
Haben alle die, die das Vorgehen der Stadt Potsdam und der Ev. Kirche beim Wiederaufbauvorhaben unterstützen, wahrheitsgemäße Informationen über das, was sie damit fördern?
Das im März 2005 vorgestellte „Nutzungskonzept für die Potsdamer Garnisonkirche“ belegt eindeutig:
• Architektonische Änderungen innen und außen, deren Umfang sich erst ermessen lässt, wenn die dazu vorgesehenen „international auszuschreibenden Wettbewerbe“ abgeschlossen sind. (Dresden zeigt aber: Eine originalgetreue Rekonstruktion braucht KEINE „internationalen Wettbewerbe“.)
• Einrichtung des Internationalen Versöhnungszentrums in der GK.
• Inhaltliche Neuinterpretation (also Umwidmung) der GK und dazu passende Nutzung als volkspädagogische Bildungsstätte für „Versöhnungsarbeit und Geschichtsunterricht“ (Bischof Huber, SPD).
Im Vorwort des „Nutzungskonzeptes“ heißt es, man habe sich bei der Frage, ob Gott seinen heiligen Namen in dieser Kirche wohnen lassen sollte, von der „demütigen Rede König Salomons bei der Einweihung des Tempels in Jerusalem“ (1. Könige, 8) „inspirieren lassen“. Solche Inspiration durch den weisen und frommen König hat das „Nutzungskonzept“ aber ganz offensichtlich nicht erfasst. Im Kern jener Rede heißt es doch, „... und wenn sie dann von ganzem Herzen zu dir umkehren und dort zu dir beten ...“ Also, sollte die „Inspiration“ wirken, müsste es doch gerade darum gehen, diese Kirche wieder als Kirche aufzubauen und zu nutzen. Was man statt dessen will, belegt das „Nutzungskonzept“. Die nachfolgenden Zitate sind der Ev. Kirche von einem Frager vorgelegt worden – er wurde beschieden, die Zitate träfen zu, aber sie seien polemisch. Zitate, die „zutreffen“, sagen die Wahrheit.
Zitate aus dem Nutzungskonzept für die Potsdamer Garnisonkirche
a. Nutzung des geplanten Gebäudes als „Internationales Versöhnungszentrum an der Potsdamer Garnisonkirche“ (Seite 3) „... weil es uns nicht um Restauration geht, sondern um inhaltliche Neuinterpretation ...“ (Seite 2). Deswegen solle die Garnisonkirche „mit ihrer zweideutigen Geschichte ein exponierter Lernort und eine verheißungsvolle Zukunftswerkstatt werden“ (Seite 2)
b. „Die Garnisonkirche symbolisiert Preußens Gloria und Preußens Elend. .... Die Schuldverstrickung ist eine mächtige Realität. ...Der unverwechselbare Ort mit seiner wechselvollen Geschichte wird auch in Zukunft in besonderer Weise nach Deutung verlangen.“ (Seite 10)
c. „Seither fordert das Nagelkreuz insbesondere uns Deutsche heraus, mit unserer schuldbeladenen Vergangenheit ... im Geiste der Wahrheit und der Versöhnung umzugehen.“ (Seite 8)
d. „Der Begriff der Versöhnung ist so positiv besetzt, dass er vor Missverständnissen und Missbräuchen geschützt werden muss. Die Inanspruchnahme billiger Gnade zur Selbstentlastung hat mit Versöhnung so wenig zu tun wie der moralische Appell an das ‚Gute im Menschen’. Die Einebnung des Unterschiedes von Tätern und Opfern ist ebenso unbiblisch wie die abergläubische Vorstellung von einer Wunden heilenden Zeit. ...“ (Seite 11)
e. „Und unter dem Dach dieser Kirche sollen interessierte Bürger und politische Entscheidungsträger, engagierte Friedensaktivisten und verantwortliche Militärs in fairen Gesprächen ebenso um Themen der Friedenserhaltung, der gewaltfreien Konfliktlösung und des heilsamen Umgangs mit persönlicher und gesellschaftlicher Schuld ringen können wie die Vertreter der modernen Medien und der sozial- und globalisierungskritischen Organisationen.“ (Seite 7)
