Sehr verehrte Damen und Herren!
Zitat des Jahres: „Wenn es um Geschichte geht, fällt uns außer Opfergedenken nicht viel ein. Wie wäre es mal mit einem Denkmal für die deutsche Einheit? Auf etwas Fröhliches kommt in Deutschland niemand. Offenbar sind uns angenehme Tatsachen unangenehm. Die Einheit passt halt nicht in unser schwarz gestimmtes Erinnerungsbild.“ (Richard Schröder, SPD-Politiker, in der taz vom 08.06.2006)
Zutreffend auch beim Thema Potsdamer Garnisonkirche! Das Nutzungskonzept der Ev. Kirche (Zitate zur Erinnerung und Weitergabe wieder beigelegt) atmet genau diesen zu kritisierenden rückwärtsgewandten Geist der politischen Korrektheit.
Am 09.11.2006 wurde dazu in der ehemaligen Kantine des Rechenzentrums (auf dem Garnisonkirchengrundstück) mit der „internationalen Versöhnungsarbeit“ unter einem zwei Meter großen Nagelkreuz von Coventry begonnen. Themenschwerpunkte: Internationale Friedensarbeit, Konfliktforschung und europäische Aussöhnung. Mit Foren und Diskussionen will man sich etablierten Veranstaltungsreihen wie der Woche der Brüderlichkeit und der interkulturellen Woche anschließen. Regelmäßige Gottesdienste sind nicht geplant!! Also, Polittempel eben!
Weitere Neuigkeiten
aus Potsdam
Der erste Vorsitzende der „Fördergesellschaft für den Wiederaufbau der Garnisonkirche“ (FWG), Hans P. Rheinheimer, trat nach 2 1/2 Jahren „wegen beruflicher Überlastung“ von seinem Posten zurück. Nachfolger wurde KzS a.D. Bauer (SPD), der lange Jahre in der Staatskanzlei von Ministerpräsident Stolpe (SPD) gedient hat.
Geschäftsstelle Bonn:
Die FWG arbeitet satzungsgemäß (§ 2, Abs.3) dafür, einen der ehem. Garnisonkirche ähnlichen Neubau „zur Nutzung nach Maßgabe des kirchlichen Nutzungskonzeptes“(siehe Anlage) zuerrichten. Zu diesem Nutzungskonzept des IVZ stellte Generalsuperintendent Schulz im Februar 2006 unmissverständlich klar, dass die notwendigen Millionenspenden – unabhängig von der Motivation – immer an das Nutzungskonzept gebunden sein werden. So bleiben Spenden aus.
Bei der Wahl von Herrn Bauer am 22.06.2006 ergab sich laut Protokoll ein Kassenstand von 16.500 €. Für den Bau des „IVZ in der Garnisonkirche“ sind 67 Mio. veranschlagt. Schon angekündigte Baumaßnahmen wurden verschoben.
Bei dieser Sachlage empfahlen uns „Kontaktsucher“, unsere Haltung aufzugeben und mitzumachen. Wir verwiesen jeweils auf den Auflösungsbeschluss der TPG, der die Bedingungen bestimmt, unter denen die Projektrücklage für den Wiederaufbau der Garnisonkirche einzusetzen ist. Die Potsdamer Akteure wissen, dass die SPK die Spendensammlung der TPG nur fortführen würde, wenn klar ist,
- dass die Garnisonkirche im Äußeren gänzlich originalgetreu wiedererrichtet werden soll und
- sie im Inneren als Kirche dient,
- aus der die Politik herauszuhalten ist.
Das IVZ fördern wir nicht! Etwas anderes haben wir nicht zu sagen.
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Zitat des Monats:
Auch der SPD-Politiker und ehemalige Verteidigungsminister Hans Apel sorgt sich um die ethische Stabilität in unserer Gesellschaft: „Das ist meine größte Sorge, dass diese Gesellschaft am Ende eine Banditengesellschaft geworden ist, weil sie keinen Wertekanon hat, unter dem wir als Christen für unsere Positionen einstehen, aber wissen müssen, dass wir uns
nicht überall durchsetzen können.
Deshalb bin ich auch aus der Landeskirche ausgetreten (Anm. und in die Selbständige ev.-lutherische Kirche - SELK - eingetreten), weil das ja nichts weiter als Anpasser sind, im übrigen mit desaströsen Ergebnissen für die Organisation selbst.“ (PAZ, Nr. 32) Wohl wahr!
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Abschluss der Liquidation
Zum 30.11.2006 ist die Liquidation der Traditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel (TPG) abgeschlossen. Die Projektrücklage für den Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonkirche beträgt nunmehr 5,6 Millionen Euro.
Die Stiftung Preußisches Kulturerbe (SPK) übernahm vertraglich alle Rechte und Pflichten der TPG; Sie können sich darauf verlassen, dass Ihre Anweisungen, die Sie uns bei der Spender-Befragung 2005 erteilten, vollständig erfüllt werden.
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Was hat die Stiftung Preußisches Kulturerbe seit ihrer Gründung
2001 getan? Die SPK förderte bisher folgende Projekte:
- 4.420 € Erstes Brandenburgisches Gespräch 2002
- 780 € Benefizkonzert
- 3.000 € Baumonographie für die Bischofsresidenz Burg Ziesar
- 8.000 € Kirchenportal in Beuster, Altmark
- 40.000 € Dreistimmiges Bronzegeläut für St. Peter & Paul, Potsdam
- 40.000 € Engel für Nikolaikirche, Potsdam
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96.200 €
Stiftungsvermögen (Stand 2006)
- Zur Zeit 355.000 €.
- Dazu kommt später noch ein Vermächtnis von 450.000 €.
- Zustiftungen sind erwünscht.
