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Die Rundbriefe der Traditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel
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Berichte aus der Presse Die wechselhafte Geschichte der Garnisonkirche in Potsdam Die Einweihung des Glockenspiels in Iserlohn Über den Turm der Garnisonkirche. Informationen über das Glockenspiel der Garnisonkirche DieTraditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel Melodien des Potsdamer Glockenspiels als MP3 Datei zum Downloaden

Rundbriefe
Stiftung Preussisches Kulturerbe
vorm. Traditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel

Gemälde der Garnisonkirche
Bonn,
im November 2009

Wieder und wieder erreichten uns Ihre Spenden als ständige Aufforderung, unbeirrt den Weg der Erhaltung oder Wiederherstellung preußischer Kulturwerte weiterzugehen. Fast 50.000 Euro kamen wieder zusammen, und wir danken Ihnen an dieser Stelle noch einmal sehr, sehr herzlich dafür. Zum Kapitalstand, zur Verwendung der Zinsen und Ihrer Überweisungen geben wir für 2009 folgenden Rechenschaftsbericht:

- Aus dem Stiftungskapital von gut 840.000 € schütten wir jährlich rund 40.000 € Zinsen aus.
- Die Projektrücklage für den Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonkirche steht nun bei über 6,1 Mio. €.
- Potsdam, Nikolai-Kirche: Die Renovierung schreitet fort. Die Glocken, die Sie der Gemeinde schenken, wurden am 06.11.2009 gegossen. Sie werden zu Ostern 2010 erstmals erklingen, nachdem die Glockenstuhlarbeiten bis dahin fertig sind. An erforderlichem Kapital brachten Sie dafür 145.000 € zusammen. Insgesamt erhielt die Nikolai-Kirche bisher 185.000 €. Die werden 2010 um weitere 15.000 erhöht auf insgesamt 200.000 €. Dazu schrieb Ihnen der Vorsitzende des Gemeindekirchenrates: „Im Namen der St. Nikolaikirchengemeinde Potsdam, des Gemeindekirchenrates und unserer Pfarrer möchte ich mich recht herzlich für Ihre großzügige Spende in Höhe von 200.000,- Euro zum Zwecke der Sanierung unserer Kirche, für die Turmengel, den Palmettenkranz und die vier neuen Glocken bedanken. Unser besonderer Dank gilt den vielen Spendern der Stiftung, die diese Unterstützung erst ermöglichten.
Es wird für uns alle eine große Freude sein, sich sonntäglich wieder mit Glockengeläut zum Gottesdienst rufen zu lassen. Glocken loben mit ihrem einzigartigen Klang die Größe
des Schöpfers und erinnern uns auch im Alltag an Zeiten des Stillewerdens und des Gebets. Wir sehen nun mit großer Zuversicht der Fertigstellung im Jahr 2010 entgegen und danken Gott für die Bewahrung während der Bauzeit. Möge dieses Gotteshaus bald wieder in vollem Glanze erstrahlen und die Gemeinde den Herrn preisen. In brüderlicher Verbundenheit grüßt Sie Ihr Joachim Uhlig
- Koblenz, St. Florinskirche: Hierzu erreichte uns im Frühjahr der Hilferuf des zuständigen Superintendenten. Vor allem war ein baufälliges Seitenportal wiederherzustellen. Da diese Kirche einst Garnisonkirche der preußischen Soldaten war, halfen wir unbürokratisch sofort mit 20.000 €. Die Renovierung ist inzwischen erledigt und der Bittende schrieb Ihnen: „Als für die Florinskirche in Koblenz zuständiger Pfarrer bedanke ich mich sehr herzlich für die großzügige Unterstützung der Stiftung Preußisches Kulturerbe zu Gunsten der Renovierung des Seitenportals unseres Gotteshauses. Die Stadt Koblenz gestaltete die Straße „Danne“ neu, wodurch das Portal nun wieder in angemessener Weise zur Geltung kommt und als Seiteneingang benutzbar ist.
Im Namen der Evangelischen Kirchengemeinde Koblenz-Mitte sage ich der Stiftung Preußisches Kulturerbe für das Engagement ein herzliches Dankeschön.“
- Insgesamt 2009 bisher ausgeschüttete Beträge 277.500 €.
Als weitere Förderprojekte liegen vor uns:
- Potsdam, Stadtschloss: Wiederherstellungeiner Gesimsfigur 25.000 €.
- Potsdam, Neptun-Brunnen: Wiederherstellung eines Triton 60.000 €.
- Ahrensfelde, Reiterdenkmal Otto von Arnim: Die Russen hatten 1945 dem Reiter den Kopf abgeschlagen. Der Leutnant von Arnim bekommt seinen Kopf wieder für 16.000 €.
- Sommerschenburg, Feldmarschall Neidhard von Gneisenau: Das Mausoleum ist marode (siehe nachstehender Bericht). Wir helfen mit 8.000 €.
- Koblenz, Ehrenmal des Deutschen Heeres: Für Renovierungsarbeiten bat uns das Kuratorium um Hilfe. Wir sagten zu 5.000 €.
- Potsdam, Nikolai-Kirche: Von den Renovierungskosten hat die Gemeinde insgesamt fast 3 Millionen € zu schultern. Daher beschlossen wir, sie weiter zu fördern und möchten gerne 10% davon übernehmen. So sind eingeplant weitere 100.000 €.