f. „Die Garnisonkirche kann also zum Raum werden für Vorträge, Seminare, Podien und Workshops zu politischen, sozial und geistesgeschichtlichen, kulturellen und ethischen Themen. Hier sollte der Diskurs über die Deutung der Geschichte und die Handlungskonzepte der Gegenwart mit Wissenschaftlern und Schülern, mit Militärs und Kriegsdienstverweigerern, mit Wirtschaftsmanagern und Gewerkschaftern geführt werden. (Seite 10)
g. Neben der intellektuellen Auseinandersetzung mit Geschichte und Gegenwart sind aber auch Veranstaltungen mit künstlerisch - kreativem Schwerpunkt denkbar. ... So könnte auch für andere Zielgruppen eine Auseinandersetzung mit den Symbolen der Geschichte geschehen. Darüber hinaus können Konzerte, Lesungen, Theatervorstellungen oder Filmaufführungen in der Garnisonkirche stattfinden.“ (Seite 10). Verhinderung demokratischer Strukturen und Mitbestimmung der Gemeindeglieder. i. Finanzierung (Seite 24 und 25, Ziffe 4.4) „... Die Personalkosten, laufenden Betriebskosten und die Sachkosten der Stadt- und Symbolkirchenarbeit und des Internationalen Versöhnungszentrums an der Garnisonkirche werden durch die Trägerschaft finanziert werden. Dazu sind sowohl Erträge aus dem Eintritt in die Kirche, aus den Turmbesteigungen, den Vermietungen der Kirche und aus Verkäufen zu erzielen als auch Spenden und Kollekten von den Besuchern der Garnisonkirche und Dritt-Mittel für spezielle Veranstaltungen einzuwerben.
...
Folgender Entwurf für einen Kosten- und Finanzierungsplan der Trägerstiftung soll einen Eindruck vermitteln, wie es möglich sein könnte, das Internationale Versöhnungszentrum und die Garnisonkirche auch wirtschaftlich zu betreiben.
Einnahmen
Spenden / Kollekten 30.000 €
Zuschüsse für Veranstaltungen 16.000 €
Gebühren für Führungen 10.000 €
Entgelte für Vermietungen 16.000 €
Eintritt für Turmbesteigungen 275.000 €
(1.000 Besucher täglich im Sommer = 200.000 €
und 500 Besucher täglich im Winter = 75.000 je à 1 €)
Merchandising (0,5 € pro Besucher) 138.000 €
Stiftungserträge 30.000 €
Unterstützung durch die Fördergesellschaft 40.000 €
Summe 555.000 €
Ausgaben
Personalkosten
Direktor / in 75.000 €
Pädagog / in 45.000 €
Besucherbetreuung 50.000 €
Anteil Stadtkirchenpfarrer / in 25.000 €
Sekretariat 40.000 €
Haus- und Kirchenwart 35.000 €
Honorarkräfte, Praktikanten, SAM 40.000 €
Sachkosten für Veranstaltungen 30.000 €
Sachkosten für Büros 15.000 €
Sachkosten für Besucherbetreuung
und Öffentlichkeitsarbeit 30.000 €
Betriebskosten 80.000 €
Gebäudeunterhaltung / Erhaltung 90.000 €
Summe 555.000 €
★★★★
Die auch vorgesehenen Gottesdienste lassen angesichts solcher „Neuinterpretation“ und „Machtverhältnisse“ eher politische Kanzel-Predigten erwarten. Diese Zielsetzung spaltete die Gemeinde der Förderer des Projektes. Die Garnisonkirche soll - wie jede Kirche - der Ort zur Anrufung Gottes und zur Verkündigung seines Wortes sein. Das wollte König Friedrich-Wilhelm I. auch in diesem Gotteshaus, wie sein Regierungsmotto beweist: „So ich nun baue Stadt und Land und mache nicht Christen, ist alles nichts nütze!“ Wie modern – daran fehlt es in unserem Land – das gilt es wieder zu bekennen.
Wäre das die Absicht, wie es die der Traditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel und die der Stiftung Preußisches Kulturerbe war, ist und bleibt, dann hätte die Rede König Salomons die Programmschreiber wirklich „inspiriert“.
Deshalb wirbt die Stiftung Preußisches Kulturerbe
für die Wiedererrichtung der
Potsdamer Garnisonkirche als Denkmal und Symbol
des christlichen Preußens.
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