Erträgnisse 2006 voraussichtlich:
- 19.700 €, davon sind
- 13.200 € (2/3) Auskehrbetrag,
- 6.500 € (1/3) Rücklage zur Kapitalerhaltung,
-30.000 € bisher Spendeneingang in 2006 für Stiftungszwecke.
Nach heutigem Stand stehen für 2006 also zum Auskehren bereit:
- 13.200 € Zins
- 30.000 € Spenden (bis Nov 2006)
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43.000 €
Mit beiliegendem Überweisungsträger bitten wir Sie wieder sehr herzlich um Mithilfe für die Erhaltung bzw. Wiederherstellung preußischer Kulturwerte.
Umfang und Zeitpunkt unseres Engagements richtet sich nach der Höhe des Spendenaufkommens und der Zinserträge sowie nach dem zeitlichen Ablauf der Baumaßnahmen.
Wir möchten folgende Projekte unterstützen und dabei Prioritäten berücksichtigen:
1. St. Nikolai, Potsdam: Hier werden im Rahmen der begonnenen Gesamtrenovierung
alsbald vier neue Bronzeglocken zum Ersatz für das stählerne Rufgeläut benötigt. Die Turmkuppelsanierung läuft; das erneuerte Kuppelkreuz wurde amReformationstag
2006 aufgesetzt.
Preis ca. 100.000 €.
2. St. Peter & Paul, Potsdam: Renovierung des vom Soldatenkönig Friedrich-Wilhelm I. an seine kath. Soldatengemeinde geschenkten Seitenaltars. Das sollte baldmöglichst geschehen, weil dieses geschichtsträchtige Kleinod demontiert gelagert wird und vom Verfall bedroht ist.
Preis ca. 40.000 €.
3. Heilands-Kirche, Sacrow: Hier soll die Renovierung mit einer neuen
Orgel demnächst abgeschlossen werden, dazu wollen wir nach Kassenlage beitragen.
Es fehlen noch 50.000 Euro.
4. Klosteranlage Jerichow: Es sollen im Rahmen der Gesamtsanierung baldmöglichst 67 Fenster erneuert werden. Auch dazu wollen wir nach Kassenlage beitragen.
Preis je Fenster 4.200 €.
5. Stadtschloss Potsdam: Auf dem Fortunaportal wollen wir 2007 mit einem Schmuckelement helfen.
Preis ca. 10.000 €
6. Neptunbrunnen: Im ehemaligen Lustgarten des Potsdamer Stadtschlosses fehlen noch wichtige Figuren. Wir möchten bei entsprechendem Geldeingang gerne einen
Triton übernehmen.
Preis: 60.000 €
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Dank
Meine sehr verehrten Damen und Herren,
Sie, unsere Spender, halten uns nun schon 22 Jahre die Treue. Mit Ihnen haben wir Höhen und Tiefen durchschritten, für unmöglich Gehaltenes geschafft, Widerstände überwunden und kleine Wunder erlebt. Es ist uns ein wirkliches
Herzensbedürfnis, Ihnen heute erneut Dank zu sagen für alle Gaben und für das unverbrüchliche Zusammenstehen, das möglich machte, was wir in Ihrem Namen taten.
Aus Ihren Spenden bezahlten wir in den Jahren 1984-2006 zugunsten der Stadt Potsdam, ihrer Baudenkmäler, Kirchen und Kultur bisher gut 910.000 Euro für konkrete Maßnahmen.
Weitere 240.000 Euro hatten wir auf Grund der Spenderbefragung von 2005 auf andere Projekte umzuleiten. Das ist im Rahmen der Liquidation abgewickelt.
Eine uns gegebene Zusage von 1,5 Mio. Euro bei Baubeginn rechnet ab sofort nicht mehr zu unserem Sammel-Kontostand.
Sie, die große Mehrheit (gut 95 %) unserer Förderer, entschieden, dass wir in der SPK das Vermögen von nunmehr 5,6 Mio. Euro als Projektrücklage zum Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonkirche für den Fall bereithalten, dass die Stadt Potsdam verwirklichen will, was deren Stadtverordnete am 06. Oktober 1990 beschlossen hatten und was somit der Grund Ihrer Spenden war
– Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonkirche – ohne wenn und aber! So haben Sie uns beauftragt, also in die Pflicht genommen; so werden wir handeln. Darauf können Sie sich verlassen. Nun werden wir auch öfter gefragt: „Können wir dennoch weiter für die Garnisonkirche spenden?“
Antwort: Bei einem Geldvermögen von 5 Mio. Euro stellten wir 2005 die aktive Sammlung für die Garnisonkirche ein. Trotzdem wuchs die Projektrücklage durch Ihre Spenden um 600.000 Euro weiter an.
Wer also bestimmt, dass seine Spende der „Projektrücklage“ zugefügt werden soll, braucht im Verwendungszweck nur „Garnisonkirche“ anzugeben; dann werden wir das den jetzt 5,6 Mio. Euro zuordnen. Spender müssen aber wissen, dass unser Einsatz für die GK an die seit 1990 genannten Spendenzwecke gebunden ist.
Wer uns bei den aufgeführten preußischen Kulturwerten aktuell helfen möchte, der braucht im beigeliegenden Überweisungsträger keine weiteren Verwendungszwecke einzutragen.
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Erinnerung und Gedenken
Wir regen an, am Heiligen Abend mit Kerzen im Fenster all derer zu gedenken, die in den Kriegen, danach und nun wieder mit der Bundeswehr im Tagesdienst und in internationalen Einsätzen ihr Leben und ihre Gesundheit für unser Deutschland gaben; was mehr hätten sie einsetzen können? Alles andere verblasst davor. Sie stürzten vom Himmel, sie liegen zumeist in den Weiten fremder Erde verscharrt oder sanken auf den Meeresgrund; sie bleiben aber ein Teil von uns und haben Anspruch auf unsere dankbare Erinnerung und die Wahrung ihrer Ehre, wie es in allen anderen Völkern selbstverständlich ist.