Insgesamt sind dafür 214.000 € erforderlich, wofür wir Sie heute wieder sehr herzlich um Ihre Mithilfe bitten. Es ist eine sehr schöne, befriedigende Arbeit, die wir mit Ihrer Unterstützung freudig leisten können. Am Dank sehen Sie, wie froh Sie die Beschenkten dadurch machen konnten, dass Sie ihnen jeweils eine große Belastung von den Schultern nahmen. Wir schließen uns diesem Dank noch einmal an und verneigen uns vor Ihnen.

Lage in Potsdam
Die Evangelische Kirche Berlin- Brandenburg-Schlesische Oberlausitz (EKBO) hat seit dem 14.11.2009 einen neuen Bischof. Dr. Markus Dröge wurde gewählt und trat an diesem Tag sein neues Amt an. Wir wünschen ihm dafür Gottes Segen.
Bezüglich der Garnisonkirche wird sich nichts ändern, da sich sein Vorgänger, Herr Huber, nach der Pensionierung nicht zurückzieht, sondern dem guten Brauch aller Führungskräfte zuwider vor Ort in mehreren Funktionen tätig bleibt - darunter auch als Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung Potsdamer Garnisonkirche. Im Kuratorium haben die Kirchenvertreter die Stimmen-Mehrheit, was nichtkirchliche Kuratoriumsmitglieder zu reiner Feigenblatt-Staffage macht nach dem Organisationsprinzip: „Es muss demokratisch aussehen, aber wir (Herr Huber und seine handverlesenen Kirchengefolgsleute) müssen alles in einer Hand haben.“ (Seit 1945 sattsam bekannt).
Über das, was unter Herrn Hubers „Stabführung“ eingeleitet worden ist und gewollt wird, unterrichteten wir Sie eingehend. Zwar spricht man nicht mehr laut über das „Internationale Versöhnungszentrum“, um gutmeinende Spender nicht weiter wie bisher zu verprellen, aber das „Nutzungskonzept“ von 2005 dafür hat die Billigung der Kirchenleitung und ist damit verbindlich gültig. Ehrlichkeit ist anzumahnen.
In der Satzung der kirchlichen Stiftung sind deren Zwecke eindeutig benannt (siehe Rundbrief 1/09). Es geht also um die Umwidmung der Garnisonkirche und den Bruch ihrer Symbolbedeutung. Eine Kostprobe polit-historischer Verdrehtheit erlebten wir am 01. September 2009, wo am Ort der Potsdamer Garnisonkirche eine Gedenkveranstaltung mit theologischem Anspruch durchgeführt wurde. Das las sich dann so:
„Anlässlich des 70. Jahrestages des Überfalls auf Polen und dem damit beginnenden Zweiten Weltkrieg am 01. September 1939 laden die Landeshauptstadt Potsdam zusammen mit dem Potsdamer Stadtkirchenpfarramt und der Fördergesellschaft für den Wiederaufbau der Garnisonkirche Potsdam e.V. herzlich ein zu einer Stunde des Gedenkens von Schuld und Leid sowie der Fürbitte für Frieden und Versöhnung.“ Wie das konkret aussehen sollte, erfuhren wir am 18.06.2009 aus der Presse, wo sich Herr Huber noch als Bischof in einem Zeitungsinterview zur Nutzung der Garnisonkirche so einließ: - „Insbesondere junge Leute bitten Gott um Vergebung für das, was andere Völker durch deutsche Soldaten erleiden mussten.“ - In der Garnisonkirche „soll geschichtliche Schuld ebenso zur Sprache kommen, wie der Widerstand gegen das Unrecht.“ Ganz in diesem Sinn führte Oberbürgermeister Jann Jakobs bei dieser Veranstaltung dann aus, dass die „Bürde an Symbolkraft“ der Garnisonkirche teilweise „untragbar erscheint“, aber der Platz des ab 2017 wiederaufgebauten Turmes der Garnisonkirche sei dann ein „symbolträchtiger, für Potsdam typischer Gedenk- und Erinnerungsort.“
Wer so undifferenziert die Ereignisse des 1. September 1939 nennt und mit der Garnisonkirche verbindet, setzt sich dem Vorwurf der Geschichtsfälschung aus. Von „Überfall“ – also von einem Angriff auf einen im tiefsten Friedensschlaf befindlichen Staat – kann in diesem Zusammenhang nur reden, wer entweder bewusst lügt oder die Geschichtsabläufe nicht kennt. Hier zeigt sich auch die ganze Fragwürdigkeit des Anspruches, den Herr Huber für die Garnisonkirche als Ort für Geschichtsunterricht formulierte. Derartige Volkspädagogik ist nicht Aufgabe von Theologen – die sollten besser bei ihrer Profession bleiben. Wer als Pfarrer aber so vorgeht, der spaltet die Gemeinde und muss sich nicht wundern, wenn ihm deren Mitglieder
weg bleiben oder gar aus der Kirche austreten. So tun „Hirten“ doch das Gegenteil dessen, was Christus ihnen zu tun befiehlt: „Weide meine Schafe!“

