Mittel zugesagt sind, wird seit längerem vorbereitet. Die Gründung könnte laut Superintendent Bertram Althausen im Frühjahr 2005 vollzogen werden.

 

 

Kommentar

Das mäßige finanzielle Engagement der Ev. Kirche gilt nicht dem Wiederaufbau dieses Gotteshauses, denn der, so hatte sie sich festgelegt, „darf die Kirche nichts kosten, falls sie jemals ihr Nein dazu in ein Ja ändern würde“, was nun mit einem „Ja aber“ (Symbolbruch) der Fall ist. Für den Bau gibt die Kirche nichts, beansprucht aber mit der Umfunktionierung der Garnisonkirche in ein „Internationales Versöhnungszentrum“ IVZ das Recht zu bestimmen, wofür die Spender ihr Geld zu geben haben.

Des weiteren ist es ist außerordentlich interessant zu lesen, was sich die Ev. Kirche unter der Arbeit in der Garnisonkirche (GK) vorstellt.

•  Versöhnungsarbeit,

•  Geschichtsarbeit.

Also doch ein volkspädagogisches Institut zur Aufarbeitung der ach so „entsetzlichen“ preußisch-deutschen Geschichte aus der Sicht der ev. Theologie des 21. Jahrhunderts! Vor „Geschichtsarbeit“ durch ev. Theologen bewahre uns der liebe Gott. Dafür sollten sich dann lieber anerkannte, umfassend informierte Historiker unter der Leitung der Bundeszentrale für Politische Bildung an einem anderen Ort bereit finden.

Einen Vorgeschmack (auf „internationale“ Versöhnungs-, Geschichtsarbeit) gab die diesjährige Synode in Magdeburg. Am 07.11.2004 meldete die WELT am SONNTAG, dass die EKD dazu eine Delegation des Herero-Volkes eingeladen hatte, das vor 100 Jahren bei einem Aufstand den deutschen Kolonialtruppen unterlag. Und warum waren keine vertriebenen weißen (christlichen) Farmer aus Simbabwe dabei oder die von der bevorstehenden Enteignung betroffenen (christlichen) Farmer aus Namibia, mit denen sich der eingeladene Alphons Maharero (Urenkel des gegen die Deutschen kämpfenden Samuel Maharero) hätte „vertragen“ können, nach dem die

Synodalen den Beteiligten das von uns völlig unverdient empfangene „Geschenk Gottes, mit dem er sich den Menschen durch Christi Leben, Sterben und Auferstehen versöhnt hat“ biblisch deklinieren konnten (2.Kor 5,19)? Da wäre es um das Heute gegangen!

Gut wäre auch gewesen, Vertreter der Christen aus dem Süd-Sudan und der sie verfolgenden Nichtchristen (um keine Religionsgruppe zu nennen) zu laden und sie ebenso zu unterweisen. Die WamS schloss, es sei zu befürchten, dass sich die Synodalen damit begnügen werden, die eigene „Schuldneurose“ ( Joachim Gauck ) zu pflegen.

*****

Sind es nicht derlei Aktivitäten, die viele Gläubige aus den Kirchen treiben, weil sie historische und politische Sachverhalte anders sehen, als solche Kirchenführer es vorgeben wollen?

Wenn die Themen auf der Synode wie berichtet von Hartz IV, über Ein-Euro-Jobs, die demographische Frage, bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, finanzielle Anerkennung des Beitrags von Eltern bei der Kindererziehung, fehlende Arbeitsplätze in den neuen Ländern bis zum Generationenkonflikt reichen, dann kann man sich auch auf einer Wahlveranstaltung von Parteien wähnen. Wen wundert's da noch, dass die ev. Kirche einen Rückgang des Kirchensteueraufkommens in gravierender Größe beklagt? Immer mehr Enttäuschte wenden sich ab.

 Innere Mission, Mut zu freiem Bekenntnis und Seelsorger, die ihre „Herde“ mehren – das vermisst so mancher Laie in seiner Kirche und würde so gerne bleiben. Das wäre angemessenes „ Konzept “ für die wiedererstandene Garnisonkirche, denn unser „Deutschland ist Missionsgebiet“, wie es Admiral a.D. Dieter Wellershoff, ehem. Generalinspekteur der Bundeswehr, formulierte. MK

Eine zweite Meldung verdient noch Ihre Aufmerksamkeit.

 

Prof. Dr. Egon Bahr erklärte

 

„Wir müssen lernen,

wieder eine normale Nation

zu sein“

 

Auszüge aus einem Interview mit JUNGE FREIHEIT, 05.11.2004

 

Bahr: Wenn wir für diese (Anmerkung: europäische) Zukunft fit sein wollen, dann sind wir gezwungen zu lernen, wieder eine normale Nation zu sein. Das wiederum führt uns zurück zu Ihrer Frage und zeigt, dass wir die Aussöhnung mit unserem nationalen Selbstbewusstsein .......... schaffen müssen , weil wir uns eine Fehlfunktion oder gar die Lahmlegung Deutschlands als Nation nicht leisten können. .....