Beten wir aber auch für unsere Soldaten, die seit 15 Jahren auf Geheiß der jeweiligen Deutschen Bundesregierung weltweit in Einsätze befohlen werden. Bitten wir den Herrn um Schutz für sie und ihre gesunde Rückkehr.
Zum Schluss
In wenigen Wochen feiern wir die Geburt unseres Heilands. Die Weihnacht soll in Ihnen davon leuchten lassen, was Gott – der Schöpfer des Himmels und der Erden – durch sein Kommen in seinem Sohn für alle Völker – also auch das deutsche – tat. Jesus ist der Christus; sein im Alten Testament so häufig prophezeites Kommen wurde wahr. Sein Leben, Sein Sterben am Kreuz und Seine Auferstehung sind Gottes Versöhnungstat an uns Menschen. Diese erlösende Glaubensgewissheit sowie die Freude über solche Gnade möge in Ihr Heim kommen. Sagen Sie solche Frohe Botschaft weiter; wenn unsere Kirche in der Inneren Mission schon kneift, dann folgen wenigstens wir wo immer wir können der Regierungsmaxime des Soldatenkönigs, Friedrich-Wilhelm I. von Preußen: So ich nun baue Stadt und Land und mache nicht Christen, ist alles nichts nütze.
Bleibt uns nur noch, Ihnen zu sagen: Ihre tatkräftige Mithilfe ist und bleibt uns Ansporn, für den HERRN und Preußen nimmermüde weiterzuarbeiten. Wir verneigen uns vor Ihnen.
Für unser freies Tun bleibt dasArbeitsmotto
Gib, dass ich tu` mit Fleiß,
was mir zu tun gebühret;
wozu mich Dein Befehl
in meinem Stande führet.
Gib, dass ich`s tue bald,
zu der Zeit da ich`s soll,
und wenn ich`s tu`, so gib,
dass es gerate wohl!
Wir wünschen Ihnen einen gesegneten Advent, Frohe Weihnachten und für 2007 alles nur erdenklich Gute. Möge unserem deutschen Vaterland, Ihnen und uns im Neuen Jahr nicht mehr auferlegt werden, als wir tragen können.
Gott befohlen für heute; wir grüßen Sie wieder in preußischer Verbundenheit.
Ich bleibe stets
Ihr dankbarer und getreuer
Max Klaar
Oberstleutnant a.D.


Das „Brandenburgische Gespräch“ in Potsdam am 02.09.2006 behandelte die Symbolbedeutung der Garnisonkirche. Nachstehend für die Daheimgebliebenen der Vortrag:
Über die Pflicht Am 17. August 1786, also vor 220 Jahren, starb Friedrich II. von Preußen. Die Zeit vom Großen Kurfürsten bis zu ihm, dem Großen König, war die Epoche, in der die Hohenzollern Preußen zur europäischen Großmacht erhoben; jenes Preußen, dass dann 100 Jahre später das Deutsche Reich zum Nationalstaat einen sollte.
Wie kam es aber, dass sich manche der Hohenzollern, die sich durchweg in der Pflicht fühlten, für ihren Staat verzehrten, während andere Fürsten zur selbenZeit bei den Regierten nicht selten Ablehnung bis hin zu Aufstand und Revolution bewirkten? Als wesentlicher Grund ist festzustellen, dass die Entwicklung Preußens, also die Arbeit der Hohenzollern für ihren Staat, mit dem Christentum eng verbunden ist.
Staatsverständnis, Staatsorganisation, Rechtssystem, kulturelles Leben, Wissenschaft und Lehre genau so wie Landesverteidigung und die Wirtschaft in Preußen hatten einen inneren Bezug zu dieser Religion, deren unterschiedliche Konfessionen „tolerieret werden“ sollten und auch wurden, denn schließlich ging - und geht es dabei heute noch immer - um ein und denselben Dreieinigen Gott.
Das Berufsverständnis des Fürsten, seine Motivation ist zu hinterfragen
– also das Pflichtverständnis, und da sind wir mitten im Thema. Von Friedrich dem Großen stammt das Wort: Verschieden sind der Menschheit Stände, doch der Menschheit Pflichten gleich.
Generalmajor Henning von Treskow hatte 1943 seinen Söhnen anlässlich deren Konfirmation in der Garnisonkirche eingeschärft: "Vergesst niemals, dass Ihr, auf preußischem Boden und in preußischdeutschen Gedanken aufgewachsen, heute an der heiligsten Stätte des alten Preußentums eingesegnet seid. Es birgt einegroße Verpflichtung in sich, die Verpflichtung zur Wahrheit, zur innerlichen und äußerlichen Disziplin, zur Pflichterfüllung.
Aber man soll niemals von Preußen sprechen, ohne darauf hinzuweisen, dass es sich damit nicht erschöpft. Es wird oft missverstanden. Vom wahren Preußentum ist der Begriff der Freiheit niemals zu trennen. Wahres Preußentum heißt Synthese zwischen Bindung und Freiheit ...... Nur in der Synthese liegt die deutsche und europäische Aufgabe des Preußentums, liegt der europäische Traum."
Die Linke unseres Landes schreit bei solchen Lehraussagen auf:„Rückwärtsgewandte Thesen“, „Erzkonservativ und an der Zeit vorbei“, „Faschistoides Denken“, „Mit solchen Tugenden kann man auch ein KZ betreiben“ (Oscar Lafontaine). Man könnte darüber hinweg und eigentlich ohne Antwort zur Tagesordnung übergehen, wenn es nicht um die Zukunft der nachfolgenden Generation ginge.
Clausewitz rief seinen jungen Soldaten einst zu: „Die Zeit ist Euer; was sie sein wird, wird sie durch Euch sein!“ Das allein ist der Grund, warum den Kritikern in der Sache immer geantwortet werden muss.