Was ist in Wahrheit gewollt?
Die Stadtverordnetenversammlung beschloss im Mai 2008, nur den Turm der Garnisonkirche wieder aufzubauen. Das Kirchenschiff bleibe späteren Generationen vorbehalten. Bischof Huber rief dann ganz in diesem Sinne auf: „Lasst uns den Turm bauen und von der Kirche träumen.“
Deutlicher kann man nicht sagen, dass man die ganze Kirche gar nicht will. So greift man den Plan von 2001 wieder auf, nur den Turm zu bauen, um dann 2045 nach einer „100-jährigen Buße“ den Lieben Gott zu fragen, ob er denn die Buße der Deutschen angenommen habe, und man dann auch das Kirchenschiff wieder errichten dürfe. – Man darf gespannt sein, was der Herrgott dann zu einer derartig pseudoreligiösen Lieblosigkeit sagen wird.
Denn etwas Liebloseres – und das heißt für einen Christen schon was – gibt es jedenfalls nicht, weil es doch bedeutet, dass evangelische Theologen uns heute Lebenden in alttestamentlicher
Weise mit einer „Schuld“ (bis ins x-te Glied) belasten wollen für etwas, das wir gar nicht getan haben. Christus lehrt aber neutestamentlich etwas ganz anderes, und beim Apostel Paulus lesen wir darüber, wie sich Gott den Menschen (völlig unverdient übrigens) durch Christi Leben, Sterben, Auferstehen versöhnt und auch uns gerade dadurch erlöst. Christus ist unser Befreier – nicht unser Schuldauflader.
Hier feiern die polithistorischen Umerzieher-Zeitgeistereien fröhliche Urstände. Das hat aber mit christlicher Theologie nichts zu tun! Den wahren Grund der anhaltenden Verunglimpfung Preußens und Deutschlands nannte uns der sozialistische Politologe Prof. Dr. Kurt Sontheimer schon 1981 auf der Historikertagung
– Zitat: Ich halte es aus umerzieherischen Gründen für unverzichtbar, an der These vom preußisch-deutschen Kaiserreich und seinen Strukturen als Vorläufer Hitlers festzuhalten, und zwar unbeschadet der Richtigkeit dieser These. Nur dann kann der Weg zur Demokratisierung in Deutschland erfolgreich fortgesetzt werden.“