Ich kenne keinen Staat, in dem wir als „Europäer“ angesprochen werden. Wir werden als „Deutsche“ gesehen. Es ist der Nationalstaat, in dem das Zugehörigkeitsgefühl und die Loyalität der Bürger wohnt . .... Ich glaube, wir werden auch auf das von Europa entwickelte Konzept der Zusammenarbeit stolz sein, das im 21. Jahrhundert viel prägender und hilfreicher sein wird, als das Prinzip der Machtentfaltung in Arroganz, wie es die USA praktizieren. Diese beiden Modelle werden in der kommenden Epoche konkurrieren, und es wird sich zeigen, welches sich bewährt. Europa funktioniert aber noch nicht als Objekt unserer Vaterlandsliebe. Die EU teilt sich bislang nicht als ein tiefes Gefühl mit. .....

Weinend lieb‘ ich Dich noch “, hat einmal ein Dichter über Deutschland geschrieben. Trotz der schrecklichen Geschichte ist es doch mein Land. Was denn sonst? Man kann aus der Geschichte nicht austreten und man sollte nicht in Nihilismus verfallen.

 

JF: Sie können das frei äußern, „Normalsterbliche“ werden dafür aber oft sehr schnell mit Injurien wie „Nationalist“, „Ewiggestriger“ oder gar „Nazi“ belegt.

Bahr: Es stimmt, dass es in Deutschland solche Vorurteile gibt. Aber es hilft doch nichts, ich kann die Nation nicht unter den Teppich kehren . Wir haben die vergeblichen Versuche der DDR erlebt, der Nation zu entkommen. Die entsprachen dem, was auch vielfach in Westdeutschland passiert ist und auch im wiedervereinten Deutschland immer noch existiert.

..... Rechtsextreme Parteien gehören zur europäischen Normalität. Damit müssen Demokratien fertig werden. Wir auch.

JF: Wäre dies nicht eher zu leisten, wenn wir statt negativer Mythen - Joschka Fischer nannte Auschwitz gegenüber dem französischen Schriftstellers Bernard-Henri Lévy den „Gründungsmythos der Bundesrepublik Deutschland“ - positive Mythen wie etwa den 20. Juli 1944 kultivieren würden?

Bahr: Beides sind Fakten unserer Geschichte. Aber die Vergangenheit darf die Zukunft nicht behindern . Der Widerstand des 20. Juli - der von sehr konservativen Menschen getragen wurde, die durch den Nazismus verführt, dann davon bekehrt worden sind, und die daraus die Konsequenzen gezogen haben, inklusive der Bereitschaft, ihr Leben dafür einzusetzen - ist in der Tat eine Tradition, auf die wir stolz sein können. Und ich kenne übrigens keine deutsche Zeitung, die die Erinnerung an den 20. Juli so leidenschaftlich engagiert, so ernst und so ausführlich behandelt hat wie die JUNGE FREIHEIT.

JF: Kehren wir zurück zum Thema deutsche Einheit: Ist uns die deutsche Einheit seltsamerweise 1989 nicht in einem Moment in den

Schoß gefallen, als die politischen Eliten der Etablierten, vor allem auch der SPD und sogar der CDU, sie bereits aufgegeben hatten, ja teilweise schon selbst als „revisionistisch“ verteufelt haben?

Bahr: Das stimmt schon. Aber das war ehrlich, wenn auch falsch.

JF: Ehrlich? Die deutsche Teilung als Weg für Europa zu deklarieren und die Einheit als revisionistisch?

Bahr: Nun ja, Sie können mir nicht alle törichten Thesen vorhalten, die irgendwer irgendwann einmal geäußert hat. Ich habe meine Meinung zur Wiedervereinigung nie geändert. Oskar Lafontaine war ehrlich, als er 1990 sagte, er könne sich nicht über die Einheit freuen. Ich habe unter solchen Aussagen eines SPD-Kanzlerkandidaten aber natürlich gelitten. Ebenso, wie ich den Kopf geschüttelt habe, als Bürgerrechtler sagten, sie wollten gar nicht die Einheit, sondern eine reformierte DDR.

JF: Bedurfte es dazu aber wirklich so fragwürdiger Formulierungen wie etwa der Willy Brandts, der 1973 in einem „Newsweek“- Interview zum besten gab: „Es war für mich härter, das Rauchen aufzugeben als die andere Hälfte Deutschlands?

Bahr: Brandt war der festen Überzeugung, nur das aufgegeben zu haben, was von Hitler schon längst unwiderruflich verspielt war. Und vergessen Sie nicht: 1973 war es selbst für viele Amerikaner eine Horror-Vorstellung, Deutschland könnte mit Hilfe Moskaus seine Einheit erreichen. Brandt hat sich zu seinem Land bekannt. Sein Kniefall hat deutsche Schuld bezeugt. Aber kein Volk kann dauernd knieend leben .

(Hervorhebung durch die Redaktion)