Man kann Pflicht als dienstliche Obliegenheit ansehen. Der Begriff bedeutet aber ebenso ein unbedingtes Gebot, sittlich zu handeln (vergl. den kategorischen Imperativ von Kant.). Zum ethischen Gehalt der Pflicht gehört nach Immanuel Kant, der 1724-1804 in Ostpreußens Hauptstadt Königsberg lebte und lehrte, dass der Mensch bei seiner selbstbestimmten Tat vom Maß der Vernunft ausgeht, wobei die Vernunft wiederum gebietet, sich nach dem zu richten, was man offensichtlich soll.
Das klingt abstrakt, ist aber längst gedachte philosophische Erkenntnis des alten Griechenlands. Treskow stellt die Verpflichtung zur Wahrheit, zur innerlichen und äußerlichen Disziplin in den Zusammenhang mit der Freiheit, die von den Griechen so eingegrenzt wurde: „Nicht der ist frei, der tun kann, was er will, sondern der ist frei, der wollen kann, was er tun soll.“
Was aber soll ich tun? Das ist die Kernfrage aller Auseinandersetzung um die Pflicht. Im Beruf ist die Sache mit den Dienstpflichten relativ einfach; Soldaten, Beamte, Lehrer u.s.w. werden auf die berufsspezifischen Erfordernisse in die Pflicht genommen, erkennen diese Gesetzesnormen sowie Vorschriften
an und haben das entsprechende Pflichtbewusstsein. Anders ist die Sache mit dem Pflichtgefühl, das jeder individuell als seinen Kompass erlebt. So soll im Folgenden auch nur über das Pflichtgefühl nachgedacht werden, da das Pflichtbewusstsein eher unstrittig ist.
Pflichtgefühl dagegen ist die Folge tiefen geistigen Eintauchens in Philosophie aber auch in Religion und wird so nicht selten zur „verdammten Pflicht“ (Friedrich der Große) desjenigen, der sich verantwortlich weiß. Dabei hat Verantwortung etwas mit Antwort geben zu tun – nicht mir selbst gegenüber, sondern dem Herrn meines Lebens, wenn man IHN denn als solchen anerkennt. Am Anfang derartigen Nachdenkens stehen die Grundfragen:
- Woher kommt der Mensch?
- Was ist der Sinn seiner irdischen Existenz?
- Wo geht er nach dem Tod hin?
Auch Atheisten wie einst Karl Marx stellen diese Fragen. Ihre atheistischen Antworten suchen sie aber nicht in der Transzendenz sondern in dem, was sie sich vorstellen können. So entstand die unbeweisbare Denkleistung: Es gab eine befriedete Urgesellschaft, die wurde durch den Sündenfall des Kapitalismus zerstört; folglich muss man nur den Kapitalismus abschaffen, um eine befriedete Endgesellschaft zu haben. Dieses Denkgebäude des Kommunismus, das soviel Unheil anrichtete, beschäftigt sich nur mit der irdischen Existenz. Auch daraus kann sich ein bestimmtes Pflichtgefühl ergeben; es bleibt allerdings sehr partiell.
Ein halbwegs befriedigendes, umfassendes Ergebnis erhält derjenige, der sich mit dem Schöpfergott auseinandersetzt, welcher dem Suchenden – sehr zu dessen Leidwesen – Gehorsam zumutet, indem er Gebote setzt, wovon das „Du sollst Dir kein Bild von mir machen“ besonders sperrig bleibt. Denn: Ist nicht gerade das Ergründen dessen, was ich in dieser Schöpfung soll, also die Frage nach dem Sinn des Ganzen, der Versuch, sich ein Bild von Gott zu machen?
Eines wird jedoch sehr schnell klar: Mit fideler Ignoranz nach dem Motto „Ich weiß zwar nichts, vertrete aber ganz entschieden meine „felsenfeste Überzeugung“ (was übrigens eine oft gebrauchte leere Politikerphrase ist) – mit diesem Motto kommt niemand weiter. Wenn Gott ist – und die Wahrscheinlichkeit dafür beträgt immerhin 50:50, eine größere gibt es in Glaubenfragen nicht – dann hat Er mit seiner Schöpfung eine Absicht. Und die Absicht kann man aus der Art, wie Seine Schöpfung ist und funktioniert, ableiten. Dabei gibt es Grundunfreiheiten: Ich muss essen, trinken schlafen – wer es lässt, der stirbt. Weitere Unfreiheiten ergeben sich aus den Lebensumständen wie Hitze, Kälte und Nässe, wogegen der Mensch sich schützen muss, um leben zu können.
Und zum selben Zweck gilt es, die Luft, das Wasser und den Boden rein zu halten; nur so ist uns „die Erde untertan“. Ein misshandelter Untertan schlägt zurück! Heute bekommt die Menschheit davon schon eine Ahnung.
Aber auch ganz Profanes, wie der Zwang zur Vorratswirtschaft, um Mangelzeiten zu überstehen, grenzt unsere Freiheit ein. Schwerwiegender sind schon die Unfreiheiten, die sich aus Unwissenheit ergeben, komme sie aus Faulheit oder Bildungsmangel; in jedem Fall ist der Unwissende der Naturgewalt ausgeliefert oder auf Hilfe anderer angewiesen; denken Sie an den Analphabeten und das Straßenschild, den Busfahrplan oder den Behördengang. Der Bogen der Unfreiheiten reicht bis zu den Gesetzesnormen einer jeden Gesellschaft. Sie abzuschaffen, hieße Chaos und damit noch größere Unfreiheit verursachen. Damit soll es genug sein, es beschreibt aber alles Dinge, die der Mensch soll, und das kann jeder durch die Vernunft herleiten. In der Ausübung des Gesollten erleben wir Disziplin – z.B. die Verkehrsdisziplin – als ordnende Wohltat, die frei macht für das Mögliche – und nun versteht man die „alten Griechen“ und ihr „wollen, was man tun soll“ besser.