Wer so lügt, um die Wahrheit zu unterdrücken, lädt eine schwere Schuld auf sich, denn er schafft damit den Nährboden extremistischer Gesinnungen. Und wenn wir für das Zusammenwachsen Europas eines nicht gebrauchen können, dann ist es genau das. Also denen ins Stammbuch: „Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten!“ Der Zusammenhalt der europäischen Nationen muss auf Wahrheit gründen, und dazu gehört, dass auf alle Aspekte der großen Katastrophen des 20. Jahrhunderts gesehen wird. Preußen aber hätte für die unterschiedlichen Nationalitäten und Konfessionen einiges zu bieten. Darauf kommt es an, und deshalb werden wir stets dafür eintreten, die ganze Potsdamer Garnisonkirche als Denkmal und Symbol des christlichen Preußens wiederzuerrichten und König Friedrich-Wilhelm I. seinen angestammten Ruheort zurückzugeben. Für anderes stehen wir nicht zur Verfügung und halten uns aus dem, was die Kirchenvertreter da an Gemeinde spaltender polithistorischer Volkspädagogik veranstalten, heraus.

Das Brandenburgische Gespräch 2009 am 05. September 2009 war eine sehr gut besuchte Veranstaltung. Allen Teilnehmern nochmals danke für ihr Kommen.
Herr Ehrhardt Bödecker trug vor zur Humanen Bilanz Preußens.
Er hatte Wegweisendes zu sagen, das zu lesen auch Theologen, die sich zu Preußen äußern möchten, nicht schaden kann. Wir gaben das wieder als Broschüre heraus, die Interessierte
gerne anfordern können – Anruf, Postkarte oder Fax genügt.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, wir beginnen nun das 26. Jahr unserer Arbeit, die 1984 in Iserlohn begann. Sie blieben in unverbrüchlicher Treue mit uns gemeinsam auf dem Weg für Brandenburg-Preußen, und für Ihre helfende Begleitung danken wir Ihnen wirklich von ganzem Herzen. Sie haben viel bewirkt und bewegt.
Die Zeit der Erwartung begann. Wir sechs aus Stiftungsrat und –vorstand rufen Ihnen deshalb zu:
„Auf, auf, ihr Reichsgenossen, euer König kommt heran ...“ und wendet sich an alle betrübten Herzen, alle Vielgeplagten und die, denen Krieg und Flammen alles raubten.1 So sind wir direkt angesprochen! Erfassen wir wirklich, was da für uns geschah und uns Lebenden zugesagt ist? Der Schöpfer aller Dinge sendet den im Alten Testament vielfach angekündigten Erlöser herab, und der kommt als das denkbar Unschuldigste – als neugeborenes Kind – zu uns, um der Welt dann durch Beispiel gebendes Vorleben zu zeigen, wie wir Menschen seien sollten.
Anlässlich des 2009. Geburtstags Christi wünschen wir Ihnen einen

Gesegneten Advent
und eine
Frohe Weihnacht,

in der viel von der befreienden Botschaft des Evangeliums in Ihre Herzenund Sinne eingehen möge.

Das Neue Jahr

soll Ihnen Gutes bringen und uns allen nicht mehr abverlangen, als wir tragen können – so helfe uns Gott! Trost, Kraft und Richtungsgeber bleibt unser gemeinsames Arbeitsmotto deshalb:

Gib, dass ich tu` mit Fleiß,
was mir zu tun gebühret;
wozu mich Dein Befehl
in meinem Stande führet.
Gib, dass ich`s tue bald,
zu der Zeit da ich`s soll,
und wenn ich`s tu`, so gib,
dass es gerate wohl!

Wir grüßen Sie wieder in preußischer Verbundenheit; im Namen aller Rats und Vorstandsangehörigen bleibe ich Gott befohlen stets

Ihr ergebener und dankbarer
Max Klaar
Max Klaar
Oberstleutnant a. D.

 


 

Wo Gneisenau ruht
Karl Feldmeyer

„Grenzübergangsstelle Marienborn“ – das ist ein Begriff, der sich in der Erinnerung der meisten von uns auch zwanzig Jahre nach dem Ende der „DDR“ und ihres Grenzkontroll-Systems erhalten hat. Heute ist Marienborn aus den Nachrichten verschwunden und nichts als ein Dörfchen mit rund 500 Einwohnern. Die ehemalige Grenzkontrollstelle an der Autobahn Hannover-Berlin blieb als Mahnmal an die Teilung Deutschlands erhalten.
Einen Steinwurf weit entfernt liegt ein ebenso kleines Dorf: Sommerschenburg. Es besitzt ebenfalls eine Sehenswürdigkeit, freilich ganz anderer Art: Es ist das einstige Schloss, das Friedrich Wilhelm III., König von Preußen, einem der Männer schenkte, dem er den Sieg über Napoleon verdankte:
Neidhard von Gneisenau. Als die „DDR“ 1990 der Bundesrepublik beitrat, ging das Schloss ebenso wie die neben ihm befindliche Grabstätte des 1831 verstorbenen Generalfeldmarschalls in den Besitz des Dorfes über. Das war ein teures Geschenk für die Gemeinde, denn sie war finanziell überfordert. Das Schlossgebäude, das bis 1997 als Schule diente, nach seiner Räumung zu erhalten, überstieg seine Kräfte. Deshalb war sie froh, dass sie das Bauwerk alsbald verkaufen konnte. Die Hoffnung, der neue Eigentümer werde es renovieren und den zwanzig Hektar großen Park, der sich zu „DDR“-Zeiten in ein waldähnliches Gelände verwandelt hatte, neu erstehen lassen, gingen bisher freilich nicht in Erfüllung. Das Schloss liegt verlassen am Ortsausgang und ist für Besucher unzugänglich. Zusammen mit den Wirtschaftsgebäuden des einstigen etwa 1000 Hektar großen Guts, die teils abgerissen wurden, teils noch mit zerfallenden Dächern als Ruinen umherstehen, macht es den tristen Eindruck des Verfalls.
Die Grabanlage liegt gleich daneben. Sie umfasst das Mausoleum mit Gneisenaus Sarg und davor eine mehr als zwanzig Meter breite Wand aus weißem Marmor, in deren Mitte das von Christian Rauch geschaffene Denkmal Gneisenaus steht. Die preußische Armee hat sie ihrem Feldherrn errichtet. Die Inschrift Dem Generalfeldmarschall Graf Neidhard von Gneisenau – Das preußische Kriegsheer MDCCCXXXV“, die über der Statue eingemeißelt ist, erinnert uns daran. Ihr zur Seite kann man das von Gneisenau formulierte Lebensmotto des Helden der Befreiungskriege nachlesen.:

„Lass’ den Schwächling angstvoll zagen.
Wer um Hohes kämpft, muss wagen.
Leben gilt es oder Tod:
Lass die Wogen donnernd branden;
magst Du scheitern – oder landen,
bleib nur immer selbst Pilot.“