Was ist aber das Maß der Freiheit, das uns Menschen bleibt? Wir können Törichtes tun, indem wir die Grundunfreiheiten missachten, dann allerdings ist der Tod nicht weit. Wir können die Gesellschaftlichen Normen brechen, was in der Unfreiheit des Kerkers endet. Wir können durch Nichtstun unsere Begabungen verkümmern lassen, weswegen wir dann schnell in Abhängigkeit geraten. Das Gegenteil all dessen tun, also bewusst und körpergerecht essen, trinken, schlafen, fleißig sein, lernen, leisten und damit eigene Begabungen ausschöpfen, in allem Zucht üben und Maß halten sowie Normen folgen u.s.w., beschreibt schon ein wenig dessen, was uns Menschen möglich ist; es entspringt der Einsicht, die dem eigenem Willen gebietet zu wollen, was man offensichtlich tun soll. Wer tiefer dringen will, wer wissen will, was Gott sagt, der liest die Heilige Schrift und erfährt von den Geboten und Aufforderungen des Herrn an uns Menschen, was wir tun sollen bis hin zu: „Liebet eure Feinde; tut wohl denen, die euch hassen; segnet, die euch fluchen; bittet für die, die euch beleidigen.“ (Lk, 6,27) „Und wie ihr wollt, dass euch die Leute tun, also tut ihnen auch!“ (Lk, 6,31). Wer als Regierender so liest und sich dann auch noch daran hält, weil er ja auch gelesen hat: „Was heißt ihr mich aber Herr, Herr, und tut nicht, was ich euch sage?“ (Lk, 6,46), der bekommt es mit der politischen Freiheit und der Gerechtigkeit zu tun, und dann wird es für ihn unbequem, bisweilen sogar gefährlich, denn die Staatsreform hin zu Freiheit und Gerechtigkeit beschneidet zwangsläufig die Rechte der zuvor Privilegierten. Brandenburgs und Preußens Regenten konnten ein Lied davon singen. Es war nicht einfach, aus Raubrittern und herrschendem Landadel den preußischen Dienstadel zu formen und in die Pflicht zu nehmen, aber frommen Kurfürsten und Königen mit dem ihnen eigenen Pflichtgefühl gelang es. Sie regierten meist sparsam, entwickelten das Land, sorgten für Arbeit und Brot, führten die Schulpflicht ein, machten jedermann vor dem Gesetz gleich, so dass Europa bewundernd raunte: „Da gibt es noch Richter in Berlin!“ Solche preußischen Herrscher garantierten Freiheit der Religion, förderten Wissenschaft und Aufklärung, sorgten für unschuldig in Not Geratene, gaben Verfolgten eine neue Heimat, bürgerten Integrationswillige ein, um nur einiges zu nennen. Im absolutistischen Europa war das revolutionär, vollzog sich aber in Preußen evolutionär und bewirkte patriotisches Zusammenstehen der unterschiedlichen europäischen Nationalitäten in diesem
Staat, für dessen Außenpolitik vorrangig galt: „Griff zu den Waffen nur in der Not!“
So stieg Preußen strahlend auf und wurde zum Vorbild für Deutschlands Einheit. Treskow hatte Recht, Preußen war und bleibt Synthese von Bindung und Freiheit – worin die deutsche und europäische Aufgabe des Preußentums liegt. Dieses Europa aber gründet nach Theodor Heuss auf drei Hügeln:
- dem Areopag mit dem Demokratiedenken der Athener;
- dem Capitol mit Roms Verständnis vom Staat, seinen Bürgern und dem sie verbindenden Recht und
-Golgatha mit der christlichen Lehre von Freiheit, Gerechtigkeit und Menschenwürde.
Die Lehre aus Mekka und Medina steht im krassen Gegensatz dazu. Das ist nicht Europas Kultur. Der Islam begründet als Staats- und Rechtsphilosophie vielmehr mittelalterliche Diktaturen. Es darf in einem freien Europa jedoch keine Toleranz gegenüber muslimischer Intoleranz geben. Hier lebende Muslime müssen sich unter die Dominanz des abendländisch-säkularen Rechtssystem stellen oder sie müssen in ihr Ursprungsland heimkehren, und das heißt, ausgewiesen werden. In Europa bedeutet Religionsfreiheit Gedankenfreiheit! Das ist für die europäische Kultur eine Überlebensfrage.
Friedrich des Großen Auffassung „Ich bin der erste Diener meines Staates!“ war nur die logische Konsequenz des staatlichen Werdens Preußens; dieses Verständnis behält Gültigkeit für das Pflichtgefühl eines jeden, der Macht auszuüben hat. Das war seinerzeit ein Kultursprung, der dann zum Preußischen Landrecht führte, das den Beitrag der Deutschen zur Erklärung der Menschenrechte darstellt. In den Grundrechten unseres Grundgesetzes lebt das fort und lässt uns heute noch singen „Freiheit die ich meine, die mein Herz erfüllt, komm mit deinem Scheine, süßes Engelsbild. Wo sich Menschen finden, die für Ehr und Recht, mutig sich verbinden, weilt ein frei Geschlecht!“
Im weiteren lassen wir all die Bereiche persönlicher Anforderungen und das Maß des daraus folgenden Pflichtgefühls (dem Ehepartner, den Kindern, den Freunden, den Kollegen u.v.a.m. gegenüber) unerwähnt; sie gehören aber ganz fest zum ethischen Fundus unserer Gesellschaft und bestimmen die Freiheit zu wollen, was man tun soll wesentlich mit.