Vor der weißen Wand erstreckt sicheine circa 50 Meter weit in das Geländehineinreichende Rasenfläche. Sie ist– ebenso wie das Mausoleum und dieSchmuckwand – noch mit dem originalen,gusseisernen Schmuckgitter umgeben.Das Gut wurde nach 1945 in eine Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft(LPG) überführt, das Schlosszumeist als Schule genutzt – das Grabmalaber hatte von der „DDR“ nichts zubefürchten, denn Gneisenau stand beiihr als Teil des von ihr in Anspruch genommenen„nationalen Erbes“ hoch imKurs. Die Anlage, die sich seit den 50erJahren im Sperrgürtel der „DDR-Grenzsicherungsanlagen“befand, wurde leidlichgepflegt; schließlich trug einer derVerbände der Nationalen Volksarmee(NVA) seinen Namen. Die Mittel, diezu „DDR“ Zeiten für sie bereitgestellt wurden, reichten aber bei weitem nichtdazu, sie in einem angemessenen Zustandzu erhalten.In den Wirren nach dem Ende des2. Weltkriegs war in das Mausoleummehrfach eingebrochen und Brandgelegt worden. Dabei wurde auch derSarkophag erheblich beschädigt. Die damals angerichteten Verwüstungen wurden zu DDR-Zeiten allenfalls provisorisch behoben. 1990 übernahm die 500-Seelen-Gemeinde deshalb eine Sanierungslast, die sie nicht tragen konnte.

Gneisenau Mausoleum in Sommerschenburg
Gneisenau Mausoleum in Sommerschenburg


Um so mehr Anerkennung verdient das, was sie bisher geleistet hat. 1994 gründete man in Sommerschenburg eine „Generalfeldmarschall von Gneisenau Gesellschaft“; Vorsitzender wurde der Ortsbürgermeister. Heute gehören der Gesellschaft 32 Mitglieder an, von denen die Einwohner des Dorfes 24 stellen; nur acht stießen von außerhalb dazu, darunter ein Nachfahre Gneisenaus. Trotz beschränkter Mittel schritt man zur Tat: Das Dach wurde neu gedeckt und die feuchten Mauern des Mausoleums trockengelegt. Die Verwüstungen im Innern beseitigte man so gut es ging, der Putz der Wände wurde ausgebessert und erste Stuckarbeiten vorgenommen, um den Originalzustand wieder erstehen zu lassen – alles unter der Aufsicht des Amtes für Denkmalpflege in Quedlinburg, das zwar ein scharfes Auge, aber kein Geld hat. Noch zu „DDR“- Zeiten hatte das Amt den Sarkophag, der an zwei Stellen eingebrochen und stark zerstört ist, geöffnet und untersucht - aber dabei blieb es. 1994 prüfte das Amt nochmals und in diesem Jahr wieder. Der Befund war so wie man es erwartete – der alte. Die Restaurierungskosten allein für den Sarkophag belaufen sich nach Schätzung des Amtes auf 17.000 Euro. Auch die Kosten einer Wiederherstellung der zum Mausoleum gehörenden Außenanlagen ließ die Gesellschaft vom Denkmal-Amt prüfen – und wartet nun auf deren Ergebnis. Die schon bekannte Summe und die noch ungenannte für die Renovierung der Außenanlagen haben – so viel lässt sich vorhersagen – eines gemein: Sie übersteigen die Möglichkeiten einer 500- Einwohner- Gemeinde um ein Vielfaches. Sommerschenburg braucht sich dafür nicht zu rechtfertigen, es hat bisher schon mehr getan, als irgendjemand sonst. Dass die Anlage die politischen Gezeitenwechsel einigermaßen intakt überstanden hat, ist ihr zu verdanken. Sie hat sich ihres Erbes wahrhaft würdig erwiesen. Nun sind andere gefordert – zum Beispiel wir.

Glockenguß des Rufgeläutes, Einweihung des Denkmals, Ehrenmal des Deutschen Heeres


 

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