Die sich aus dem Christentum herleitenden Kardinaltugenden Glaube, Liebe, Hoffnung, Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit sowie Zucht üben und Maß halten sind das Korsett, das dem eigenen Tun Richtung gibt. Der so motivierte Regierende wacht in Treu’ und Redlichkeit über Anvertraute und Anvertrautes, der ist sparsam mit den Steuern, der fördert die Bildung als Voraussetzung der Selbstbestimmung der Staatsangehörigen, der macht das Gesetz erträglich und setzt es durch. Er lässt dadurch unbestechliche Hingabe an die Aufgabe erkennen und wird Mut, Tapferkeit und Unbestechlichkeit derjenigen ernten, die sich gleich ihm der Durchsetzung des Notwendigen im Staate verschreiben. Das persönliche Beispiel – das Vorbild also – ist dabei durch nichts zu ersetzen.
Die Gegenteile der Kardinaltugenden lauten: Unglaube, Hass, Hoffnungslosigkeit, Ungerechtigkeit, Feigheit, Unzucht und Maßlosigkeit. Was wären wohl die Taten eines derartig Motivierten? Wie würde er handeln, wenn er ein Amt im Staate hätte (denken Sie an die internationalen und nationalen Sozialisten Stalin, Pol Pot, Mao, Hitler u.s.w.). Muss hier wirklich weitergedacht werden? Dann müssten wir wohl auch noch die Auswirkungen der Obszönität mancher Manager-Gehaltsbeutezüge untersuchen – es bleibt nicht ohne Folgen im Volk, wenn ein leitender „Angestellter“ 20 Millionen Euro Jahresgehalt beansprucht und erhält.
Fragen wir nach den Gründen des staatlichen Niedergangs heute. Claus Jacobi, ehemaliger Chefredakteur des Spiegel, drückte es so aus: „Regierende und Regierte entfremden sich. Die Führungsschicht bietet kaum noch Vorbilder. Mittelmaß hockt auf den Thronen der Macht. Die politische Klasse erwies sich als nicht fähig, Kernprobleme der Republik zu lösen ... Abartiges und Obszönes hat Saison
... Der Fortschritt brummt: Multikulti, Quotenfrauen, Schwulen-Ehen ... Unsere Söhne und Töchter zählen zu den dümmsten Europas. Die Familie zerfällt.“
Und das lässt sich fortsetzen: Wir brachten und bringen inzwischen millionenfach ungeborene Kinder (das sind Geschöpfe Gottes!) um und lassen uns das als gesellschaftliches Erfordernis der weiblichen Selbstbestimmung („Mein Bauch gehört mir!“) begründen – ein Erfordernis, welches die Allgemeinheit zu bezahlen habe. Das Recht wird nur noch eingeschränkt durchgesetzt. Historische Forschung wird mit Offensichtlichkeitsgesetzen unterdrückt und die Meinungsfreiheit dadurch eingeschränkt. Das neue Antidiskriminierungsgesetz fördert wohl die Denunzierung, was moderne „Hexenprozesse“ zu bringen verspricht. Unser Staat beteiligte sich an einem grundgesetzlich verbotenen Angriffskrieg (gegen Serbien) und schickt inzwischen mit höchst fragwürdigen Begründungen Teile unserer Bundeswehr nach Afghanistan, in den Kongo und nun auch noch in den Libanon. In Zeiten größter finanzieller Not unseres Landes schmiss die Bundeskanzlerin – kaum ins Amt gewählt – zusätzliche Milliarden in den EU-Topf und verzichtete zugunsten Polens auf einige hundert Millionen Euro. Beim USA-Besuch meinte sie, den Vereinigten Staaten für „die Befreiung Deutschlands“ 1945 danken zu müssen, obwohl sie selbst zehn Jahre nach Kriegsende noch im „Froschteich“ badete. Dass sie damit die Erlebnisgeneration
zum Widerspruch reizt und obendrein ihre Amtspflicht, deutsche Interessen zu vertreten, recht kritikwürdig ausübt, scheint sie nicht zu kümmern.
Und sollte sich jemand für die politischen „Glanzstücke“ auf der EU-Ebene interessieren, dem sei das Buch von Dr. Axel Kappatsch empfohlen: „Union der Narren - wie Europa die Deutschen ruiniert“, Nation Europa Verlag, Coburg, ISBN 3920677-62 -5.
Es ist Zeit, dass Preußen wieder in unser Bewusstsein rückt und seine aus dem Christentum abgeleiteten Tugenden in unserem Staat endlich wieder die Richtung vorgeben – so, wie Treskow es gemeint hat. Und das heißt: Die Jugend muss wieder erzogen werden, dass sie Bindungen erkennen und daraus ableiten kann, welche Freiheiten den Menschen möglich sind. Das ist aber gleichzeitig eine Kampfansage an Faulheit, Ignoranz, Unbildung, Frechheit des Lasters, Wertezerstörung, Niedergang der Familien, Kindermord, Sozialschmarotzertum, Asylmissbrauch, Toleranz den Intoleranten gegenüber, linken sowie rechten Extremismus, Gesetzesbruch, Steuerverschwendung etc.
Eine solche Staatsreform wird mühsam und vielleicht auch gefährlich. Die Aufgabenschwere ist durchaus vergleichbar mit derjenigen, der sich Brandenburg-Preußens Herrscher – die in ihrer Mehrheit so begabten Hohenzollern – einst gegenüber sahen. Aber sie hatten die Staatsreform als notwendig erkannt, und sie taten, was getan werden musste, um die Not zu wenden. Sie setzten sich durch. So wurde ihr Vorgehen zum preußischen Prinzip:
Was Du als notwendig erkennst, das tu, sonst tut es keiner!
Es gilt heute mehr den je.
Wenn wir den großen preußischen Vorbildern nachstreben wollen, heißt das heute wie damals, den Kardinaltugenden zu folgen. Also:
1. Verlieren wir nie den Glauben an den gnädigen Gott. Unsere Demut gründe sich auf die Einsicht, dass Er größer ist als alle menschliche Vernunft.
2. Pflegen wir die Liebe, die uns entgegengebracht wird; sie ist ein Geschenk und keineswegs eine Selbstverständlichkeit. Sehen wir aber auch in unserem Gegner ein Geschöpf Gottes, das unsere Zuneigung verdient.
3. Verlieren wir nie die Hoffnung und halten wir stand, denn wir werden gehalten.
4. Wägen wir vor der Tat unsere Handlungsmöglichkeiten in Klugheit ab. Dem Wagen geht das Wägen voraus.
5. Üben wir Gerechtigkeit ohne Ansehen der Person.
6. Stehen wir tapfer zu unsrem Tun und das besonders gegen alle Widerstände.
7. Nehmen wir unsere Emotionen und Eigeninteressen in Selbstzucht.
8. Halten wir im Tun das Maß ein, das nötig ist, um unsere Vertrauenswürdigkeit unerschütterlich zu machen.
*****
Das alles, meine sehr verehrten Damen und Herren, ist Teil der tieferen Symbolbedeutung der ehrwürdigen Potsdamer Garnisonkirche. Deshalb bestehen wir darauf, dass sie als Denkmal und Symbol des christlichen Preußens wieder so errichtet und genutzt wird, wie es dieser Bedeutung entspricht. Dafür arbeiten wir nun in der Stiftung Preußisches Kulturerbe weiter.
Clausewitz’ Ruf „Die Zeit ist Euer; was sie sein wird, wird sie durch Euch sein“ war und bleibt uns Aufforderung, auf das, was unsere Zeit sein soll, nach unseren Kräften einzuwirken. Dabei waren, sind und bleiben wir unabhängig. Sie haben uns bisher in selbstloser, großzügiger Weise unterstützt – also gehandelt.
Ihre Tat zählt.

Soll das in der Garnisonkirche Wirklichkeit werden?
Haben alle die, die das Vorgehen der Stadt Potsdam und der Ev. Kirche beim Wiederaufbauvorhaben unterstützen, wahrheitsgemäße Informationen über das, was sie
damit fördern?
Das im März 2005 vorgestellte „Nutzungskonzept für die Potsdamer Garnisonkirche“ belegt eindeutig: Architektonische Änderungen innen und außen, deren Umfang sich erst ermessen lässt, wenn die dazu vorgesehenen „international auszuschreibenden Wettbewerbe“ abgeschlossen sind. (Dresden zeigt aber: Eine originalgetreue Rekonstruktion braucht KEINE „internationalen Wettbewerbe“.)
Einrichtung des Internationalen Versöhnungszentrums in der GK.
Inhaltliche Neuinterpretation (also Umwidmung) der GK und dazu passende
Nutzung als volkspädagogische Bildungsstätte für „Versöhnungsarbeit und Geschichtsunterricht“ (Bischof Huber, SPD).
Im Vorwort des „Nutzungskonzeptes“ heißt es, man habe sich bei der Frage, ob Gott seinen heiligen Namen in dieser Kirche wohnen lassen sollte, von der „demütigen Rede König Salomons bei der Einweihung des Tempels in Jerusalem“ (1. Könige, 8) „inspirieren lassen“. Solche Inspiration durch den weisen und frommen König hat das „Nutzungskonzept“ aber ganz offensichtlich nicht erfasst. Im Kern jener Rede heißt es doch, „... und wenn sie dann von ganzem Herzen zu dir umkehren und dort zu dir beten ...“ Also, sollte die „Inspiration“ wirken, müsste es doch gerade darum gehen, diese Kirche wieder als Kirche aufzubauen und zu nutzen. Was man statt dessen will, belegt das „Nutzungskonzept“.
Daraus einige Zitate:
a. Nutzung des geplanten Gebäudes als „Internationales Versöhnungszentrum an der Potsdamer Garnisonkirche“ (Seite
3) „... weil es uns nicht um Restauration geht, sondern um inhaltliche Neuinterpretation ...“ (Seite 2). Deswegen solle die Garnisonkirche „mit ihrer zweideuti-gen Geschichte ein exponierter Lernort und eine verheißungsvolle Zukunftswerkstatt werden“ (Seite 2)
b. „Die Garnisonkirche symbolisiert Preußens Gloria und Preußens Elend. .... Die Schuldverstrickung ist eine mächtige Realität. ...Der unverwechselbare Ort
mit seiner wechselvollen Geschichte wird auch in Zukunft in besonderer Weise nach Deutung verlangen.“ (Seite 10)
c. „Seither fordert das Nagelkreuz insbesondere uns Deutsche heraus, mit unserer schuldbeladenen Vergangenheit ... im Geiste der Wahrheit und der Versöhnung umzugehen.“ (Seite 8)
d. „Der Begriff der Versöhnung ist so positiv besetzt, dass er vor Missverständnissen und Missbräuchen geschützt werden muss. Die Inanspruchnahme billiger Gnade zur Selbstentlastung hat mit Versöhnung so wenig zu tun wie der moralische Appell an das ‚Gute im Menschen’. Die Einebnung des Unterschiedes von Tätern und Opfern ist ebenso unbiblisch wie die abergläubische Vorstellung von einer Wunden heilenden Zeit. ...“ (Seite 11)
e. „Und unter dem Dach dieser Kirche sollen interessierte Bürger und politische Entscheidungsträger, engagierte Friedensaktivisten und verantwortliche Militärs in fairen Gesprächen ebenso um Themen der Friedenserhaltung, der gewaltfreien Konfliktlösung und des heilsamen Umgangs mit persönlicher und gesellschaftlicher Schuld ringen können wie die Vertreter der modernen Medien und der sozial- und globalisierungskritischen Organisationen.“ (Seite 7)
f. „Die Garnisonkirche kann also zum Raum werden für Vorträge, Seminare, Podien und Workshops zu politischen, sozial- und geistesgeschichtlichen, kulturellen und ethischen Themen. Hier sollte der Diskurs über die Deutung der Geschichte und die Handlungskonzepte der Gegenwart mit Wissenschaftlern und Schülern, mit Militärs und Kriegsdienstverweigerern, mit Wirtschaftsmanagern und Gewerkschaftern geführt werden. (Seite 10)
g. Neben der intellektuellen Auseinandersetzung mit Geschichte und Gegenwart sind aber auch Veranstaltungen mit künstlerisch-kreativem Schwerpunkt denkbar. ... So könnte auch für andere Zielgruppen eine Auseinandersetzung mit den Symbolen der Geschichte geschehen. Darüber hinaus können Konzerte, Lesungen, Theatervorstellungen oder Filmaufführungen in der Garnisonkirche stattfinden.“ (Seite 10).
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Bis dahin ist von Kirche keine Spur! Die auch vorgesehenen Gottesdienste lassen angesichts solcher „Neuinterpretation“ eher politische Kanzel-Predigten erwarten. So spaltet man Gemeinde schon jetzt.
Die Garnisonkirche soll wie jede Kirche der Ort zur Anrufung Gottes und zur Verkündigung seines Wortes sein. Das wollte König Friedrich-Wilhelm
I. auch in diesem Gotteshaus, wie sein Regierungsmotto beweist: „So ich nun baue Stadt und Land und mache nicht Christen, ist alles nichts nütze!“ Wie modern – daran fehlt es in unserem Land – das gilt es wieder zu bekennen.
Wäre das das „Nutzungskonzept“, wie es das der Traditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel und das der Stiftung Preußisches Kulturerbe war, ist und bleibt, dann hätte die Rede König Salomons die Programmschreiber wirklich „inspiriert“. Wir fordern: KEINE Symbolbrüche an der Garnisonkirche – sie soll
- im Äußeren originalgetreu wiedererrichtet werden und
- im Inneren den christlichen Konfessionen als Kirche dienen, in der der Öku- mene besonderer Raum zu geben ist.
-Aus der Garnisonkirche ist Kirchenspalterisches herauszuhalten; in ihr sind auch keine Institutionen unterzubringen.
Zitat aus dem Nutzungskonzept, Seite 23
4.1. Trägerschaft und Baugesellschaft „Die Evangelische Kirche (....), das Land Brandenburg und die Stadt Potsdam bilden gemeinsam eine kirchliche Stiftung, die Eigentümerin des Grundstückes und der Garnisonkirche, Betreiberin und Trägerin der Kirche und Trägerstruktur für das Internationale Versöhnungszentrum ist. Damit werden die Beteiligten ihrer
gemeinsamen Verantwortung für das Wiederaufbauprojekt gerecht und sichern der künftigen Stadt- und Symbolkirche und dem Versöhnungszentrum eine Zukunft unabhängig von der Entwicklung der öffentlichen und kirchlichen Haushalte. Im Kuratorium der kirchlichen Stiftung haben die Vertreter der Kirche die Stimmenmehrheit. Eine Kirchengemeinde soll an der Garnisonkirche nicht gebildet werden.“
(So sichert man die Durchsetzung der Politisierung der Garnisonkirche und ihren Missbrauch für Volkspädagogik, ohne dass der Gemeindekirchenrat einer Personalgemeinde Kontrolle ausüben kann. Das ist im Ansatz bereits die Verhinderung demokratischer Strukturen und Mitbestimmung der Gemeindeglieder.)
4.4 Finanzierung (Seite 24 und 25)
„ ...... Die Personalkosten, laufenden Betriebskosten und die Sachkosten der Stadt- und Symbolkirchenarbeit und des Internationalen Versöhnungszentrums an der Garnisonkirche werden durch die Trägerschaft finanziert werden. Dazu sind sowohl Erträge aus dem Eintritt in die Kirche, aus den Turmbesteigungen, den Vermietungen der Kirche und aus Verkäufen zu erzielen als auch Spenden und Kollekten von den Besuchern der Garnisonkirche und Dritt-Mittel für spezielle Veranstaltungen einzuwerben. ..... Folgender Entwurf für einen Kosten- und Finanzierungsplan der Trägerstiftung soll einen Eindruck vermitteln, wie es möglich sein könnte, das Internationale Versöhnungszentrum und die Garnisonkirche auch wirtschaftlich zu betreiben.
Einnahmen Spenden / Kollekten 30.000 €
Zuschüsse für Veranstaltungen 16.000 €
Gebühren für Führungen 10.000 €
Entgelte für Vermietungen 16.000 €
Eintritt für Turmbesteigungen
(1.0 Besucher täglich im Sommer = 200.000 275.000 € und 500 Besucher täglich im Winter = 75.000 je a 1 €)
Merchandising (0,5 € PRO Besucher) 138.000 €
Stiftungserträge 30.000 €
Unterstützung durch die Fördergesellschaft 40.000 €
Summe 555.000 €
Ausgaben Personalkosten
Direktor / in 75.000 €
Pädagog / in 45.000 €
Besucherbetreuung 50.000 €
Anteil Stadtkirchenpfarrer / in 25.000 €
Sekretariat 40.000 €
Haus- und Kirchenwart 35.000 €
Honorarkräfte, Praktikanten, SAM 40.000 €
Sachkosten für Veranstaltungen 30.000 €
Sachkosten für Büros 15.000 €
Sachkosten für Besucherbetreuung und Öffentlichkeitsarbeit 30.000 €
Betriebskosten 80.000 €
Gebäudeunterhaltung / Erhaltung 90.000 €
Summe 555.000 €

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